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Franzis Focus Projects 4 Professional im Test

Fokus-Stacking-Software für Bilder mit besonders großer Schärfentiefe

Die Möglichkeit, Objekte freizustellen, ist eines der wichtigsten Gestaltungsmittel in der Fotografie. Das „Abheben“ des Hauptmotivs vom Hinter- oder Vordergrund erlaubt, dieses in den Mittelpunkt zu stellen. Doch nicht immer ist ein Bild mit kleiner Schärfeebene gefragt, in einigen Situationen soll die Schärfentiefe so groß wie möglich ausfallen. Das lässt sich bei Kameras mit großen Sensoren nicht immer realisieren, dafür wird Hilfe in Form von Software benötigt. Wir nehmen in diesem Test die Fokus-Stacking-Software Focus Projects 4 Professional des Franzis-Verlags unter die Lupe.

Allgemeine Informationen:Focus Projects 4 kann auf CD-ROM sowie als Download erworben werden. Die Software wird in einer Professional- und einer Standardversion angeboten, die sich in ein paar wenigen Funktionen unterscheiden. Zum einen fehlt der Standardversion das RAW-Entwicklungsmodul, zum anderen muss auf die Stapelverarbeitung und ein Plugin für Adobe Lightroom CC Classic verzichtet werden.

Des Weiteren erlaubt die Professional-Version das Verwenden von bis zu 1.000 Schärfeebenen, bei der Standardversion sind es maximal 30. Diese Einschränkungen können durchaus relevant sein, müssen es jedoch nicht.

Die Software wird auf einem Datenträger und als Download angeboten:

Neu sind bei Focus Projects 4 laut Franzis-Verlag das HQ-Stacking mit 64-Bit-Berechnung und die Focus-Boost-Technologie für noch mehr Schärfe. Zudem wird eine Signifikanzprüfung der Schärfereihe angeboten. Als minimale Systemvoraussetzungen werden für die Software ein Dualkernprozessor, 2GB Arbeitsspeicher und ein Betriebssystem ab Windows 7 genannt. Die empfohlenen Systemvoraussetzungen umfassen einen Vierkernprozessor und 8GB Arbeitsspeicher.

Manche Kameras, hier die PEN E-PL9, bringen eine Fokusreihen-Aufnahme-Funktion mit:

Was ist Fokus Stacking überhaupt?
Beim Fokus-Stacking werden mehrere Bilder eines Objekts mit unterschiedlichen Schärfeebenen aufgenommen und per Software zu einem Bild mit hoher Schärfentiefe zusammengerechnet. Dadurch lassen sich fototechnisch nicht realisierbare Bildergebnisse erzielen, oder man kann auf das Verwenden sehr kleiner Blendenöffnungen verzichten. Mittlerweile sind bereits einige Kameramodelle erhältlich, die ein kamerainternes Fokus-Stacking beherrschen. Hier sind als Beispiel die Modelle von Panasonic (Panasonic Lumix DMC-G81 (Testbericht) , Panasonic Lumix DC-G9 (Testbericht) ) mit ihrer Post-Focus-Funktion zu nennen. Des Weiteren unterstützen einige Kameras Reihenaufnahmen mit unterschiedlicher Fokussierung (z. B. die Olympus OM-D E-M1 Mark II (Testbericht) oder Olympus PEN E-PL9 (Testbericht) ). Dies macht das Fotografieren besonders komfortabel.

Ein Makroschlitten kann die Aufnahme von Bildern für das Stacking vereinfachen:

Wer keine Kamera mit derartigen Features besitzt, muss auf das Fokus-Stacking jedoch nicht verzichten. Per manueller Fokussierung oder mit Hilfe eines Makroschlittens ist das Aufnehmen von Bildern ebenso möglich. Das Fokus-Stacking ist grundsätzlich für den Einsatz bei allen Fotosituationen geeignet, prädestiniert jedoch für die Makrofotografie. Hier fällt die Schärfentiefe besonders klein aus, oftmals kleiner als erwünscht.

Die Software im Einsatz:
Focus Projects 4 ist wie die meisten Softwarelösungen des Franzis-Verlags gestaltet. Das macht die Arbeit für Nutzer dieser Programme einfach. Aber auch neue Nutzer sollten sich schnell zurechtfinden.

Das Importieren der Bilder erfolgt wie üblich:

Alle Bilder einer Fokusreihe müssen ausgewählt werden:

Zu Beginn müssen die Bilder einer Fokusreihe über „Datei“ und „Bildsequenz laden“ oder den Bildsequenz-Browser ausgewählt werden. Danach startet die Software das Zusammenrechnen der Bilder. Eine automatische Bildausrichtungsfunktion korrigiert dabei leichte Abweichungen der einzelnen Fotos. Grundsätzlich sollte die Aufnahme einer Fokusreihe immer von einem Stativ erfolgen.

Nur so lassen sich die besten Ergebnisse erzielen. Bei der Aufnahme gilt es des Weiteren zu beachten, dass ausreichend unterschiedliche Schärfeebenen aufgenommen werden, die das Motiv zusammen einmal komplett scharf „enthalten“.

Ein leistungsfähiger Rechner ist kein Muss, aber doch sinnvoll:

Das Berechnen der Aufnahmen kann bei Focus Projects 4, abhängig von der verwendeten Hardware und der Anzahl der Aufnahmen, stark variieren. Bei 20 Bildern mit einer Auflösung von je 42,4 Megapixel mussten wir uns rund 30 Sekunden gedulden (System: AMD Ryzen 1700X, 16GB Arbeitsspeicher, SSD). Teilweise trat im Test auch die Meldung auf, dass zu wenig Arbeitsspeicher zur Verfügung steht und das Laden deutlich länger dauern kann. Dann verging teilweise mehr als eine Minute Zeit. Nachdem die Software eine Vorschau generiert hat, stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Zum einen kann man die Bilder über 62 Presets beeinflussen. Diese sind in sechs Kategorien („Natürlich“, „Monochrome“, „Landschaft“, „Farben“, „3-D“ und „Leuchten“) unterteilt und tragen Namen wie „Natürlich Neutral“, „Monochrom Maximale Schärfe“ oder „Leuchten Kraftvoll“. Von einem natürlichen Bildeindruck bis zu einer surrealen Anmutung ist hier alles dabei. Wir würden uns eher für einen der neutralen Bildeindrücke entscheiden und die Aufnahmen anschließend wie gewünscht weiterbearbeiten. Mehrere Presets lassen sich kombinieren und unter einem neuen Namen speichern.

Zahlreiche Presets, hier ein Monochrome-Preset, erlauben unterschiedliche Gestaltungen:

Wie bei praktisch allen Softwarelösungen des Franzis-Verlags sind weitere Bearbeitungsoptionen rechts vom Vorschaubild zu finden. So kann der Nutzer das Fokus-Stacking-Verfahren wählen, die Bilder mit einem Optimierungs-Assistenten oder manuell optimieren sowie eine Körnung hinzufügen. Der Expertenmodus erlaubt weitere Einstellungen. Eine Vergleichsansicht gestattet den Vorher-nachher-Vergleich.

Die Gewichtung der einzelnen Fotos lässt sich unter anderem beeinflussen:

Auch abseits des Stacking-Prozesses sind weitere Bearbeitungen möglich:

In der Werkzeugleiste über dem Vorschaubild ist die RAW-Bearbeitung möglich, und die Gewichtung der einzelnen Bilder kann verändert werden. Hier lässt sich beispielsweise anzeigen, welche Teile eines Bildes in die Gesamtrechnung einfließen. Über die Option Focus-Boost kann sich der Benutzer noch für genauere Berechnungsmethoden des Stackings entscheiden. Bei unseren Testaufnahmen konnten wir rein optisch aber keine größeren Unterschiede feststellen. Bei anderen Motiven kann das natürlich anders sein. Vor dem Speichern (u. a. als JPEG, TIFF oder PNG) der Aufnahmen kann der Nutzer diese zuschneiden und mit einem Untertitel versehen. Mit der Stapelverarbeitungsfunktion lassen sich mehrere Bildsequenzen hintereinander abarbeiten, das dürfte sich vor allem beim Einsatz schwächerer Rechner oder sehr vieler Bilder als größerer Vorteil erweisen.

Die Stapelverarbeitungsfunktion kann das Stacking deutlich komfortabler gestalten:

In der Praxis fällt das Arbeiten mit Focus Projects 4 dank vieler Automatisierungen einfach, im Vergleich zum Fokus-Stacking mit Adobe Photoshop arbeitet die Software des Franzis-Verlags deutlich schneller. Während Focus Projects 4 im Test nur selten mehr als 30 Sekunden benötigte, nahm sich Photoshop bei gleicher Bildanzahl teilweise mehrere Minuten Zeit. Ein großer Arbeitsspeicher ist hier zudem unerlässlich. Gerade bei schwächeren Rechnern dürfte Focus Projects 4 noch mehr im Vorteil sein. Die berechneten Ergebnisse wussten in der großen Mehrheit zu gefallen, teilweise gab es jedoch unerklärliche Ausrichtungs- bzw. Überblendungsfehler. Einen Grund dafür konnten wir nicht feststellen, alle Bilder wurden von einem Stativ und mit Fernauslöser aufgenommen.

Links eine herkömmliche Aufnahme, rechts eine per Fokus Stacking generierte Aufnahme:

Unser Fazit:
Focus Projects 4 konnte in unserem Test bei den allermeisten Fokusreihen überzeugen, die Arbeitsgeschwindigkeit und der Komfort sind hoch. Zahlreiche Optionen und Bildbearbeitungsmöglichkeiten machen den anschließenden Einsatz weiterer Programme oftmals unnötig.

Die Professional-Version hat gegenüber der Standardversion ein paar Vorteile zu bieten (u. a. RAW-Bearbeitung, Stapelverarbeitung, 1.000 statt 30 Schärfeebenen). Wer größere „Projekte“ plant fährt aus unserer Sicht mit der Professional-Version – auch wegen des nur recht geringen Aufpreises (99,00 Euro statt 69,00 Euro) – besser.

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