Bildverbesserung per KI ohne Cloud-Einsatz für mehrere Pixel-Smartphones von Google
Bereits bei der Vorstellung der Pixel 8 und Pixel 8 Pro-Smartphones hatte Google die Funktion „Zoom Enhance“ angekündigt. Seitdem ließ die neue Funktion aber auf sich warten und wurde erst jetzt mit der Präsentation der neuen Modelle der Pixel-9-Serie zur Verfügung gestellt. Wir schauen uns an, was die auf Deutsch „Zoom-Optimierung“ genannte Funktion leistet.
Details und Kompatibilität:
Hinter der Funktion „Zoom-Optimierung“ verbirgt sich die schon länger von diversen Programmen bekannte Hochskalierung mittels künstlicher Intelligenz. Dazu wird das Bild analysiert, typische Texturen werden von der KI erkannt und hinzugefügt. Anders als die Super-Res-Funktion, die das Bild bereits bei der Aufnahme verbessert, lässt sich die Zoom-Optimierung nur auf bereits aufgenommene Bilder anwenden. Zu erreichen ist die Zoom-Optimierung über die Google Fotos-App, aktuell steht sie allerdings nur für folgende Smartphones zur Verfügung: Google Pixel 8 Pro, Google Pixel 9 Pro, Google Pixel 9 Pro XL und Google Pixel 9 Pro Fold. Warum Google diese Einschränkungen derart strikt vornimmt, ist uns nicht bekannt. Wahrscheinlich ist dies auf die verbaute Hardware zurückzuführen.
Gesichert ist dagegen, dass alle Berechnungen auf dem Smartphone erfolgen und die Aufnahmen dafür nicht in die Cloud hochgeladen werden müssen. Die Zoom-Optimierung kann man daher auch nutzen, wenn kein Internet zur Verfügung steht. Dies ist unter anderem dank der Tensor Processing Unit möglich, die bei den neueren Tensor-SoCs von Google spezifische Aufgaben rundum das maschinelle Lernen übernimmt.
Gut zu wissen: Laut Google befindet sich die Zoom-Optimierung noch in der „Anfangsphase“, weshalb sie „unerwartete oder ungenaue Ergebnisse“ liefern kann. Des Weiteren gibt Google an, dass sich die größten Vorteile ab dem 15-fachen Zoomen ergeben sollen.
Die Funktion im Einsatz:
Erreicht wird die Zoom-Optimierung in der Google Fotos-App im „Tools“-Reiter. Hier befindet sie sich zwischen den bekannten Funktionen „Scharfzeichnen“ und „Magischer Radierer“. Aktuell kann man leider nur Bilder mit 12 Megapixel optimieren, bei 50 Megapixel bekommt man die Funktion nicht zu Gesicht. Durch einen Klick auf den entsprechenden Button wird das Bild geladen (Dauer rund drei Sekunden bei unserem Pixel 8 Pro), danach kann man auf Details optimieren klicken. Dieser Vorgang nahm bei uns etwa zehn Sekunden in Anspruch. Optionen werden leider keine angeboten.
Die Bildkontrolle ist immerhin per Zoom möglich und das längere Tippen auf das Bild ermöglicht den Vorher-Nachher-Vergleich. Darüber hinaus kann den Bildausschnitt bestimmen und das Ergebnis dadurch potentiell noch beeinflussen. Das gleicht aber trotzdem mehr der „Trial and Error“-Methode als einer zielgerichteten Optimierung.
Schade: Die Ausgabe-Auflösung der per Zoom-Optimierung bearbeiteten Bilder liegt leider maximal bei 3,2 Megapixel. Diese Einschränkung macht das Optimieren ganzer Fotos wenig sinnvoll, da hier zu viele Details verloren gehen. In der Praxis würde das Optimieren eines kompletten Fotos ansonsten durchaus Sinn ergeben.
Die Ergebnisse:
Beim ersten Testbild handelt es sich um eine Aufnahme mit 5-fach-Telezoom ohne digitalen Zoom. Hier haben wir einen Ausschnitt herausgegriffen und diesen per KI verbessern lassen. Das Ergebnis kann sich gerade im Vergleich mit dem Ursprungsbild durchaus sehen lassen, es wirkt wesentlich detailreicher und schärfer. Beim genauen Blick fallen dann einige Artefakte auf, zu stark würden wir den Ausschnitt in der Praxis nicht vergrößern. Stellt man die KI-Vergrößerung einer Aufnahme mit 50 Megapixel gegenüber, wird schnell sichtbar, dass die KI manche Texturen einfach nur erfindet. Ohne direkten Vergleich mag das nicht auffallen, die Bilder entsprechen aber nicht mehr der Realität. Dies kann problematisch sein.
Beim zweiten Bild haben wir uns für eine stark digital gezoomte Aufnahme (maximaler Digitalzoom) mit der Telekamera entschieden. Hier spielt die gewählte Auflösung in der Praxis eine wesentlich geringere Rolle. Die Zoom-Optimierung sorgt bei diesem Testbild für einen wesentlich schärferen Bildeindruck. Es gibt jedoch viele Artefakte und gerade beim Gestein stufen wir die Wiedergabe als wenig ansprechend und realistisch ein.
Beim dritten Motiv (alle Aufnahmen mit 12 Megapixel) kam ebenso die Telekamera zum Einsatz. Bei diesem Test vergleichen wir eine digital gezoomte Aufnahme mit einer Aufnahme, die digital gezoomt sowie nachträglich optimiert wurde und einer Aufnahme ohne Digitalzoom, die optimiert wurde. Bei den Bildern fällt sofort auf, dass die nur per Zoom-Optimierung bearbeitete Aufnahme (rechtes Bild) wesentlich schlechter ist. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die hohe Auflösung der Sensoren des Pixel 8 Pro (in diesem Fall des Sensors der Telekamera) beim digitalen Zoomprozess für deutliche Vorteile sorgt. Bei der Aufnahme ohne Digitalzoom fehlt effektiv ein Teil der Bilddaten, darauf kann nach der Aufnahme nicht mehr zugegriffen werden.
Unser Fazit:
Mit der Zoom-Optimierung der Google Fotos-App hat Google ein lang erwartetes Feature nachgeliefert. Die Bedienung der Funktion ist sehr einfach, einstellen kann man aber leider nichts. Dass für das Hochrechnen bzw. Optimieren keinerlei Internet benötigt wird, mag in der ein oder anderen Situation hilfreich sein, praktisch dürfte diese Tatsache für die meisten Nutzer aber nur wenig ändern.
Die Ergebnisse der Zoom-Optimierung sind teilweise gut, teilweise weniger gut. Die Bilder werden damit zwar sichtbar schärfer, abhängig vom Motiv ergeben sich teilweise aber deutliche Artefakte. Nun könnte man argumentieren, dass diese bei normaler Betrachtung wenig auffallen. Das stimmt oftmals. Wer ein realitätsgetreues Bild benötigt, sollte jedoch besser die Finger von der Zoom-Optimierung lassen.
Die größten Vorteile bietet die Zoom-Optimierung in Kombination mit dem digitalen Zoom, auf Letzteren sollte man zumindest beim Verwenden der 12-Megapixel-Auflösung keinesfalls verzichten. Es ist grundsätzlich eher keine gute Idee, sich von vornherein auf die Zoom-Optimierung zu verlassen und die Hardware des Smartphones bei der Aufnahme (hinsichtlich der Brennweite oder der Auflösung) nicht völlig auszureizen. Bei bereits erstellten Fotos sieht das natürlich anders aus: Hier stellt die Zoom-Optimierung die einzige Form der Bildverbesserung dar.
Unverständlich finden wir die Tatsache, dass die Funktion nur bei Fotos mit 12 Megapixel zur Verfügung steht. Wer Aufnahmen mit möglichst vielen Details festhalten will, entscheidet sich schließlich genau aus diesem Grund für die volle Auflösung. Wenig Sinn ergibt der Einsatz der Funktion zudem leider beim Optimieren kompletter Bilder. Der Bildeindruck mag damit zwar etwas schärfer sein, die auf 3,2 Megapixel reduzierte Bildauflösung macht alle möglicherweise vorhandenen Vorteile aber wieder vollständig zunichte.