Die High-Resolution-Aufnahme – Theorie und Praxis (Teil 2)

Die Funktion in der Praxis und Beispielaufnahmen

Nachdem wir uns im ersten Teil unseres Artikels zur High Resolution Aufnahme die technischen Details angesehen haben, gehen wir jetzt auf die Praxis ein. Unter anderem stellen wir die verschiedenen High-Res-Funktionen der Hersteller vor und präsentieren Beispielbilder.

Wie bereits angesprochen bezeichnen die verschiedenen Hersteller die High Resolution-Aufnahme mit unterschiedlichen Namen. Die genaue Umsetzung weicht von Hersteller zu Hersteller ebenso ab. In der Praxis lässt sich aber doch ein Muster erkennen. So werden die High Res-Modi nicht über das Programmwählrad eingestellt, sondern sie werden über das Foto-Aufnahme-Menü erreicht. Alle dem Modus zugehörigen Optionen sind auf einer Menü-Seite zusammengefasst, abhängig von der Kamera stehen unterschiedliche Einstellungen zur Verfügung. Für alle Modelle gilt: Die High-Resolution-Aufnahme ist mit unterschiedlichen Belichtungs- oder auch Fokuseinstellungen kombinierbar. Diesbezüglich ist man also nicht eingeschränkt.

Die Hochaufgelöste Aufnahme von Olympus am Beispiel der OM-D E-M1X:
Bei Olympus wird die Hochauflösende Aufnahme-Funktion über das Kameramenü oder abhängig von der Kamera auch über die Taste für den Auslösemodus erreicht. Alle kompatiblen Kameras verfügen über einen Modus zur Aufnahme von einem Stativ (oder einer anderen festen Unterlage), die Olympus OM-D E-M1X und die E-M1 Mark III sind zudem mit einem Freihand-Modus ausgerüstet.

Das Aufnahmemenü bei der Olympus OM-D E-M1X:

Im Menü der "Hochaufgelösten Aufnahme" kann man sich für die Auflösung der Bilder, eine Auslöseverzögerung und eine Wartezeit zwischen den Einzelbildern für das Aufladen eines Blitzgerätes entscheiden. Bei Aufnahmen von einem Stativ benötigt die E-M1X rund acht Sekunden, beim Freihand-Modus waren es im Test etwa zwölf Sekunden. Als Dateiformate lassen sich wie bei normalen Aufnahmen JPEG, RAW und JPEG+RAW nutzen.

Bei der Panasonic Lumix DC-S1 und S1R sieht das Aufnahmemenü wie folgt aus:

Bei der Lumix DC-S5 hat Panasonic mehr Einstellungsmöglichkeiten integriert:

Die High-Resolution-Aufnahme von Panasonic am Beispiel der Lumix S1 und S5:
Panasonic hat die High-Resolution-Aufnahme bei seinen Kameras mit der Lumix DC-G9 gestartet, bis heute ist diese allerdings das einzige MFT-Modell mit dieser Funktion. Bei den Kameras der Vollformatklasse steht die Funktion dagegen bei allen für die Fotoaufnahme gedachten Modelle zur Verfügung. Dies sind die S1, S1R und S5. Bei der S1 und S1R gibt es allerdings nur drei Funktionen. Neben der Auslöseverzögerung und der simultanen normalen Aufnahme kann man auch den Aufnahme-Modus einstellen. Im Mode-1-Betrieb sind Bewegungen als "Nachzieheffekte" zu erkennen, beim Mode-2-Betrieb werden diese so gut wie möglich minimiert.

Unter anderem kann man bei der Panasonic Lumix DC-S5 die Auflösung der Bilder wählen:

Bei der Aufnahme stehen unterschiedlichen Dateiformate zur Wahl:

Im Mode 1 gleicht die Kamera Bewegungen im Bild nicht aus:

Beim Mode 2 werden bewegte Teile des Bildes ersetzt:

Die neuere Panasonic Lumix DC-S5 ist mit weiteren Optionen ausgestattet. Hier stellen Fotografen auf Wunsch das Bildformat (JPEG, RAW, JPEG+RAW oder „wie Foto“) und die Auflösung der ausgegebenen Bilder ein. Die S1 und S1R geben nur RAW-Fotos aus, diese müssen per Bildbearbeitungs-Software umgewandelt werden.

Die Pixel-Shift-Resolution von Pentax am Beispiel der K-1 Mark II:
Pentax wählt einen recht ähnlichen Ansatz, bietet Nutzern aber weniger Optionen. Im Menüpunkt Pixel Shift Resolution lässt sich lediglich zwischen drei Optionen wählen. Der normalen Pixel-Shift-Aufnahme von einem Stativ ohne Bewegungskompensation, der Aufnahme von einem Stativ mit Bewegungskompensation und der Freihand-Aufnahme (abhängig vom Kameramodell).

Letztere benötigt kein Stativ, sondern nutzt die Bewegungen des Fotografen. Hierzu werden allerdings mehr Bilder verrechnet, so dass die Aufnahme-Dauer eines Bildes von rund sieben Sekunden auf etwa 20 Sekunden ansteigt.

Pentax bietet bei der K-1 Mark III drei unterschiedliche Aufnahmemodi an:

Die Effizienz dieses Prozesses soll laut Pentax trotzdem „nur“ bei 70 Prozent der Pixel-Shift-Resolution von einem Stativ liegen. Der Stativ-Modus stellt – sofern möglich – daher die bessere Wahl dar. Trotzdem gilt: Die Freihand-Aufnahme ist eine gute Ergänzung. Im Gegensatz zu den anderen Herstellern sorgt die Pixel-Shift-Resolution für keine nominal höhere Auflösung, diese liegt weiterhin bei der Sensorauflösung (24 Megapixel). Das ist allerdings nicht unbedingt von Nachteil, in der Praxis zeigen die per Pixel-Shift-Resolution-Funktion gespeicherten Bilder deutlich mehr Details als normale Aufnahmen.

Die Pixel Multi Shooting-Aufnahme von Sony am Beispiel der Sony Alpha 7R III:
Sony hat die Pixel Multi Shooting-Aufnahme bislang nur bei zwei Kameras integriert, eine wirklich große Bedeutung misst das Unternehmen dieser also wohl kaum zu. Optionen gibt es mit Ausnahme der Auslöseverzögerung bei der Alpha 7R III keine, bei der Alpha 7R IV lässt sich zwischen dem Speichern von vier oder 16 Bildern wählen.

Das Aufnahmemenü der Sony Alpha 7R III:

Während alle anderen Hersteller die Fotos kameraintern zusammenrechnen, muss dies bei Sony per hauseigener Imaging Edge-Software erfolgen. Das sorgt für mehrere Nachteile: Zum einen lassen sich die Aufnahmen nicht sofort überprüfen, zum anderen ist die weitere Verarbeitung deutlich aufwendiger. Die fertig berechneten Bilder lassen sich aus der Imaging Edge des Weiteren nicht per RAW exportieren. Den Workflow muss man daher als bescheiden bezeichnen.

Die Einzelbilder müssen Sony-Besitzer per Imaging-Edge-Software zusammenrechnen:

Vor der Ausgabe als JPEG- oder TIFF-Datei lassen sich weitere Bearbeitungen vornehmen:

Beispielaufnahmen:

Im Folgenden haben wir Ihnen Beispielbilder verschiedener Kameramodelle zusammengestellt. Anhand dieser können Sie die Qualität der High-Resolution-Funktionen selbst beurteilen:

Olympus OM-D E-M1X: Links eine Freihand-Aufnahme, rechts eine Stativ-Aufnahme:

Panasonic Lumix DC-S5: Links eine High-Resolution-Aufnahme, rechts eine normale Aufnahme:

Panasonic Lumix DC-G9: Links eine High-Resolution-Aufnahme, rechts eine normale Aufnahme:

Pentax K-1 Mark III: Links eine High-Resolution-Aufnahme, rechts eine normale Aufnahme:

Sony Alpha 7R III: Links eine High-Resolution-Aufnahme, rechts eine normale Aufnahme:

Unser Fazit:
Im Bereich der Kamera-Technik hat sich in den letzten Jahren viel getan. Immer höher aufgelöste Sensoren, immer höhere Bildraten und immer mehr integrierte Features. Die High-Resolution-Aufnahme ist eine von letzteren und zeigt, dass sich die Bildqualität einer Kamera mit Bayer-Sensor mit recht einfachen Mitteln nochmals deutlich steigern lässt. Wie gut die Ergebnisse in der Praxis ausfallen, hängt natürlich vom Motiv ab. Bei bewegten Motiven geht der Vorteil teilweise oder sogar völlig verloren, manchmal sind die Bilder wegen der sichtbaren Bewegungen sogar schlechter. Jedoch nicht immer, hier schneiden die Hersteller unterschiedlich ab. Panasonic und Pentax bieten eine Bewegungskompensation an, diese reduziert Bewegungen deutlich. Die Auflösung sinkt dadurch allerdings ab. Am Ende gilt: Der Einsatz der High-Resolution-Aufnahme will gut überlegt sein. Bewegt sich das Motiv nicht sind  wirklich gute Ergebnisse möglich.

Sehr gut gefällt uns die Umsetzung bei Olympus, hier kann man bei zwei Modellen auch per Hand fotografieren. Pentax bietet eine derartige Funktion ebenso an. Der kleine MFT-Chip der Olympus- oder Panasonic-Kameras mit recht geringer Auflösung profitiert vom „Auflösungs-Boost“ am meisten, bei einer Vollformatkamera mit höherer Auflösung sind die effektiven Vorteile kleiner. Vorhanden allerdings schon. In puncto Workflow liegen Olympus, Panasonic und Pentax auf einem Level, bei Bewegungen im Bild schneiden letztere beiden am besten ab. Sony kann mangels fehlender interner Zusammenrechnung nicht mithalten. Verwacklungen kann man hier direkt nach der Aufnahme nicht erkennen, diese fallen erst beim Zusammenrechnen auf. Das geht besser!

Autor: dkamera.de Redaktion
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Kommentare

Um mit mehr Auflösung zu ...

Um mit mehr Auflösung zu fotografieren, braucht man nicht zwingend Pixelshift: man kann auch einfach eine etwa doppelt so lange Brennweite nehmen und damit ein Raster von 3x3 Bildern aufnehmen, die man dann mit einem Bildbearbeitungsprogramm zu einem hochauflösenden Bild zusammenfügt. Man braucht dazu nicht einmal ein Stativ; das Motiv muß allerdings (wie ja beim Pixelshift auch) statisch sein.

Hallo, natürlich gibt es auch ...

Hallo,

natürlich gibt es auch andere Methoden, Bilder mit mehr Details aufzunehmen. Eine längere Brennweite steht nicht in jedem Fall zur Verfügung, so dass die High-Res-Aufnahme in den meisten Fällen eine bessere und einfachere Option darstellt.

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