Testbericht des Olympus M.Zuiko Digital 17mm F1,8

Lichtstarke Festbrennweite mit großer Anfangsöffnung und Metallgehäuse

Eine Stärke des Micro-Four-Thirds-Systems sind ohne Frage die vielen kompakten, aber trotzdem lichtstarken Festbrennweiten. Durch den vergleichsweise kleinen Bildsensor lassen sich selbst Objektive mit einer Lichtstärke von größer als F2 mit einem Gewicht von unter 150g sowie mit einer Tiefe von deutlich unter 5cm bauen. In diesem Test nehmen wir das M.Zuiko Digital 17mm F1,8 von Olympus unter die Lupe.

Die technischen Daten:
Das Olympus M.Zuiko Digital 17mm F1,8 misst 5,8 x 3,6cm und wiegt 117g. Es lässt sich durch das MFT-Bajonett an Kameras mit Micro-Four-Thirds-Sensor (17,3 x 13,0mm) verwenden. Neben den Kameramodellen von Olympus ist dabei unter anderem auch der Einsatz an Panasonic-Modellen kein Problem. Der optische Aufbau der Festbrennweite besteht aus neun Linsen in sechs Gruppen, dazu gehören ein DSA-Element (Dual Super Aspherical), ein Super-HR-Element (High Refractive) sowie auch zwei asphärische Linsen. Geisterbilder und Reflexionen soll die ZERO-Vergütung (Zuiko Extra-low Reflection Optical) minimieren. Für optische Filter besitzt es ein 46mm großes Frontgewinde. Tasten finden sich am Objektiv keine, der Fokusring lässt sich zum manuellen Scharfstellen allerdings nach unten ziehen.

Mit Abmessungen von nur 5,8 x 3,6cm gehört das Objektiv zu den kompakten Modellen:

Brennweite und Lichtstärke:
Durch den zweifachen Cropfaktor der MFT-Sensoren besitzt das M.Zuiko Digital 17mm F1,8 eine kleinbildäquivalente Brennweite von 34mm. Es kann daher als Reportage-Brennweite bezeichnet werden. Trotz der festen Brennweite ist ein recht flexibler Einsatz möglich. Neben Landschaftsaufnahmen macht es sich auch bei der Streetfotografie recht gut. Die große Blendenöffnung von F1,8 prädestiniert die Optik natürlich auch für Aufnahmen bei schlechteren Lichtverhältnissen ohne zusätzliche Lichtquellen.

Abblenden lässt sich auf bis zu F22, sieben Blendenlamellen sollen dabei auch im abgeblendeten Zustand für eine harmonische Hintergrundunschärfe sorgen. Nahezu kreisrund ist die Blendenöffnung in etwa bis F3,2. Das Bokeh des Objektivs fällt grundsätzlich sehr stimmig aus. Durch den recht kleinen Sensor und die vergleichsweise kurze Brennweite fällt das Freistellen von weiter entfernten Motiven – trotz F1,8 – natürlich schwerer, als bei Kameras mit Vollformatsensor aus.

Das Objektivgehäuse besteht aus Metall, das für einen hochwertigen Eindruck sorgt:

Handhabung und Verarbeitung:
Die Wertigkeit eines Objektivs beruht zuallererst auf dem verwendeten Material. Während viele Hersteller vor allem bei preisgünstigen Modellen auf Kunststoff setzen, besteht das Objektivgehäuse des M.Zuiko Digital 17mm F1,8 aus Metall. Dies sorgt natürlich für einen sehr hochwertigen ersten Eindruck. Der ebenfalls aus Metall bestehende Fokusring sowie das Bajonett aus Metall, runden den sehr guten Eindruck ab.

Wie das Objektivgehäuse ist natürlich auch das Bajonett aus Metall gefertigt:

Das Objektiv passt dadurch unter anderem optimal zu den OM-D-Modellen von Olympus oder natürlich auch zur PEN-F. Das Kameragehäuse und das Objektiv gehen hier quasi fließend ineinander über. Durch die kompakten Abmessungen von 5,8 x 3,6cm und das mit 117g leichte Gewicht bleiben auch kleinere Kameramodelle gut ausbalanciert, eine Objektivlastigkeit konnten wir nicht feststellen.

Wurde der Fokusring zum manuellen Scharfstellen nach hinten gezogen, erscheint eine Fokusskala:

Autofokus/manueller Fokus:
Die automatische Fokussierung erfolgt mit einem Linearmotor, der quasi lautlos und auch sehr schnell scharfstellt. Im Test mit der Olympus PEN-F haben wir kurze  0,22 Sekunden gemessen. Von Vorteil sind auch die nicht rotierende Frontlinse sowie die Innenfokusbauweise. Somit lässt sich problemlos mit optischen Filtern arbeiten. Wer manuell scharfstellen möchte, muss dafür nur den Fokusring nach hinten ziehen („Focus clutch“). Daraufhin wird der manuelle Fokusmodus aktiviert und der Fokusring besitzt deutlich mehr Widerstand. In der Praxis lässt sich dadurch angenehmer und genauer arbeiten. Durch das Zurückziehen wird zudem eine Entfernungsskala sichtbar.

Das Filtergewinde des M.Zuiko Digital 17mm F1,8 ist 46mm groß:

Die Naheinstellgrenze liegt bei 25cm, der größte Abbildungsmaßstab daher bei 1:12,5. Echte Makroaufnahmen sind mit dem Objektiv also keinesfalls möglich, dafür ist die Festbrennweite aber auch nicht gedacht.

Im Vergleich zum Lumix G 20mm F1,7 II ist das M.Zuiko Digital 17mm F1,8 schmaler, aber höher:

Bildqualität: (Testkamera Olympus PEN-F)
Zum Test der Bildqualität haben wir mit der PEN-F die MFT-Kamera von Olympus mit der im Frühjahr 2016 höchsten Auflösung (20,2 Megapixel) verwendet. Bei Offenblende, also bei F1,8, liefert das M.Zuiko Digital 17mm F1,8 ein etwas durchwachsenes Bild ab. In der Bildmitte werden Details bereits sehr gut abgebildet, hier gibt es nichts zu kritisieren. An den Bildrändern sieht dies allerdings anders aus. Hier muss man mit einer – zumindest bei leichten Vergrößerungen – sichtbaren Unschärfe leben. Wirklich kritisch sehen wir diese zwar nicht, wer keine Kompromisse bei der Detailwiedergabe möchte, muss jedoch abblenden. Bei F2,8 können sowohl die Bildmitte als auch die Bildränder bei der Schärfe deutlich zulegen. F2,8 stellt unserer Meinung nach daher den besten Kompromiss aus Lichtstärke und Bildqualität dar. Bei F4 erreicht die Bildmitte das höchste Schärfeniveau, die Bildränder fallen jetzt gut bis sehr gut aus. Die maximale Schärfe wird an den Rändern bei F5,6 erreicht, bei F8 fällt die Abbildungsleistung im Zentrum sowie an den Rändern durch die Beugung bereits wieder schlechter aus.

Auflösungsvergleich von Blende F1,8 bis F8:

Die Verzeichnung ist auf den ersten Blick nur leicht tonnenförmig, in der Praxis dürfte diese Tatsache quasi nicht auffallen. Um die geringe Verzeichnung zu erreichen, wird allerdings per Software in der Kamera nachgeholfen. Wer einen RAW-Konverter mit automatischer Korrektur verwendet, wird von der realen Verzeichnung allerdings ebenso nichts zu sehen bekommen. Ohne Softwarekorrektur ist die Verzeichnung keinesfalls zu übersehen, sie fällt sogar sehr deutlich tonnenförmig aus. Von einem gemäßigten Weitwinkelobjektiv würde man dieses „Ausmaß“ nicht unbedingt erwarten.

Links sehen Sie eine Aufnahme ohne Verzeichnungskorrektur, rechts mit Korrektur:

Die Randabschattung ist weniger dramatisch, bei Offenblende aber durchaus gut erkennbar. Ab etwa F2,8 ist der Randabfall nur noch gering. Chromatische Aberrationen haben sich im Test also völlig unproblematisch herausgestellt, nur bei sehr starken Kontrasten lassen sich Farbfehler erkennen. Auch hier greift die Software-Korrektur aber wieder ein.

Beispielaufnahmen in voller Auflösung (JPEG):

JPEG- und RAW-Aufnahmen:

Unser Fazit:
Das etwas weniger als 500 Euro teure Olympus M.Zuiko Digital 17mm F1,8 ist eine hochwertig verarbeitete, kleine und leichte Festbrennweite. Punkten kann das Objektiv zudem mit seinem schnellen und leisen Autofokus, dem clever gelösten Fokusmechanismus zum manuellen Scharstellen sowie natürlich auch der hohen Lichtstärke von F1,8.

Dadurch lassen Motive vom Hintergrund trennen, das Bokeh ist zudem stimmig. Die kleinbildäquivalente Brennweite von 34mm erlaubt trotz fester Brennweite einen recht flexiblen Einsatz.

Das Olympus M.Zuiko Digital 17mm F1,8 ist für die PEN-F ein hochwertiger Begleiter:

Die Abbildungsleistung ist nicht frei von Schwächen, insgesamt weiß das Olympus M.Zuiko Digital 17mm F1,8 aber zu gefallen. Bei Offenblende erreicht die Bildmitte ein sehr gutes Schärfeniveau, die Bildecken fallen jedoch etwas ab. Bei Aufnahmen, die eine höhere Randschärfe verlangen, sollte man daher mindestens auf F2,8 abblenden. Eine knackige Schärfe wird in den Ecken erst ab F4 erreicht. Ein wenig kritisieren muss man zudem auch die starke Verzeichnung. In der Praxis ist diese durch die digitale Korrektur zwar nicht zu sehen, ohne Software-Korrektur ist sie aber deutlich vorhanden.

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