Testbericht des Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6

Kitzoom für Vollformat-DSLMs mit besonderem Brennweitenbereich

Kitobjektive sind meistens klein, recht einfach gefertigt und günstig. Zudem decken sie klassischerweise einen Brennweitenbereich von rund 27 bis 83mm ab. Hier gilt daher meistens: der Preis ist Trumpf, der Rest weniger spannend. Das dies nicht immer so sein muss zeigt Panasonic mit dem Lumix S 20-60mm F3,5-5,6. Als erstes Kitzoom hat die Optik eine sehr kurze Brennweite von 20mm zu bieten. Wir schauen im folgenden Test, ob das Objektiv einen Kauf wert ist.

Technische Daten, Verarbeitung und Handhabung:
Ganz klar, das spannendste am Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 ist sein Brennweitenbereich von 20 bis 60mm. Diese kennt man kaum von anderen Objektiven, einzig Panasonics lichtstarkes MFT-Zoom Leica DG Vario-Summilux 10-25 mm F1,7 mit 20 bis 50mm Brennweite ist mit dem Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 ein wenig vergleichbar. 20mm sind für ein Standardzoom eine sehr kurze Brennweite, gängig sind 24mm oder rund 28mm. Dieser Unterschied macht sich in der Praxis bemerkbar, mit dem Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 lässt sich ein wesentlich größerer Bildausschnitt als mit einem 24mm- oder einem 28mm-Objektiv abdecken. Gleichzeitig ist der Verzicht auf etwas längere Brennweiten notwendig, mit 60mm fällt das „Teleende“ nicht ganz so lang wie bei anderen Kitobjektiven aus. Wir meinen jedoch: Darauf lässt sich angesichts des Vorteils im Weitwinkelbereich verzichten. Im Alltag finden wir diesen Brennweitenbereich jedenfalls hochspannend, ein Ultraweitwinkelobjektiv wird deutlich seltener als beim Einsatz eines klassischen Standardzooms benötigt.

20mm Brennweite im Vergleich zu 24mm:

Die Lichtstärke des Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 entscheidet sich nicht von einem Kitobjektiv. Mit F3,5 bis F5,6 werden klassische Werte erreicht, die Blende verringert sich beim Zoomen deutlich. Bei 20mm stehen noch recht gute F3,5 zur Verfügung, bei 24mm sind es F3,8 und bei 28mm dann F4. Wer mit 35mm fotografiert, kann bestenfalls F4,5 nutzen und bei 50mm F5,3. Es gilt daher: Zu den lichtstarken Objektiven gehört das 3-fach-Zoom nicht. Als kleinste Öffnung sind unabhängig von der Zoomstellung F22 wählbar, bei der Blendenkonstruktion setzt Panasonic auf neun Lamellen.

Das Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 ist weder besonders groß noch besonders schwer:

Das erlaubt als Vorteil immerhin auch recht kleine Abmessungen und ein geringes Gewicht. Das Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 misst nur 7,7 x 8,7cm und ist 350g schwer. Zum Vergleich: Das mit einem kleineren Weitwinkel- aber deutlich größeren Telebereich ausgestattete Panasonic Lumix S 24-105mm F4 Macro O.I.S. ist mit 8,4 x 11,8cm eine gute Ecke größer und bringt mit 680g fast doppelt so viel Gewicht auf die Waage.

Der Tubus fährt mit zunehmender Brennweite immer weiter aus dem Gehäuse heraus:

Aber zurück zum Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6. Das Objektiv verfügt über ein aus Kunststoff gefertigtes Gehäuse, das 67mm messende Filtergewinde besteht ebenfalls daraus. Beim Bajonett kommt dagegen Metall zum Einsatz. Anders als viele klassische Kitobjektive ist das Zoom zudem abgedichtet (gegen Staub und Spritzwasser) und lässt sich bis zu einer Temperatur von minus zehn Grad Celsius einsetzen. Besitzer einer Panasonic Lumix DC-S1 oder S5 – mit ebenfalls vorhandenen Abdichtungen – sind in ihrer Arbeit daher nicht eingeschränkt.

Das Bajonett ist mit einer Gummilippe versehen und besteht aus Metall:

Die Verarbeitung fällt für ein Kitobjektiv insgesamt ordentlich aus, mit einem Zoom- und einem Fokusring sowie einem Fokuswählschalter stehen alle wesentlichen Bedienelemente zur Verfügung. Beide Einstellringe sind gummiert und dadurch griffig.

Neben einem Fokus- und einem Zoomring gibt es einen Fokuswählschalter:

Der optische Aufbau des Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 besteht aus elf Linsen in neun Gruppen. Der große Weitwinkelbereich macht den Einsatz zahlreicher spezieller Linsen notwendig. Dazu gehören drei ED-Elemente, zwei asphärische Linsen und eine UHR-Linse. Einen optischen Bildstabilisator besitzt das Zoom nicht, dies ist angesichts der IBIS-Systeme der Lumix S-Kameras jedoch kein Problem.

Autofokus/manueller Fokus:
Das Fokussieren übernimmt beim Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 ein Schrittmotor. Dieser ist jederzeit aktiv, also auch beim Einsatz des manuellen Fokusmodus („Focus by Wire“). In diesem Fall wird die Drehung des Fokusrings durch den Motor umgesetzt. Da alle Linsenbewegungen innerhalb des Gehäuses erfolgen, ändern sich die Abmessungen des Zooms während des Scharfstellens nicht. Filter lassen sich zudem ohne Einschränkungen verwenden. In unserem Test arbeitete der Autofokus nicht nur praktisch unhörbar, sondern auch sehr schnell. Unsere Labormessung ergab bei 20mm eine Fokussierungszeit von nur 0,18 Sekunden und bei 60mm von 0,25 Sekunden. Die Naheinstellgrenze ist von der eingestellten Brennweite abhängig. Laut Panasonic beträgt sie bei 20mm bis 26mm nur 15cm, bei 60mm sind es 40cm. Die maximale Vergrößerungsleistung liegt bei 1:2,3, das reicht für sehr ordentliche Nahaufnahmen.

Größenvergleich des Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 mit dem Lumix S 24-105mm F4 Macro OIS:

Bildqualität:
Für den Test der Bildqualität nutzen wir mit der Panasonic Lumix DC-S5 das Modell, mit dem das Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 als Kitobjektiv angeboten wird. Die DSLM verfügt über einen 24 Megapixel auflösenden Vollformatsensor, die Bildstabilisierung erfolgt über die Kamera.

Bei 20mm schneidet das Objektiv im Zentrum schon bei Offenblende gut ab, wie bei nahezu allen Kitobjektiven lässt dich durch Abblenden aber noch etwas mehr herausholen. Bei F4 ändert sich nur wenig, bei F5,6 legt die Schärfe deutlicher zu. Bei F8 hält sich die Verbesserung in Grenzen, über F11 sollte man wegen der Beugungsunschärfe nicht hinaus gehen. Am Rand muss man bei F3,5 natürlich Abstriche machen, knackig scharfe Details darf man hier nicht erwarten. Die Ränder sind jedoch auch alles andere als schlecht, sondern zweifellos gut nutzbar. Bei F5,6 finden wir die Qualität am Rand dann gut bis sehr gut, ab F8 sehr gut. Weiteres Abblenden bringt keine Vorteile mehr.

Bei 35mm fallen die Unterschiede von der Offenblende zum abgeblendeten Zustand kleiner aus. Im Zentrum wird bei F4,5 ein gutes Qualitätsniveau erreicht, bei F5,6 ein sehr gutes. Das Schärfe-Optimum sehen wir wieder bei F8, danach wird die Detailwiedergabe wegen der einsetzenden Beugung wieder schlechter. Die Ränder sind bei F4,5 nicht perfekt, aber gut. Bei F5,6 ändert sich nur wenig, bei F8 stufen wir die Qualität als sehr gut ein.

Bei der längsten Brennweite von 60mm stufen wir die Schärfe in der Mitte und am Rand als sehr gut ein. Dies gilt bereits bei F5,6. Bei F8 und F11 kann man noch einen Tick mehr Details herausholen.
Abbildungsfehler sind bei Kitobjektiven häufig und neben den geringen Abmessungen natürlich auch dem Preis geschuldet. Zunächst schauen wir uns die Verzeichnung an. Diese fällt bei 20mm durchaus extrem aus: Der unkorrigierte Bildwinkel ist deutlich größer und die Details werden an den Rändern stark verzerrt. Panasonic greift jedoch digital ein und reduziert die Verzeichnung auf ein kaum mehr wahrnehmbares Niveau. Wer nur mit den JPEGs arbeitet oder einen RAW-Konverter mit der Unterstützung der automatischen Korrekturprofile nutzt, wird daher keine Probleme feststellen. Bei 60mm zeigen die Bilder mit Korrekturprofil praktisch keine Verzeichnung. Ohne ist sie noch recht gut zu sehen – aber nicht störend.

Links eine Aufnahme ohne Korrektur, rechts mit Korrektur (jeweils 20mm Brennweite):

Eine Randabschattung lässt sich mit automatischer Korrektur nur minimal feststellen, ohne Korrektur ist sie nur bei kurzen Brennweiten etwas stärker. Chromatische Aberrationen sind nur selten zu sehen, gleiches gilt für Flares oder Geisterbilder.

Beispielaufnahmen:

Unser Fazit:
Das Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 gehört dank eines Brennweitenbereichs von 20 bis 60mm zu den spannendsten Kitobjektiven – oder auch Standardzooms überhaupt. Freunde von kurzen Brennweiten bekommen hier eine Menge geboten, auf ein Ultraweitwinkelobjektiv lässt sich damit des Öfteren verzichten. Aber nicht nur in puncto Brennweite kann uns das Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 überzeugen, auch bei anderen Bewertungskriterien weiß die Leistung des 3-fach-Zooms zu gefallen. Unter anderem hat es einen sehr schnellen und leisen Fokusmotor sowie ein abgedichtetes Gehäuse zu bieten. Das findet man nicht bei jedem Kitobjektiv. Die Abmessungen und das Gewicht fallen angesichts dieses Gesamtpakets gering aus, beim Transport fällt das Objektiv zweifellos nicht zur Last.

Die Bildqualität gefällt uns ebenfalls: Natürlich erreicht das Objektiv nicht schon bei Offenblende die beste Detailwiedergabe, es ist jedoch auch bei der jeweils größten Blendenöffnung gut nutzbar. Bei F5,6 bis F8 wird eine durchgehend sehr gute Bildschärfe erreicht. Abbildungsfehler haben wir nur wenige gefunden, das liegt natürlich auch an der gut funktionierenden Software-Korrektur. Dass ein Kitobjektv mit 20mm am kurzen Brennweitenende nicht ohne eine deutliche Verzeichnung (ohne digitale Korrektur) auskommt, versteht sich von selbst. Für die Praxis gilt aber: Mit Korrektur kann man sich nicht beklagen.

Das Gesamtpaket des Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 überzeugt:

Positiv lässt sich beim Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 zudem die kurze Naheinstellgrenze erwähnen, besonders bei 20mm kommen Fotografen sehr nah an das Motiv heran. Eine Schwachstelle ist – sofern man dies bei einem Kitobjektiv überhaupt so sagen kann – die Lichtstärke. Mit F3,5 bis F5,6 ist das Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 vor allem für Aufnahmen bei guten Lichtverhältnissen geeignet, bei schlechteren muss die Sensorempfindlichkeit schnell erhöht werden. In Kombination mit einer Vollformatkamera – andere bietet Panasonic aktuell sowieso nicht an – stellt dies allerdings kein größeres Problem dar.

Am Ende können wir zusammenfassen: Das Panasonic Lumix S 20-60mm F3,5-5,6 bietet deutlich mehr als klassische Kitobjektive und ist für Kameras mit L-Bajonett eine echte Bereicherung.

Unsere Auszeichnungen:

Autor: dkamera.de Redaktion
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