05.01.2026 - 09:00

Mehr Flexibilität beim Filmen dank Open-Gate-Video

Wir erklären, was die Open-Gate-Aufnahme ist und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringt

Digitalkameras wurden in den letzten Jahren nicht nur hinsichtlich der Fotofunktion verbessert, besonders große Fortschritte gab es auch bei Videos. Mittlerweile kann fast jedes neue Modell Aufnahmen in ultrahoher Auflösung speichern und bietet dabei auch noch eine Reihe von weiteren Optionen. Immer mehr DSLMs erlauben dabei nicht mehr nur die Aufzeichnung mit dem klassischen 16:9-Seitenverhältnis, sondern auch in anderen Formaten. Der Goldstandard ist dabei das Open-Gate-Recording. Worum es sich dabei handelt, schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.

Zunächst aber ein kurzer Blick zurück. Reine Videokameras gibt es natürlich schon lange, Fotokameras mit Videofunktion sind aber erst seit Anfang der 2000er Jahre erhältlich. Wer mit seiner Systemkamera Videos aufzeichnen wollte, musste sogar bis zum Jahr 2008 warten. Hier erschien mit der Nikon D90 das erste Modell mit Videofunktion. Die von der DSLR unterstützten 1.280 x 720 Pixel beeindrucken heute natürlich niemanden mehr, damals handelte es sich jedoch um eine viel beachtete Neuerung. Recht schnell erkannten die Kamerahersteller Ende der Nullerjahre dieses Jahrtausends, dass Videos auch bei Systemkameras gefragt waren.

Die Nikon D90 erlaubte als erste DSLR Videoaufnahmen:

Kurz nach der Nikon D90 erschien mit der Canon EOS 5D Mark II bereits das erste DSLR-Modell mit Full-HD-Video und mit den Modellen der GH-Serie hat Panasonic seit den 2010er-Jahren auch bei professionellen Videografen sehr beliebte Kameras im Angebot. Die gestiegenen Sensorauflösungen und die immer leistungsfähigeren Prozessoren erlaubten es den Herstellern mit der Zeit, immer höhere Videoauflösungen sowie Bildraten anzubieten. 2012 kam mit der Canon EOS-1D C eine für Videoaufnahmen optimierte Version der EOS-1DX mit 4K-Videofunktion auf den Markt, 2014 mit der Panasonic Lumix DC-GH4 die erste MFT-Kamera mit 4K.

Die Panasonic Lumix DC-GH4 gehörte zu den ersten Systemkameras mit 4K-Aufnahme:

Sony mischt seit 2014 mit der Alpha 7S ebenso am Markt der 4K-fähigen Fotokameras mit, dafür wurde jedoch ein externer Rekorder benötigt. Nachfolgend boten immer mehr Hersteller Kameras mit speziellen Videofeatures an. Führend war dabei weiterhin Panasonic. Deren damaliges Flaggschiff Lumix DC-GH5 unterstützte als erste Systemkamera „6K“-Videos mittels der 6K-Fotofunktion. Per Firmware 2.0 erhielt die Kamera zudem die Unterstützung für das Open-Gate-Recording.

Was bedeutet Open-Gate-Recording?

Obwohl die Sensoren klassischer (System-)Kameras ein Seitenverhältnis von 3:2 oder 4:3 besitzen, werden Videos seit Mitte der 2000er Jahre standardmäßig im 16:9-Format aufgezeichnet. Bei den allermeisten Kameras wird der Sensor zu diesem Zweck nur im 16:9-Format ausgelesen. Die Bildbereiche oberhalb und unterhalb davon fallen effektiv einfach weg. Dies wirkt sich unter anderem „positiv“ auf die zu verarbeitende Datenmenge aus, die bei Videos in aller Regel höher als bei Fotos ausfällt. Bei einem 4:3-Sensor mit 20 Megapixel sinkt die zu verarbeitende Pixelmenge bei 16:9-Aufnahmen beispielsweise auf knapp 15 Millionen Bildpunkte. Lange Zeit waren derartige Pixelreduktionen bei den Herstellern sehr willkommen, schließlich konnten die Bildprozessoren früherer Kameragenerationen sehr große Pixelmengen nicht in einer derart kurzen Zeit verarbeiten, wie sie für Videos notwendig wäre. Um trotzdem Videos zu ermöglichen, kamen Technologien wie Pixel-Binning, Lineskipping oder der direkte 1:1-Sensorreadout (mit entsprechendem Crop) zum Einsatz.

Die Panasonic Lumix DC-GH5 erlaubte als erste Fotokamera das Open-Gate-Recording:

Diese Zeiten sind mittlerweile allerdings vorbei. Für hohe Datenmengen optimierte Bildprozessoren können extrem hohe Pixelzahlen schnell und ohne größere Nachteile (wie schnelles Überhitzen) verarbeiten. Die vorhandenen Bearbeitungsreserven ermöglichen es den Kameraherstellern mittlerweile sogar, zusätzliche Pixel für das Erstellen von Videos heranzuziehen. Zum einen erlaubt diese Tatsache das Verbessern der Bildqualität mittels Oversampling, zum anderen kann man vom Open-Gate-Recording profitieren. Beim Oversampling nutzt die Kamera mehr Pixel, als für die gewünschte Auflösung erforderlich sind. Dadurch fällt die Bildqualität besser aus und entsteht bei Videos kein (oder nur ein geringer) Crop. Das Seitenverhältnis der Aufnahmen ändert sich jedoch nicht und liegt wie gewohnt bei 16:9.

Beim Verwenden der kompletten Sensorfläche lassen sich Videos deutlich flexibler nutzen:

Eine andere Methode, die zusätzlichen Pixel sinnvoll zu nutzen, ist das Open-Gate-Recording. Hier liest die Kamera den Bildwandler wie bei Fotos vollständig aus und speichert diese Daten in einer Videodatei ab. Das Dateiformat kann dabei variieren. Neben klassischen Codecs bieten manche Kameras auch nur proprietäre RAW-Formate an. Da beim Open-Gate-Recording keine Bildinformationen verloren gehen, sind die Aufnahmen nicht nur besonders detailreich, sondern können nachträglich auch flexibler genutzt werden.

Aus den Aufnahmen einer Kamera mit einem Sensor im 4:3-Format kann man beispielsweise Videos im 16:9 oder 9:16-Format ohne den Verlust an Bildinformationen erstellen. Weitere Vorteile ergeben sich auch bei der Wahl des Bildausschnittes und der digitalen Stabilisierung (per Software). Wer mit einer Aufnahme beispielsweise unterschiedliche „Medien“ versorgen möchte, kann ohne Nachteile zwischen allen möglichen Seitenverhältnissen wählen.

Bei Open-Gate-Aufnahmen liest die Kamera den Bildwandler komplett aus (Beispiel Lumix G9II):

Eines gilt für Open-Gate-Videos als Nachteil allerdings immer: An der Nachbearbeitung kommt man nicht vorbei. Open-Gate-Aufnahmen sind daher eigentlich nur für alle Nutzer interessant, die eine besonders hohe Bildqualität benötigen oder spezielle Einsatzgebiete haben. Zu den weiteren Nachteilen des Open-Gate-Recordings gehört die hohe Datenmenge, die durch die volle Sensorauflösung anfällt. Darüber hinaus schaffen Kameras bei Open-Gate-Aufnahmen meistens nur eine vergleichsweise geringe Bildrate. Diese liegt oftmals bei 30 oder 60 Vollbildern pro Sekunde. Für Zeitlupenaufnahmen eignet sich das Open-Gate-Recording also nicht.

Unser Fazit:
Open-Gate-Aufnahmen können bei Videos für sehr große Vorteile sorgen. Sie erleichtern Videografen das Leben durch die nachträgliche Wahl des Seitenverhältnisses deutlich und erlauben Aufnahmen mit der maximalen Bildqualität. Gerade für professionelle Einsätze ist die Open-Gate-Aufnahme daher besonders interessant. Natürlich profitieren davon aber auch Amateure, wenn diese die Vorteile sinnvoll nutzen. Wer klassische Privataufnahmen im 16:9-Format erstellen möchte, fährt mit der normalen Videoaufnahme jedoch meistens besser. Eines gilt jedoch auch in diesem Fall: Wenn Hersteller besondere Videofunktionen wie das Open-Gate-Recording implementieren, kann man zudem davon ausgehen, dass die weitere Videoausstattung einer Kamera überdurchschnittlich ausfällt.

Links zum Artikel:

Autor: dkamera.de Redaktion