Teil 3 von 3: Einsteiger-DSLMs mit Vollformatsensor und 4K60p-Videoaufnahme
Nachdem wir im zweiten Teil unseres Vergleichs der Nikon Z5II und der Sony Alpha 7 IV unter anderem die Möglichkeiten zur Bildkontrolle und die Arbeitsgeschwindigkeit verglichen haben, sehen wir uns jetzt die Videoaufnahme, die Erweiterbarkeit und die Schnittstellen an. Anschließend fassen wir unsere Ergebnisse zusammen und ziehen ein Fazit.
Videoaufnahme:
Eine ansprechende Videofunktion darf bei modernen Kameras genauso wenig fehlen wie ein schneller Autofokus. Beide Kameras in diesem Vergleich können Aufnahmen in 4K-Auflösung mit bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde aufzeichnen, höhere Bildraten werden nicht angeboten. 50 und 60 Vollbilder pro Sekunde schaffen unsere Testkandidaten allerdings nur mit einem deutlichen Crop (in etwa APS-C-Format). Ohne Crop stellen 30 Vollbilder pro Sekunde die höchste Bildrate dar. Hier lesen beide DSLMs als Vorteil den kompletten Sensor aus. Dadurch erhält man dank 6K-Oversampling (Z5II) bzw. 7K-Oversampling (Alpha 7 IV) eine hervorragende Bildqualität. Bei höheren Bildraten ist die Bildqualität durch das 1:1-Readout des Sensors zwar etwas schlechter, grundsätzlich betrachtet aber immer noch exzellent. Zeitlupen lassen sich mit beiden DSLMs in Full-HD mit bis zu fünffacher Verlangsamung erstellen (Aufnahme erfolgt in 1080p120), die Alpha 7 IV bietet hier noch ein paar Optionen mehr als die Z5II.
Eine hohe Bildqualität ist durch die Speicherung mit 10-Bit gewährleistet, die Nikon Z5II erreicht bei RAW-Aufnahmen sogar 12-Bit. Flache Bildprofile (N-Log bzw. S-Log) ermöglichen des Weiteren das Vergrößern des Dynamikumfangs. Daneben bringen beide Kameras mehrere Spezialfunktionen mit: Bei der Z5II gibt es unter anderem einen Waveform-Monitor zur besseren Kontrolle der Helligkeit, die Sony Alpha 7 IV verfügt über die Focus-Breathing-Korrektur sowie eine Fokuskarte. Audioaufnahmen sind jeweils mit dem integrierten Stereomikrofon oder einem externen Modell möglich, die Tonpegelung und die Tonkontrolle (per Kopfhörer oder Pegelanzeige) werden angeboten.
Unser Sieger bei der Videoaufnahme: Die Nikon Z5II.
Erweiterbarkeit und Schnittstellen:
Schnittstellen haben nahezu alle modernen Kameras zu bieten. Beide Testmodelle in diesem Vergleich sind mit allen wichtigen Schnittstellen ausgestattet, die man heutzutage bei spiegellosen Systemkameras erwartet. Dazu gehören natürlich ein schneller USB-C-Port mit 3.2-Standard und ein HDMI-Ausgang. Während sich Sony bei der Alpha 7 IV für einen Fullsize-HDMI-Anschluss entschieden hat, verbaut Nikon bei der Z5II allerdings nur die Micro-Variante. Die meisten Kamerabesitzer sollte dies zwar kaum stören, einige Videografen wünschen sich jedoch einen größeren HDMI-Anschluss. Zusätzlich sind beide Kameras mit zwei 3,5mm Klinkenbuchsen ausgestattet. Diese erlauben den Anschluss eines Mikrofons und eines Kopfhörers. Nikon nutzt den Kopfhörerausgang aber nicht nur für Kopfhörer, damit wird auch eine Kabelfernbedienung angeschlossen. Dafür gibt es bei der Alpha 7 IV einen zusätzlichen Micro-USB-Port.
Für externe Blitzgeräte sind beide DSLMs mit einem Zubehörschuh ausgestattet, bei der DSLM von Sony lässt sich damit unter anderem auch ein externes Mikrofon anschließen. Dadurch kann man auf ein zusätzliches Kabel verzichten. Apropos auf Kabel verzichten: Natürlich unterstützen beide Kameras WLAN sowie Bluetooth und lassen sie sich über Apps aus der Ferne steuern. Zudem ist darüber der Upload der Bilddateien in die Cloud möglich.
Unser Sieger bei der Erweiterbarkeit und den Schnittstellen: Die Sony Alpha 7 IV.
Unser Fazit:
Mit der Z5II hat Nikon im Segment der Einsteigerkameras mit Vollformatsensor ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Die neue DSLM des japanischen Unternehmens kann sogar die sehr beliebte und leistungsfähige Sony Alpha 7 IV übertreffen. Beide Kameras liegen allerdings nah zusammen, sehr große Unterschiede konnten wir im Test nur wenige feststellen. Beide Kameras leisten ihren Besitzern in vielen Fällen sehr gute Dienste und können in Anbetracht des nicht allzu hohen Preises zweifellos überzeugen.
Zu den Details: In puncto Bildqualität liegt die Sony Alpha 7 IV wegen ihres höher auflösenden Sensors vorne. Die zusätzlichen Pixel sorgen unter anderem bei größeren Ausdrucken oder dem stärkeren Bildzuschnitt für Vorteile. Die Kamera von Nikon kann sich dagegen bei Serienbildaufnahmen absetzen – und das deutlich. Mit 30 Bildern pro Sekunde schafft sie dreimal so viele Bilder wie die Alpha 7 IV. In diesem Fall ist allerdings der elektronische Verschluss zu verwenden. Da bei dessen Einsatz Verzerrungen oder Banding-Artefakte möglich sind, stellt er nicht in jeder Situation die beste Wahl dar. Wer zum mechanischen Verschluss greift, ist bei der Z5II aber immer noch besser bedient: Die Kamera von Nikon schafft damit bis zu 14 Bilder pro Sekunde, das Sony-Modell kommt auf maximal zehn Bilder pro Sekunde. Aufnahmeserien sind dank großer Pufferspeicher und schneller Speicherkartenanbindungen jeweils sehr gut möglich, Besitzer der Alpha 7 IV profitieren von den besonders flotten CFexpress Typ-A-Karten. Die Autofokussysteme beider Kameras arbeiten sehr schnell. Beim Verfolgen von bewegten Motiven schaffte die Alpha 7 IV im Test etwas mehr scharfe Aufnahmen, die Z5II punktet dafür mit einer wesentlich umfangreicheren Motiverkennung.
Wer Videos aufnehmen will, kann bei beiden DSLMs zwischen der 4K-Aufnahme mit bis zu 30 Vollbildern pro Sekunde ohne Crop und der 4K-Aufnahme mit bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde mit Crop wählen. Das ist nicht mehr "State of the Art", es handelt sich jedoch auch um Einsteigerkameras. Geringe Kompressionen und Oversampling (bis 4K30p) sorgen jeweils für eine hohe Videoqualität, flache Bildprofile erweitern die Nachbearbeitungsmöglichkeiten. Die Nikon Z5II kann als Bonus sogar RAW-Videos speichern. Hinsichtlich der Audio-Aufnahme sind Besitzer der Alpha 7 IV etwas besser aufgestellt, wenn man Aufsteckmikrofone nutzen möchte. Grundsätzlich bringen beide Kameras aber alle relevanten Schnittstellen mit.
In etwa gleichauf sehen wir die spiegellosen Systemkameras bei den Gehäusen. Beide Hersteller setzen unter anderem auf eine Magnesiumlegierung. Bei der Alpha 7 IV besteht der Großteil des Gehäuses daraus, Nikon setzt – zumindest oberflächlich – auf etwas Kunststoff. Die Kamera von Nikon ist dagegen etwas besser abgedichtet. In der Hand liegen beide DSLMs komfortabel, viele Bedienelemente erlauben Eingaben ohne das Aufrufen des Menüs. Viele Tasten kann man des Weiteren frei belegen. Die Alpha 7 IV bietet dabei noch etwas mehr Optionen. Ein frei konfigurierbares Quickmenü und ein frei zusammenstellbares „Mein Menü“ bringen beide DSLMs mit.
Zur Bildkontrolle stehen jeweils ein Sucher sowie ein Display zur Verfügung. Die Sucher lösen identisch hoch auf (3,69 Millionen Subpixel) und nutzen OLED-Panels, die Wiedergabefrequenz kann bei der Alpha 7 IV mit 120 Bildern pro Sekunde jedoch höher als bei der Z5II (60 Bilder pro Sekunde) sein. Einen Tick höher ist bei der Kamera von Nikon dagegen die Suchervergrößerung (0,8-fach vs. 0,78-fach) und das Display der Z5II fällt etwas größer aus (3,2 Zoll vs. 3,0 Zoll). Noch größer ist der Unterschied bei den Auflösungen: Mit 2,1 Millionen Subpixeln liefert das LCD der Nikon-Kamera ein deutlich besseres Bild als das LCD des Sony-Modells (1,04 Millionen Subpixel). Einen Touchscreen besitzen natürlich beide DSLMs, Eingaben lassen sich damit in den Menüs ohne Einschränkungen vornehmen.
Funktionen und Features finden sich bei beiden Kameras sehr viele, die High-Res-Aufnahme erlaubt allerdings nur die Nikon Z5II. Da das Erstellen der detailreichen Aufnahmen vergleichsweise aufwendig und komplex ist, dürfte diese Funktion in der Praxis aber nur selten genutzt werden. Beim Objektivangebot gibt es mit der Alpha 7 IV einen klaren Sieger: Für die Sony-DSLM lassen sich extrem viele Objektive – von günstig bis teuer – erstehen. Hier hält die Z5II eindeutig nicht mit. Das Angebot an Objektiven mit dem Z-Bajonett wird allerdings ständig größer und hat mittlerweile auch schon einen ansprechenden Umfang erreicht.
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