Teil 2 von 3: Die Kamera im Bildqualitäts-Check und Beispielaufnahmen in voller Auflösung
Nachdem wir uns im ersten Teil des Tests des Xiaomi 15 Ultra die technischen Daten, das Handling und die Verarbeitung angesehen haben, nehmen wir in diesem zweiten Teil die Kameras des Smartphones unter die Lupe. Mit unseren Beispielfotos und -videos in voller Auflösung können Sie sich zudem einen eigenen Eindruck von den Kameraqualitäten verschaffen.
Die Kameras:
Das letztjährige Ultra-Modell konnte sich bei unserem Kameratest als bestes Modell an die Spitze setzen. Neben der Aufnahme-Hardware überzeugte dabei auch die Feature-Liste. Beim Xiaomi 15 Ultra setzt das chinesische Unternehmen teilweise auf bekannte und teilweise auf neue Technik, die Zusammenarbeit mit Leica bleibt bestehen. Die vier Kameras auf der Rückseite fasst Xiaomi als Leica Vario-Summilux 14-100mm F1,63 bis F2,6 zusammen, um ein echtes Zoom handelt es sich jedoch nicht. Stattdessen wie üblich bei Smartphones um vier Festbrennweiten. Konkret decken diese KB-äquivalente Brennweiten von 14mm, 23mm 70mm und 100mm ab. Die Brennweiten-Lücken dazwischen werden per Digitalzoom geschlossen.1
Die Daten der Hauptkamera mit 23mm Brennweite wurden größtenteils vom Vorgängermodell übernommen. Der Stacked-CMOS-Sensor (Sony LYT-900) gehört zur 1,0-Zoll-Klasse, größere Bildwandler kommen bei Smartphones aktuell nicht zum Einsatz. Die volle Auflösung des Chips liegt bei 50 Megapixel, beim Anwenden des „4-in-1-Superpixel“-Verfahrens bleiben 12,5 Megapixel übrig. Hier legt das Smartphone vier Pixel zu einem großen Bildpunkt zusammen. Das lässt die Auflösung wie angesprochen auf ein Viertel sinken, die Kantenlänge der Pixel ist aber auch doppelt so lang (3,2μm statt 1,6μm).
Beim Objektiv handelt es sich um eine Konstruktion mit acht Linsen, dazu gehört auch eine asphärische Linse. Durch eine duale Antireflex-Beschichtung sollen Bildstörungen minimiert werden. Die Lichtstärke der Optik liegt bei F1,63 und ein OIS minimiert Verwacklungen. Im Gegensatz zum Vorgängermodell lässt sich die Blende allerdings nicht mehr verändern. Entscheiden kann man sich nun allerdings, mit welcher Brennweite die Kamera Fotos standardmäßig aufnehmen soll. Hier stehen 23mm, 28mm und 35mm zur Wahl. Natürlich handelt es sich bei letzteren Brennweiten aber nur um „Crop-Optionen“, die Bilder kann man daher auch nachträglich auf diesen Bildausschnitt zuschneiden. Wer die 23mm der Hauptkamera grundsätzlich als zu weitwinkelig empfindet, dürfte diese Option jedoch zu schätzen wissen. Auswirkungen hat sie allerdings nur auf den klassischen Foto-Modus.
Während der Sensor der Hauptkamera vom Vorgängermodell bekannt ist, kommt bei der Ultraweitwinkelkamera ein neuer Bildwandler zum Einsatz. Konkret handelt es sich dabei um den JN5 von Samsung. Dieser gehört zur 1/2,76-Zoll-Klasse und löst 50 Megapixel auf. Mittels Pixel-Binning (4 zu 1) lässt sich die Kantenlänge der Pixel von 0,64μm auf 1,28μm erhöhen, die Auflösung der Fotos sinkt auf ein Viertel (12,5 Megapixel). Das Objektiv der Ultraweitwinkelkamera benennt Xiaomi in der App als „0,6x“, die kleinbildäquivalente Brennweite liegt bei 14mm. Darüber hinaus sind die Lichtstärke von F2,2 und der optische Aufbau mit sechs Linsen bekannt. Fokussieren kann man mit dem Ultraweitwinkel ab einer Entfernung von nur fünf Zentimetern, Nahaufnahmen sind daher gut möglich.
Noch besser eignet sich dafür allerdings das 3-fach-Telezoom des Xiaomi 15 Ultra mit sechs Linsen. Dessen Floating-Focus-Konstruktion sorgt trotz 70mm KB-Brennweite für eine Naheinstellgrenze von nur zehn Zentimetern. Das macht sehr ordentliche Vergrößerungen möglich. Damit Aufnahmen aus der Hand gelingen, ist ein OIS verbaut. Die Lichtstärke der Optik beträgt F1,8. Der verwendete 1/2,51-Zoll-Sensor (Sony IMX858) löst 50 Megapixel auf und unterstützt Pixel-Binning, die Kantenlänge der Pixel lässt sich dadurch von 0,7μm auf 1,4μm steigern.
Die größte Veränderung findet sich beim Xiaomi 15 Ultra bei der zweiten Telekamera (4,3-fach-Zoom). Diese war beim Vorgängermodell noch mit dem Bildwandler der 3-fach-Telekamera ausgestattet und besaß ein 120mm-Objektiv (KB-Brennweite) mit einer Blende von F2,5. Beim Xiaomi 15 Ultra erreicht das zweite Teleobjektiv nun „nur“ noch 100mm und verfügt über eine Lichtstärke von F2,6. Der 4,3-fach-Zoom-Kamera, die wie schon beim Vorgängermodell ein Objektiv mit Periskop-Bauweise nutzt, hat Xiaomi dafür einen wesentlich größeren Bildwandler spendiert. Dieser gehört zur 1/1,4-Zoll-Klasse und ist damit so groß wie die Sensoren vieler Hauptkameras von Konkurrenzmodellen. Im direkten Vergleich mit der zweiten Telekamera des Vorgängermodells fällt der Chip rund 2,5-mal größer aus.
Der Samsung HP9-Sensor ist aber nicht nur groß, er löst mit 200 Megapixel auch sehr hoch auf. Die einzelnen Pixel müssen mit 0,56μm Kantenlänge daher sehr klein ausfallen. Um dieses Manko bei wenig Licht zu minimieren, lassen sich auch 50 Megapixel oder sogar nur 12,5 Megapixel einstellen. Entscheidet man sich für letztere Option, steigt die Pixelgröße auf 2,24μm an (16 zu 1-Pixel-Binning). Darüber hinaus können Foto- und Videografen die hohe Auflösung für einen „verlustfreien“ Zoom nutzen. In der Kamera-App lassen sich zu diesem Zweck 200mm auswählen, hier beträgt die Auflösung noch „echte“ 50 Megapixel. Daneben unterstützt das Xiaomi 15 Ultra weitere Zoomstufen bis hinauf zum 120-fachen Zoom.
Die Fotos mit der besten Bildqualität liefert bei Smartphones normalerweise die Hauptkamera. Hier kommen die größten Sensoren sowie die Chips mit den meisten Pixeln zum Einsatz. Ersteres trifft auch beim Xiaomi 15 Ultra zu, der Sensor der 4,3-fach-Telekamera löst aber gleich viermal höher als der Chip der Hauptkamera auf. Dies sorgt dafür, dass die Telekamera bei optimalen Lichtverhältnissen mehr Details als die Hauptkamera darstellen kann. Das gilt wohlgemerkt für den gleichen Bildausschnitt, die längere Brennweite der Telekamera kommt hier nicht zum Tragen. Viermal so viele Details bekommt man allerdings nicht zu Gesicht, weshalb die "50-Megapixel-Option" die bessere Wahl darstellt. Hier werden die Aufnahmen sogar noch etwas besser aufbereitet und wirken optisch ansprechender.
Grundsätzlich zeigen alle Kameras des Xiaomi 15 Ultra bei voller Auflösung mehr Details als bei den ebenso wählbaren 12,5 Megapixel. Für die volle Pixelzahl sollten sich daher alle entscheiden, die möglichst viele Details sehen möchten. Dabei gilt es allerdings auch mehrere Sachen zu beachten: Zum einen sind höhere Auflösungen nur im Pro-Modus wählbar, zum anderen sorgen mehr Pixel für längere Wartezeiten zwischen zwei Aufnahmen. Das gilt im Besonderen für die 200 Megapixel der Telekamera. Verwunderlich ist dies angesichts der enorm hohen Auflösung und der Datenmengen, die verarbeitet werden müssen, allerdings nicht. Bei 200 Megapixel besaßen die Bilder in unserem Test rund 65 bis 70MB, bei 50 Megapixel waren es rund 30 bis 35MB und bei 12,5 Megapixel nur noch circa 10MB.

Kommen wir nun zur Bewertung der Bildqualität der einzelnen Kameras bei Tag: Die Hauptkamera des Xiaomi 15 Ultra ermöglicht hier sehr detailreiche und rauscharme Fotos. Sie zählen zu den besten im Smartphone-Segment, ganz zur Spitze (wo wir das Samsung Galaxy S24 Ultra sehen) schließt das 15 Ultra aber nicht auf. Stören muss das jedoch nicht, die Bilder sind zweifellos sehr ansprechend. Im direkten Vergleich mit den Bildern des Xiaomi 14 Ultra sind uns allerdings ein paar Unterschiede aufgefallen: Insgesamt gesehen zeigen die Fotos des Xiaomi 15 Ultra sichtbar mehr Details, Schriften bildet das 15er-Modell allerdings schlechter und auch unnatürlich ab. Dies führen wir auf eine stärkere Bildverarbeitung zurück, bei der möglicherweise KI-Algorithmen zum Einsatz kommen. Anders können wir uns die Unterschiede aktuell jedenfalls nicht erklären. Bei der Ultraweitwinkelkamera ist ein Vergleich beider Smartphones wegen der stärker abweichenden Brennweiten (12mm vs. 14mm) nicht direkt möglich, insgesamt sehen wir die Qualität leicht unter dem Vorgängermodell. Wegen des teilweise schon bei Tag erkennbaren Bildrauschens würden wir uns hier für die 12,5-Megapixel-Option entscheiden. Gleiches gilt auch für 3-fach-Telekamera. Diese schneidet wie beim Vorgängermodell ab und liefert gute Fotos. Die zusätzlichen Pixel sorgen aber für deutlich geringere Vorteile als bei der Hauptkamera.
Und dann wäre da noch die bereits angesprochene 4,3-fach-Telekamera. Deren Bildqualität fällt bei guten Lichtverhältnissen für eine Telekamera erstklassig aus und muss sich generell vor keiner Hauptkamera verstecken. Trotz der enorm hohen Auflösung hält sich das Bildrauschen in Grenzen und kann man die Bilder sogar vergrößert ohne Qualitätsprobleme ansehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich der Digitalzoom des Xiaomi 15 Ultra deutlich besser als bei anderen Smartphones nutzen lässt. Die 200mm-Option (= 8,6-fach-Zoom) kann man bei guten Lichtverhältnissen bedenkenlos verwenden, mit Abstrichen ist auch der 15-fach-Zoom noch in Ordnung. Bei noch stärkeren Zoomvorgängen fällt die Qualität dann sichtbar ab. Um die Bildqualität bei hohen Zoomstufen zu verbessern, hat Xiaomi dem 15 Ultra den sogenannten „Ultra-Zoom“ spendiert. Dabei handelt es sich um eine KI-Funktion (aktuell in der Beta-Version), die die Klarheit der Aufnahmen verbessert. Bei manchen Motiven wirken die Fotos beim Einsatz des Ultra-Zooms tatsächlich sichtbar besser, manchmal aber auch schlechter. Die KI leistet also nicht durchgehend gute Arbeit. Unter anderem sind uns im Test sehr unschöne Doppelstrukturen aufgefallen. Da es sich noch um eine Beta-Version handelt und manche Aufnahmen wirklich erstaunlich gut aussehen (für ein 30-fach, 60-fach oder 120-fach gezoomtes Smartphonebild), bewerten wir die Funktion grundsätzlich positiv. Eines muss Nutzern des Ultra-Zooms aber klar sein: Die Realität geben damit aufgenommene Fotos nicht wieder.

Bei schlechteren Lichtverhältnissen fielen Smartphones früher deutlich zurück. Für Modelle der Oberklasse gilt dies heutzutage aber kaum mehr. Dies bestätigt auch das Xiaomi 15 Ultra. Selbst Aufnahmen bei Nacht sind für das Smartphone kein Problem. Die beste Qualität liefern – wie bei Tag – die Haupt- und die 4,3-fach-Telekamera. Bei ersterer Kamera bleibt die Qualität selbst ohne Nachtmodus hoch, weshalb die Automatik diesen meistens gar nicht anbietet. Das gilt unverständlicherweise auch für die 3-fach-Telekamera, hier wäre der Nachtmodus sehr sinnvoll. Bei der Ultraweitwinkelkamera kommt man am Nachtmodus bei wenig Licht kaum vorbei, die Bilder wirken ansonsten doch etwas weicher und lassen Details vermissen. Die 4,3-fach-Telekamera überzeugt bei wenig Licht mit einer ausgesprochen guten Qualität, der Nachtmodus kann diese noch einmal steigern. Grundsätzlich sollte man bei weniger Licht allerdings das Pixel-Binning verwenden und nicht die volle Sensorauflösung wählen. Im Pro-Modus fallen die Bilder (wie üblich bei Smartphones) nicht ganz so gut aus, hier nutzt Xiaomi nicht alle zur Verfügung stehenden Bildverarbeitungstechnologien.
Wie schon beim Vorgängermodell müssen beim Xiaomi 15 Ultra noch weitere Funktionen gesondert angesprochen werden. Dazu gehören die Makrofähigkeiten. Das Smartphone erlaubt nicht nur mit der Ultraweitwinkelkamera ordentliche Makroaufnahmen, mit der 3-fach-Telekamera sind dank der Naheinstellgrenze von nur zehn Zentimetern stattliche Vergrößerungen möglich. Anders als die meisten Makrokameras, die bei vielen Smartphones sehr gering auflösen, wissen die Fotos der 3-fach-Telekamera mit einer ansprechenden Detailwiedergabe zu gefallen. Das Setzen des Fokuspunkts kann bei kleinen Motiven zwar etwas schwer sein, grundsätzlich gefallen uns die Makrofähigkeiten des 15 Ultra aber wirklich gut.
Apropos Unschärfebereiche: Natürlich bringt das Xiaomi 15 Ultra auch eine Porträtfunktion mit. Diese erlaubt die künstliche Bokeh-Generierung mit Blendenwerten von F0,95 bis F16 sowie das Beeinflussen der Unschärfekreise. Das Motiv erkennt die Kamera in den meisten Fällen gut, gelegentlich sind aber auch Fehler zu erkennen.
Zu den weiteren Aufnahme-Optionen gehören der Bildstil, Kreativfilter oder das Dateiformat. Grundsätzlich muss man sich bei der Aufnahme zwischen „Leica Authentic“ und „Leica Vibrant“ entscheiden, letzterer Stil entspricht mehr der Bildaufbereitung klassischer Smartphones. Hier werden der Kontrast und die Sättigung stärker angehoben, beim „Leica Authentic“-Stil ist die Aufbereitung defensiver. Grundsätzlich weiß die Bildaufbereitung des Xiaomi 15 Ultra zu gefallen, sie könnte zwischen den Kameras aber noch konsistenter sein. Bei der 4,3-fach-Telekamera neigt das Smartphone zudem teilweise zu einer verstärkten Sättigung. Hier sollte Xiaomi nachbessern. Wer seine Bilder nachträglich stärker bearbeiten möchte, kann sich für die RAW-Aufnahme (RAW oder Ultra-RAW) entscheiden. Die volle Auflösung steht bei RAWs allerdings nur bei der Hauptkamera zur Wahl.
Wer Videos aufnehmen möchte, kann beim Xiaomi 15 Ultra aus dem Vollen schöpfen. Alle Kameras auf der Rückseite unterstützen 8K-Aufnahmen (7.680 x 4.320 Pixel) mit 30 Vollbildern pro Sekunde. Das gilt zudem für 4K-Videos mit bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde. Die Haupt- und die 4,3-fach-Telekamera schaffen in 4K sogar 120 Vollbilder pro Sekunde. Die Bildqualität der 8K-Aufnahmen ist bis auf die 3-fach-Telekamera hervorragend, die der 4K-Aufnahmen sehr gut bis exzellent. Da 8K-Videos kaum jemand nativ wiedergeben kann und 60 Vollbilder pro Sekunde für einen deutlich flüssigeren Bildeindruck als 30 Vollbilder pro Sekunde sorgen, würden wir uns im Alltag stets für 4K-Aufnahmen entscheiden. Hier ist der Bildausschnitt zudem teilweise größer als bei 8K.
Zu den weiteren Videofeatures gehören die Zeitlupenaufnahme (bis zu 1080p1920 mit der Hauptkamera), die Log- und die Dolby-Vision-Aufnahme. Bei Zeitlupen sind starke Verlangsamungen möglich, die Bildqualität sinkt aber auf ein wesentlich schlechteres Niveau ab. Besser als bei den allermeisten anderen Smartphones ist die Qualität der Zeitlupenvideos allerdings trotzdem noch. Der Autofokus des Xiaomi 15 Ultra arbeitet bei Fotos wie Videos ausgesprochen flott, die Bildstabilisierung reduziert Bewegungen deutlich. Bei stärkeren Teleaufnahmen wird der Bildausschnitt erstaunlich konstant gehalten.
Alle nachfolgenden Bilder und Videos wurden mit dem "Leica Vibrant"-Stil aufgenommen.
Im dritten Teil dieses Testberichts gehen wir auf die Kamera-App und die allgemeine Leistung des Xiaomi 15 Ultra ein.