Der dkamera.de-Test: Die beste Software zur Rauschreduzierung

Adobe Photoshop vs. Capture One 21 vs. DxO PhotoLab 4

Bildrauschen ist für Fotografen eine ärgerliche Sache. Es stört, verringert die Bildqualität oder macht Bilder sogar unbrauchbar. Dank technologischer Entwicklungen müssen zwar selbst Besitzer von günstigeren Kamera-Modellen in vielen Situationen kein allzu starkes Bildrauschen mehr hinnehmen, bei höheren Sensorempfindlichkeiten kommt man daran aber trotzdem nicht ganz vorbei. Jedes Bildbearbeitungsprogramm, das seinem Namen gerecht wird, verfügt daher über eine Option zur Rauschreduzierung. Wir haben uns diese bei drei der wichtigsten Softwarelösungen genauer angesehen und diese miteinander verglichen.

Rauschen ist ein physikalisches Phänomen und entsteht durch Störungen aller Art bei elektronischen Prozessen. Das von Fotos bekannte Bildrauschen macht sich durch zufällig verteilte Störpixel in allen Farben bemerkbar, der Bildinhalt entspricht im Grunde genommen nicht mehr dem Original. Bei aktuellen Kameras mit größeren Sensoren (1,0 Zoll-Klasse oder größer) ist bei Tagesaufnahmen mit niedrigen ISO-Werten effektiv kein Rauschen zu sehen, dieses lässt sich allenfalls bei starken Vergrößerungen erkennen. Vorhanden ist es allerdings trotzdem. Durch Technologien wie die kamerainterne Rauschreduzierung stört es allerdings nicht. Anders kann es bei höheren ISO-Stufen aussehen. Hier werden durch das Verstärken der Signale auch Störungen mitverstärkt, das Rauschen nimmt daher mit steigender Sensorempfindlichkeit immer weiter zu.

Die kamerainternen Maßnahmen zur Rauschreduzierung sind zuletzt zwar immer besser geworden, die Bildqualität verschlechtert sich allerdings trotzdem. Das Entfernen der Störpixel sorgt oftmals für detailärmere Aufnahmen, diese wirken teilweise wie weichgezeichnet. Mittlerweile bieten fast alle Kameras eigene Einstellungen zur Rauschreduzierung im Menü an, bei bereits aufgenommenen Fotos lässt sich zudem per Software nachhelfen. Immer bessere Algorithmen haben hier in der letzten Zeit immer bessere Ergebnisse ermöglicht, die Qualität der Rauschreduzierung wurde von den Software-Entwicklern als wichtiges Merkmal erkannt.

Im folgenden Test stellen wir die Rauschreduzierungs-Optionen der bekanntesten Bildbearbeitungsprogramme gegenüber und vergleichen die Ergebnisse. Es treten an: Adobe Photoshop CC 2021 mit dem Camera RAW für die Bearbeitung von RAW-Dateien, Capture One Pro in der Version 21 und DxO PhotoLab 4. Alle bearbeiteten Bilddateien stellen wir dem Orignal-JPEG aus der Kamera gegenüber. Unser Test erfolgt immer mit RAW-Dateien.

Simpel, aber mit wenigen Optionen: Camera RAW

Rauschreduzierung mit Adobe Photoshop CC 2021 (Camera RAW)
Bei Camera RAW sind die Optionen zur Rauschreduzierung im Reiter „Detail“ zu finden. Viele Optionen gibt es hier nicht. Angeboten werden die Regler (mit Werten von 0-100 bzw. 0-150) „Schärfen“, „Rauschreduzierung“ und „Rauschreduzierung (Farbe)“. Diese Funktionen lassen keine Fragen aufkommen, standardmäßig ist beim Schärfen ein Wert von 40 und bei der „Rauschreduzierung (Farbe)“ ein Wert von 25 eingestellt. Die Rauschreduzierung der Helligkeit liegt ohne weitere Eingriffe bei 0. Eingaben werden sofort übernommen, Wartezeiten gibt es praktisch gar nicht. Die Ergebnisse sollten 1:1 auf Adobe Photoshop Lightroom übertragen werden können

Bei Capture One 21 lassen sich vier Einstellungen verändern:

Rauschreduzierung mit Capture One 21
Bei Capture One 21 werden die Einstellungen zur Rauschreduzierung unter „Rauschreduzierung“ erreicht. Hier stehen die vier Parameter „Helligkeit“, „Details“ (= Nachschärfen), „Farbe“ und „Single Pixel“ zur Wahl. Letztere Option ist laut Phase One zum Reduzieren von Artefakten bei Aufnahmen mit hohen ISO-Werten und gleichzeitig langen Belichtungszeiten gedacht. Die drei ersten Reiter (Helligkeit, Details, Farbe) starten bei einem Basiswert von 50, bei der Single Pixel-Option ist es anscheinend abhängig vom Bild. Bei unseren Tests waren diverse Werte voreingestellt.

Die meisten Optionen bietet zweifellos DxO PhotoLabs:

Rauschreduzierung mit DxO PhotoLabs 4
DxO PhotoLabs 4 geht bei seiner Rauschreduzierung etwas andere Wege. Von Haus aus stehen bei der von uns getesteten Elite-Version drei unterschiedliche Rauschreduzierungs-Technologien zur Verfügung. Die einfachste nennt sich „HQ“. Hier stehen neben der „Luminanz“ auch noch folgende Optionen zur Wahl: „Farbigkeit“, „Niederfrequenz“, „Tote Pixel“ und „Gitternetz“. Die gleichen Optionen sind zudem auch bei der „PRIME“-Rauschreduzierung (Probabilistic Raw IMage Enhancement) zu finden. Mit dem Luminanzwert lässt sich jeweils die Stärke der Körnung bzw. der verwendeten Weichzeichnung beeinflussen, die Option Farbigkeit passt laut DxO die Bearbeitung „farbiger parasitärer“ Pixeln an. Die Einstellung „Niederfrequenz“ korrigiert das niederfrequente Rauschen, das sich in Form von Rauschclustern zeigt und mit der Option „Tote Pixel“ werden natürlich tote Pixel entfernt. Die Gitternetz-Option verringert den "Crosstalk"-Effekt, also das Beeinflussen von Bildpunkten durch danebenliegende Pixel. Dadurch entsteht ein Gitternetz, das durch das Demosaicing verstärkt wird.

Anders als die „HQ“-Rauschreduzierung bearbeitet die „PRIME“-Rauschreduzierung das Bild in zwei Entrauschungsstufen. Die zweite davon schätzt ähnliche Bildelemente, die nach der Analyse des kompletten Bildes gefunden wurden. Dieses Verfahren nimmt allerdings viel Rechenleistung in Anspruch, die Kontrolle der Einstellungen kann daher nur über ein kleines Vorschaufenster erfolgen. Des Weiteren lassen sich mit dieser Technologie nur RAW-Dateien bearbeiten.

Noch einen Schritt weiter geht die „DxO DeepPRIME“-Rauschreduzierung. Hier kommt Deep Learning in Kombination mit dem Probabilistic Raw IMage Enhancement zum Einsatz. Durch künstliche Intelligenz sowie neuronale Netzwerktechnologien werden die Ergebnisse auf der Basis von Millionen ausgewerteten Bildern berechnet. Optionen gibt es allerdings weniger. Neben der Einstellung „Luminanz“ kann man auch die Option „Tote Pixel“ anpassen. Für die „DxO DeepPRIME“-Rauschreduzierung gilt wie für die „DxO PRIME“-Rauschreduzierung, dass sich nur RAW-Bilder bearbeiten lassen und die Vorschau in einem kleinen Fenster erfolgen muss. Der Bildausschnitt ist einfach zu verschieben, das Berechnen dieser Vorschau dauerte in unserem Fall nur rund eine Sekunde. Bei der Bildausgabe muss man sich zwischen rund 20 Sekunden (DxO Prime) bis teilweise zu 80 Sekunden (DxO DeepPRIME) gedulden. Der Vorteil der DxO DeepPRIME-Technologie gegenüber DxO PRIME liegt laut DxO bei zwei Blendenstufen. Das ist extrem viel, wenn man bedenkt, dass dieser Wert beispielsweise einen Unterschied von ISO 12.800 zu ISO 3.200 ausmacht.

Die DxO-Rauschreduzierungstechnologien im Vergleich (mit Standardeinstellungen):

Die Ergebnisse im Vergleich:
Beim Test der Rauschreduzierung-Technologien haben wir uns so weit wie möglich für die Standardeinstellungen entschieden, dadurch sind die Ergebnisse aus unserer Sicht am besten vergleichbar. Bei Camera RAW muss der Nutzer jedoch selbst eingreifen und die Ergebnisse nach seinen Vorstellungen optimieren. Wir haben uns für eine Rauschreduzierung von 50 entschieden und die anderen Einstellungen bei den Standardwerten belassen.

Der Test erfolgt anhand von drei Beispielbildern. Die erste Aufnahme stammt von der mit einem 1/2,3-Zoll-Sensor ausgestatteten Nikon Coolpix P950, das Bild wurde mit ISO 1.600 gespeichert. Das zweite Bild stammt von der Canon EOS 80D und wurde mit ISO 6.400 aufgenommen. Das dritte Bild ist mit der Sony Alpha 9 II und ISO 51.200 entstanden. Die Ausschnitte entsprechen jeweils der 100 Prozent-Ansicht.

Beispielbild 1: Nikon Coolpix P950, ISO 1.600

Beispielbild 2: Canon EOS 80D, ISO 6.400

Beispielbild 3: Sony Alpha 9 II, ISO 51.200

Unser Fazit:
Zugegeben, es ergibt recht wenig Sinn, ein Bildbearbeitungsprogramm allein wegen den Ergebnissen bei der Rauschreduzierung zu kaufen. Wer zwischen zwei oder mehreren Programmen schwankt oder aber der Rauschreduzierung – wegen vieler High-ISO-Aufnahmen – eine hohe Bedeutung beimisst, sollte auf diese Funktion jedoch einen großen Wert legen. Nach unserem Test können wir sagen, dass es einen eindeutigen Gewinner gibt. Die DxO DeepPRIME-Rasuchreduzierung liefert auch bei stark rauschenden Ausgangsbildern wirklich überzeugende Ergebnisse. Hier bekommt man Details zu Gesicht, die bei den anderen Testkandidaten bestenfalls zu erahnen sind. Dass dafür pro Bild doch einiges an Zeit benötigt wird, spielt angesichts der sehr guten Leistung keine allzu große Rolle. Für jedes Bild sollte man die Rauschreduzierung sowieso nicht nutzen.

Beim zweiten Platz und dritten Platz sind wir uns schon nicht mehr ganz so sicher, abhängig vom Motiv schneiden Camera RAW und Capture One mal besser und mal schlechter ab. Camera RAW tendiert bei mittleren Rauschreduzierungswerten schon zum deutlichen Weichzeichnen, natürlich lässt sich das mit geringeren Einstellungen aber verhindern. Dann sieht man jedoch auch mehr Rauschen.

Unsere Auszeichnung:

Autor: dkamera.de Redaktion
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Kommentare

Eines der beliebtesten denoise Software-Pakete ...

Eines der beliebtesten denoise Software-Pakete (Topaz DeNoise AI) haben sie wohl mit Absicht weg gelassen.

Ihren freundlichen Ton haben Sie ...

Ihren freundlichen Ton haben Sie wohl mit Absicht weggelassen? :-)

Einfacher und effektiver ist es, ...

Einfacher und effektiver ist es, mehrere Bilder in Serie aufnehmen, stapeln und verrechnen lassen, wenn denn hohe ISO sein muss. Wenn nur eine Einzelaufnahme möglich ist, wäre etwas Rauschen doch nicht schlimm, immerhin gab es schon immer "Korn" bei höheren ISO auch in der analogen Fotografie. Das hatte bisher auch niemanden wirkl. gestört. Die Unterschiede in der Qualität der drei getesteten Programmfunktionen sind gering. Für ein bisschen entrauschen helfen alle drei Programme.

Was bei sämtlichen bewegten Motiven ...

Was bei sämtlichen bewegten Motiven oder wenn man das Stativ mal nicht dabei leider null bringt. ;-)

Das ist ein guter Tipp. ...

Das ist ein guter Tipp. Mit welcher Software arbeiten Sie anschließend um die Bilder stapeln und verrechnen zu lassen?
Vielen Dank!

Es gibt natürlich schon Bereiche, ...

Es gibt natürlich schon Bereiche, wo beim Fotografieren eine hohe ISO notwendig ist, und ein verrauschtes Bild wirklich auch stört. Bisher verwendete ich nur Camera Raw, seit Kurzem auch DxO DeepPrime und Topaz DeNoise AI. Nach aktuellem Stand und meiner Erfahrung nach schafft das DxO DeepPrime unter diesen 3 Tools den besten Kompromiss zwischen Rauschreduzierung und Erhaltung der Details.
N.B. Capture One habe ich nicht getestet.

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