Von der Flaggschiffkamera Alpha 1 bis zur Alpha 9 III mit Global Shutter
Nachdem wir im zweiten Teil unserer dreiteiligen Artikel-Serie auf die Modelle von der Alpha 9 bis zur Alpha 7C eingegangen sind, blicken wir in diesem dritten und letzten Teil auf die Kameras ab der Alpha 1 zurück, die ab dem Jahr 2021 vorgestellt wurden. Zudem wagen wir einen Blick in die Zukunft. Sony dürfte als wichtigster Sensorhersteller auch weiterhin führend bei Digitalkameras sein.
Ein wahres Technikfeuerwerk zündete Sony bei der 2021 vorgestellten Alpha 1. Diese stellte nicht nur viele Spitzenwerte der Alpha-7- und Alpha-9-Kameras in den Schatten, das galt obendrein auch für Konkurrenzmodelle anderer Hersteller. Der ganz neu entwickelte Stacked-CMOS-Sensor mit zusätzlichem DRAM-Cache erlaubte als Beispiel – trotz einer sehr hohen Auflösung von 50 Megapixel – Bildraten von bis zu 30 Aufnahmen pro Sekunde.
Darüber hinaus brachte die Alpha 1 einen nochmals verbesserten Autofokus (bis zu 120 AF-Berechnungen pro Sekunde) mit erweiterter Motiverkennung, die 8K-Videoaufnahme (bis zu 30 Vollbilder pro Sekunde) und einen Sucher mit der Rekordauflösung von 9,44 Millionen Supixel mit.
2022 folgte die fünfte Alpha-7R-Generation. Hier nutzte Sony wieder den Bildwandler des Vorgängermodells, konnte durch einen leistungsstärkeren Prozessor aber die 8K-Videoaufnahme realisieren. Darüber hinaus verfügte die DSLM als erstes Sony-Modell über einen AI-Chip. Dank diesem ließ sich nicht nur eine Fahrzeug- und Insektenerkennung realisieren, durch die Analyse von menschlichen Posen und Körperformen wurde die Motiverfolgung auch bei Menschen nochmals verbessert.
2023 standen bei Sony zunächst wieder kleinere Kameras im Fokus. Als Kamera für Videografen wurde die besonders kompakte ZV-E1 vorgestellt, als Nachfolgemodell der Alpha 7C erschien die Alpha 7C II. Mit der Alpha 7C R wurde außerdem eine zusätzliche High-Res-Variante angekündigt.
Beide 7C-Modelle verfügen über die identischen Gehäuse, einen Autofokus mit KI-Unterstützung und speichern Videos in 4K-Auflösung. Während Sony die Alpha 7C R mit einem kleinen Handgriff für ein optimiertes Handling ausliefert, muss dieser bei der Alpha 7C allerdings zusätzlich erworben werden.
Ende des Jahres 2023 folgte dann ein Paukenschlag: Mit der Alpha 9 III erschien die erste "Consumer"-Kamera mit einem Global-Shutter-Sensor. Bei diesem werden die Pixel nicht wie üblich zeilenweise nacheinander, sondern alle zum gleichen Zeitpunkt ausgelesen. Diese Technologie ist sehr komplex und war daher bislang nur bei speziellen Sensoren anzutreffen. Dank des Global Shutters treten unter anderem auch bei den schnellsten Bewegungen keine Verzerrungen auf, zudem lässt sich der Blitz bei jeder unterstützten Verschlusszeit der Kamera (im Fall der Alpha 9 III bis zu 1/80.000 Sekunde) verwenden.
Wegen des Verzichts auf einen mechanischen Verschluss lässt sich jederzeit „Blackout-free“ arbeiten, mit Bildraten von bis zu 120 Fotos pro Sekunde bei voller Auflösung stellt die DSLM auch 2024 alle bisher erhältlichen Fotokameras in den Schatten. Selbst bei der höchsten Serienbildgeschwindigkeit steht die kontinuierliche Belichtungsmessung und Fokussierung zur Verfügung, Serien können im RAW-Format laut Datenblatt bis zu 192 Bilder umfassen.
Die Alpha 9 III macht aber nicht nur bei Fotos eine extrem gute Figur, Videos lassen sich in 4K mit bis zu 120 Vollbildern pro Sekunde und zahlreichen speziellen Einstellungen aufnehmen. Der fehlende Rolling-Shutter-Effekt macht die Kamera vor allem für schnelle Schwenks interessant, hier zeigen andere Modelle teilweise deutliche Verzerrungen.
Eine Kamera für die breite Masse ist die Sony Alpha 9 III – wie jedes Produkt mit brandneuer Technologie – aber natürlich nicht. Der Preis von 6.999 Euro macht sie nur für professionelle Fotografen interessant, die derart hohe Bildraten wirklich benötigen. Darüber hinaus ist wegen des Global-Shutter-Sensors von einem leicht höheren Bildrauschen sowie einem reduzierten Dynamikumfang auszugehen. Da Sony Kameras ohne diese Nachteile anbietet, die für die allermeisten Fotografen schnell genug sind, sollte die Alpha 9 III zunächst nur einen kleinen Markt abdecken.
Für die Zukunft der Fotografie stellt die DSLM trotzdem einen Meilenstein dar. Als prinzipiell überlegene Technologie, die ab einem gewissen Zeitpunkt bei allen professionellen Modellen zum Einsatz kommen dürfte, hat sie vermutlich auch einen Einfluss auf andere Kameraklassen. Unter anderem kann man davon ausgehen, dass dadurch Stacked-CMOS-Sensoren mit zusätzlichem DRAM-Cache von der Profiklasse in die Oberklasse und danach in die Mittelklasse „rutschen“.
Mit dem Global-Shutter-Sensor manifestiert Sony darüber hinaus seine Position als führender Hersteller von Bildwandler. Das Unternehmen bietet neben dem Global-Shutter-Sensor Bildwandler mit zusätzlichem DRAM-Cache und der aktuell höchsten Auflösung im Kamerasegment an. Dies gilt unter anderem für die Vollformat- und die Mittelformatklasse. In der Zukunft sind unter anderem noch höhere Auflösungen zu erwarten, bei der Alpha 7R VI könnte Sony mit 100 Megapixel die Mittelformat-Riege ins Visier nehmen.
Ein weiterer Trend: Sony hat den Fokus von immer mehr Modellen zuletzt Richtung Videofunktion verschoben. Neben den DSLMs der Alpha-7S-Serie, die schon seit Beginn für die Aufnahme von Videos optimiert wurden, zeigt dies auch die bereits erwähnte Sony ZV-E1. Die anderen Alpha-7-Modelle bringen zudem zusätzliche Videomenüs, geringere Kompressionen und spezielle Videofeatures mit. Zu letzteren zählen unter anderem die Focus Breathing Compensation, die Auto-Rahmungs-Funktion oder spezielle Zeitlupen- und Zeitraffermodi.
Einen immer höheren Stellenwert sollten zukünftig zudem KI-Funktionen einnehmen. Die künstliche Intelligenz wird den Autofokus und die Bildqualität weiter verbessern, Bildverarbeitungs-Optionen – die bislang nur bei Smartphones zu finden sind – könnten ebenso Einzug halten.
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