07.08.2025 - 07:52

Die DJI Osmo 360 im Test (Teil 3)

Teil 3 von 3: Der Bildqualitätstest, Beispielaufnahmen und unser Fazit

Nachdem wir uns im zweiten Teil unseres Testberichts der DJI Osmo 360 mit der Bedienung und unterschiedlichem Zubehör beschäftigt hatten, widmen wir uns im dritten und letzten Teil der Bildqualität bei Foto- und Videoaufnahmen. Außerdem überprüfen wir die Aufnahmezeit sowie die Akkulaufzeit der Kamera und ziehen ein Fazit.

Die Bildqualität:
Aufnahmen einer 360-Grad-Kamera lassen sich nur bedingt mit Aufnahmen klassischer Kameras (mit einem Objektiv) vergleichen. 360-Grad-Kameras nehmen durch ihre beiden Fisheye-Objektive schließlich die gesamte Umgebung auf. Dadurch wird für detailreiche Bilder nicht nur eine sehr hohe Auflösung benötigt, der Dynamikumfang muss ebenso sehr hoch sein. DJI will eine hohe Bildqualität durch den Einsatz von zwei Bildwandlern im 1/1,1-Zoll-Format erzielen. Die Fotos der Osmo 360 lösen mit 120 Megapixel höher als bei allen anderen 360-Grad-Kameras am Markt auf, die sich an Consumer richten. Die genaue Auflösung der 360-Grad-Bilder liegt bei 15.520 × 7.760 Pixel, daneben stehen noch 30 Megapixel (7.776 x 3.888 Pixel) zur Wahl.

Bei voller Auflösung fallen die Bilder deutlich detailreicher als bei der auf 30 Megapixel reduzierten Auflösung aus. Wie üblich gilt es neben der Detailwiedergabe aber noch andere Kriterien zu berücksichtigen. Dazu gehört der Dynamikumfang. Auf diesen wirkt sich die bei 30 Megapixel zuschaltbare HDR-Funktionalität aus. Diese sorgt für ein sichtbar geringeres Rauschen sowie besser abgebildete helle Bereiche. Gerade in Situationen, in denen ein großer Dynamikumfang benötigt wird, sollte man daher über den Einsatz der geringeren Auflösung nachdenken. Das ist nicht optimal, da man stets den besten Kompromiss suchen muss. Die Ausgabe der Fotos im RAW-Format könnte diese Problematik lösen, DJI bietet diese Option bei 360-Grad-Fotos aktuell jedoch nicht an. Das erhöhte Bildrauschen in dunklen Bildbereichen könnte unter anderem an den recht hohen ISO-Werten liegen, die die Kamera bei der automatischen Belichtung standardmäßig verwendet. Bei unserem Test kam selbst bei Tag und viel Licht oftmals ISO 800 zum Einsatz.

In puncto Speicherbedarf spielt die höhere Auflösung effektiv keine größere Rolle. Mit 13 bis 17MB pro Bild fallen die Dateien zwar deutlich größer als bei 30 Megapixel (circa 4-5MB pro Aufnahme) aus, allein der integrierte Speicher fasst aber auch bei voller Auflösung noch mehrere tausend Fotos.

Deutlich mehr Speicherplatz nehmen natürlich die Videos der DJI Osmo 360 ein. Bei 8K-Auflösung und 50 Vollbildern pro Sekunde fallen Datenmengen von rund 1,2GB pro Minute an. Dementsprechend hoch ist aber natürlich auch die Qualität der Aufnahmen. In 8K werden richtig viele Details abgebildet, der Unterschied gegenüber geringeren Auflösungen ist sichtbar. Wer sehr schnelle Bewegungen flüssig wiedergeben möchte, kann trotzdem über den Einsatz einer geringeren Auflösung nachdenken. In 6K-Auflösung schafft die Osmo 360 allerdings nur leicht höhere 60 Vollbilder pro Sekunde. In 4K-Auflösung ist der Sprung auf 100 Vollbilder pro Sekunde größer.

Beide Auflösungen lassen die Detailwiedergabe sichtbar absinken, wir würden sie daher nur beim Wunsch nach höheren Bildraten nutzen. Da man mit den 50 Vollbildern pro Sekunde bei 8K-Auflösung in aller Regel sehr gut auskommt, erscheinen uns 8K50p-Aufnahmen oftmals die perfekte Einstellung zu sein. Das gilt auch, da der Dynamikumfang bei 8K50p am größten ausfällt. Bei 6K60p zeigen die Aufnahmen deutlich mehr Rauschen, bei 4K100p ist es wieder geringer.

Einzelbild aus einem 5K60p-Video, das mit einem Einzelobjektiv aufgenommen wurde:

Die Bildqualität der Einzelobjektiv-Aufnahmen fällt bei der DJI Osmo 360 – wie bei allen 360-Grad-Kameras – stark ab. Bedingt durch den sehr großen Bildwinkel ist die Auflösung effektiv deutlich geringer als bei klassischen Kameras. Das macht sich in puncto Bildqualität deutlich bemerkbar. Im Notfall kann man den Einzelobjektiv-Modus natürlich nutzen, Ersatz für eine klassische Actionkamera ist er aber eindeutig nicht. Von Vorteil ist gegenüber 360-Grad-Aufnahmen allerdings die Speicherung von RAW-Fotos.

Bei Nacht zeigen die meisten Actionkameras wegen der vergleichsweise kleinen Bildwandler ein wesentlich stärkeres Rauschen als Systemkameras oder Smartphones. Die Osmo 360 ist für Actionkamera-Verhältnisse mit großen Sensoren ausgestattet. Das macht sich mit einer vergleichsweise hohen Bildqualität bei wenig Licht bemerkbar. Der SuperNight-Modus sorgt für ein nochmals geringeres Rauschen und eine wesentlich höhere Helligkeit, die Detailwiedergabe ist jedoch auch schlechter. Hier gilt es abzuwägen, ob die Helligkeit oder die Detailwiedergabe wichtiger ist.

In puncto Abbildungsleistung überzeugen die beiden Fisheye-Objektive mit einer guten Bildschärfe, kaum sichtbaren Flares und wenigen chromatischen Aberrationen. Die Kamera liefert ein gutes Stitching-Ergebnis, sofern der empfohlene Mindestabstand von 75 cm zum Motiv eingehalten wird. Den verwendeten Selfie-Stick kann man bei genauem Hinsehen allerdings auch dann durchaus noch erkennen.

Bildausschnitt aus einer Aufnahme mit Selfie-Stick:

Kompakte Kameras können Videos heutzutage mit enormen Auflösungen und Bildraten aufnehmen. Ein Problem ist dabei allerdings die entstehende Wärme. Diese lässt sich ohne aktive Kühlung (ein leichter Fahrtwind reicht meistens aus) nicht schnell genug abführen. Dadurch kommt es zum Überhitzen und vor allem bei Sonnenschein zum recht schnellen Ende von Aufzeichnungen. Bei einer kompakten Kamera mit zwei Sensoren ist das Problem natürlich noch einmal größer.

Wie nahezu alle Actionkameras überhitzt auch die DJI Osmo 360 ohne aktive Kühlung:

Das zeigt sich bei der DJI Osmo 360. Mit ihr kann man ohne Kühlung selbst bei 23 Grad Umgebungstemperatur nur etwa acht Minuten mit 8K-Auflösung und 50 Vollbildern pro Sekunde filmen. Das ist doch sehr kurz. Wer längere Aufnahmen benötigt, muss die Bildrate verringern: Bei 8K30p sind immerhin schon 22 Minuten am Stück möglich. Bei geringeren Auflösungen und höheren Bildraten bleibt die kurze Aufnahmezeit bestehen: Bei 6K60p kamen wir im Test nur auf etwa zwölf Minuten, bei 4K100p auf neun Minuten. Hier besteht Luft nach oben. Da sich die Kamera bei den Tests niemals richtig heiß angefühlt hat, könnte DJI die Aufnahmezeit aber durchaus noch etwas verlängern. Andere Actionkameras wurden in unseren Tests jedenfalls deutlich heißer. Ebenfalls gut zu wissen: Unabhängig von der Temperatur werden die Dateien nach etwa 13 Minuten (bei 8K50p) gesplittet, da anscheinend eine zu große Dateigröße erreicht wird.

Die Akkulaufzeit der DJI Osmo 360 weiß dagegen stets zu gefallen. Bei 8K-Auflösung und 50 Vollbildern pro Sekunde haben wir 50 Minuten gemessen, bei 6K und 60 Vollbildern pro Sekunde 90 Minuten und bei 4K und 100 Vollbildern pro Sekunde 81 Minuten. Geringere Bildraten erhöhen die Akkulaufzeit weiter, bei 8K30p ergaben sich beispielsweise 95 Minuten. Sollte der Akku einmal leer sein und kein volles Modell zur Verfügung stehen, lässt sich dieser in der Kamera per USB-C in nur 14 Minuten von 0 auf 50 Prozent oder in 25 Minuten von 0 auf 80 Prozent aufladen. Hierfür wird ein Netzteil (oder eine Powerbank) mit PowerDelivery-Standard benötigt. Bei schwächeren Stromquellen ist das Laden natürlich immer noch möglich, es dauert jedoch länger.

Unbearbeitete Beispielaufnahmen (360 Grad) im JPEG-Format:

Unbearbeitete Beispielaufnahme (Einzelobjektiv) im JPEG+RAW-Format:

Alle Videos wurden mit nachfolgenden Optionen mittels der DJI Studio-Software exportiert:

Bitrate: Hoch, Rauschminderung: an, 10-Bit-Farbe: an 
Der Export von 6K-Videos erfolgte mangels passender Option in 5,7K

Links eine 360-Grad-Aufnahme in 8K50p, rechts in 6K60p:

Links eine 360-Grad-Aufnahme in 4K100p, rechts in 8K50p:

Links und rechts jeweils eine 360-Grad-Aufnahme in 8K50p:

Links eine 360-Grad-Aufnahme in 8K50p, rechts eine Einzelobjektiv-Aufnahme in 5K60p:

Unser Fazit:
DJI hat mit der Osmo 360 seine erste 360-Grad-Kamera vorgestellt. Neben klassischen Actionkameras bietet das Unternehmen somit auch Action-Modelle an, die die komplette Szenerie einfangen. Bei der Aufnahme-Hardware macht DJI dabei keine halben Sachen und setzt auf erstklassige Technologien. Zwei Sensoren der 1/1,1-Zoll-Klasse sind für die Aufnahme verantwortlich, mit 120 Megapixel lösen die Fotos höher als bei allen anderen 360-Grad-Actionkameras auf. Folglich lassen sich Aufnahmen mit einer exzellenten Detailwiedergabe speichern. Die höchste Auflösung garantiert bei der Kamera aber nicht immer die beste Bildqualität. Bei voller Fotoauflösung muss man beispielsweise auf einen höheren Dynamikumfang verzichten. Dieser steht nur bei der zweiten Auflösungs-Option von 30 Megapixel zur Verfügung. Hier zeigen die Bilder zwar nicht so viele Details, das Rauschen fällt in dunklen Bildbereichen aber sichtbar geringer aus. Dies ist besonders relevant, da DJI keine RAW-Speicherung anbietet und man mit weniger stark bearbeitbaren JPEG-Fotos auskommen muss.

Bei Videos stellt die 8K-Auflösung aus unserer Sicht fast immer die beste Option dar. Hier ist die Detailwiedergabe am besten, der Dynamikumfang ist am größten und das Bildrauschen vergleichsweise gering. Mit 50 Vollbildern pro Sekunde kann man zudem auch bewegte Motive sehr gut abbilden. Bei 6K-Auflösung sind kaum höhere 60 Vollbilder pro Sekunde möglich, die Bildqualität fällt aber sichtbar schlechter aus. 4K-Aufnahmen können wegen 100 Vollbildern pro Sekunde interessant sein, hiermit lassen sich gute Zeitlupen realisieren. In puncto Detailwiedergabe sind aber noch größere Abstriche hinzunehmen.

Die Osmo 360 bietet u. a. einen integrierten Speicher und eine hohe Bildqualität:

Eine Schwachstelle der Kamera ist die begrenzte Aufnahmedauer ohne aktive Kühlung. In 8K konnten wir im Test mit 50 Vollbildern pro Sekunde nur für acht Minuten am Stück filmen, bevor sich die Actionkamera wegen Überhitzung abschaltete. Die Wahl einer kleineren Auflösung ändert an dieser Problematik bei einer hohen Bildrate nur recht wenig, bei 8K30p kamen wir im Test jedoch auf deutlich bessere 22 Minuten. Da die Kamera dabei nicht allzu heiß wurde, sehen wir durchaus noch etwas Potenzial für längere Aufzeichnungen.

Sehr zu gefallen wusste im Test die Akkulaufzeit. Bei 8K50p ergaben sich beispielsweise 50 Minuten und bei 8K30p 95 Minuten. Ist der Akku einmal leer, kann dieser zudem richtig schnell (von 0 bis 50 Prozent in nur 14 Minuten) wieder aufgeladen werden. Der integrierte Speicher ist eine willkommene Ergänzung zu den ebenfalls nutzbaren microSD-Karten, die freien 105GB reichen beispielsweise für rund 87 Minuten lange 8K-Aufnahmen (50p).

Eingaben sind komfortabel, das Menü ist übersichtlich und das OLED gut ablesbar:

Bedienen kann man die Osmo 360 mit ihren drei Tasten sowie dem OLED-Panel mit Touchscreen gut, der Menüaufbau ist grundsätzlich von den anderen Kameras des Unternehmens bekannt. Daneben erlaubt DJI die Steuerung via Sprache, Gesten und App. Die Kamera lässt sich dadurch auch aus der Ferne komfortabel steuern. Nicht optimal ist dagegen, dass man Videos nicht mit voller Auflösung via App exportieren kann und die DJI-Studio-Software noch nicht fehlerfrei arbeitet. Letzteres ist jedoch auf den Beta-Status unserer Programmversion zurückzuführen. Beim Gehäuse hat sich DJI für eine kompakte Konstruktion mit einer Wasserdichtigkeit von bis zu zehn Metern entschieden, im Alltag sollten die allermeisten Nutzer damit auskommen. Schade ist der Verzicht auf wechselbare Linsen, diese lassen sich nur bei DJI austauschen. Keine Einschränkungen gibt es für Nutzer von externem Zubehör, DJI bietet für die Kamera einige optionale Produkte an. Wer die Osmo 360 beispielsweise mit einem externen Mikrofon verbinden möchte, um die Tonqualität zu erhöhen, kann dies natürlich auch.

Die Kamera macht viel richtig, die meisten Schwächen können durch Updates behoben werden:

Am Ende unseres Testberichts lässt sich sagen, dass die DJI Osmo 360 eine sehr gute 360-Grad-Kamera mit nur kleinen Schwächen ist. Diese – dazu gehören die fehlende RAW-Aufnahme bei 360-Grad-Bildern oder der aktuell nicht mögliche 8K-Export via App – könnten durch zukünftige Updates jedoch größtenteils noch behoben werden.

Die dkamera.de Awards zur 360-Grad-Actionkamera DJI Osmo 360:

Autor: dkamera.de Redaktion