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dkamera.de Grundlagenwissen: Objektive adaptieren

Wissenswertes rund um den Einsatz von Objektiven mit anderen Bajonetten

Besitzer von Systemkameras müssen sich nicht nur mit der Kamera selbst, sondern auch mit den dazu passenden Objektiven beschäftigen. Schließlich lassen sich diese wechseln, was in jeder Situation den Einsatz des dafür optimal geeigneten Modells erlaubt. Objektive besitzen jedoch ein festes Bajonett, sodass deren Einsatz standardmäßig nur an einer Kamera mit dem passenden "Gegenstück" möglich ist. Wer eigentlich für andere Bajonette vorgesehene Objektive an seiner Kamera verwenden möchte, muss sich mit einem Adapter behelfen. In diesem Grundlagenwissen-Artikel gehen wir auf alles Wissenswerte rund um die Adaptierung von Objektiven ein.

Objektive sind genauso wie Kameras technische Geräte, bei deren Einsatz spezielle Vorgaben zu beachten sind. Grundsätzlich ist es beispielsweise nicht möglich, jedes Objektiv an jeder Kamera zu verwenden. Objektive müssen bei der Konstruktion an die Vorgaben eines Kamerasystems angepasst werden, diese sind später nur mit Umwegen zu ändern. Dadurch können Besitzer eines Objektivs mit Canon-EF-Bajonett dieses beispielsweise nicht einfach an einer Kamera mit Nikon-F-Bajonett verwenden. Während die unterschiedlichen "Befestigungsmechanismen" der Objektive und deren proprietäre Kommunikation mit der Kamera schnell einleuchtend sind, gibt es noch weitere Parameter, die den Einsatz von Objektiven an Kameras mit anderen Bajonetten verhindern oder zumindest erschweren. Vor dem Kauf eines neuen Objektivs ist daher zuerst zu prüfen, ob sich dieses überhaupt verwenden lässt. Dies sollte anhand der folgenden Kriterien erfolgen.

Das Auflagemaß:
Das Auflagemaß bezeichnet den Abstand von der Bajonettauflagefläche einer Kamera bis zur Sensor- (bei Digitalkameras) bzw. Filmebene (bei analogen Kameras). Spiegelreflexkameras besitzen wegen des Spiegelkastens, der sich zwischen Bajonett und Sensor/Film befindet, ein sehr großes Auflagemaß. Bei spiegellosen Systemkameras kann dieses deutlich kleiner ausfallen, da kein Platz für einen Spiegel benötigt wird.

Das Auflagemaß am Beispiel einer Canon EOS 200D und EOS M3:

Da Spiegelreflexkameras ein deutlich längeres Auflagemaß besitzen, ist es sehr einfach, dafür gebaute Objektive an spiegellosen Systemkameras mit einem deutlich kürzeren Auflagemaß zu verwenden. Andersherum funktioniert dies jedoch nicht, schließlich steht dafür nicht genügend Platz zwischen Bajonett und Sensor/Film zur Verfügung. Würde man ein Objektiv, das für spiegellose Systemkameras gebaut wurde, trotzdem an einer DSLR-Kamera adaptieren (was technisch durchaus möglich ist), müsste mit starken Einschränkungen gerechnet werden. In diesem Fall ist es nicht mehr möglich, auf Unendlich scharfzustellen. Es lässt sich nur noch bei kürzeren Motivdistanzen arbeiten. Da dies in der Praxis wenig Sinn ergibt, werden Adapter mit zusätzlichen Linsen angeboten, die dieses Manko zum Teil ausgleichen oder reduzieren können. Diese Lösungen haben sich in der Praxis jedoch als wenig sinnvoll herausgestellt, da die Bildqualität sehr stark von der eingesetzten Korrekturlinse abhängig ist und sich die Bildqualität praktisch immer (deutlich) verschlechtert. Wir können daher nur zum Einsatz von Adapterlösungen raten, wenn das Auflagemaß des einzusetzenden Objektivs (bzw. der Kamera, für die sie ursprünglich gebaut wurden) länger als das Auflagemaß der verwendeten Kamera ausfällt.

Die Auflagemaße bekannter Bajonette: (Auswahl)

Nikon F: 46,50mm
M42: 45,5mm
Sony A: 44,5mm
Sigma SA: 44mm
Canon EF: 44mm
Canon FD: 42mm
Four Thirds: 38,85mm
Leica M: 27,8mm
Micro Four Thirds: 19,25mm
Sony E: 18mm
Canon EF-M: 18mm
FujiFilm X: 17,7mm
Nikon 1: 17mm
Pentax Q: 9,2mm

Grundsätzlich gilt: Desto größer das Auflagemaß einer Kamera, desto weniger Objektive lassen sich daran adaptieren.

Ob das Adaptieren eines Objektivs eine sinnvolle Lösung darstellt, ist jedoch nicht nur allein vom Auflagemaß abhängig. Wichtig ist ebenso, auf die maximale Sensorgröße zu achten.

Die Sensorgröße:
Mit der Sensorgröße meinen wir in diesem Fall den Bildkreis, den ein Objektiv in der Lage ist auszuleuchten. Für Vollformatkameras gebaute Objektive leuchten Sensoren mit Abmessungen von 36 x 24mm vollständig aus. Dies gilt natürlich auch für kleinere Bildwandler, die, wie im Falle des APS-C-Formates (ca. 23,5 x 15,6mm), sowohl in der Breite als auch in der Höhe geringere Abmessungen besitzen. Beim Einsatz eines Objektivs, das für kleinere Bildwandler konstruiert wurde, kommt es an Modellen mit größeren Sensoren mindestens zu einer starken Vignettierung (siehe Beispielbild 1) oder sogar zu einer vollständigen Abschattung der äußeren Bildbereiche (siehe Beispielbild 2). In diesem Fall sind Aufnahmen zwar möglich, die Bilder müssen jedoch stark zugeschnitten werden.

Beispielbild 1: Starke Vignettierung beim Einsatz eines APS-C-Objektivs an einer Vollformatkamera:

Beispielbild 2: Extreme Abschattungen beim Einsatz eines APS-C-Objektivs an einer KB-Kamera:

Der Funktionsumfang:
Bei der Adaptierung von Objektiven sollten jedoch nicht nur das Auflagemaß und die Sensorgröße bedacht werden, auch der Funktionsumfang der Adapter spielt in der Praxis eine große Rolle. Daher stehen vor dem Kauf eines Adapters diverse Fragen im Raum: Funktionieren der Autofokus (sofern vorhanden) sowie die Blendensteuerung, und werden beispielsweise die Aufnahmeinformationen an die Kamera übertragen? Abhängig vom adaptierten Objektiv und dem verwendeten Adapter können sich hier deutliche Unterschiede ergeben. Darauf wollen wir im Folgenden näher eingehen:

Manueller = passiver Adapter:

Manuelle Adapter stellen die einfachsten Adapter dar. Sie sorgen allein für den Ausgleich des Auflagemaßes und der unterschiedlichen Bajonetttypen. Manuelle Adapter geben keinerlei Daten von der Kamera an das Objektiv – oder umgekehrt – weiter. Folglich müssen alle Einstellungen (Fokus und Blende) manuell am Objektiv vorgenommen werden. Dadurch gehen jegliche Komfortfunktionen eines Objektivs, sofern vorhanden, verloren.

Manuelle Adapter eignen sich daher in der Regel nur für den Einsatz von vollständig manuellen Objektiven. Als Vorteil sind manuelle Adapter oftmals sehr preiswert zu erstehen. Die Preise beginnen bereits bei unter 10 Euro. Teurere manuelle Adapter können zum Beispiel die bereits angesprochenen Korrekturlinsen oder zusätzliche Einstellringe zum Verändern der Blende bei Objektiven ohne eigenen Blendenring umfassen.

Links ein elektronischer Adapter mit Kontakten, rechts ein manueller Adapter ohne:

Elektronischer = aktiver Adapter:
Elektronische Adapter „überbrücken“ nicht nur das Auflagemaß und gleichen die unterschiedlichen Bajonette aus, durch elektronische Kontakte ist zudem die Kommunikation der Kamera mit dem Objektiv möglich. Prinzipiell ließen sich adaptierte Objektive daher ohne Einschränkungen mit den gewohnten Komfortfunktionen verwenden. In der Praxis gilt dies jedoch nur bedingt. Da ein elektronischer Adapter die Kommunikation zwischen dem Objektiv und der Kamera „übersetzen“ muss, können Features wegfallen oder nur eingeschränkt funktionieren.

Sony bietet, wie viele Hersteller, einen Adapter zum Einsatz von DSLR-Objektiven an DSLMs an:

Die besten elektronischen Adapter sind oftmals herstellereigene Lösungen. Hier lassen sich als Beispiel der Mount-Adapter EF-EOS M (Testbericht) von Canon, der Nikon FT1, der Sony LA-EA3 oder der Olympus MMF-3 nennen. Alle vier Adapter sind zum Einsatz von für Spiegelreflexkameras gebauten Objektiven an spiegellosen Systemkameras gedacht. Der Mount-Adapter EF-EOS M erlaubt das Verwenden von EF/EF-S-Modellen an den EOS-M-Kameras, der FT1 von FX- oder DX-Objektiven an der Nikon 1, der LA-EA3 von Sony-A-Objektiven an spiegellosen Alpha-Kameras und der MMF-3 von Four-Thirds-Objektiven an Micro-Four-Thirds-Kameras. Neben der automatischen Fokussierung und Blendensteuerung bleiben andere Komfortfunktionen wie die optische Bildstabilisierung oder das Übertragen der Exif-Informationen erhalten. In vielen Fällen müssen daher keinerlei Einschränkungen hingenommen werden. Abhängig vom verwendeten Objektiv und der eingesetzten Kamera kann die automatische Fokussierung jedoch nicht oder nur eingeschränkt funktionieren.

Aus diesem Grund bietet Sony den Adapter LA-EA4 an. Dieser besitzt wie SLT-Kameras von Sony einen teildurchlässigen Spiegel und ein eigenes Fokusmodul. Dadurch kann bei einigen Objektiven die Fokussierung beschleunigt oder erst ermöglicht werden.

Der MC-11 ist zur Adaptierung von Sigma-Objektiven an Kameras mit Sony-E-Bajonett gedacht:

Des Weiteren können elektronische Adapter auch von anderen Herstellern erworben werden. Zu den bekanntesten Modellen gehören die Produkte der Firmen Metabones und Commlite (für diverse Objektive und Kameras erhältlich) oder der MC-11 von Sigma (für Canon-EF-Objektive an Kameras mit Sony-E-Bajonett).

Im Fotodiox Stretch lassen sich zusätzliche ND-Filter einsetzen:

Adapter mit zusätzlichen Funktionen:
Adapter mit zusätzlichen Funktionen wollen nicht nur das „einfache“ Adaptieren von Fremdobjektiven ermöglichen, sie kombinieren dies mit zusätzlichen Funktionen. Platz steht dafür in vielen Fällen (ca. 1,5 bis 2cm) ausreichend zur Verfügung, sofern ein für Spiegelreflexkameras konstruiertes Objektiv an einer spiegellosen Systemkamera verwendet werden soll. Unter anderem kann der freie Platz für den Einsatz von Filtern verwendet werden, wie beispielsweise der Hersteller Fotodiox mit einem integrierten variablen ND-Filter oder wechselbaren ND-Filtern zeigt.

Bei manchen Adaptern ist ein Einstellring zur Blendensteuerung vorhanden:

Zudem ist es möglich, eine Irisblende im Adapter zu integrieren. Diese erlaubt die Blendensteuerung bei einem Objektiv, dessen Blende nur elektronisch oder allein auf anderem Weg anzupassen ist. Aber Achtung: Blendenringe am Objektiv können auch "nur" die Blende des verwendeten Objektivs anpassen.

Focal Reducer bündeln das einfallende Licht und sorgen u. a. für eine höhere Lichtstärke:

Einen Spezialfall stellen die sogenannten Speedbooster oder Focal Reducer dar. Dabei handelt es sich technisch gesehen um umgedrehte Telekonverter, welche die Brennweite des Objektivs effektiv verkürzen und die Lichtstärke erhöhen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Adaptern sind dafür aber zusätzliche Linsen nötig.

Zu den bekanntesten Produkten gehören die Metabones-Speedbooster, die für spiegellose Systemkameras angeboten werden. Damit sich der Effekt der höheren Lichtstärke nutzen lässt, müssen die eingesetzten Objektive jedoch einen größeren Bildkreis ausleuchten, als die verwendete Kamera besitzt. Beispiel: Der Einsatz eines Speedboosters funktioniert an einer Micro-Four-Thirds-Kamera daher nur, wenn das Objektiv mindestens für APS-C-Kameras gebaut wurde.

Der Devil's Speed Booster Q666 von Metabones für die Pentax Q-Kameras:

Auf die Spitze getrieben wurde das Prinzip des Focal Reducer beim Devil's Speed Booster Q666 mit einer 0,5-fachen Brennweitenverlängerung (also einer Halbierung) und dem nahezu Vervierfachen der Lichtstärke. Der Adapter wird für Nikon-F- sowie -G-Objektive angeboten und sorgt bei einem Objektiv mit einer größten Blendenöffnung von F1,2 für eine Lichtstärke von F0,66.

Auch für KB-Kameras werden Speedbooster angeboten, dafür sind Mittelformat-Objektive nötig:

Speedbooster können grundsätzlich für Kameras aller Sensorgrößen konstruiert werden, sofern Objektive mit einem größeren Bildkreis zur Verfügung stehen. Für den Einsatz eines Speedboosters an einer Vollformatkamera wird beispielsweise ein Mittelformat-Objektiv benötigt. Diesen bietet die Firma Kipon mit den Adaptern der Baveyes-Serie an.

Der Techart-PRO-Adapter macht aus MF-Objektiven Modelle mit automatischer Fokussierung:

Einen ganz besonderen Adapter hat der Hersteller Techart im Portfolio. Der "Techart PRO Leica M - Sony E" darf zweifellos als technische Sensation bezeichnet werden. Damit lassen sich Objektive, die lediglich die manuelle Fokussierung unterstützen, mit automatischer Fokussierung verwenden. Dies funktioniert, da der Adapter „Techart PRO Leica M - Sony E“ über einen Motor verfügt, der das komplette Objektiv zum Scharfstellen vor- und zurückbewegt. Der Adapter kann durch das kurze Auflagemaß der Leica-M-Kameras mit weiteren Adaptern kombiniert werden, sodass auch Objektive mit anderen Bajonetten (z. B. Nikon G, Olympus OM oder M42) mit Autofokus zu betreiben sind. Der nur 140g schwere Adapter erlaubt den Einsatz von bis zu 700g schweren Objektiven und hat als zusätzliche Funktion das Verkürzen der Naheinstellgrenze des Objektivs zu bieten.

Zusammenfassung:
Das Adaptieren von Objektiven mit anderen Bajonetten kann durchaus ein aufwendigeres Unterfangen darstellen. Gerade als Besitzer einer spiegellosen Systemkamera mit kurzem Auflagemaß sollte man die Option, Objektive mit anderen Bajonetten nutzen zu können, jedoch prüfen. Dadurch lässt sich die Zahl der zur Verfügung stehenden Modelle dramatisch vergrößern.
Ob der Einsatz eines Objektivs an einer Kamera Sinn ergibt, ist folgendermaßen zu prüfen:

Das Auflagemaß der verwendeten Kamera sollte kleiner als das Auflagemaß des Objektivbajonetts sein, das adaptierte Objektiv den Bildwandler der Kamera mindestens vollständig ausleuchten und der Adapter– sofern gewünscht – für den Erhalt der wichtigsten Funktionen sorgen. Da sich gerade bei den Adaptern größere Unterschiede ergeben, ist diesbezüglich eine umfassende Information vor dem Kauf anzuraten.

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Kommentare

Vielen Dank für diesen äußerst ...

Vielen Dank für diesen äußerst interessanten Artikel! Da habt ihr euch wieder einmal sehr viel Mühe für eure Leser gemacht. :-) Ich weiß von einem Arbeitskollegen, dass er den MC-11 Adapter von Sigma für seine Alpha 6000 von Sony und Canon-Objektive nützt. Das passt gut und die Auswahl ist größer.

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