Enden die Lieferengpässe 2022 oder wird es noch schlimmer?

Ein Blick auf die möglichen Lieferprobleme in diesem Jahr

2021 war wie 2020 kein gutes Jahr für die Unternehmen der Kamera-Branche. Neben den allgemein seit Jahren rückläufigen Verkaufszahlen von Kameras und Objektiven kamen in beiden Jahren auch noch die Folgen der Corona-Pandemie dazu. Zum einen mussten die Läden des Fotofachhandels teilweise über viele Wochen schließen, zum anderen konnte die Nachfrage – als sie vorhanden war – nicht immer gedeckt werden. Sind die Probleme nun behoben oder wird es sogar noch schlimmer? Wir wagen einen Blick in die Zukunft.

Zunächst sei an dieser Stelle einmal erwähnt, dass die Hersteller zur aktuellen Problematik fast immer nur allgemeine Aussagen machen. Das ist verständlich, schließlich will man sich nicht in die Karten schauen lassen und der Konkurrenz möglicherweise sensible Informationen liefern. Sofern Aussagen vorliegen, sehen diese aber alle ähnlich aus: Ende 2021 ging man von keiner schnellen Besserung aus, zumindest Anfang 2022 wird sich daher nicht viel ändern.

Die zuletzt von Sony Japan herausgegebenen Hinweise zu diversen Kameramodellen lassen leider nichts Gutes vermuten. Einige Produkte werden wegen der Auswirkungen der weltweiten Halbleiterknappheit verzögert produziert, andere wurden sogar komplett eingestellt. Bei letzteren handelt es sich um die Sony Alpha 7 II und Alpha 6100. Beide gehören zum Einsteiger-Segment (einmal in der Vollformat- und einmal in der APS-C-Klasse) und sind für preisbewusste Fotografen besonders interessant. Bereits Ende November 2021 wurden Bestellung für beide DSLMs nicht mehr angenommen, Ende Dezember 2021 kam dann das Aus. Wir gehen daher davon aus, dass Sony die Lage rund drei Wochen nach dem ersten Statement noch einmal deutlich schlechter als ursprünglich angenommen eingeschätzt hat.

Auch Kameras (hier das Mainboard einer Alpha 7 III) bestehen aus vielen Halbleiterkomponenten:

Dass Sony ausgerechnet auf zwei der beliebtesten Modelle verzichtet, lässt sich wohl nur mit massiven Lieferschwierigkeiten bestimmter Komponenten erklären. Entweder sind gewisse Teile gar nicht mehr zu bekommen oder werden zugunsten einer höheren Marge bei teureren Kameras verbaut. Vom Produktionsstopp sind aktuell die Sony Alpha 6600, Sony Alpha 6400 und Sony Alpha 7C betroffen, bei höherklassigen Modellen soll es dagegen noch keine Probleme geben. Der Blick in die gängigen Preissuchmaschinen zeigt: Die Sony 6100 und Alpha 6400 sind aktuell praktisch überhaupt nicht mehr zu bekommen, die Alpha 6600 und Alpha 7 II (deutlich bessere Verfügbarkeit mit dem FE 28-60mm als Body-only) gibt es vereinzelt. Keine Lieferprobleme können wir bei der Sony Alpha 7C und den höherklassigen Alpha 7R- sowie 7S-Modellen erkennen.

Ein Screenshot der Produktseite der Nikon Z 9 bei yodobashi.com (Stand: 13.01.2022):

Andere Hersteller gaben bislang keine konkreten Informationen zu Produktionsstopps oder gar dem Auslaufen der Produktion mancher Modelle heraus. Es fällt allerdings auf, dass in der letzten Zeit immer wieder von längeren Lieferzeiten bei neuen Produkten zu lesen ist. Meistens werden die Wartezeiten von Herstellerseite aus mit einer höheren Nachfrage als erwartet begründet, die aktuelle Situationen dürfte daran aber kaum völlig unschuldig sein. Der Shop yodobashi.com gab Mitte Januar 2022 als Beispiel für die Nikon Z 9 eine rekordverdächtige Lieferzeit von zehn Monaten an. In Deutschland nennen die Fachhändler aktuell bestenfalls Lieferzeiten von einem bis drei Monate. Dieses Beispiel zeigt, dass 2022 zumindest im ersten Halbjahr für Kamerakäufer kaum besser werden wird.

Ausgewirkt haben könnte sich der Mangel an Halbleitern zudem auch auf „zukünftige“ Modelle. Die eigentlich für das Jahr 2021 vorgesehene Ankündigung der Panasonic Lumix DC-GH6 wurde auf 2022 verschoben, die „Wow“-Kamera von OM Digital Solutions lässt ebenso schon länger auf sich warten. In beiden Fällen wurden direkte Zusammenhänge mit dem Halbleitermangel zwar nicht kommuniziert, von Vorteil war er jedoch sicherlich nicht.

Die ursprünglich für 2021 geplante Panasonic Lumix DC-GH6 erscheint erst 2022:

Dass das Ende der Pandemie eine schnelle Erholung auf dem Halbleitermarkt mit sich bringt, sollte man eher nicht hoffen. Die Rückkehr zur Normalität oder die Ausweitung der Produktion ist in diesem Wirtschaftsbereich keinesfalls sofort möglich. Ins Stocken geratene Lieferketten und komplizierte Produktionsprozesse machen oftmals monate- bis jahrelange Planungen nötig. Der bedeutende Chipfertiger TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) rechnet beispielsweise auch während des kompletten Jahres 2022 mit knappen Produktionskapazitäten. Wer im Sommer 2022 eine begehrte Kamera in den Händen halten möchte, ist daher vermutlich gut beraten, sich recht bald um den Kauf zu kümmern.

Autor: dkamera.de Redaktion
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Kommentare

Es wäre doch eigentlich mal …

Es wäre doch eigentlich mal eine Gelegenheit für die Unternehmen ein Umdenken anzustoßen. Na klar ist es nett immer wieder neue Technik zu haben. Wichtiger ist es doch aber eigentlich dafür zu sorgen, dass bessere Bilder mit der vorhandenen Technik entstehen. Software-seitig ließe sich da bestimmt viel machen, um die Nutzer zu unterstützen. Zudem könnte man auch in neue Firmware die Möglichkeit für bezahlte Apps einbauen usw. Es wäre interessant zu sehen, wie kreativ die Unternehmen werden können. Dran glauben, dass soetwas passiert, tue ich aber leider nicht.

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