Farben wie gedruckt?

Ein Gastbeitrag von Adrian Ahlhaus

Gastbeitrag
Ein Gastbeitrag von Adrian Ahlhaus

Ob ein Foto direkt nach der Aufnahme gefällt oder umgehend gelöscht wird hängt in vielen Fällen davon ab, wie das LC-Display der Kamera die Farben des Fotos wiedergibt. Und selbst dann, wenn man alle Fotos mit nach Hause nimmt, entscheidet der Blick auf den Bildschirm des Computers zu Hause, ob ein Foto gedruckt oder verworfen wird. So gelangen viele Fotos gar nicht bis zum heimischen Drucker.

Was dann noch ausgedruckt wird, hat nach Drucksystem doch deutlich abweichende Farben. Gerade die kleinen Fotodrucker, die ihre Farben von einer Farbfolie holen, die so genannten Thermosublimationsdrucker, „hübschen“ die Farben und Kontraste auf. Das heißt, die Farben werden kräftiger als im originalen Foto dargestellt, die Kontraste in den Mitten angehoben. Es bedeutet, die Schattenbereiche werden eher zu einem einheitlich schwarz, die ganz hellen Bildteile werden papierweiß.

Fotodrucker mit Tinten haben ebenso diese Tendenz mitbekommen. Insbesondere die Marke HP hat mit ihren preiswerten Fotodruckern großen Erfolg, weil diese „Fotokorrektur“ eingebaut ist. Jedoch, der Computer-Bildschirm verhält sich ganz anders. Richtig eingestellt nähert dieser sich den originalen Bilddaten an. Wie bei jedem Bildschirm hat auch hier das Umgebungslicht einen großen Einfluss auf die Farbdarstellung. Je nach Umgebungslicht des Tages oder der künstliche Beleuchtung werden insbesondere die kritischen Farben, die Hauttöne, anders dargestellt, als sie tatsächlich sind. Doch das ist nichts im Vergleich zu den Abweichungen der LC-Displays einer Kamera.

Wenn Kamera-Display, Bildschirm und Drucker die Farben und Kontraste so anders darstellen, wie kommt es, dass die Fotos trotzdem gefallen? Nun, wenn die Veränderungen schön aussehen - „schön“ im Sinne unseres Geschmacks - so haben wir nichts dagegen. Man hätte auch nichts dagegen, wenn ein Fotolabor für Filme die Farben und Kontraste veränderte. Von unseren oben aufgezählten Komponenten ist allein der Bildschirm ziemlich genau. Und das schon ab Werk. Was sie unterscheidet ist weniger die Farbdarstellung als der Kontrastumfang. Zumindest auf dem Papier. Es gibt nun Bildschirme, die LC-Displays, die mit einem Kontrastumfang von 1:3000 beworben werden. Und es gibt Bildschirme die bieten einen Kontrastumfang von 1:700. Doch das mit dem riesigen Kontrastumfang ist Augenwischerei. Gibt es einen einzigen weißen Punkt auf dem Bildschirm, dann fällt der Kontrastumfang von 1:3000 auf 1:700 zurück. LCDs ähneln sich also.

Allerdings ist da noch der Faktor Mensch. Je nachdem, wo ein Bildschirm aufgestellt ist, wird an der Helligkeit und den Kontrasten und den Farben „gedreht“. Der Vorteil ist, man passt das Bild dem Umgebungslicht an. Und danach bleibt es wie es ist. Der Berufsfotografen macht es ebenso. Allerdings mit einem Unterschied. Das Umgebungslicht kommt dem Tageslicht nah. Und der Bildschirm wird auf die Farben eingestellt, die eine neutralere Farbwiedergabe ermöglichen.

Wenn Amateure ihre gedruckten Fotos austauschen, dann sind sie sich der Farbabweichungen ihrer Drucker wohl bewusst. Sie setzten dies auch bei den anderen voraus. Doch werden die Fotos ins Internet gestellt, dann wird ein anderer Maßstab angelegt. Man ist sich einfach nicht bewusst, wie sehr die Bildschirme voneinander abweichen können. Wer zwei Bildschirme nebeneinander stellen kann, mache den Test. Das Foto auf dem Laptop weicht vom Bild des Desktop ab. Wer unterschiedliche Systeme benutzt, kennt das. Apple und PC stellen die Farben und Kontraste grundsätzlich unterschiedlich dar. Eine einheitliche Norm fehlt - noch.

Dabei reicht schon der Unterschied zwischen den Bildschirmen von PCs um Fotos nicht wirklich vergleichen zu können. Man kann etwas über die Objekte im Bild sagen, die Gestaltung oder die Szene, aber schon die Diskussion über Helligkeit oder Farben ist eher unsinnig. Solche Diskussionen gehören in das Umfeld von Fotogruppen. Darin geht man mit gedruckten Fotos um. Und man sollte annehmen, dass diese Fotos solange bearbeitet oder neu ausgedruckt wurden, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Darüber lässt sich anschließend diskutieren. Noch schwieriger wird es, wenn die neueren Monitore, insbesondere diejenigen von Laptops, mit einem Helligkeitssensor ausgestattet sind. Das Eigenleben dieser Technik führt dazu, dass man nun überhaupt nicht mehr weiß wie ein neutrales Bild aussieht. Wer Fotografie als ernsthaftes Hobby betreibt muss auf diese Technik unbedingt verzichten.

Trotz aller modernen Technik oder gerade wegen ihr: Es geht weiterhin nichts über das gedruckte, papierene Bild, das aus dem eigenen Drucker kommt und in Kontrasten und Farben so ist, wie man es sich wünscht.

Gastbeiträge enthalten die Meinung des jeweiligen Autors und spiegeln nicht die Meinung von dkamera.de wieder.

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