09.08.2024 - 08:38

Xiaomi 14 Ultra Smartphone- und Kameratest (Teil 2)

Teil 2 von 3: Die Kamera im Bildqualitäts-Check und Beispielaufnahmen in voller Auflösung

Nachdem wir im ersten Teil unseres Tests des Xiaomi 14 Ultra auf die technischen Daten, das Handling und die Verarbeitung eingegangen sind, nehmen wir in diesem zweiten Teil die Kameras des Smartphones unter die Lupe. Mit unseren Beispielfotos und -videos in voller Auflösung können Sie sich zudem einen eigenen Eindruck von den Kameraqualitäten verschaffen.

Die Kameras:
Xiaomi hat sich auch beim 14 Ultra – wie schon bei anderen Modellen – mit Leica zusammengetan, um Smartphones mit der besten Kamera-Ausstattung zu entwickeln. Das Xiaomi 14 Ultra verfügt über das „Objektivsystem“ Leica Vario-Summilux 12-120mm F1,6-2,5. Dieses besteht aus vier Objektiven mit kleinbildäquivalenten Brennweiten von 12mm, 23mm, 75mm und 120mm. Die Brennweitenlücken des 10-fach-Zooms werden wie üblich durch den Einsatz des digitalen Zooms geschlossen, den maximalen Zoomfaktor gibt Xiaomi mit 120 an.

Die wichtigste Kamera des Quad-Kamerasystems auf der Rückseite ist – wenngleich alle Sensoren mit 50 Megapixel auflösen – wie üblich das Weitwinkelmodell. Bei der Hauptkamera des Xiaomi 14 Ultra kommt ein sehr großer Bildwandler der 1,0-Zoll-Klasse zum Einsatz. Sony hat den Sensor speziell für Smartphones entworfen, zu seinen Features gehört unter anderem die „Dual Native ISO Fusion Max“-Technologie. Dadurch soll ein besonders großer Dynamikumfang von bis zu 14 Blendenstufen erzielt werden. Ein einzelner Bildpunkt des Stacked-CMOS-Sensors ist standardmäßig 1,6μm groß, mittels des „4-in-1-Superpixel“-Verfahrens kann die Kantenlänge jedoch auf 3,2μm verdoppelt werden. Natürlich sinkt die Auflösung bei viermal so großen Pixeln aber auf ein Viertel ab. Die Fotos besitzen daher nur noch 12,5 Megapixel. Alle Pixel des Sensors werden zur Fokussierung verwendet, zudem nutzt Xiaomi noch einen Laser-AF.

Die Sensoren im Größenvergleich:

Die Hauptkamera des Xiaomi 14 Ultra hebt sich allerdings nicht nur durch einen sehr großen Bildwandler von der Konkurrenz ab, auch die verbaute Optik mit 23mm KB-Brennweite und optischer Stabilisierung hat eine Besonderheit zu bieten: eine variable Blende. Während die allermeisten Smartphones am Markt nur das Fotografieren mit der Offenblende erlauben, kann man sich beim 14 Ultra für Blendewerte von F1,6 bis F4 entscheiden. Damit dies möglich ist, verfügt das Smartphone über eine Irisblende mit sechs Blendenlamellen. Die Wahl ist im Pro-Modus praktisch stufenlos möglich, im Foto-Modus gibt es eine Auto-Option und die Blendenstufen F1,63, F2, F2,8 und F4.

Alle anderen Kameras auf der Rückseite des Xiaomi 14 Ultra nutzen den gleichen Sensor, einen Sony IMX858. Dieser gehört zur 1/2,51-Zoll-Klasse, löst 50 Megapixel auf und unterstützt ebenso das „4-in-1-Superpixel“-Verfahren. Daher kann man sich zwischen 0,7μm messenden und 1,4μm messenden Bildpunkten (= Auflösung 12,5 Megapixel) entscheiden.

Die Kameras im Zoomvergleich (Ultraweitwinkel, Weitwinkel und 3,2x-Tele und 5x-Tele):

Die Objektive der Kameras weichen aber natürlich sehr deutlich voneinander ab. Bei der Ultraweitwinkelkamera handelt es sich um ein Modell mit 12mm KB-Brennweite und einer Blende von F1,8, die optisch stabilisierten Telekameras kommen auf kleinbildäquivalente Brennweiten von 75mm und 120mm. Während das 3,2-fach-Telemodell über eine Blende von F1,8 verfügt, besitzt die 5-fach-Teleoptik eine Lichtstärke von F2,5. Alle anderen Brennweiten, die Xiaomi in der App anbietet (z. B. die 2-fach-Zoom-Option, das 35mm Schwarz-Weiß-Objektiv, das 50mm Swirly-Bokeh-Objektiv und das 90mm Weichzeichner-Objektiv), werden „digital“ realisiert.

Zu erwähnen sind auch die Floating-Focus-Konstruktion der 3,2-fach-Telekamera und die Periskop-Bauweise der 5-fach-Telekamera. Erstere ermöglicht trotz der Telebrennweite eine Naheinstellgrenze von nur zehn Zentimeter, die Periskop-Bauweise mit gedrehten Linsen erlaubt die Realisierung einer langen Brennweite. Vergleichsweise nah an Motive kommt man zudem auch mit der Ultraweitwinkelkamera (5cm) und der 5-fach-Telekamera (30cm) heran.

In puncto Bildqualität schneidet beim Xiaomi 14 Ultra natürlich die Hauptkamera am besten ab. Damit lassen sich sehr detailreiche Fotos speichern, Bildrauschen wird nur wenig sichtbar. Wer möglichst viele Details zu Gesicht bekommen möchte, sollte sich für die volle Auflösung entscheiden. Die 50 Megapixel auflösenden Fotos zeigen feine Strukturen wesentlich besser als Aufnahmen mit 12,5 Megapixel. Als Nachteile sind die etwas längere Wartezeit zwischen zwei Bildern sowie die deutlich größeren Dateien (circa 20MB statt 7MB) zu nennen. Von der hohen Auflösung des Sensors profitieren Nutzer allerdings auch ohne die Wahl der vollen Auflösung: Beim digitalen Zoomen bleibt die Bildqualität dadurch lange hoch. Die 2-fach-Zoom-Option der App kann man daher in aller Regel problemlos nutzen. Während die Bildqualität der Hauptkamera zweifellos sehr gut ausfällt, hält das Xiaomi 14 Ultra in puncto Detailwiedergabe nicht ganz mit den besten Modellen (Samsung Galaxy S24 Ultra oder Google Pixel 8 Pro) mit, die wir bislang getestet haben. Das ist angesichts des "riesigen" Sensors durchaus etwas enttäuschend. Warum sich die größere Sensorfläche nicht stärker bemerkbar macht, wissen wir nicht. Es könnte an der Software oder auch dem Objektiv liegen. Letzteres besaß bei unserem Testmodell unter anderem eine leicht abfallende Schärfe vom linken zum rechten Bildrand.

Gut zu wissen: Die eingestellte Blende wirkt sich bei der Hauptkamera des Xiaomi 14 nur geringfügig auf die Bildqualität aus. Wer sich für F4 statt F1,63 entscheidet, kann vor allem am Rand von einem etwas höheren Kontrast profitieren. Die Unterschiede sind allerdings nicht riesig. Interessant: Xiaomi entscheidet sich bei ausreichend Licht für einen Blendenwert von F2, wenn man der Kamera-App freie Hand lässt. Grundsätzlich finden wir die Integration einer echten Blende toll, zusätzliche Blendenstufen (z. B. F5,6 und F8) wären jedoch sinnvoll gewesen. Damit kann man den Bildeindruck noch stärker beeinflussen.

Die Hauptkamera (rechts) mit der kleinsten Blende von F4:

Links eine Aufnahme mit Blende F1,6 und rechts mit Blende F4:

Die Ultraweitwinkel- und Telekameras des Xiaomi 14 Ultra halten qualitativ nicht mit der Hauptkamera mit. Gegenüber den Kameras anderer Smartphones bieten sie jedoch in den meisten Fällen eine höhere Qualität. Der Griff zur vollen Auflösung kann auch abseits der Hauptkamera Sinn ergeben, die Vorteile sind aber deutlich geringer. Die kleineren Pixel sorgen bei voller Auflösung teilweise für ein sichtbares Rauschen (bei 100-Prozent-Darstellung), die Qualität ist allgemein schlechter als bei der Hauptkamera. Besonders ist uns dies bei der 5-fach-Telekamera aufgefallen. Hier wirken die Bilder manchmal stärker verwaschen oder sogar leicht verwackelt. Letzteres ist wegen der sehr kurzen Belichtungszeiten der Aufnahmen allerdings kaum möglich. Um einen technischen Defekt unseres Testmodells kann es sich ebenso nicht handeln, auf dieses Phänomen sind wir bei zwei unterschiedlichen Testgeräten gestoßen.

Bei wenig Licht machen sich die unterschiedlichen Sensorgrößen wie üblich noch stärker bemerkbar. Die Hauptkamera sorgt bei schlechten Lichtverhältnissen auch ohne Aufnahmehilfen für recht detailreiche und rauscharme Fotos. Bei den Telekameras wirken die Bilder dagegen stärker weichgezeichnet. Das wirkt sich zum Teil deutlich negativ auf die Bildqualität aus. Bei der Ultraweitwinkelkamera sind die Ergebnisse unterschiedlich: Aufnahmen mit dem Nachtmodus zeigen weniger Rauschen, jedoch auch weniger Details. Es gilt daher: Während Fotografen bei der Hauptkamera nicht unbedingt den Nachtmodus verwenden müssen, ist er bei den Telekameras stets eine gute Wahl. Bei der Ultraweitwinkelkamera gilt es abzuwägen. Meistens sind klassische Aufnahmen besser. Die Auflösung der Fotos liegt im Nachtmodus zwar nur bei 12,5 Megapixel, höhere Auflösungen können wir – außer beim Verwenden der Hauptkamera – bei schlechten Lichtverhältnissen jedoch auch eher nicht empfehlen.

Der Nachtmodus des Xiaomi 14 Ultra verbessert die Bildqualität teilweise deutlich:

Gesondert ansprechen muss man beim Xiaomi 14 Ultra die Makrofähigkeiten. Für Makroaufnahmen sind vor allem die Telekameras gedacht, die stärkste Vergrößerung lässt sich mit der 3,2-fach-Telekamera erzielen. Damit können Nutzer dank einer Naheinstellgrenze von nur 10cm auch kleine Motive groß abbilden. Die 5-fach-Telekamera hält hier nicht ganz mit, mit 30cm ist deren Naheinstellgrenze im Vergleich zur Konkurrenz aber immer noch sehr kurz. Für Makrofotografen hat das Xiaomi 14 Ultra dadurch deutlich mehr als die Konkurrenz zu bieten.

Makroaufnahmen sind dank nur 10cm Abstand mit der 3,2-fach-Telekamera sehr gut möglich:

Zu überzeugen wusste im Test des Weiteren die Bokeh-Simulation. Dank des "Meister-Objektiv-Systems" lassen sich unterschiedliche Objektive („Dokumentation 35mm", „Verwirbelter Bokeh" 50mm", „Porträt 75mm", „Weichzeichner 90mm") simulieren. Die Bokeh-Berechnung funktioniert selbst bei komplexeren Motiven in der Regel fast fehlerfrei.

Das Meister-Objektiv-System bietet verschiedene Objektivsimulationen an:

Was den Bildlook anbelangt, kann man sich beim Xiaomi 14 Ultra zwischen dem „Leica Authentic“-Stil und dem „Leica Vibrant“-Stil entscheiden. Ersterer hellt die Bilder vor allem an den Rändern nicht so stark auf (= Vignette) und lässt die Aufnahmen allgemein etwas natürlicher erscheinen. Der „Vibrant“-Stil sorgt für den heutzutage klassischen Smartphone-Foto-Look. Der Dynamikumfang der Bilder ist generell groß und der Kontrast hoch, die Sättigung teilweise sehr stark. Wer natürliche Aufnahmen bevorzugt, kann den Pro-Modus nutzen und auf den Bildlook noch mehr Einfluss nehmen. Darüber hinaus sind damit RAW-Aufnahmen („normales“ RAW oder Ultra-RAW) möglich.

Links eine Aufnahme mit "Leica Authentic"-Stil, rechts mit "Leica Vibrant"-Stil:

Videos speichert das Xiaomi 14 Ultra in bis zu 8K-Auflösung (7.680 x 4.320 Pixel). Dabei sind Besitzer des Smartphones anders als üblich jedoch nicht auf die Hauptkamera beschränkt, sondern können mit allen Kameras auf der Rückseite in 8K filmen. Dies geht mit 24 oder 30 Vollbildern pro Sekunde. In 4K-Auflösung schafft die Hauptkamera bis zu 120 Vollbilder pro Sekunde, die anderen drei Kameras kommen auf maximal 60 Vollbilder pro Sekunde. Bei Zeitlupenaufnahmen liegt die Hauptkamera mit bis zu 1.920 Bildern pro Sekunde in Full-HD ebenfalls vorne, mit der Ultraweitwinkelkamera und den beiden Telekameras sind bis zu 960 Vollbilder pro Sekunde möglich. Auch damit übertrifft das Xiaomi 14 Ultra die meisten Smartphones am Markt. Wer Aufnahmen mit einem größeren Dynamikumfang benötigt, kann mit dem Smartphone HDR-Videos aufzeichnen oder zur 10-Bit-Speicherung greifen. Hier ist man allerdings auf 30 Vollbilder pro Sekunde in 4K-Auflösung beschränkt.

Einzelbild einer 8K-Videoaufnahme der Hauptkamera:

Die allermeisten Details bekommen Nutzer natürlich bei den 8K-Aufnahmen zu Gesicht. Hier zeigt sich bei genauer Betrachtung allerdings selbst bei Tag ein leichtes Bildrauschen, wenn man mit anderen Kameras als der Hauptkamera filmt. Da die allermeisten Personen überhaupt kein 8K-Abspielgerät besitzen und 4K-Videos ebenso mit einer sehr guten Qualität überzeugen können, würden wir im Alltag zu 4K-Videos raten. Damit lassen sich zudem deutlich flüssigere 60 Vollbilder pro Sekunde aufnehmen. In Full-HD fällt die Qualität ein gutes Stück schlechter aus, bis auf Zeitlupen ist man darauf aber auch nicht angewiesen. Für die sehr hohen Bildraten des Smartphones sehen die Zeitlupenvideos immer noch überdurchschnittlich gut aus. Der Autofokus des Xiaomi 14 Ultra arbeitet jederzeit sehr flott und auch treffsicher, die Stabilisierung kann selbst bei sehr langen Brennweiten für ruhige Aufnahmen sorgen.

Alle nachfolgenden Bilder und Videos wurden (sofern nicht anders erwähnt) mit dem "Leica Vibrant"-Stil aufgenommen.

Brennweitenvergleich "Authentic-Stil": (Utraweitwinkel-, Haupt- sowie 3,2x-Tele- & 5x-Telekamera):

Brennweitenvergleich: (Utraweitwinkel-, Haupt- sowie 3,2x-Tele- & 5x-Telekamera):

Links eine Aufnahme mit 12,5 Megapixel, rechts mit 50 Megapixel (Ultraweitwinkelkamera):

Links eine Aufnahme mit 12,5 Megapixel, rechts mit 50 Megapixel (Hauptkamera):

Links eine Aufnahme mit 12,5 Megapixel, rechts mit 50 Megapixel (3,2x-Telekamera):

Links eine Aufnahme mit 12,5 Megapixel, rechts mit 50 Megapixel (5x-Telekamera):

Links eine Aufnahme mit dem Fotomodus, rechts mit dem Porträtmodus:

Links eine Aufnahme mit dem Fotomodus, rechts mit dem Porträtmodus (jeweils:

Links eine Aufnahme mit dem Porträtmodus (75mm), rechts mit der Hauptkamera und LED-Licht:

Links eine normale Aufnahme mit der UWW-Kamera, rechts mit dem Nachtmodus:

Links eine normale Aufnahme mit der Hauptkamera, rechts mit dem Nachtmodus:

Links eine normale Aufnahme mit der 3,2x-Telekamera, rechts mit dem Nachtmodus:

Links eine normale Aufnahme mit der 5x-Telekamera, rechts mit dem Nachtmodus:

Zwei RAW-Aufnahmen (links Ultraweitwinkelkamera und rechts Hauptkamera):

Zwei RAW-Aufnahmen (links 3,2x-Telekamera und rechts 5x-Telekamera):

Zwei Aufnahmen in 8K24p: Links mit der Ultraweitwinkelkamera, rechts mit der Hauptkamera:

Zwei Aufnahmen in 8K24p: Links mit der 3,2x-Telekamera, rechts mit der 5x-Telekamera:

Zwei Aufnahmen mit der Hauptkamera: Links 4K120p, rechts 4K30p HDR:

Zwei Aufnahmen mit der Hauptkamera: Links 1080p240, rechts 1080p1920:

Im dritten Teil dieses Testberichts gehen wir auf die Kamera-App und die allgemeine Leistung des Xiaomi 14 Ultra ein.

Autor: dkamera.de Redaktion