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Preview: Hands-On der Leica SL

Die neue spiegellose Systemkamera mit Vollformatsensor im ersten Kurztest

Sie ist nicht klein, sie ist nicht leicht – aber das will sie auch gar nicht sein. Während die Leica M-Modelle – also die bisherigen Systemkameras mit Vollformatsensor von Leica – zudem durch die manuelle Scharfstellung und eine langsame Serienbildfunktion eher für die Entschleunigung beim Fotografieren standen, macht die Leica SL vieles anders. Sie will die M-Modelle daher nicht ablösen, sondern ergänzen. Wir konnten uns von der Leica SL bei der offiziellen Produktvorstellung einen ersten Eindruck verschaffen. Alle technischen Daten zur Kamera finden Sie in unserem News-Artikel.

Die Leica SL bietet ein äußerst hochwertiges Kameragehäuse aus gefrästem Aluminium, Leica-typisch gehört dieses ohne Frage zur Spitzenklasse. Optisch erinnert es – zumindest auf der Vorderseite – an die Modelle der Alpha 7 Serie von Sony. Auf der Rückseite geht Leica aber andere Wege.

Den Profistatus der Kamera untermauern Abdichtungen gegen Staub und Spritzwasser. Beim Gewicht kann es die SL mit 847g selbst mit einer Spiegelreflexkamera aufnehmen, auch die Abmessungen sind mit 14,7 x 10,4 x 3,9cm keineswegs kompakt. Als kleine „Immerdabei“-Kamera ist die Leica SL also nicht geeignet. Das Ziel eine möglichst kleine und leichte Kamera zu bauen, hat Leica mit der SL wie erwähnt aber auch nicht verfolgt. Das Einsatzgebiet dürften vor allem professionelle Foto- und Videoproduktionen sein, dementsprechend wurde sie auch optimiert.

Der Handgriff der Digitalkamera fällt groß aus und ist gummiert:

Damit die Kamera im Einsatz gut in der Hand liegt, hat sie einen großen und gummierten Handgriff. Dieser ist durchaus für größere Hände geeignet, einen passenden Zusatzgriff gibt es natürlich ebenso.

Die Belichtungssteuerung wird bei der Leica SL über zwei Einstellräder vorgenommen:

Die Blenden- und Verschlusszeitenwahl ist mit zwei Einstellrädern, einem auf der Oberseite und einem auf der Rückseite, klassisch und auch komfortabel gelöst. Als etwas fummelig präsentierte sich dagegen der Ein- und Ausschalter links vom Sucher. Dieser fällt relativ glatt aus und kann somit unserer Meinung nach nicht optimal bedient werden. Ebenso nicht ganz optimal: Tasten hat die Kamera nur relativ wenige zu bieten. Der Zugriff auf die wichtigsten Funktionen ist zwar gewährleistet, wer möglichst viele Parameter direkt verändern möchte, wird diese Lösung aber möglicherweise nicht perfekt finden. Da sich die rückseitigen Tasten immerhin mehrfach belegen lassen, wird man dies in der Praxis mit einem ausgeklügelten Belegungsystem aber wohl optimieren können. Der Joystick der Leica SL macht das schnelle Ändern von Einstellungen und die ebenso schnelle Navigation in den Menüs möglich. Dessen kurzer „Einstellweg“ erfordert dafür aber auch etwas Feingefühl.

Die vier Tasten neben dem Display sind mehrfach mit Funktionen belegt:

Etwas ungewöhnlich gelöst ist die Programmwahl. Die Digitalkamera besitzt dafür kein eigenes Wählrad, das Fotoprogramm wird bei ihr durch das Drücken des rückseitigen Einstellrades verändert. Dieses Prinzip hat durchaus Vorteile, denn dadurch muss man zur Programmwahl nicht umgreifen. Theoretisch ist es dadurch allerdings auch leichter möglich, das Fotoprogramm ungewollt zu verändern.

Die Kamera speichert nicht nur bis zu 11 Bilder/Sek., auch der Autofokus arbeitet schnell:

Dass es Leica bei der SL besonders auf die Geschwindigkeit ankommt, lässt sich an mehreren Punkten erkennen. Zum einen zeigt sich dies bei der Serienbildfunktion. Mit elf Bildern pro Sekunde bei voller Auflösung – und natürlich auch im RAW-Format – schließt die SL zu den schnellsten Systemkameras mit Vollformatsensor auf. Während diese jedoch allesamt Auflösungen um die 20 Megapixel oder darunter besitzen, löst der CMOS-Sensor der SL 24 Megapixel auf. Der Maestro-II Bildprozessor muss daher eine besonders hohe Datenmenge verarbeiten können. Bis zu 33 RAW Aufnahmen in Folge finden dabei im 2GB großen Pufferspeicher Platz, dieser soll das längere Arbeiten mit hoher Geschwindigkeit ermöglichen. Noch konnten wir die Länge der Bildserie nicht genau messen, um die 30 Aufnahmen waren im Hands-On Test aber gefühlt möglich.

Der Autofokus arbeitet mit der Kontrastmessung und hat 49 Fokusmessfelder:

Auch das Thema Autofokus steht bei der Kamera im Vordergrund. Dieser arbeitet laut Herstellerangabe besonders schnell. 49 Kontrast-AF Felder, die im mittleren Bildfeld angeordnet sind, stehen zur Fokussierung zur Verfügung. Die AF-Felder lassen sich in der Größe anpassen, wer nur ein Messfeld und nicht die automatische AF-Wahl verwenden möchte, kann das Feld per Joystick schnell verschieben. Ebenso ist dies auch per Touch über das Display möglich. Die Scharfstellung präsentierte sich in unserem Test als flott bis sehr flott – allerdings nur, wenn der Autofokus sein Ziel sofort gefunden hatt. Bei kontrastarmen Motiven kam es durchaus vor, dass der Autofokus einen zweiten Versuch benötigte.

Mit 4,4 Millionen Subpixel löst kein elektronischer Sucher höher als das Modell der SL auf:

Ein – oder das – Highlight der Leica SL ist natürlich der elektronische Sucher. Selbst im Vergleich zu den besten Modellen der Konkurrenz löst der „Eyeres“-Sucher fast doppelt so hoch auf. Dies resultiert in einer bislang unerreichten Darstellungsqualität. Die 4,4 Millionen Subpixel (1400 x 1050 Pixel x 3) sorgen selbst bei schlechten Lichtverhältnissen für ein brillantes Bild, Pixelstrukturen kann man keinesfalls erkennen. Das Sucherbild ist mit einem Vergrößerungsfaktor von 0,8-fach zudem riesig, es lässt sich aber trotzdem sehr gut überblicken.

Dies ist bei anderen Suchern wesentlich schlechter gelöst. Hier lassen sich die Ecken – vor allem von Brillenträgern – oftmals nur schwer einsehen. Bei der Leica SL reicht der Blick bis in die Ecken. Insgesamt kann man festhalten, dass bislang kein elektronischer Sucher eine realitätsnähere Darstellung geliefert hat. Natürlich bietet die Leica SL auch einen Augensensor für das automatische Umschalten zwischen Sucher und Display. Wer möchte, kann aber auch per Taste manuell eingreifen.

Das Display sorgt durch 1,04 Millionen Subpixel für eine scharfe Darstellung:

Gut zu gefallen wusste im kurzen Test auch das Kontrolldisplay auf der Oberseite. Dieses lässt sich dank seiner größeren Abmessungen stets gut ablesen und zeigt die wichtigsten Informationen an. Das rückseitige LCD erreicht durch 1,04 Million Subpixel eine hohe Darstellungsqualität, das Touchscreen arbeitet präzise. An einer Kamera, die mit derart vielen Features gespickt ist, fällt das Display mit seiner guten Leistung allerdings nicht weiter auf.

Schnittstellen sind bei der Leica SL zahlreich vorhanden:

Auch bei den Kameraschnittstellen lässt sich der Profistatus der Leica SL erkennen. Für Studioblitze ist eine Blitzsynchronbuchse vorhanden, natürlich verfügt die Systemkamera aber auch über einen Zubehörschuh. Zur schnellen Übertragung von großen Datenmengen setzt Leica auf einen USB 3.0-Port, die Bildausgabe ist mit 10bit über HDMI möglich und zur Tonaufnahme, Tonkontrolle und für eine Fernbedienung gibt es eine Adapterschnittstelle. Diese Lösung ist zwar nicht unbedingt praktisch, das Schnittstellenfach bietet für einzelne Ports aber keinen ausreichenden Platz.

Die neue Leica SL Vollformatkamera bietet zwei Kartenslots für SD-Speicherkarten:

Positiv erwähnen muss man bei der Leica SL natürlich auch die Integration von zwei Speicherkartenlots. Dass der zweite Slot allerdings nur mit 30MB/s statt ebenfalls wie der erste Slot mit 100MB/s angebunden ist, ist dabei jedoch sehr schade.

Der Bildsensor in Vollformatgröße löst 24 Millionen Bildpunkte auf:

Die Bildqualität der Leica Q (Testbericht) konnten wir nicht genau unter die Lupe nehmen, da bei der Kamera aber der 24 Megapixel auflösende Vollformatsensor der Leica Q zum Einsatz kommen sollte, dürfte die Bildqualität auf dem identischen Niveau liegen. Dafür sprechen sowohl die gleichen Abmessungen des Sensors als auch der annähernd gleiche Sensorempfindlichkeitsbereich. Bei den Testaufnahmen, die wir allerdings nur auf dem Kameradisplay betrachtet haben, war ein Bildrauschen bis ISO 3.200 kaum auffällig.

Die Videoaufnahme konnten wir noch nicht ausreichend testen, um dazu einen ersten Eindruck abzugeben. Anhand der technischen Daten (unter anderem 4K-Aufnahme) darf man jedoch sehr hohe Erwartungen haben.

Neben einem Standardzoom wird ab 2016 unter anderem auch ein Teleobjektiv angeboten:

Unser Fazit:
Die Leica SL ist eine außergewöhnliche Kamera – und das in jeder Hinsicht. Leica geht trotz dem Vorteil durch die spiegellose Technik bei der Größe und dem Gewicht jedoch nicht den Weg zu einer kleinen und leichten Kamera, sondern will mit dem Gegenteil überzeugen. Bei der Leica SL hat man daher eine richtig große und auch schwere Kamera in der Hand. Deren Handling ist allerdings gut, das Gehäuse ist extrem hochwertig verarbeitet sowie auch wetterfest. Bei der Bedienung finden sich neue Ansätze sowie auch bewährte Lösungen, technisch bewegt sich die Leica SL auf allerhöchstem Niveau. Sei es jetzt beim Sucher, der unter anderem sowohl bei der Auflösung als auch der Vergrößerung Maßstäbe setzt. Auch bei der Videoaufnahme schließt die SL zu den Spitzenmodellen mit 4K-Videofunktion auf. Ebenso erwähnen muss man die Serienbildfunktion mit elf Bildern pro Sekunde bei voller Auflösung – die Sony Alpha 7 Modelle erlauben mit maximal fünf Bildern pro Sekunde beispielsweise gerade einmal die Hälfte.

Vergleich der Leica SL mit der kleinsten spiegellosen Systemkamera (Panasonic GM1):

Der Autofokus weiß in der Praxis mit einer schnellen Scharfstellung und dem einfachen Wechsel des AF-Feldes zu gefallen, bei kontrastarmen Motiven hatte er jedoch teilweise Probleme. Zusammenfassend können wir festhalten: Mit der SL bietet Leica eine echte Profikamera mit größtenteils sehr guten, teilweise herausragenden Features an. Dies hat allerdings auch seinen Preis. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 6.900 Euro ist das neueste Produkt aus Wetzlar sicherlich nur für die wenigsten Käufer bezahlbar.

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