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Die Fokus-Bracketing-Funktion der Canon EOS RP im Test

Zum Fokus-Stacking kommt Digital Photo Professional zum Einsatz

Kameras sind heutzutage nicht mehr einfach nur „Geräte“, mit denen man Fotos aufnehmen kann. Neben der schon länger vorhandenen Videofunktion wurden in den letzten Jahren immer mehr Features integriert. Diese sollen dem Fotografen unter anderem das Leben erleichtern. Eine Funktion, die dies ermöglicht, ist das sogenannte Fokus-Bracketing. Hier nimmt die Kamera automatisiert mehrere Bilder mit unterschiedlichen Fokuseinstellungen auf, das manuelle Fokussieren oder das Ändern der Kameraentfernung von Hand entfällt. Diese Funktion ist auch bei der neuen Canon EOS RP zu finden. Wir schauen sie uns in folgendem Test genauer an.

Kameraeigene Fokus-Bracketing-Funktionen sind nicht neu. Diese sind beispielsweise bei den Kameramodellen von Olympus und Panasonic zu finden. Besitzer von Canon-Kameras mussten sich dagegen bislang mit anderen Methoden behelfen. Das ändert sich mit der EOS RP. Die im Frühjahr 2019 von Canon vorgestellte spiegellose Systemkamera beherrscht das Fokus-Bracketing bereits von Haus aus.

Zunächst aber zu den Voraussetzungen:
Wer das Fokus-Bracketing nutzen möchte, sollte sowohl ein Stativ als auch eines der zur Funktion kompatiblen Objektive besitzen. Im April 2019 listet Canon zehn taugliche Objektive auf, sechs davon besitzen das EF-Bajonett und müssen mit dem EF-EOS R Bajonettadapter betrieben werden.

Die kompatiblen Objektive: Canon RF 35mm F1,8 Macro ISS TM, Canon RF 50mm F1,2L USM, Canon RF 28-70mm F2L USM, Canon RF 24-105mm F4L IS USM, Canon EF 16-35mm F4L IS USM, Canon EF 24-70mm F4L IS USM, Canon EF 100mm F2,8L Macro IS USM, Canon EF 180mm F3,5L Macro USM, Canon EF-S 35mm F2,8 Macro IS STM und Canon EF-S 60mm F2,8 Macro USM. Beim Canon EF 100mm F2,8L Macro IS USM, Canon EF 180mm F3,5L Macro USM und Canon EF-S 60mm F2,8 Macro USM sollte laut Canon die Belichtungsglättung deaktiviert werden, um Änderungen der Bildhelligkeit zu verhindern.

Das Fokus-Bracketing wird über das Aufnahme-Menü aktiviert:

Die Funktion der Kamera:
Die Funktion Fokus-Bracketing versteckt sich bei der EOS RP auf der fünften Menüseite des Aufnahmemenüs und muss vor dem Einsatz aktiviert werden. Insgesamt stehen beim Fokus-Bracketing drei Optionen zur Verfügung: Zum einen lässt sich die Anzahl der Bilder bestimmen, welche die Kamera pro Schärfefahrt aufnimmt. Hier kann sich der Nutzer zwischen zwei und bis zu 999 Fotos entscheiden.

Es stehen drei Optionen zur Wahl:

Eine Fokusreihe kann bis zu 999 Aufnahmen umfassen:

Danach kann er die Fokus-Abstufung festlegen. Hier stehen Werte zwischen 1 (= eng) und 10 (= weit) zur Wahl. Abhängig von der gewählten Blende entscheidet die Kamera automatisch, wie groß der Fokus-Abstand zwischen zwei Fotos ausfällt. Als letzte Option kann man sich für oder gegen die Belichtungsglättung entscheiden. Diese Option verhindert, dass eine Veränderung der effektiven Blende des Objektivs, die vom Abbildungsmaßstab abhängig ist, zu Helligkeitsschwankungen führt.

Bei der Einstellung "Fokus-Abstufung" gibt es zehn unterschiedliche Stufen:

Zudem kann man eine Belichtungsglättung ein- oder ausschalten:

Grundsätzlich gilt: Mehr Aufnahmen sind besser als weniger. Nur wenn das gesamte Motiv scharf aufgenommen wurde, lässt sich per Software ein qualitativ hochwertiges Bild berechnen. Hier sind Erfahrungswerte gefragt.

An ein wenig Testaufwand kommt man also nicht vorbei, wenn die Anzahl der Aufnahmen halbwegs zum Motiv passen soll. Wem es weder an Zeit (die beim Verrechnen vieler Aufnahmen natürlich deutlich ansteigt) noch an Speicherplatz mangelt, kann sich immer für den kleinsten Fokusabstand und eine sehr hohe Bilderzahl entscheiden. Die Kamera stoppt die Aufnahme automatisch, wenn die maximale Fokusposition erreicht wurde.

Beim Fokus-Bracketing durchfährt die Kamera automatisch den Fokusbereich:

Sind alle Einstellungen vorgenommen, kann man das Menü verlassen. Nun wählt man den Punkt mit dem kürzesten Abstand zur Kamera aus und startet das Fokus-Bracketing durch das Drücken des Fotoauslösers. Abhängig von den gewählten Einstellungen können Fokusfahrten der DSLM unterschiedlich lange dauern. Bei 100 Aufnahmen und der Fokus-Abstufung "1" haben wir beim Canon RF 35mm F1,8 Macro IS STM beispielsweise eine Dauer von etwa 20 Sekunden gemessen. Das ist extrem flott. Wer 100 Einzelbilder per Hand schießen würde und dabei jeweils neu fokussiert bzw. die Position der Kamera mit einem Makroschlitten verändert, würde dafür ein Vielfaches an Zeit benötigen.

Der elektronische Verschluss kann für Probleme sorgen:

Ein Nachteil der Focus-Bracketing-Funktion der Canon EOS RP ist die Begrenzung auf den elektronischen Verschluss. Dadurch können bei Aufnahmen unter Kunstlicht deutliche Artefakte sichtbar werden. Hier muss man sich mit einer Veränderung der Verschlusszeit behelfen. Das ist natürlich nicht wirklich optimal.

Auch gut zu wissen: Wird die Kamera ausgeschaltet, deaktiviert sich das Fokus-Bracketing automatisch. Wer eine bereits begonnene Fokusfahrt stoppen möchte, betätigt den Auslöser erneut.

Das Stacking der Aufnahmen:
Wer die Bilder eine Schärfereihe verrechnen möchte, kann dazu das Programm seiner Wahl verwenden (zum Beispiel Adobe Photoshop oder Helicon Focus) oder zu Digital Photo Professional in der neuesten Version (ab 4.10) greifen. Letztere Lösung ist als Vorteil unter anderem kostenlos und liegt der Kamera bei bzw. lässt sich kostenlos herunterladen.

Die Option "Tiefen-Compositung" findet sich unter dem Reiter "Extras":

In Digital Photo Professional wählen Fotografen den Ordner mit den aufgenommenen Fotos aus und bestimmen den Anfang sowie das Ende einer Schärfenreihe. Danach aktiviert man Fokus-Stacking über „Extras“, „Tiefen-Compositing“ und „Tiefen-Compositing-Werkzeug“ starten. Danach erscheint ein Dialog, der neben dem Speicherort der Ausgabedatei vier Einstellungen erlaubt. Es lassen sich folgende Parameter anpassen: „Bokeh-Betrag“ (fünf Stufen), „Auf nähere Motive hin gewichten“ (vier Stufen), „Glätte der Compositing-Grenze“ (fünf Stufen) und „Automatische Helligkeit“ (ja oder nein). Alle beeinflussen das Zusammenrechnen der Fotos, hier kann der User bei Bedarf optimieren. Nacharbeiten kann man zudem mit dem „Tiefen-Compositing-Bearbeitungswerkzeug“.

Vor dem Stacking lassen sich verschiedene Einstellungen vornehmen:

Die Verrechung von 100 Fotos dauert mit Digital Photo Professional etwas mehr als sechs Minuten:

Sind alle Einstellungen vorgenommen, wird das Stacking dem Button „Ausführen“ gestartet. Die Dauer dieses Vorgangs ist von der Anzahl der Aufnahmen abhängig. Im Test mit 100 JPEG-Fotos (jeweils 26 Megapixel) wurden rund sechs Minuten und 30 Sekunden benötigt. Neben JPEG-Dateien lassen sich auch RAW-Fotos verwenden.

Die Ergebnisse:

Fazit:
In unserem Praxistest schlug sich die EOS RP sehr gut, Digital Photo Professional arbeitete dagegen nicht fehlerfrei. Die Aufnahme von Schärfereihen ist denkbar einfach und komfortabel, die dafür benötigte Zeit sehr kurz. Digital Photo Professional leistet sich bei kritischen Motiven den ein oder anderen Fehler, teilweise werden Fotos nicht an allen Stellen scharf zusammengesetzt. Über die Optionen lässt sich zwar eingreifen, das ist aber doch eher mühselig. Wer spezielle Einstellungen oder fehlerfreie Aufnahmen benötigt, greift am besten zu einer Profi-Software wie Helicon Focus. Dass Canon die EOS RP mit der Focus-Bracketing-Funktion ausgestattet hat, muss letztendlich gelobt werden. Hoffentlich wird dieses Feature bei älteren Kameras nachgereicht und ebenso bei allen neueren Modellen zu finden sein.

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