Teil 1 von 3: Die technischen Daten im Überblick
Actionkameras gehören schon seit längerem zu den beliebtesten Kameras für Sport- und Actionaufnahmen. Besondere Modelle dieser Klasse sind dabei die 360-Grad-Kameras. Diese können durch den Einsatz von zwei Objektiven eine Szenerie komplett aufnehmen und bieten dadurch ganz besondere Möglichkeiten. Wir haben uns mit der X5 das neueste Topmodell aus dem Hause Insta360 ins Testlabor geholt und die Features der 360-Grad-Kamera unter die Lupe genommen.
Einsatzbereiche von 360-Grad-Kameras:
360-Grad-Kameras verfügen anders als herkömmliche Kameras nicht über ein Objektiv, sondern über zwei Objektive. Diese sind gegenüber am Gehäuse angeordnet und decken jeweils einen Bildwinkel von rund 180 Grad ab. In der Kamera bzw. am Computer wird das Material beider Objektive zusammengefügt und dadurch eine 360-Grad-Aufnahme erstellt. Dank dieses 360-Grad-Panoramas bekommt man nicht nur das eigentliche Motiv (z. B. den Radfahrer oder Läufer) zu sehen, sondern auch die Welt darum herum. Diese Art der Foto- und Videoaufzeichnung macht es möglich, deutlich andere Blickwinkel als mit einer klassischen Kamera einzufangen. Unter anderem kann man damit klassische Panoramen erstellen, den Blickwinkel nach Aufnahmen verändern oder auch eine Art Drohnenflug simulieren. Dies geht natürlich nicht immer ohne Hilfsmittel, weshalb wir im zweiten Teil dieses Tests auf unterschiedliche Zubehörprodukte eingehen.
Der Lieferumfang:
Wer die Insta360 X5 mit dem Basic-Paket erwirbt, erhält neben der Kamera (inklusive Akku) eine Transporttasche, ein Handbuch, ein kleines Putztuch und ein USB-C-Kabel. Letzteres dient zum Aufladen des Akkus oder zum Datenaustausch mit einem Computer.
Die technischen Daten:
Die Insta360 X5 ist das 360-Grad-Flaggschiff von Insta360 und das Nachfolgemodell der Insta360 X4. Beide Kameras besitzen ein sehr ähnliches Design (zwei deutlich sichtbare Fisheye-Objektive an der Oberseite sowie ein weiter unten liegendes Display), sind aber nicht mit der gleichen Hard- und Software ausgestattet. Bei der Insta360 X5 kommen zwei Sensoren der 1/1,28-Zoll-Klasse zum Einsatz. Die genaue Auflösung der Bildwandler ist uns nicht bekannt, pro Einzelobjektiv lassen sich jedoch Fotos mit bis zu 36 Megapixel aufnehmen. Wegen der besonderen Aufnahmetechnik von 360-Grad-Kameras, die zwei zirkulare Fisheye-Abbildungen kombinieren, muss die reale Sensorauflösung jedoch deutlich höher sein (sofern keine Software-Interpolation verwendet wird).
Bei den Objektiven handelt es sich um die erwähnten Fisheye-Modelle. Die Brennweite der Optiken liegt bei 6mm, als Blende wird F2 angegeben. Im Vergleich zum Vorgängermodell kommt bei der X5 nicht nur ein kratzfesteres Glas zum Einsatz, die Linsen lassen sich bei Beschädigungen auch selbst tauschen. Dadurch sollten Schäden nicht nur seltener auftreten, sie lassen sich auch deutlich komfortabler beheben.
Videos nimmt die Insta360 X5 mit 8K-Auflösung (7.680 x 3.840 Pixel), 5,7K-Auflösung (5.760 x 2.880 Pixel) und 4K-Auflösung (3.840 x 1.920 Pixel) auf. An dieser Stelle gilt es zu erwähnen, dass diese Videospezifikationen wegen der 360-Grad-Darstellung nicht den sonst bei Videos üblichen Pixelzahlen entsprechen. Des Weiteren ist zu beachten, dass die X5 nicht bei allen Auflösungen die identischen Features (Bildrate und HDR-Aufnahme) bietet. In 8K filmt sie mit 24, 25 und 30 Vollbildern pro Sekunde stets ohne HDR. Bei der 5,7K+-Option sind ebenfalls nur 24, 25 und 30 Vollbilder pro Sekunde möglich, die HDR-Aufnahme ist nicht anwählbar. Bei der 5,7K-Option kann man sich dagegen für bis zu 60 Vollbilder pro Sekunde und HDR entscheiden. Die Auflösung ändert sich dabei nicht, die Kamera nutzt jedoch Pixel-Binning statt Oversampling (5,7K+).
In 4K sind ohne HDR bis zu 120 Vollbilder pro Sekunde und mit HDR bis zu 60 Vollbilder pro Sekunde einstellbar. Hinweis: HDR-Aufnahmen sorgen bei der X5 für einen größeren Dynamikumfang, entsprechen mit 8-Bit jedoch nicht den eigentlichen HDR-Spezifikationen (u. a. Farbtiefe von mindestens 10-Bit erforderlich). Wer seine Aufnahmen nachträglich bearbeiten möchte und dafür einen möglichst großen Spielraum schaffen will, sollte sich für das flache Bildprofil oder noch besser für die Log-Aufnahme (auf Auflösungen und Bildraten mit HDR begrenzt) entscheiden.
Daneben erlaubt die Kamera Videos mit klassischen Seitenverhältnissen. Hierfür gibt es den Einzelobjektiv-Modus. Dieser bietet folgende Auflösungen an: 4K (3.840 x 2.160 Pixel), 2,7K (2.720 x 1.536 Pixel) sowie Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel). Entscheidet man sich für die FreeFrame-Aufnahme liegt die Auflösung bei 3.840 x 3.840 Pixel, 2.720 x 2.720 Pixel und 1.920 x 1920 Pixel, beim Livestreaming sind bis zu 1.280 Pixel in der Vertikalen möglich.
Als Aufnahmemodi bietet die X5 die nachfolgenden Optionen an: Video, PureVideo, InstaFrame, Timelapse, TimeShift, Bullet Time (mit 5,7K120p oder 3K240p), Loop-Aufnahme und den Straßenmodus. Wer stets im Fokus der Aufnahmen stehen möchte oder möglichst einfach "fertige" Videos erhalten will, sollte bei der X5 den InstaFrame-Modus aktivieren. Bei diesem wird man von der Kamera auf Wunsch automatisch verfolgt und der Bildausschnitt passend gewählt. Alternativ kann man festlegen, welche Perspektive die Kamera (Rückansicht, Vorderansicht, Ansicht von oben, Ansicht von unten) aufzeichnen soll.
Als Ergebnis erhalten Nutzer zwei Videodateien: Die "fertige" Videodatei mit den gewählten Einstellungen sowie eine zweite Aufnahme, die das komplette 360-Grad-Material enthält. Dadurch kann man die Aufnahmen auch nachträglich noch umfassend bearbeiten. Als Nachteil werden die 360-Grad-Videos im InstaFrame-Modus nur in 5,7K-Auflösung gespeichert und die "fertigen" Videos sogar nur in Full-HD.
Fotos lassen sich mit 72 Megapixel (11.904 x 5.952 Pixel) oder 18 Megapixel (5.888 x 2.944 Pixel) aufnehmen, im Einzelbildmodus sind es 36 Megapixel oder neun Megapixel. Neben normalen Fotoaufnahmen unterstützt die Kamera auch die Intervall-Aufnahme (3 Sekunden, 5 Sekunden, 10 Sekunden, 30 Sekunden, 60 Sekunden, 120 Sekunden), Starlapse-Aufnahmen und Serienaufnahmen (3 Bilder pro Sekunde bis 15 Bilder in 10 Sekunden). Als Dateiformate stehen bei Videos „INSV“ (zwei Objektive) sowie „MP4“ (Einzelobjektiv) zur Wahl. Bei Fotos kann man sich zwischen „INSP“ und „DNG“ entscheiden.
Die Stabilisierung erfolgt bei der Insta360 X5 – wie bei allen Actionkameras – elektronisch. Da das komplette Bild zur Verfügung steht, kann der Bildausschnitt problemlos zum Ausgleichen von Verwacklungen verschoben werden. Insta360 bezeichnet die Stabilisierung als FlowState-Stabilisierung, diese erlaubt unter anderem auch eine 360-Grad-Horizontsperre.
Zur Bildkontrolle ist die Insta360 X5 mit einem nicht näher spezifizierten Touchscreen-Display ausgestattet. Die Wiedergabe fällt ansprechend scharf aus, bei Sonnenlicht kann man das LCD in der Regel noch akzeptabel ablesen. Über das Touchscreen erfolgen bei der Actionkamera die meisten Eingaben, als Hardware-Tasten wurden nur die Power-Taste, die individuell belegbare Q-Taste, die Auslöse-Taste sowie die Menü-Taste umgesetzt. Letztere kann man unter anderem zur Wahl zwischen der Foto- sowie Videoaufnahme nutzen.
Ausgestattet ist die Insta360 X5 zudem mit mehreren Mikrofonen, einem klassischen 1/4-Zoll-Stativgewinde sowie zwei abgedichteten Fächern. Im Fach an der rechten Seite ist der USB-C-Port zum Aufladen sowie zum Datenaustausch (USB 3.0) zu finden, das an der linken Seite gelegene Fach beherbergt den Akku sowie die microSD-Speicherkarte (Video Speed Class 30 bzw. UHS Speed Class 3 notwendig).
Diese Umsetzung macht leider das Herausnehmen des Akkus notwendig, wenn man die Speicherkarte erreichen möchte. Aufgrund des begrenzten Platzes ließ sich dies wohl nicht anders lösen. Wer Dateien drahtlos senden will, kann das per WLAN (802.11a/n/ac). Zur Steuerung ist zudem auch Bluetooth 5.2 mit an Bord.
Als Akku kommt ein Lithium-Ionen-Modell mit einer Kapazität von 2.400mAh zum Einsatz. Vollständig aufgeladen ist dieser laut Datenblatt mit einem passenden Netzteil (PD3.0 PPS) in 35 Minuten. Eine Akkuladung reicht laut Insta360 für bis zu 88 Minuten Videomaterial bei 8K-Auflösung oder für bis zu 135 Minuten bei 5,7K-Auflösung. Unsere eigenen Testergebnisse finden Sie im dritten Teil dieses Testberichts.
Das Gehäuse der X5 ist 4,6 x 12,5 x 3,8cm groß, bringt 202g auf die Waage und wird größtenteils aus Kunststoff gefertigt. Es ist bis zu einer Tiefe von 15m wasserdicht, die Betriebstemperatur gibt Insta360 mit -20 °C bis +40 °C an. Für tiefere Tauchgänge lässt sich das sogenannte Tauchgehäuse erwerben. Dieses ermöglicht Einsätze in bis zu 60m Tiefe.
Im zweiten Teil unseres Testberichts der Insta360 X5 schauen wir uns die Bedienung sowie unterschiedliches optionales Zubehör an.