08.09.2024 - 07:30

Testbericht des Sony FE 85mm F1,4 GM II

Lichtstarke Festbrennweite für Vollformatkameras mit XD-Linearmotoren

Sony hat in der letzten Zeit nicht nur eine Reihe von neuen Objektivkonstruktionen vorgestellt, sondern auch Updates für bereits länger erhältliche Objektive auf den Markt gebracht. Das Sony FE 85mm F1,4 GM II ist das Nachfolgemodell des Sony FE 85mm F1,4 GM – seines Zeichens eines der ersten drei G Master-Modelle. Dementsprechend groß sind die Veränderungen, die Sony bei der zweiten Generation vorgenommen hat.

Die technischen Daten:
Sony bietet mit dem Sony FE 85mm F1,4 GM II eine weitere lichtstarke Festbrennweite für seine Alpha-Kameras mit dem E-Bajonett an. Entwickelt wurde das Objektiv für DSLMs mit einem Vollformatsensor, hieran gehört es mit 85mm zu den leichten Teleobjektiven (circa 60 bis 100mm). Verwenden lässt sich die Festbrennweite zudem natürlich auch an APS-C-Kameras, mit 128mm fällt die Brennweite dabei allerdings doch ein gutes Stück länger aus.

Das Sony FE 85mm F1,4 GM II ist deutlich kleiner und leichter als das Vorgängermodell:

Das Sony FE 85mm F1,4 GM II ist mit Abmessungen von 8,4 x 10,7cm und einem Gewicht von 642g weder ein besonders kompaktes, noch ein sehr leichtes Objektiv. Das ist angesichts der großen Blendenöffnung zum einen aber auch gar nicht zu erwarten. Zum anderen zeigt der direkte Vergleich mit dem Vorgängermodell Sony FE 85mm F1,4 GM (8,9 x 10,8cm; 820g), dass Sony die zweite Generation sowohl geschrumpft als auch deutlich leichter konstruiert hat.

Metall kommt nur wenig zum Einsatz, dieses findet sich unter anderem beim Bajonett:

Das Design des Gehäuses ist von anderen Modellen der G Master-Serie bekannt, größtenteils kommt hochwertiger Kunststoff zum Einsatz. Metall findet sich nur an wenigen Stellen, dazu gehört auch das Bajonett. Dieses wird durch eine Gummilippe abgedichtet, an anderen Stellen hat Sony ebenso Dichtungen verbaut. Sie schützen vor Staub und Feuchtigkeit. Filter lassen sich beim Sony FE 85mm F1,4 GM II in einem 77mm großen Gewinde einschrauben, dieses fällt so groß wie beim Vorgängermodell aus.

Das Filtergewinde nimmt 77mm große Modelle auf:

Zu den Bedienelementen des Sony FE 85mm F1,4 GM II gehört neben dem Fokusring auch wieder der von einigen früheren Modellen bekannte Blendenring. Ihn kann man frei oder alternativ in einem Drittelstufen-Klick-Raster drehen (jeweils von F1,4 bis F16). Die Wahl zwischen beiden Optionen erfolgt mittels des „Click“-Schalters. Zudem hat Sony einen Mechanismus zum Sperren des Blendenrings verbaut, wenn dieser auf die A-Position gedreht wurde. Diese Stellung erlaubt die Wahl der Blende über die Kamera. Als weitere Bedienelemente stehen ein klassischer AF/MF-Schalter und zwei Fokus-Halten-Tasten zur Verfügung. Letztere lassen sich über die Kamera mit unterschiedlichen Funktionen belegen.

Eingaben sind über mehrere Einstellringe, Schalter und Tasten möglich:

Den optischen Aufbau des Sony FE 85mm F1,4 GM II bezeichnet Sony als „State oft the Art“. Er umfasst 14 Elemente in 11 Gruppen, durch spezielle Glas- und Linsentypen erhöht Sony die Abbildungsqualität. Bei zwei Elementen handelt es sich um asphärische Linsen („XA“), bei zwei weiteren Linsen wird ED-Glas verwendet. Daneben soll eine hohe Bildqualität durch die Nano AR II-Vergütung gewährleistet werden. Diese minimiert Streulicht und andere Probleme, die vor allem bei direktem Lichteinfall in das Objektiv auftreten. Im Fokus stand bei der Entwicklung des Sony FE 85mm F1,4 GM II natürlich auch das Bokeh: Es soll sehr weich ausfallen und möglichst geringe Störungen („Katzenaugen“, „Zwiebelringe“) aufweisen. Durch den Einsatz von elf abgerundeten Blendenlamellen soll die bestmögliche Qualität zudem auch bei kleineren Blendenwerten als F1,4 erzielt werden.

Das Sony FE 85mm F1,4 GM II (rechts) im Größenvergleich mit dem Sony FE 85mm F1,8 (links):

Autofokus/manueller Fokus:
Sony hat sich beim FE 85mm F1,4 GM II nicht nur für eine Überarbeitung des optischen Aufbaus entschieden, auch der Fokusmotor ist neu. Zwei XD-Linearmotoren sind für das Scharfstellen zuständig, beim Sony FE 85mm F1,4 GM kommt noch ein Ring SSM zum Einsatz. Die XD-Linearmotoren der neuen Festbrennweite arbeiten bei sehr schnell (rund 0,2 bis 0,3 Sekunden abhängig von der Motiventfernung), bewegte Motive sollen beim Einsatz des AF-Trackings sieben Mal besser verfolgt werden können. Darüber hinaus ist das Objektiv zur höchsten Bildrate der Sony Alpha 9 III (120 Bilder pro Sekunde) kompatibel.

Mit dem Sony FE 85mm F1,4 GM II lässt sich aber nicht nur schnell scharfstellen, bei Bedarf auch langsam. Da der Fokussiervorgang zudem sehr leise ist, eignet sich das FE 85mm F1,4 GM II auch zur Aufnahme von Videos. Das Focus Breathing hat Sony laut eigener Aussage minimiert, völlig eliminiert wurde es jedoch eindeutig nicht. Um den Bildausschnitt beim Filmen gleich zu halten, lässt sich allerdings die Focus Breathing Compensation der neueren Sony-DSLMs nutzen. Wer mit dem FE 85mm F1,4 GM II manuell scharfstellen will, kann dies bequem mit dem Fokusring mit linearer Drehung.

Bildqualität:
Die Verbesserungen betreffen beim Sony FE 85mm F1,4 GM II wie bereits erwähnt auch die Abbildungsleistung. Bei unserem Test nutzen wir die Sony Alpha 7R III mit einem hochauflösenden Vollformatsensor (42,4 Megapixel). Der neuen Optik bescheinigt Sony eine bessere Bildqualität als dem Vorgängermodell, zudem sollen auch vergleichbare Objektive der Konkurrenz übertroffen werden. Letzteres können wir mangels direktem Vergleich nicht bestätigen, die Abbildungsleistung des FE 85mm F1,4 GM II ist jedoch ausgesprochen hoch.

Bereits bei der größtmöglichen Blende von F1,4 gibt die Festbrennweite im Zentrum sehr viele Details wieder, leichtes Abblenden hebt die Qualität auf ein hervorragendes Level. An den Rändern stufen wir die Abbildungsleistung bei F1,4 als gut bis sehr gut ein, eine kleinere Öffnung verbessert die Qualität noch etwas. Das Optimum wird bei F5,6 erzielt, wobei man alle Blendenwerte ohne Zweifel nutzen kann. Stärkeres Abblenden ist definitiv nicht notwendig. Wer sich für F1,4 als Blendenwert entscheidet, muss allerdings eine durchaus sichtbare Vignettierung und teilweise auch chromatische Aberrationen akzeptieren. Ein kritisches Niveau wird allerdings bei weitem nicht erreicht, weshalb wir die Bildqualität des Sony FE 85mm F1,4 GM II als sehr gut einstufen. Das Bokeh des Sony FE 85mm F1,4 GM II weiß mit einer sehr schönen, weichen Unschärfe und sanften Übergängen zu gefallen. Flares oder Geisterbilder hat die Optik in der Regel gut im Griff, in Extremfällen können sie aber auch etwas deutlicher ausfallen.

Unbearbeitete Beispielaufnahmen:

Unser Fazit:
Wie bereits einige andere Objektive hat Sony auch das lichtstarke Porträtobjektiv FE 85mm F1,4 GM grundlegend überarbeitet und vielfältig verbessert. Das Sony FE 85mm F1,4 GM II macht nahezu alles besser als das Vorgängermodell. Es löst unter anderem höher auf und liefert bei allen Blendenwerten eine bessere Bildqualität. Das gilt für das Zentrum sowie auch den Bildrand. Durch die Wahl einer kleineren Blende lässt sich die Abbildungsleistung zwar noch etwas steigern, deswegen muss man aber kaum abblenden. Daher stufen wir die Festbrennweite als absolut offenblendentauglich ein. Die Vignettierung sollte man allerdings im Blick haben, zumindest bei F1,4 fällt diese doch stärker auf.

Der XD-Linearmotor macht beim Sony FE 85mm F1,4 GM II das schnelle Scharfstellen möglich, auch bewegte Motive konnte die Festbrennweite im Test präzise einfangen. Im Vergleich mit dem Vorgängermodell eignet sich das Objektiv für Sportaufnahmen deutlich besser. Bei Videos sind sehr gleichmäßige Schärfefahrten mit einer nur leicht hörbaren Beeinträchtigung der Tonspur möglich. Das Focus Breathing hat Sony nicht vollständig entfernen können, dafür bringen die eueren Sony-Kameras jedoch die zusätzliche Focus Breathing Compensation mit.

Das Sony FE 85mm F1,4 GM II machte im Test eine sehr gute Figur:

Die höhere Leistung des FE 85mm F1,4 GM II erkauft sich Sony glücklicherweise nicht mit größeren Abmessungen und einem höheren Gewicht. Das Objektiv ist sogar deutlich kleiner und leichter als das Vorgängermodell. Bedienelemente gibt es in Form eines Fokus- und Blendenrings (mit zusätzlichen Optionen) sowie eines AF/MF-Schalters und einer Fokus-Halten-Taste sehr viele, das Gehäuse ist trotz nur geringem Einsatz von Metall sehr gut verarbeitet. Abdichtungen fehlen natürlich ebenso nicht.

Unsere Auszeichnungen des Sony FE 85mm F1,4 GM II:

Autor: dkamera.de Redaktion