22.05.2025 - 08:00

Nikon Z5II und Sony Alpha 7 IV im Vergleich (Teil 2)

Teil 2 von 3: Einsteiger-DSLMs mit Vollformatsensor und 4K60p-Videoaufnahme


Links sehen Sie die Nikon Z5II, rechts die Sony Alpha 7 IV.

Nachdem wir im ersten Teil unseres Vergleichstests der Nikon Z5II und der Sony Alpha 7 IV die Kameragehäuse und die Bildqualität verglichen haben, gehen wir jetzt unter anderem auf die Bildkontrolle, die Arbeitsgeschwindigkeit und das Objektivangebot der spiegellosen Systemkameras ein.

Objektivangebot:
Das Objektivangebot für spiegellose Systemkameras wächst immer noch kontinuierlich. Während Sony dank des E-Bajonetts diesbezüglich lange sehr weit führend war, hat Nikon in der letzten Zeit deutlich aufgeholt. Neben zahlreichen eigenen Objektiven, die das Unternehmen aus Japan in den letzten Jahren vorgestellt hat, bieten mittlerweile auch mehrere andere Hersteller Objektive mit dem Z-Bajonett an. Dazu gehören unter anderem Tamron, Voigtländer und diverse chinesische Unternehmen. Teilweise verfügen die Objektive dieser Hersteller auch über einen Fokusmotor und lassen sich problemlos über die Kamera steuern. Trotzdem muss an dieser Stelle klar gesagt werden, dass sich auch heute noch wesentlich mehr Objektive mit dem E-Bajonett als mit dem Z-Bajonett erstehen lassen.

Unser Sieger beim Objektivangebot: Die Sony Alpha 7 IV.

Alle wichtigen Objektive gibt es für beide DSLMs, das Angebot für die Alpha 7 IV ist aber größer:
Links sehen Sie die Nikon Z5II, rechts die Sony Alpha 7 IV.

Bildkontrolle:
Zur Bildkontrolle sind beide Kameras in diesem Vergleich mit einem Sucher und einem Display ausgestattet. Bei den Suchern handelt es sich natürlich um elektronische Modelle, hier kommen jeweils OLED-Panels zum Einsatz. Diese lösen 3,69 Millionen Subpixel auf und erreichen damit eine sehr gute Darstellung. Unterschiede ergeben sich bei der maximalen Bildrate: Diese liegt bei der Alpha 7 IV mit 120 Bildern pro Sekunde doppelt so hoch wie bei der Z5II mit maximal 60 Bildern pro Sekunde. Wer sich bei der Kamera von Sony für die Bildratenoption „Hoch“ und damit 120 Fps entscheidet, muss allerdings mit einer schlechteren Darstellung auskommen. Wir würden diese Option daher nur verwenden, wenn man ein besonders flüssiges Bild benötigt. In den meisten Fällen stufen wir die Standard-Bildratenoption als sinnvoller ein. Abseits der Bildrate unterscheiden sich die Sucher auch bei der Vergrößerung und der Helligkeit. Erstere Werte sind jeweils bekannt (Z5II: 0,8-fache Vergrößerung, Alpha 7 IV: 0,78-fache Vergrößerung), die maximale Helligkeit des Sucherpanels gibt allerdings nur Nikon (3.000 Nits) an. In der Praxis ist das Sucherbild der Z5II auf jeden Fall heller, die etwas stärkere Vergrößerung fällt dagegen kaum auf.

Neben dem Sucher verfügt die Z5II über ein 3,2 Zoll großes LCD mit 2,1 Millionen Subpixel:
Nikon Z5II.

Das 3,0 Zoll messende LCD der Alpha 7 IV löst 1,04 Millionen Subpixel auf:
Sony Alpha 7 IV.

Bei den Displays setzen beide Hersteller nicht auf die früher bei Kameras gängigen, nach oben und unten schwenkbaren Konstruktionen, sondern auf dreh- und schwenkbare Lösungen. Dadurch kann man die LCDs auch betrachten, wenn man vor der Kamera steht. Also unter anderem bei der Aufnahme von Vlogs oder Selbstporträts. Damit kommen beide Unternehmen unter anderem dem Wunsch von Videografen nach. Diese favorisieren derartig konstruierte Displays. In der Praxis lassen sich beide Panels in nahezu allen Fällen sehr gut ablesen, das LCD der Z5II ist aber sowohl größer (3,2 Zoll vs. 3,0 Zoll) als auch ein gutes Stück schärfer (2,1 Millionen Subpixel vs. 1,04 Millionen Subpixel).

Unser Sieger bei der Bildkontrolle: Die Nikon Z5II.

Geschwindigkeit:
Schnelle Serienaufnahmen sind für den Aufnahmeerfolg entscheidend und mit fast allen aktuellen Systemkameras möglich. Bei unseren beiden Vergleichsmodellen gibt es aber doch mehrere Unterschiede. Die Nikon Z5II kann bis zu 30 Bilder pro Sekunde aufnehmen, die Sony Alpha 7 IV kommt lediglich auf ein Drittel dieses Wertes. Mit zehn Bildern pro Sekunde ist man zwar noch recht gut aufgestellt, 30 Bilder pro Sekunde machen das Aufnehmen eines kurzen Moments aber natürlich deutlich einfacher. Bei den genannten Bildraten gilt es allerdings auch mehrere Einschränkungen zu beachten: 30 Bilder pro Sekunde erreicht die Nikon Z5II nur mit dem elektronischen Verschluss und auch nur bei Fotos im JPEG-Format. RAW-Aufnahmen sind mit maximal 11,2 Bildern pro Sekunde möglich und der mechanische Verschluss erlaubt maximal 14,1 Bilder pro Sekunde. Die Z5II arbeitet damit aber immer noch schneller als die Alpha 7 IV.

Bei der Kamera von Sony muss man sich als Vorteil keine Gedanken über die Länge der Bildserie machen – sofern eine schnelle CFexpress Typ-A-Karte zum Einsatz kommt. Damit erlaubt die DSLM praktisch unendlich lange Aufnahmeserien (nur vom Speicherplatz und der Stromversorgung abhängig). Bei der Z5II endet die Serie beim Verwenden des mechanischen Verschlusses stets nach 200 Bildern am Stück, sie kann jedoch sofort wieder gestartet werden. Langsamer wird die Kamera nach rund 165 Fotos bei eingestelltem RAW-Format, bei JPEG-Dateien besteht keine Grenze. Mit elektronischem Verschluss und 30 Bildern pro Sekunde hat die Z5II im Test 2.106 Fotos am Stück aufgenommen. Das ist zweifellos ein beeindruckender Wert. Derart lange Bildserien benötigen Fotografen allenfalls in extremen Ausnahmesituationen. Um einen kurzen Moment optimal einfangen zu können, bringt die Nikon-DSLM die Pre-Release-Capture-Funktion mit. Damit kann man Fotos bis zu einer Sekunde vor dem Drücken des Auslösers aufnehmen.

Mit 30 Bildern pro Sekunde erlaubt die Z5II eine deutlich höhere Serienbildrate:
Nikon Z5II.

Ein Stück besser als die Sony Alpha 7 IV schneidet die Nikon Z5II bei der Einschaltzeit ab. Die vollständige Displayansicht liefert die Kamera von Nikon bereits nach 0,93 Sekunden, bei der Alpha 7 IV dauert dies 1,21 Sekunden. Das erste Bild ist beim Nikon-Modell zudem schon nach 0,62 Sekunden im Kasten, während sich die Sony-Kamera dafür 0,86 Sekunden Zeit nimmt. Diese Unterschiede mögen nicht in jedem Fall eine Rolle spielen, sie sollten aber trotzdem erwähnt werden.

Unser Sieger bei der Geschwindigkeit: Die Nikon Z5II.

Autofokus:
Moderne Autofokussysteme nutzen Hybrid-AF-Systeme, die sowohl die Phasendetektion als auch die Kontrastmessung verwenden. Dies gilt auch für die AF-Systeme unserer beiden Vergleichskameras. Nikon gibt für die Z5II 299 Messfelder an, Sony für die 759 bzw. 425 Messfelder (Phasendetektion / Kontrastmessung. Bei wenig Licht arbeitet das AF-System der Nikon-DSLM laut Datenblatt besser (-8,5EV bei F2 vs. -4EV bei F2), einen riesigen Vorteil konnten wir in der Praxis jedoch nicht feststellen. Beim Verfolgen von bewegten Motiven sehen wir die Sony Alpha 7 IV vorne, sie kann schnelle Motive noch etwas besser im Fokus halten. Bei statischen Motiven arbeitet dafür die Z5II einen Tick schneller.

Die Kamera von Nikon kann nahezu alle üblichen Objekte erkennen:
Nikon Z5II.

Die Sony Alpha 7 IV erkennt Menschen, Tiere (Hunde sowie Katzen) und Vögel:
Sony Alpha 7 IV.

Einen eindeutigen Sieger gibt es bei der Motiverkennung. Während die Sony Alpha 7 IV nur Menschen und Tiere (Hunde, Katzen und Vögel) erkennt, kann die Z5II zusätzlich Autos, Motorräder, Fahrräder, Züge und Flugzeuge detektieren. Wer der Kamera das automatische Scharfstellen mittels Motiverkennung überlassen möchte, bekommt bei der Z5II also ein wesentlich besseres Paket geboten.

Unser Sieger beim Autofokus: Die Nikon Z5II.

Funktionen und Features:
Die Liste der Funktionen und Features fällt bei beiden Kameras in diesem Vergleich lang aus. Dazu gehören unter anderem eine Reihe von unterschiedlichen Aufnahmeprogrammen. Neben den „Klassikern“, der Vollautomatik und den PSAM-Modi, sind beide Kameras mit zusätzlich drei Custom-Programmen ausgestattet. Diese erlauben das Abspeichern und schnelle Abrufen spezieller Aufnahme-Einstellungen. Darüber hinaus werden auch Intervallaufnahmen, Belichtungsreihen-Aufnahmen oder auch Fokusreihen-Aufnahmen angeboten. Eine High-Res-Funktion bringt dagegen nur die Nikon Z5II mit. Diese nennt sich bei Nikon „Pixelverlagerung“ und erlaubt das Speichern von vier bis 32 Fotos mit leicht verschobenem Bildwandler. High-Res-Aufnahmen ermöglichen Fotos mit einer besseren Detailwiedergabe, sie sind allerdings nur vom Stativ aus möglich. Darüber hinaus wird zum Erstellen von High-Res-Bildern die NX Studio-Software von Nikon benötigt. Diese Einschränkungen lassen den Aufnahmekomfort deutlich sinken und machen High-Res-Fotos nur für wenige Aufnahmesituationen interessant.

Mit der Pixelverlagerungs-Funktion lassen sich detailreichere Fotos aufnehmen:

Die Verschlüsse beider Systemkameras arbeiten mechanisch (inklusive erstem elektronischen Vorhang (EFC)) sowie rein elektronisch. Die Z5II belichtet mit EFC als Einschränkung nur bis zu 1/2.000 Sekunde, in allen anderen Fällen erreichen beide Kameras 1/8.000 Sekunde. Wer den elektronischen Verschluss der Z5II nutzen möchte, findet die Einstellung allerdings nicht bei der Verschlusstypwahl, sondern muss dafür den Lautlos-Modus aktivieren. Bei der Alpha 7 IV gibt es diese spezielle Unterscheidung nicht. Grundsätzlich kann man mit den elektronischen Verschlüssen beider Kameras sehr gut arbeiten, wenn sich Bewegungen im Bild in Grenzen halten und die Beleuchtung nicht künstlich erfolgt. Ist letzteres der Fall, kann jedoch Banding sichtbar werden. Bei stärkeren Bewegungen tritt zudem der Rolling-Shutter-Effekt auf. Wer die genannten Probleme stets ausschließen will, muss zu den mechanischen Verschlussoptionen greifen.

In beiden DSLMs lassen sich jeweils zwei Speicherkarten einsetzen:
Links sehen Sie die Nikon Z5II, rechts die Sony Alpha 7 IV.

Die Alpha 7 IV unterstützt neben SD-Karten auch CFexpress Typ-A-Karten (nur in Slot 1):
Sony Alpha 7 IV.

Für das Abspeichern von Bildern und Videos sind beide Kameras mit zwei Slots ausgerüstet. Dadurch lassen sich kamerainterne Backups erstellen, die vor dem Verlust von Fotos schützen. Bei der Alpha 7 IV lassen sich auf die zweite Speicherkarte zudem auch Videos schreiben. Das geht bei der Z5II nicht. Des Weiteren hebt sich die Sony-Kamera vom Nikon-Modell durch den Einsatz von CFexpress Typ-A-Karten ab. Dafür ist der erste Speicherkarten-Slot als Kombi-Slot ausgeführt.

Hier lässt sich neben einer CFexpress Typ-A-Karte auch eine SD-Karte einsetzen. Da CFexpress Typ-A-Karten eine Geschwindigkeit von bis zu 1.000MB/s erreichen können (theoretischer Wert), kann man mit ihnen große Datenmengen deutlich schneller abspeichern. SD-Karten arbeiten in beiden Kameras allerdings ebenso nicht langsam. Dank des UHS-II-Standards sind Datenraten von etwa 250MB/s (theoretisch maximal 312MB/s möglich.

Durch die beweglich gelagerten Sensoren ist die Bildstabilisierung möglich:
Sony Alpha 7 IV.

Die Bildstabilisierung erfolgt bei beiden DSLMs durch das kameraeigene Stabilisierungssystem („IBIS“). Dieses kann bei kompatiblen Objektiven zudem mit dem Objektiv-Stabilisator zusammenarbeiten. Nikon gibt für die Z5II eine Kompensationsleitung von bis zu 7,5 Blendenstufen an, Sony für die Alpha 7 IV von bis zu 5,5 Blendenstufen. In der Praxis haben wir beim Einsatz der Standardzooms ohne eigenen Stabilisator Werte von vier Blendenstufen (Nikon Z5II) und drei bis vier Blendenstufen (Sony Alpha 7 IV) ermittelt. Die Kamera von Nikon schneidet in puncto Stabilisierung also ein wenig besser ab.

Unsere Wertung bei den Funktionen und Features: Unentschieden.

Im dritten Teil unseres Vergleichstests der Nikon Z5II und der Sony Alpha 7 IV gehen wir auf die Erweiterbarkeit und die Videofunktion ein. Zudem ziehen wir ein Fazit.

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Autor: dkamera.de Redaktion