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Die Nikon SnapBridge Übertragungstechnologie im Test

Wir haben die neue App zur Bildübertragung und Fernsteuerung unter die Lupe genommen

Bereits seit einigen Jahren ist die Datenübertragung per WLAN bei Digitalkameras möglich. Heutzutage sind fast alle Modelle mit einem integrierten WLAN-Modul ausgestattet, nur jene der Einsteiger- und der Profiklasse verzichten darauf. Mittels WLAN kann man aber nicht nur Bilder senden, sondern die Kameras unter anderem auch fernsteuern. Ganz ohne Nachteile ist das Nutzen der WLAN-Übertragungstechnologie allerdings nicht. Unter anderem fällt der Stromverbrauch relativ hoch aus. Dieser Probleme ist sich Nikon bewusst und hat deswegen die SnapBridge-Technologie entwickelt. Diese werden wir uns im folgenden Test genauer ansehen.

Die SnapBridge-Technologie wurde von Nikon zu Beginn des Jahres 2016 vorgestellt und wird laut eigener Aussage bei allen neuen Kameramodellen vorhanden sein. Aktuell (Stand September 2016) unterstützen die Spiegelreflexkameras Nikon D500 und D3400, die Bridgekameras Nikon Coolpix B700 und B500 sowie die Kompaktkameras Nikon Coolpix A900, A300 und W100 SnapBridge. Als Ausnahme ist daher bislang nur das Flaggschiffmodell im Spiegelreflexsegment, also die Nikon D5 (Testbericht) , zu nennen. Diese verzichtet allerdings auf alle integrierten drahtlosen Übertragungstechnologien und muss mit dem externen WLAN-Adapter WT-6 für die kabellose Übertragung erst fit gemacht werden.

Wir testen die SnapBridge-Technologie mit einer Nikon Coolpix B500. Diese gehört zur Klasse der Bridgekameras und verfügt über WLAN, NFC sowie Bluetooth. Als Mobilgerät kommt ein LG G4 mit Android 6.0 Betriebssystem zum Einsatz, die App ist aber schon ab Android 4.4 kompatibel. Da wir keinen Zugriff auf ein Mobilgerät mit iOS-Betriebssystem haben, können wir SnapBridge nicht mit diesem testen. Die zu Beginn bei Apple-Geräten aufgetretene Problematik will Nikon mit einer neuen SnapBridge-Version, die Ende August 2016 für iOS-Geräte veröffentlicht wurde, allerdings behoben haben.

Bevor die Übertragung erfolgen kann, muss im Kameramenü Bluetooth aktiviert werden:

Hierbei ist zu beachten, dass der Stromverbrauch bei aktiviertem Bluetooth höher ausfällt:

Die Praxis:
Als ersten Schritt muss vor dem Start der Verbindungsaufnahme im Funkmenü der Kamera Bluetooth aktiviert werden. Dazu wählt man „Bluetooth“, dann „Netzwerkverbindung“ und darauf „Aktivieren“. Dieses Vorgehen erlaubt das Anwählen des vorher ausgegrauten Punktes „Mit mob.(il) Gerät verbin.(den)“. Sobald diese Option per OK-Taste angewählt wurde, startet die SnapBridge-Übertragung der Kamera.

Der SnapBridge-Startbildschirm:

Eine erste Information zum weiteren Verlauf, hier lässt sich ins Drahtlosmenü zurückspringen:

Besitzer eines Mobilgeräts mit NFC können dieses im nächsten Schritt verwenden:

Die NFC-Verbindungsfläche liegt bei der Coolpix B500 an der linken Seite:

Im ersten Menübildschirm kann man nun noch einmal die Einstellungen aufrufen und beispielsweise das automatische Senden von Fotos konfigurieren. Wer den Bildschirm mit „OK“ bestätigt, wird dagegen zum nächsten Menüpunkt weitergeleitet. Hier kann die Verbindung bereits aufgebaut werden, wenn man ein Mobilgerät mit NFC-Unterstützung besitzt. Dazu muss dieses mit aktiviertem NFC nur an die NFC-Verbindungsfläche der Digitalkamera gehalten werden. Bei der Nikon Coolpix B500 ist diese beispielsweise an der linken Kameraseite zu finden. Daraufhin erkennen sich beide Geräte automatisch. Die App startet und die Verbindung wird hergestellt. Im Folgenden muss die Verbindungsaufnahme am Smartgerät noch zweimal bestätigt werden, wobei hier unter anderen der sogenannte „Auth.-Code“ zu prüfen ist. Dieser sorgt dafür, dass das Mobilgerät mit der richtigen Kamera verbunden wird. In der Praxis spielt dies natürlich nur eine Rolle, wenn sich mehrere Nikon-Modelle in Reichweite befinden.

Ohne NFC wird die SnapBridge-App zum Verbinden verwendet:

In der App wird die Verbindung vorgenommen:

Nach erfolgreicher Verbindungsaufnahme erscheint dieser Bildschirm:

Wer kein Gerät mit NFC-Unterstützung besitzt, drückt im angezeigten Bildschirm auf OK und tippt in der App auf die angezeigte Kamera. Danach erscheint nach kurzer Zeit ein neues Fenster, über welches das Koppeln beider Geräte bestätigt werden muss. Ebenso muss die Verbindung noch einmal an der Kamera bestätigt werden. Wurde die Verbindung hergestellt, werden Bilder nach der Aufnahme und ohne weiteres Zutun des Fotografen zum Mobilgerät übertragen. Dies ist im Vergleich zu anderen Kameras eine sehr komfortable Lösung.

Der erste Reiter der App ist eine Übersicht, zudem hat er ein paar wichtige Einstellungen zu bieten. Hier wird die verbundene Kamera angezeigt, und es lässt sich die Auflösung, mit der Bilder übertragen werden, einstellen. Ebenso kann man entscheiden, ob der Standort auf die Kamera hochgeladen wird und eine Synchronisation der Uhrzeit stattfindet.

Die Startseite hält ein paar Informationen (z. B. Auflösung der heruntergeladenen Bilder) bereit:

Die übertragenen Bilder sind im zweiten Reiter der App zu finden und lassen sich vergrößern. Zudem werden die Aufnahme-Informationen angezeigt, und das Teilen sowie Löschen sind ebenso möglich. Nicht optimal finden wir dagegen, dass die Bilder in der Wiedergabeansicht nicht sofort geladen werden, sondern man einmal auf die Schaltfläche „Neue Bilder anzeigen“ tippen muss, wenn die Wiedergabeansicht geöffnet ist. Dies ist wenig logisch und zum Glück auch nur bei dieser Konstellation nötig.

Gut zu wissen: Die Aufnahmen lassen sich zum Mobilgerät mit einer Bildgröße von zwei Millionen Pixel oder in der vollen Auflösung übertragen. Ersteres dauert rund 17 Sekunden, Letzteres etwa 4 Minuten 30 Sekunden und damit viel zu lange. RAW-Aufnahmen lassen sich grundsätzlich (und nicht nur weil wir die Coolpix B500 verwendet haben) auf diesem Weg übrigens nicht speichern. Auf einem Smartphone würden wir das jetzt aber nicht wirklich als Nachteil ansehen. Trotzdem ist es ein wenig schade. Bei der sehr geringen Übertragungsgeschwindigkeit hätte man an RAW-Bildern aber sowieso keine Freude.

Die heruntergeladenen Bilder lassen sich betrachten, vergrößern und teilen:

Der dritte Reiter der SnapBridge-App erlaubt die Fernauslösung und das Speichern von Bildern, die vorher in der Kamera markiert wurden. Die Fernauslösungsoptionen halten sich zumindest bei der Nikon Coolpix B500 in Grenzen. Neben dem Verändern der Brennweite ist nur noch das Auslösen möglich. Ein paar Aufnahmeinformationen werden angezeigt, darauf hat man aber keinen Zugriff. Bei Digitalkameras, die – anders als die B500 – das Arbeiten mit den PSAM-Modi erlauben, kann dies aber anders sein. An dieser Stelle müssen wir leider darauf verzichten, Ihnen ein entsprechendes Bild der Fernauslösung zu zeigen. Während diese Funktion beim Test zuerst noch funktionierte, stürzte die App später an dieser Stelle immer ab. Wir konnten daher leider keinen Screenshot aufnehmen.

Ebenso kann beispielsweise die Fernsteuerung erfolgen (falls diese funktioniert):

Das Herunterladen von über die Kamera ausgewählten Bildern war im Test leider ebenso nicht möglich, hier erschien immer der eben erwähnte Hinweis, dass die App beendet wurde. Generell macht die App daher nicht den Eindruck, schon ausgereift zu sein. Immer wieder war es beispielsweise auch nicht möglich, die Verbindung herzustellen. Erst der Neustart der App und/oder der Coolpix B500 sowie das Beenden der aktuellen Verbindung halfen in der Regel weiter. Hier gibt es ohne Frage Verbesserungsbedarf. Dies dürfte auch für die Optimierung des Stromverbrauchs gelten. Bei aktiver Bluetooth-Verbindung und Bildübertragung fiel der Ladestand der von uns in der Nikon Coolpix B500 verwendeten Akkus wesentlich schneller als bei ausgeschalteter Verbindung ab. Auf längeren Touren kommt man mit einem Akkusatz daher kaum aus. Des Weiteren bekamen wir in der App des Öfteren den Hinweis, dass die Ladekapazität der Akkus bei 0 Prozent liegt. Nach einem Neustart der Kamera verschwand dieser allerdings wieder.

Unser Fazit:
Die SnapBridge-App erlaubt die kabellose Datenübertragung direkt nach der Aufnahme ohne Aufwand und das „schnelle“ Teilen per WLAN vom Mobilgerät aus. Das ist im Vergleich zum bisher bekannten Vorgehen bei Kamera-Apps sehr komfortabel und eine deutliche Erleichterung. Des Weiteren kann die SnapBridge-App auch zum Fernsteuern der Kamera verwendet werden, viele Einstellungsmöglichkeiten gibt es aber leider nicht. Die Verbindungsaufnahme ist generell eigentlich einfach möglich, nicht bei jedem Versuch ließen sich die Kamera und unserer Mobilgerät aber verbinden. Dies ist doch etwas ärgerlich und in der Praxis mindestens nervig. Nicht überzeugend ist zudem die Tatsache, dass manche Features der App schlicht nicht funktionierten.

Nach unserem Test müssen wir außerdem festhalten, dass die App teilweise abstürzt. Woran dies genau liegt, können wir nicht sagen. Hier muss Nikon daher wohl noch etwas Entwicklungsarbeit leisten. Dabei sollte auch gleich die Übertragungsgeschwindigkeit der Bilder in voller Auflösung optimiert werden. Mehr als vier Minuten sind für ein rund acht Megabyte großes Bild viel zu lange. Am Ende können wir den produktiven Einsatz der SnapBridge-Übertragung daher leider nicht empfehlen.

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Kommentare

Danke für diese Bewertung, die ...

Danke für diese Bewertung, die sich teilweise mit meinen Erfahrungen deckt. Dass die Übertragung eines 8 MB großen Bildes ca. 4 min 30 s dauert, liegt an der von Nikon gewählten Technologie Bluetooth LE, denn damit lassen sich nicht mehr als 0.035 MB/s erzielen. Nikon müsste hier grundsätzlich auf eine andere Übertragungstechnologie umstellen, wie etwa Bluetooth EDR (enhanced data rate) mit einer Übertragungsrate von ca. 0,3 MB/s auch nicht wirklich schnell oder eben richtiges WiFi.

Ich möchte noch nachtragen, dass ...

Ich möchte noch nachtragen, dass ich Snapbridge unter Android und sehr intensiv unter iOS getestet und dokumentiert habe.

In dieser Präsentation zweier Kernteammitglieder des Bluetooth LE-Entwicklungsteams werden die Limitierungen von Bluetooth LE auf den Seite 20ff sehr deutlich und eindringlich beschrieben:

https://www.bluetooth.org/DocMan/handlers/DownloadDoc.ashx?doc_id=227336

Dort ist deutlich zu lesen, dass Bluetooth LE beim Fileransfer mit der immer noch sehr geringen Datenrate von 260 kbit/s 'Energie verbrennt'.

Solange Nikon bei Snapbridge weiterhin auf Bluetooth LE als Übertragungsprotokoll setzt, wird sich an den langen Übertragungszeiten nichts ändern, denn die App verhält sich hier vollkommen im Einklang mit den Bluetooth LE Spezifikationen.

Aus dieser Präsentation wird aber auch klar, dass nicht einmal das Bluetooth-LE-Projektteam diese Protokollvariante zum Dateitransfer vorgesehen hatte. Bluetooth LE ist nur dann die richtige Technologie, wenn es darum geht, kleinste Datenmengen wie Datum/Uhrzeit Geodaten gelegentlich zu übertragen. Etwas, was die Snapbridge App auch gut beherrscht, aber nur ein Nebenaspekt zur Hauptanwendung Bildübertragung/Fernsteuerung ist.

Offenbar hat man bei Nikon diese leicht recherchierbare und sehr verständliche Präsentation nicht gelesen oder wollte ihre Inhalte nicht glauben?

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