Das neue spiegellose Flaggschiff: Nikon Z 9 – mit Ersteindruck

45,4 Megapixel, IBIS, bis zu 120 Bilder/Sek., Sucher mit 3,69 Mio. Subpixel, 8K-Video, 2x CFexpress

Seit 2018 bietet Nikon spiegellose Systemkameras mit Vollformatsensoren an. Mit der Z 6 und Z 7 sowie deren Nachfolgemodellen lassen sich dabei unter anderem auch gehobene Ansprüche erfüllende Modelle erwerben. Wie bei Spiegelreflexkameras gibt sich Nikon damit aber natürlich nicht zufrieden, auch in der spiegellosen Profiklasse möchte man mitspielen. Kurz nachdem Canon mit der EOS R3 den gleichen Schritt gemacht hat, erscheint mit der Z 9 nun das neue Flaggschiff von Nikon.

Die Nikon Z 9 bietet diverse technische Neuheiten bzw. Verbesserungen, diese betreffen unter anderem den Bildwandler. Als erste DSLM des japanischen Unternehmens hat die Z 9 einen rückwärtig belichteten Bildsensor mit zusätzlichem DRAM-Cache zu bieten. Der Stacked-CMOS-Sensor mit 45,4 Megapixel und Abmessungen von 35,9 x 23,9mm kann dank des speziellen Aufbaus besonders schnell ausgelesen werden, laut Nikon gibt es aktuell keinen Sensor mit schnellerer Abtastrate (mit mehr als 30 Megapixel).

Der Vollformatsensor der Nikon Z 9 wird wie üblich auch zur Bildstabilisierung genutzt:

Da bei der Z 9 praktisch kein Rolling-Shutter-Effekt mehr existieren soll, hat sich Nikon dazu entschieden, den mechanischen Verschluss komplett wegzulassen. Mit dem elektronischen Verschluss erreicht die Kamera Belichtungszeiten von bis zu 1/32.000 Sekunde, die Blitzsynchronzeit liegt bei 1/250 Sekunde. Die ISO-Wahl lässt sich bei der Nikon Z 9 von ISO 32 bis ISO 102.400 vornehmen, der native ISO-Bereich liegt zwischen ISO 64 und ISO 25.600.

Wie bei modernen Kameras üblich übernimmt der Sensor noch weitere Aufgaben. Dazu gehört auch die Bildstabilisierung. Die Verwacklungskompensation erfolgt in fünf Achsen per klassischem Sensor-Shift-Mechanismus, zusammen mit einem Objektiv-VR soll die Stabilisierung bei bis zu sechs Blendenstufen liegen.

Die Fokussierung übernimmt ein verbesserter Hybrid-AF mit zusätzlichem KI-Einsatz:

Für die Fokussierung besitzt die Nikon Z 9 genau 493 AF-Messfelder, bei 405 davon handelt es sich laut Nikon um sogenannte automatische Messfelder. Das sind fünfmal mehr als bei der Nikon Z 7II. Dank des verbesserten AF-Systems soll die DSLM statische wie bewegte Motive optimal scharfstellen können. Zusätzlich kommen ein fortschrittliches 3D-Tracking und eine Deep-Learning-KI zur Motiverkennung zum Einsatz. Bis zu neun Motivtypen erkennt die Z 9 gleichzeitig, abhängig vom Motiv wählt die Kamera die optimalen Einstellungen. Natürlich können Nutzer den Fokuspunkt aber auch selbst vorgeben, dafür steht ein klassischer Joystick zur Verfügung. Damit bewegte Motive perfekt im Fokus gehalten und mit der richtigen Belichtung gespeichert werden, unterstützt die Nikon Z 9 bis zu 120 AF/AE-Berechnungen pro Sekunde. Der Messbereich des AF-Systems beginnt bei -6,5 EV im normalen Modus, auf bis zu -8,5 EV kommt man mit dem Modus "Sternenbildansicht".

Die Oberseite der neuen spiegellosen Systemkamera:

Bei voller Auflösung lassen sich mit der Z 9 bis zu 30 Bilder pro Sekunde festhalten, bei rund elf Megapixel sind es sogar bis zu 120 Bilder pro Sekunde. Will man neben JPEG- auch RAW-Bilder (oder nur RAW-Bilder) speichern, sind bis zu 20 Bilder pro Sekunde möglich. Beim Einsatz einer schnellen CFexpress-Karte sollen dabei mehr als 1.000 Fotos in Serie aufgenommen werden können. Möglich ist die hohe Bildrate der Z 9 natürlich auch wegen des leistungsfähigen Expeed-7-Prozessors, dieser bringt zudem eine neu entwickelte Rauschreduzierung mit. Darüber hinaus spricht Nikon von einem verbesserten automatischen Weißabgleich durch die Einbeziehung von KI-Algorithmen und eine weiterentwickelte iTTL-Aufhellblitztechnik.

Den Fokus hat Nikon bei der Z 9 allerdings nicht nur auf Fotoaufnahmen gelegt, auch Videos kommen nicht zu kurz. Oder besser gesagt: Die Videofunktion der Nikon Z 9 ist erstklassig. Aufnahmen können mit bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde in 8K-Auflösung (7.680 x 4.320 Pixel) erfolgen, in 4K (3.840 x 2.160 Pixel) und Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel) sind es bis zu 120 Vollbilder pro Sekunde. Für die genannten 60 Vollbilder pro Sekunde in 8K wird allerdings noch ein Firmware-Update benötigt, dieses soll 2022 erscheinen. Bis dahin lassen sich maximal 30 Vollbilder pro Sekunde einstellen. Als weitere Videofeatures werden die Aufnahme mit ProRes 422 HQ sowie im N-RAW-Format (per Firmware-Update) genannt. Natürlich sind die kontinuierliche Fokusverfolgung und Belichtungsmessung auch bei Videos möglich, auf den Augen-AF muss man ebenso nicht verzichten. Für die Tonkontrolle und Tonaufnahme gibt es unter anderem zwei 3,5mm Klinkenbuchsen, die Ausgabe des Bild- und Tonsignals ist über einen Fullsize-HDMI-Port möglich.

Das Display lässt sich in drei Richtungen schwenken:

Zur Bildkontrolle ist die Nikon Z 9 mit einem elektronischen Sucher und einem Display ausgerüstet. Der 0,8-fach vergrößernde Sucher soll mit 3.000 Nits die hellste Sucheranzeige aller spiegelloser Systemkameras liefern, die Auflösung des OLED-Panels bleibt bei den bekannten 3,69 Millionen Subpixel. Beim Display hat sich Nikon für ein in drei Richtungen schwenkbares Modell mit einer Diagonalen von 3,2 Zoll entschieden. Die Auflösung liegt bei 2,1 Millionen Subpixeln, Eingaben können per Touch erfolgen. Damit die Bildkontrolle ohne Verzögerungen möglich ist, setzt Nikon bei der Z 9 auf die sogenannte Dual-Stream-Technologie. Dabei wird der Datenstrom vor dem eigentlichen Bildprozessor „dupliziert“ und kann ohne Störungen durch weitere Prozesse zur Bildkontrolle genutzt werden. Eine Dunkelphase gibt es wegen des rein elektronischen Verschlusses natürlich ebenso nicht, die Latenz des Sucherbildes soll sehr gering sein.

Zahlreiche Schnittstellen erweitern die Aufnahmemöglichkeiten für Foto- und Videografen:

Das Gehäuse der Nikon Z 9 fällt etwa 20 Prozent kleiner als das Gehäuse der Nikon D6 aus, in puncto Robustheit müssen Nutzer jedoch keine Abstriche machen. Dafür sorgen die verwendete Magnesiumlegierung und die Abdichtungen. Damit der Sensor beim Wechseln des Objektivs nicht verschmutzt, hat Nikon eine zusätzliche Sensorabdeckung integriert. Die Bedienelemente und deren Anordnung kennt man größtenteils von der Nikon Z 6 bzw. Z 7, durch den integrierten Batteriegriff stehen aber natürlich noch ein paar Tasten und Einstellräder mehr zur Verfügung. Diese erhöhen unter anderem den Komfort bei Hochformatbildern. Die oberen und hinteren LCD-Bedienfelder und Tasten der Z 9 leuchten bei Bedarf. Zur kabellosen Datenübertragung sind ein USB-C Port und ein Gbit-Ethernet-Port verbaut, funken lässt sich via Bluetooth und WLAN. Der Standort kann mittels des eingebauten GPS/GLONASS/QZSS-Moduls ermittelt werden.

Die 15,0 x 15,0 x 9,1cm große und 1.340g schwere Nikon Z 9 lässt sich voraussichtlich ab Dezember 2021 für eine unverbindliche Preisempfehlung von 5.999 Euro im Fachhandel erwerben. Heute um 19 Uhr deutscher Zeit kann man einen Livestream auf dem Youtube-Kanal von Nikon zur Z 9 verfolgen. Neben einem Live-Talk ist auch ein Q&A geplant.

Der dkamera.de-Ersteindruck:
Bei der Z 9 macht Nikon keine halben Sachen, die Kamera bietet sowohl bei Foto- als auch bei Videoaufnahmen eine lange Featureliste. Dass dies möglich ist, liegt unter anderem am Bildwandler. Hierbei handelt es sich wie bei mittlerweile vielen Flaggschiffen um einen Stacked-CMOS-Sensor. An diesem Sensortyp kommt heute kein Hersteller mehr vorbei, wenn er eine Kamera mit hoher Bildrate konstruieren möchte. Des Weiteren erlaubt der zusätzliche DRAM-Cache viel kürzere Auslesezeiten als bei herkömmlichen Sensoren und macht dadurch weniger Verzerrungen durch den Rolling-Shutter-Effekt möglich. Dass Nikon bei der DSLM komplett auf einen mechanischen Verschluss verzichtet, wirkt auf den ersten Blick gewagt. Nikon dürfte die Entscheidung aber wohlweislich getroffen haben. Etwas anderes wäre bei einem Flaggschiff kaum denkbar. Gebaut wurde die Kamera schließlich auch für Profis, diese würden keine Nachteile akzeptieren.

Das Gehäuse der Z 9 besteht aus einer robusten Magnesiumlegierung:

Dass Nikon bei der Z 9 keine Kompromisse eingehen möchte, zeigt unter anderem die Dual Stream-Technologie. Damit wird ein flüssiges Sucherbild jederzeit sichergestellt. Etwas abseits der Konkurrenz bewegt sich das OLED-Panel. Statt hier auf ein höher auflösendes Modell zu setzen, kommt ein Panel mit besonders hoher Helligkeit (3.000 Nits) zum Einsatz. Dieses soll in der Praxis laut Nikon mehr Vorteile als ein Modell mit mehr Pixeln bieten. Wirklich beeindruckend fallen die Videospezifikationen aus. Sobald das Firmware-Update zur Verfügung steht, wird die DSLM 8K-Aufnahmen mit bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde aufnehmen können. Dies schafften bislang nur sehr teure Profikameras. Die Aufnahme im N-RAW-Format oder in ProRes 422 HQ lässt dabei keine Wünsche offen. Beim Gehäuse hat sich Nikon weitestgehend für das Design der bereits erhältlichen Z-Kameras entschieden, anders als bei der D6 fehlt ein zweites Display auf der Rückseite. Dafür konnte die Kamera etwas kleiner gebaut werden. Preislich hat Nikon die neue Flaggschiff-DSLM erstaunlich niedrig angesetzt. Mit 5.999 Euro kostet sie genauso viel wie die in puncto Videoaufnahme deutlich schwächer ausgestattete Canon EOS R3 und weniger als die Sony Alpha 1 (7.299 Euro).

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Autor: dkamera.de Redaktion
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