26.07.2024 - 10:15

Die beste Software zur Rauschreduzierung mit KI-Einsatz

Adobe Photoshop Camera RAW vs. DxO PureRAW 4 im Vergleich

Die Fotos moderner Kameras zeigen immer weniger Bildrauschen und ermöglichen teilweise sogar bei fünfstelligen ISO-Werten noch recht ansprechende Aufnahmen. Doch irgendwann lassen sich Fotos wegen zu viel Bildrauschen nicht mehr nutzen. Hier kommen Software-Lösungen ins Spiel, die dank künstlicher Intelligenz und neuronaler Netzwerke das Rauschen noch effektiver reduzieren sollen. In diesem Test vergleichen wir die KI-Rauschreduzierungen von Adobe Camera RAW und DxO PureRAW 4.

Künstliche Intelligenz kommt bei Foto- und Videoaufnahmen immer stärker zum Einsatz. Während die meisten Nutzer damit aber vermutlich eher "Bildmanipulationen" verbinden, wird die künstliche Intelligenz auch bei der Rauschreduzierung eingesetzt. Zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Rauschreduzierung gehört DxO Labs. Als erste Softwarelösung mit KI-Einsatz kam Ende 2020 DxO PhotoLab 4 auf den Markt. Hier wurde die DxO DeepPrime-Rauschreduzierung integriert, die Bildrauschen mittels Milliarden von Datensätzen und durch den Einsatz von neuronalen Netzen reduziert. Im Laufe der Zeit erschienen immer weiter verbesserte Rauschreduzierungsmethoden, bei der im März 2024 vorgestellten PureRAW 4-Software lässt sich die DxO DeepPrime XD2-Rauschreduzierung anwenden. Adobe ist auf den Zug der Rauschreduzierung per KI erst spät aufgesprungen, zum ersten Mal wurde diese im Frühjahr 2023 integriert. Nachfolgend schauen wir uns die Optionen zur Rauschreduzierung bei RAW-Dateien genauer an und stellen Adobe Camera RAW der DxO Lösung PureRAW 4 gegenüber.

Rauschreduzierung mit DxO PureRAW 4
DxO PureRAW 4 ist eine Software zur Rauschreduzierung, die gleichzeitig auch noch Objektivfehler wie Verzerrungen oder chromatische Aberrationen ausgleichen kann. Dazu greift das Programm auf die große Datenbank von DxO Labs zurück, die Korrekturdaten von mehr als 90.000 Kamera-Objektiv-Kombinationen umfasst.

Die Arbeitsoberfläche von DxO PureRAW 4 nach dem Start:

Automatische Korrekturprofile lassen sich (sofern vorhanden) herunterladen:

Bei DxO PureRAW handelt es sich allerdings nicht um eine klassische RAW-Konvertierungssoftware, die viele unterschiedliche Einstellungen ermöglicht, sondern um ein kleines Programm, das zur Ausgabe korrigierter Dateien (in unterschiedlichen Bildformaten) gedacht ist. Für die Bildbearbeitung lassen sich dann andere Programme verwenden. Eine wichtige Zielgruppe der Software sind daher Nutzer, die bei ihrer bekannten Software bleiben wollen, auf die beste Rauschreduzierung und die Korrektur von optischen Fehlern jedoch nicht verzichten möchten. Folglich lassen sich über die Software-Oberfläche von PureRAW 4 vor allem Einstellungen vornehmen, die die RAW-Konvertierung und die Rauschreduzierung betreffen.

Alle Rauschreduzierungs-Einstellungen finden sich an der rechten Seite:

Unter anderem lässt sich die "Objektivschärfe" einstellen:

Den automatischen Zuschnitt des Bildes kann man ebenso verändern:

Die Einstellungen lassen sich mittels einer Ansicht (auch vergrößert) direkt überprüfen:

Zu den wichtigsten Optionen gehören die Art der Rauschreduzierung (DeepPrime oder DeepPrime XD2/XD) und die erweiterten Einstellungen in Form eines „Luminanz“- und eines „Details erzwingen“-Reglers. Ersterer erlaubt Einstellungen von 0 bis 100 und entscheidet über die Stärke der Rauschreduzierung. Letzterer lässt sich zwischen -100 und 100 verschieben und priorisiert bei der Bearbeitung den Erhalt von Details. Ob die getroffenen Einstellungen die besten sind, kann man via Vorschaufunktion („Update ausführen“) schnell herausfinden. Eine kleine Anzeige informiert zudem über die voraussichtliche Bearbeitungsdauer.

Zu den weiteren Optionen gehören die bereits angesprochenen Objektivkorrekturen. Bei der Vignettierung und den chromatischen Aberrationen kann man sich nur für das Aktivieren oder Deaktivieren der Korrektur entscheiden, bei der Objektivschärfe stehen „Weich“, „Standard“, „Stark“ und „Hart“ zur Wahl. Sofern die Verzeichnung korrigiert werden soll, kann man sich für „Bild auf Originalformat zuschneiden“, „Maximales Rechteck“ und „Bildbereich vervollständigen“ entscheiden. Dadurch bestehen beim späteren Zuschneiden mehr Optionen. Bei der Bildausgabe bietet DxO PureRAW 4 DNG, TIFF und JPEG an, für umfassende Nachbearbeitung sollte man sich hier natürlich für DNG entscheiden. Zu guter Letzt lassen sich der Speicherort, der Dateiname und der Export zu anderen Softwarelösungen konfigurieren. Wer mehrere Fotos mit DxO PureRAW 4 bearbeiten möchte, kann diese nach dem Starten der Software einfach in Oberfläche ziehen. Die Aufnahmen werden dann nacheinander abgearbeitet. Unterschiedliche Einstellungen waren im Test allerdings nicht möglich.

Rauschreduzierung mit Camera RAW
Bei der Bildbearbeitung mit Adobe Camera RAW findet sich die KI-Rauschreduzierung wie gewohnt bei „Details“. Hier darf man sich allerdings nicht für die manuelle Rauschreduzierung entscheiden, sondern muss den Button „Entrauschen“ drücken. Dann öffnet sich ein kleines Fenster mit Vorschaubild. Grundsätzlich sind in diesem Fenster auch die Optionen „RAW Details“ und „Super Auflösung“ vorhanden, wir wollen uns hier jedoch auf die Entrauschung konzentrieren.

Die KI-Rauschreduzierung ist bei Camera RAW unter "Detail" zu finden:

Die Stärke der Rauschreduzierung kann man mittels eines Sliders verändern:

Als einzige Eingriffsmöglichkeit gibt es einen Regler mit Werten von 1 bis 100, dieser entscheidet über die Stärke der Rauschreduzierung. Wer mehrere Bilder auf einmal bearbeiten möchte, muss diese gleichzeitig in Camera RAW laden, danach markieren und dann die Entrauschung vornehmen.

Die Ergebnisse im Vergleich:
Zum Vergleich beider Rauschreduzierungs-Lösungen haben wir uns für drei Testbilder mit unterschiedlichen Voraussetzungen entschieden. Beim ersten Bild handelt es sich um eine Aufnahme der Sony Alpha 7R III mit ISO 5.000, beim zweiten Bild um eine Aufnahme der Canon EOS R6 mit ISO 51.200 und beim dritten Bild um eine Aufnahme der Sony Alpha 6600 mit ISO 12.800.

Test 1 (Sony Alpha 7R III: ISO 5.000):
Beim ersten Bild haben wir uns jeweils für die Standardeinstellungen beider Programme entschieden. Bei Adobe Camera RAW entspricht dies einem Wert von 50 und bei DxO PureRAW 4 Werten von 40 („Luminanz“) und 0 („Details erzwingen“). Beim Vergleich der Bilder fällt auf, dass DxO PureRAW 4 bei Standardeinstellungen wesentlich stärker nachschärft und den Kontrast anhebt. Dadurch wirkt die Aufnahme viel „knackiger“, aber auch unnatürlicher.  Betrachtet man das Bild aus einer größeren Entfernung, wirkt die Aufnahme von DxO PureRAW 4 jedoch gefälliger. Natürlich ist es aber noch möglich, die mit Camera RAW erstellte Aufnahme nachzuschärfen.

Test 2 (Canon EOS R6: ISO 51.200):
Beim zweiten Bild fällt das Bildrauschen stärker aus, daher haben wir uns für eine stärkere Rauschreduzierung. Bei Adobe Camera RAW wurde ein Wert von 85 verwendet, bei DxO Pure RAW waren es 75 bei „Luminanz“ und 50 bei „Details erzwingen“. Allgemein lässt sich sagen, dass beide Softwarelösungen auch ein extrem starkes Rauschen drastisch reduzieren können und Details dabei erstaunlich gut erhalten bleiben. Dies gilt allerdings nicht für alle Motive bzw. Bildbereiche. Manche Strukturen, die man eigentlich nicht unbedingt sehen möchte, werden falsch interpretiert und dadurch verstärkt. Zudem zeigen sich teilweise starke „Verwaschungseffekte“. Das bessere Ergebnis liefert insgesamt betrachtet DxO PureRAW 4. Hier bekommt man teilweise deutlich mehr Details zu Gesicht.

Test 3 (Sony Alpha 6600: ISO 12.800):
Beim dritten Bild kamen folgende Einstellungen zum Einsatz: Adobe Camera RAW 75 und DxO Pure RAW 4 75 (Luminanz) bzw. 0 (Details erzwingen). Auch beim dritten Bild zeigt sich, dass DxO PureRAW 4 das Bildrauschen einen Tick besser reduzieren kann und die Detailwiedergabe dadurch trotzdem nicht allzu negativ beeinflusst wird. Feine Strukturen werden jedoch auch wieder stärker scharfgezeichnet. Das kann teilweise unnatürlich wirken.

Grundsätzlich gilt es zu erwähnen, dass die Option „Details erzwingen“ bei DxO PureRAW 4 eher sparsam genutzt werden sollte. Im Test konnte man damit zwar deutlich mehr Details zum Vorschein bringen, es kam jedoch verstärkt zu einer fehlerhaften Darstellung. Da sich dies von Bild zu Bild oder sogar von Bildteil zu Bildteil stark unterscheidet, muss man für optimale Ergebnisse unterschiedliche Einstellungen testen. Bei DxO PureRAW 4 sind diese Optionen immerhin vorhanden, bei Adobe Camera RAW kann man weniger Einfluss nehmen. Da auch Camera RAW bei einer stärkeren Rauschreduzierung zu einer fehlerhaften Darstellung neigt, stellt die zusätzliche Option bei PureRAW 4 einen größeren Vorteil dar.

Die zur Rauschreduzierung benötigte Dauer hängt stark von der Auflösung des Bildes sowie natürlich auch vom verwendeten Computer ab. Bei unserem Testrechner mit AMD Ryzen 9 5900X, 32GB Arbeitsspeicher und Nvidia Geforce RTX 3070 TI benötigte DxO PureRAW 4 beim oben gezeigten Bild der EOS R6 knapp zehn Sekunden zum Berechnen, Adobe Camera RAW dagegen rund 25 Sekunden. Bei Aufnahmen mit deutlich höheren Auflösungen erreicht man mit der Rauschreduzierung von Adobe recht schnell die Minutenmarke.

Unser Fazit:
Es ist erstaunlich, wie gut aktuelle Bildbearbeitungsprogramme dank KI-Einsatz das Bildrauschen reduzieren können. Dabei werden die Aufnahmen nicht nur einfach weichgezeichnet, sondern feine Strukturen bleiben (sofern das Rauschen nicht zu extrem ist) weitestgehend erhalten. Letztendlich hat uns die Rauschreduzierung von DxO PureRAW 4 mehr überzeugt als die Rauschreduzierung von Adobe Camera RAW. Das liegt an mehreren Punkten: Zum einen sind bei der Software von DxO Labs mehr Einstellungen möglich, zum anderen arbeitet diese auch deutlich schneller. Bei einer Aufnahme spielt das keine Rolle, bei vielen fällt der Zeitvorsprung aber durchaus beträchtlich aus. Die Ergebnisse beider Programme liegen bei den meisten Motiven nicht allzu weit auseinander, DxO PureRAW 4 überzeugt gerade bei „kritischen“ Bildstellen aber mehr. Details bleiben bei der Software von DxO Labs besser erhalten, feine Strukturen werden allgemein besser dargestellt.

Unsere Auszeichnung:

Autor: dkamera.de Redaktion