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Testbericht Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS

(Super-)Teleobjektiv für spiegellose Systemkameras von Sony

Sony hat das Objektivportfolio für seine spiegellosen Vollformatkameras in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Dies war allerdings auch nötig, unter anderem waren längere Brennweiten zur Vorstellung der ersten Alpha-7-Modelle im Herbst 2013 kaum vorhanden. Seit 2017 ist der Objektivpark wesentlich „runder“, was auch am neuen Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS liegt. Damit stehen mehr als 200mm auch ohne den Einsatz von Adaptern oder Telekonvertern zur Verfügung. Wir haben das (Super-)Telezoom der G Master-Serie im Einsatz getestet.

Lieferumfang:
Wie alle höherwertigen Objektive wird das Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS zusammen mit verschiedenem Zubehör ausgeliefert.

Neben einer Gegenlichtblende, die das Drehen von Filtern erlaubt, gehören ein Gurt und eine Transporttasche zum Lieferumfang. Das Unterteil der Stativschelle ist abnehmbar und lässt sich somit bei Bedarf entfernen.

Der Lieferumfang des Telezoomobjektivs:

Durch eine kleine Öffnung an der Gegenlichtblende lassen sich Filter drehen:

Technische Daten, Verarbeitung und Handhabung:
Sony hat mit längeren Teleobjektiven zweifellos Erfahrung, für Kameras mit A-Bajonett lässt sich unter anderem das SAL700400G(2) mit 70 bis 400mm Brennweite erwerben. Im spiegellosen Segment waren längere Brennweiten bis zum Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS allerdings „Neuland“. Das Telezoom beweist jedoch – wie alle Objektive der G Master-Serie –, dass man für spiegellose Kameras erstklassige Modelle liefern kann.

Das Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS im Einsatz an der Alpha 9:

Mit Abmessungen von 9,4 x 20,5cm ist das Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS schon ein größerer „Brocken“, das Gewicht von 1.395g darf man ebenso nicht unterschätzen. Im Test, den wir mit einer Sony Alpha 9 (Testbericht) vorgenommen haben, hätten wir uns den Batteriegriff VG-CE3M oder zumindest die Griffverlängerung GP-X1EM gewünscht. Praktisch gab es auch ohne diese zwar keine Probleme, der Komfort hätte jedoch höher ausfallen können. Das ist aber natürlich kein „Fehler“ des Objektivs, hochqualitative Modelle mit 100-400mm Brennweite sind nun einmal größer und schwerer. Ein Blick zur Konkurrenz zeigt: Das 100-400mm Pendant von Canon ist mit 1,57kg sogar noch einmal fast 200g schwerer, Gleiches gilt für das 80-400mm-Modell von Nikon.

Bei maximaler Brennweite fährt der Tubus deutlich aus:

Mit einer Brennweite von 100 bis 400mm lässt sich an Vollformatkameras ein großer Bereich abdecken, für viele dürften natürlich Brennweiten über 200mm interessant sein. Hier hatte Sony wie bereits erwähnt bislang kein „natives“ Objektiv zu bieten. Wer längere Brennweiten nutzen möchte, muss jedoch auch mit einer abfallenden Lichtstärke leben. Grundsätzlich gehört das FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS mit F4,5 bis F5,6 zu den lichtschwächeren Modellen.

Das bedeutet für die Praxis: schlechte Lichtverhältnisse sind kein Metier des 4-fach-Zooms. Bei Tag sehen wir jedoch keinerlei Probleme. Dank der sehr guten High-ISO-Leistungen der Sony-Modelle (APS-C wie Vollformat) lassen sich auch kürzere Belichtungszeiten von 1/500 Sekunde in der Regel gut erreichen. Wer das Objektiv an Kameras mit APS-C-Sensor einsetzen möchte, erhält übrigens kleinbildäquivalente 150 bis 600mm. Damit sind selbst weit entfernte Motive stark vergrößerbar. Die Blende des FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS besteht aus neun Lamellen, durch deren Abrundung wird eine annährend runde Blendenöffnung auch abseits der Offenblende erzielt. Die kleinste Blende liegt abhängig von der Zoomstellung zwischen F32 und F40.

Vergleich der Anfangs- und Endbrennweite:

Der optische Aufbau des Zooms besteht aus 20 Linsen in 12 Gruppen, neben vier ED- wird unter anderem auch eine Super-ED-Linse verwendet. Die Nanobeschichtung der Linsenoberflächen reduziert Streulicht und Geisterbilder. Wer noch längere Brennweiten benötigt, kann das Objektiv mit dem SEL14TC oder SEL20TC kombinieren. Vor allem bei Letzterem kann die Fokussierung abhängig von der Kamera aber nur noch eingeschränkt funktionieren. Das Bokeh des FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS kann natürlich nicht mit dem einer lichtstarken Festbrennweite mithalten, bei Offenblende und maximaler Brennweite geht es jedoch völlig in Ordnung. Freistellen gelingt mit einer Vollformatkamera trotz kleiner Blendenöffnung sehr gut.

Das Gehäuse besteht aus Kunststoff und einer Magnesiumlegierung:

Eine Gummilippe dichtet das Bajonett ab:

Beim Gehäuse des FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS setzt Sony auf eine Mischung aus Metall (Magnesiumlegierung) und Kunststoff, die Verarbeitung überzeugt. Abdichtungen gegen Staub und Feuchtigkeit sind vorhanden, Aufnahmen bei leichtem Regen laut offizieller Angabe kein Problem. Die Dichtung im Inneren können wir nicht unter die Lupe nehmen, am Bajonett ist jedoch eine sichtbare Gummilippe vorhanden. Die Frontlinse des Objektivs hat Sony mit Fluor beschichtet, dies soll das Verschmutzen erschweren.

Die Fokus-Halte-Tasten sind in der Kamera frei zu belegen:

Die Schalter des Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS:

Wie viele gehobene Objektive hat das Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS zahlreiche Tasten und Schalter zu bieten. Die zwischen Zoom- und Fokusring liegenden Tasten erlauben als Fokus-Halte-Tasten standardmäßig das Unterbrechen der Fokussierung. Über das Menü lassen sie sich in der Kamera jedoch auch anders belegen. Über die Schalter des Telezooms wählt der Fotograf zwischen dem automatischen und manuellen Fokus, er kann den Fokusbereich bei Bedarf auf 3m bis unendlich beschränken und den optischen Bildstabilisator (OSS) ein- sowie ausschalten. Das Objektiv hat daher auch an Kameras ohne beweglichen Sensor, wie beispielsweise der Sony Alpha 6300 (Testbericht) , eine Stabilisierung zu bieten. Der Schalter „Mode 1 / 2“ erlaubt die Wahl des Stabilisierungsmodus. Bei Mode 1 erfolgt die Stabilisierung sowohl horizontal als auch vertikal, bei Mode 2 nur horizontal. Dadurch sind unter anderem „Mitzieher“ komfortabel realisierbar.

Der Bildstabilisator machte im Test Aufnahmen mit drei bis vier Blendenstufen längeren Belichtungszeiten möglich. Aus der Hand konnte bei 400mm Brennweite daher noch mit etwa 1/30 Sekunde fotografiert werden. Dieser Wert weiß zu gefallen.

Der Fokus- und der Zoomring lassen sich jeweils gut bedienen:

Das manuelle Fokussieren erfolgt per vorderem Einstellring des Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS, mit dem etwas größeren Einstellring dahinter wird die Brennweite angepasst. Das funktioniert mit verschiedenen Widerständen. Bestimmt wird der Widerstand per kleinem weißen Einstellring hinter dem Zoomring. Hier kann man sich für „Smooth“ bis „Tight“ entscheiden. Dem Benutzer die freie Wahl zu lassen, finden wir sehr ansprechend. Sowohl der Fokus als auch der Zoomring sind sehr griffig.

Per Einstellring stellt der Fotograf den Widerstand des Zoomrings ein:

Für den Einsatz mit einem Stativ hat Sony dem FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS eine Stativschelle verpasst. Diese kann man drehen, abnehmen jedoch nicht. Da sich der untere Teil entfernen lässt, stellt das jedoch kein Problem dar.

Das Unterteil der Stativschelle lässt sich bei Bedarf entfernen:

Autofokus/manueller Fokus:
Bei Teleobjektiven wird im Regelfall ein schneller Autofokusmotor benötigt, gerade hier machen große und schwere Linsen sowie lange Fokuswege das schnelle Fokussieren aber schwierig. Für bestmögliche Ergebnisse setzt Sony auf einen doppelten Linearmotor sowie den Direct Drive SSM. Für die Praxis bedeutet das: Der Autofokus ist trotz eines kaum hörbaren Betriebs wieselflink. An der Sony Alpha 9 (Testbericht) , die für ein schnelles Scharfstellen natürlich prädestiniert ist, springt das anvisierte Motiv sofort in die Schärfe.

Wie bei den meisten Objektiven von Sony arbeitet der Fokusmotor auch im manuellen Fokusmodus (Focus by Wire) und „übersetzt“ hier die Eingaben, die er über den Fokusring bekommt. In der Praxis ist das manuelle Scharfstellen kein Problem. Apropos scharfstellen: Das ist ab einem Motivabstand (vom Sensor gerechnet) von 100cm möglich. Bei 400mm-Stellung lässt sich dadurch ein sehr ordentlicher Abbildungsmaßstab von 1:2,9 realisieren. Für Nahaufnahmen eignet sich das Telezoom daher sehr gut.

Mit Gegenlichtblende und maximal ausgefahrenem Tubus wirkt das Objektiv beeindruckend:

Bildqualität:
Und was hat das Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS optisch zu bieten? Abseits unseres üblichen Testschemas haben wir auf eine Vergleichsansicht mit mehreren Brennweiten und Blenden verzichtet und bewerten die Aufnahmen anhand der Beispielbilder. Wir können dem Telezoom eine tadellose Abbildungsleistung bescheinigen. Die Bildschärfe des FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS ist in jeder Hinsicht exzellent. Bei allen Brennweiten löst das Objektiv in der Bildmitte schon bei Offenblende sehr viele Details auf, ein Abblenden ist nicht notwendig. Dies ist bei einem wenig lichtstarken Objektiv wichtig, allzu viel Spielraum besteht bei F4,5 bis F5,6 nämlich nicht mehr. Selbst am langen Ende, bei dem Teleobjektive gewöhnlich am schwächsten sind, gibt es nichts zu kritisieren. Die Bildränder fallen bei keiner Brennweite sichtbar von der Mitte ab.

In puncto Vignettierung ergeben sich wie bei allen mäßig lichtstarken Objektiven keinerlei Probleme. Bei Offenblende ist eine leichte Randabschattung bei allen Brennweiten sichtbar, von der kamerainternen Korrektur wird diese auf ein Minimum reduziert. Alternativ ist leichtes Abblenden um eine Stufe ausreichend.

Die Verzeichnung bei 100mm (links) und 400mm (rechts):

Die Verzeichnung ist im Weitwinkelbereich minimal kissenförmig, mit zunehmender Brennweite wird sie noch einen Tick ausgeprägter. Bei den meisten Motiven fällt sie jedoch selbst ohne Korrektur kaum auf. Chromatische Aberrationen halten sich mit Ausnahme der längsten Brennweite in engen Grenzen. Bei 400mm kann man sie an harten Kontrastkanten erkennen, weshalb das Aktivieren der automatischen Korrektur sinnvoll ist.

Beispielaufnahmen (JPEG):

Beispielaufnahmen (JPEG + RAW):

Unser Fazit:
Wie alle bisher von uns getesteten Objektive der G Master-Serie kann uns auch das Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM auf ganzer Linie überzeugen. Das zugegeben nicht allzu leichte und nicht kompakte (Super-)Telezoom überzeugt unter anderem mit einer sehr guten Verarbeitung und vielen Einstellmöglichkeiten. So kann man nicht nur den Stabilisierungsmodus verändern und den Fokusbereich beschränken, sondern auch den Widerstand des Zoomrings bestimmen.

Die Bildqualität ist exzellent. Die Offenblendentauglichkeit kann man dem Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS zweifellos bescheinigen, ein Abblenden verbessert die Bildqualität kaum. Chromatische Aberrationen lassen sich praktisch nur am langen Ende erkennen, hier ist auch die Verzeichnung am stärksten. Problematisch fällt Letztere wie die Randabschattung aber nie aus.

Das Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS ist ein sehr gelungenes (Super-)Telezoom:

Am Ende dürfte bei vielen Freunden langer Brennweiten nur der vergleichsweise hohe Preis gegen einen Kauf sprechen. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 2.899,00 Euro und einem Marktpreis von etwa 2.600 Euro (Stand: Januar 2018) ist das Sony FE 100-400mm F4,5-5,6 GM OSS leider kein Schnäppchen. Wer das Geld investiert, bekommt jedoch ein sehr gutes Telezoom.

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