29.06.2019 - 08:15

Testbericht FujiFilm GFX 50R (Teil 3)

Teil 3 von 3: Spezielle Features, die Videofunktion und Schnittstellen

Nachdem wir im zweiten Teil des Testberichts der FujiFilm GFX 50R unter anderem die Arbeitsgeschwindigkeit und die Bildkontrolle unter die Lupe genommen haben, prüfen wir im letzten Teil die Videoaufnahme und die Erweiterbarkeit. Am Ende fassen wir unsere Ergebnisse zusammen und ziehen ein Fazit.

Funktionen und Features:
Das Autofokussystem der FujiFilm GFX 50R arbeitet lediglich mit der Kontrastmessung, daraus resultiert unter anderem die wenig überzeugende Leistung im AF-C-Betrieb. Keine Einschränkungen müssen die Kamerabesitzer dagegen bei den weiteren Optionen hinnehmen.

Der Nutzer kann aus 425 Messfeldern (17 x 25 Raster) wählen, sich für einen von drei AF-Modi (Einzelpunkt, Zone, Weit/Verfolgung) entscheiden und per Touch scharfstellen. Der AF+MF-Betrieb ist zudem möglich und eine Augen-/Gesichtserkennung steht zur Verfügung. Beim manuellen Betrieb lassen sich ein Peaking und Fokuslupenfunktion nutzen.

Im Autofokusmenü der Kamera lassen sich einige Einstellungen vornehmen:

Kurze Verschlusszeiten sind bei vielen Mittelformatkameras wegen des Zentralverschlusses im Objektiv nicht realisierbar. Bei der GFX 50R kommt ein mechanischer Schlitzverschluss oder ein elektronischer Verschluss zum Einsatz. Damit lassen sich deutlich kürzere Belichtungszeiten (1/4.000 Sekunde mechanisch, 1/16.000 Sekunde elektronisch) realisieren. Wie üblich gilt für den elektronischen Verschluss, dass dieser für bewegte Motive und den Einsatz bei Kunstlicht kaum bis gar nicht geeignet ist.

Der Verschluss arbeitet mechanisch oder elektronisch:

Die weiteren fotografischen Features der GFX 50R sind bereits von FujiFilms APS-C-Modellen bekannt. So gibt es zahllose Optionen, die Bilder nach seinen Wünschen zu beeinflussen. Fotografen können unter anderem Filmsimulationen einstellen, den JPEG-Stil wählen und einen Körnungseffekt hinzufügen. Ein automatischer Belichtungsmodus findet sich nicht, wie bei höherklassigen Modellen üblich stehen aber die PSAM-Programme zur Verfügung. Diese werden durch die unterschiedliche Kombination des Blendenrings am Objektiv und des Verschlusszeitenwählrades auf der Oberseite bestimmt. Verschiedene Belichtungsreihen- und Fokusreiheneinstellung sind ebenso vorhanden und eine Intervallaufnahme-Funktion gibt es ebenso.

Die Bilder und Videos lassen sich auf einer oder zwei SD-Karten ablegen:

Als Datenspeicher dienen zwei SD-Speicherkarten, beide sind mit dem UHS-II-Standard angebunden. Daher können auch größere Datenmengen schnell auf die Speicherkarten übertragen werden. Das ist bei einer Kamera mit hoher Auflösung besonders wichtig.

Videoaufnahme:
Große Sensoren und die Videofunktion sind so ein Thema. Mit Ausnahme der neuen FujiFilm GFX 100 und der letztes Jahr angekündigten Leica S3 speichern Mittelformatkameras maximal Full-HD-Videos. Das gilt auch für die FujiFilm GFX 50R. Bei einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixel lassen sich 24, 25 und 30 Vollbilder pro Sekunde festhalten. Die gleichen Bildraten stehen außerdem bei HD-Auflösung (1.280 x 720 Pixel) zur Wahl. Das ist angesichts der mittlerweile üblichen 4K-Aufnahmen wenig beeindruckend. Zumindest 60 Vollbilder pro Sekunde in Full-HD hätten wir uns durchaus gewünscht.  Für das eine oder andere Video reicht die DSLM sicherlich aus, allzu große Ansprüche dürfen Nutzer an die Kamera allerdings nicht haben. Das gilt auch wegen des langsamen Autofokus. Pluspunkte kann die GFX 50R mit ihrer guten Video-Bildqualität und den manuellen Optionen sammeln. Selbst der Anschluss eines Mikrofons (2,5mm Klinke) ist möglich und der Ton lässt sich pegeln. Trotzdem gilt: Bei Videos leisten anderen Kameras bessere Dienste.

Ein Teil der Schnittstellen der Mittelformatkamera:

Erweiterbarkeit und Schnittstellen:
Die Kabelschnittstellen hat FujiFilm bei der GFX 50R gleich an vier unterschiedlichen Seiten verteilt. An der linken Seitenfläche besteht die Möglichkeit, ein Mikrofon oder einen Kabelfernauslöser einzustecken. Dafür steht ein 2,5mm Klinkenport zur Verfügung. An der rechten Kameraseite liegt der Micro-HDMI-Port, in einem Fach auf der Unterseite befinden sich USB-C-Port und ein 15-Volt-DC-Eingang. Auf der Vorderseite lässt sich zudem ein Blitzsynchronkabel anschließen. Die drahtlose Kommunikation unterstützt die GFX 50R über WLAN und Bluetooth, als kabellosen Fernauslöser kann man daher das Smartphone verwenden.

Unser Fazit:
Die FujiFilm GFX 50R ist keine Kamera für jeden. Das macht schon allein der Preis von 4.499,00 Euro (ohne Objektiv) deutlich. Mit der Kamera setzt FujiFilm allerdings Maßstäbe, mit Ausnahme der X1D von Hasselblad fällt keine digitale Mittelformatkamera derart kompakt und leicht aus. Dass eine Kamera dieser Sensorgröße nicht so klein wie ein Kleinbild- oder APS-C-Modell sein kann, versteht sich wegen des großen Sensors und Bajonetts von selbst. Der große CMOS-Chip stellt den wichtigsten Kaufgrund für die FujiFilm GFX 50R dar, dank ihm lassen sich Fotos mit einer in jeder Hinsicht exzellenten Bildqualität festhalten: Die Detailwiedergabe ist erstklassig, die Bildrauschen trotz hoher Auflösung äußerst gering. Auch mit ISO 6.400 lässt sich problemlos arbeiten, selbst ISO 12.800 sind noch verwendbar. Dafür sind unter anderem die großen Bildpunkte verantwortlich.

Die Bildqualität fällt dank des großen Sensors und der hervorragenden Objektive exzellent aus:

Der große Sensor und die hohe Auflösung der FujiFilm GFX 50R sind jedoch nicht nur von Vorteil, sie sorgen auch für Nachteile. Die Serienbildrate und die AF-C-Leistung bewegen sich deutlich unterhalb dem Niveau von Kameras mit kleineren Sensoren. Konkret heißt das: Mit drei Bildern pro Sekunde und wegen dem langsamen AF-C lassen sich lediglich statische oder langsamere Motive passend einfangen. Das ist bei Kameras dieser Sensorgröße aber nichts Neues und angesichts der technischen Daten natürlich kein Wunder. Kritisieren wollen wir die Arbeitsgeschwindigkeit daher nicht. Wer bislang eine Kamera mit kleinerem Sensor besitzt, die üblicherweise deutlich schneller arbeitet, sollte sich den genannten Einschränkungen allerdings bewusst sein. Die Reportage-Fotografie ist mit der FujiFilm GFX 50R abseits schneller Motive jedoch gut möglich. Videos speichert die DSLM in einer guten bis sehr guten Qualität, der Autofokus und die niedrige Auflösung/Bildrate sind dagegen nicht optimal.

Das Gehäuse der spiegellosen Systemkamera erinnert an APS-C-Modelle, ist aber deutlich größer:

In puncto Bedienung müssen sich Besitzer anderer Kameras von FujiFilm nicht umstellen, fast alle Räder und Tasten befinden sich an den bekannten Plätzen. Davon gibt es viele, alle wichtigen Parameter lassen sich vom Fotografen daher schnell verändern. Pluspunkte vergeben wir für die verschiedenen Konfigurationsmöglichkeiten (unter anderem sechs Fn-Tasten), den AF-Joystick und die gut zu drehenden Einstellräder. Die Tasten sagen uns etwas weniger zu, sie liegen zum Teil plan im Gehäuse.

Gehäuse und Sensoren im Größenvergleich: Mittelformat (GFX 50R) vs. Micro-Four-Thirds (GM1):

Der Sucher und das Display sind beide mit hochauflösenden Panels (mit 3,69 Millionen und 2,36 Millionen Subpixel) ausgestattet, das sorgt für eine sehr scharfe Wiedergabe. Leider können Brillenträger den Sucher nicht optimal einsehen, dafür muss nämlich sehr nah an die Austrittspupille herangerückt werden. Die dreh- und schwenkbare Konstruktion des LCDs leistet in der Praxis eine gute Arbeit, bei Überkopfaufnahmen oder auch bei Fotos in Bodennähe ist die Bildkontrolle problemlos möglich.

Am Ende können wir zusammenfassen: Wer eine noch recht kompakte Kamera mit exzellenter Bildqualität sucht, erhält mit der GFX 50R ein sehr gutes Modell. Mit Ausnahme der Serienbildrate, des AF-C-Betriebs und der Videofunktion erreicht die DSLM sehr gute Ergebnisse.

Der dkamera.de Award zur FujiFilm GFX 50R:

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