Testbericht des Sony E 11mm F1,8

Neues lichtstarkes Ultraweitwinkelobjektiv für APS-C-Kameras von Sony

Ultraweitwinkelobjektive hatte Sony für seine spiegellosen Systemkameras mit APS-C-Sensor bislang nur wenige im Angebot, ein sehr lichtstarkes Modell konnte man gar nicht erwerben. Mit dem neuen Sony E 11mm F1,8 ändert sich das. Dieses möchte kompakte Abmessungen, ein geringes Gewicht und die eben erwähnte hohe Lichtstärke mit einer sehr guten Abbildungsleistung vereinen. Wir haben uns das Objektiv bereits näher ansehen können.

Technische Daten, Verarbeitung und Handhabung:
Wie bereits erwähnt soll das Ultraweitwinkelobjektiv nicht nur kompakt und leicht ausfallen, sondern neben einer hohen Lichtstärke auch eine sehr überzeugende Bildqualität zu bieten haben. Ersteres lässt sich anhand der technischen Daten schnell bestätigen, die Festbrennweite fällt mit Abmessungen von lediglich 6,6 x 5,8cm sehr kompakt aus. Direkt vergleichbare Modelle gibt es von Sony zwar nicht, man könnte aber das Samyang 12mm F2 NCS CS zum Vergleich heranziehen. Dieses misst 7,3 x 5,9cm und bringt dabei nicht einmal Automatikfunktionen mit. Das Gewicht des Sony-Objektivs liegt mit 181g ebenfalls deutlich unterhalb des Samyang-Modells mit 245g. Außer Acht lassen sollte man allerdings nicht, dass Sony beim Gehäuse vor allem auf Kunststoff setzt, nur beim kleinen Ring vor dem Fokusring und dem Bajonett kommt Metall zum Einsatz. Das muss allerdings keinen stören, die Verarbeitung weiß auch so zu gefallen. Als weitere Bedienelemente sind ein AF/MF-Schalter und eine Fn-Taste verbaut, die Funktion von letzterer kann man wie üblich über die Kamera anpassen. Abdichtungen verhindern beim Gehäuse das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit.

Das Sony E 11mm F1,8 ist kompakt und bringt trotz hoher Lichtstärke nur 181g auf die Waage:

Kommen wir nun zur Brennweite des Sony E 11mm F1,8. Da das Objektiv für APS-C-Kameras konstruiert ist, entspricht der Bildwinkel auf Kleinbild umgerechnet einem Modell mit 16,5mm. Die Festbrennweite gehört somit zu den Ultraweitwinkelobjektiven. 16mm sind dafür eine klassische Brennweite, viele Zoomobjektive dieser Klasse starten hier. Im Fotoalltag erlauben die 16,5mm des Sony E 11mm F1,8 vergleichsweise vielseitige Einsätze, unter anderem bietet sich das Objektiv für Landschafts- und Architekturaufnahmen an. Ein großer Vorteil ist natürlich die hohe Lichtstärke. Mit F1,8 kann man gegenüber einem klassischen F4-Zoom mit einem 2 1/3 Blendenstufen niedrigerem ISO-Wert fotografieren oder die Belichtungszeit mehr als vervierfachen. Das macht das Sony E 11mm F1,8 vor allem für Aufnahmen interessant, bei denen es an Licht mangelt. Also beispielsweise Indoor-Aufnahmen ohne Stativ oder Astroaufnahmen. Des Weiteren bietet sich die Optik für Selbstporträts und das Vlogging an.

Neben dem Fokusring stehen eine Fn-Taste und ein AF/MF-Schalter zur Verfügung:

Auf einen Bildstabilisator muss man beim Sony E 11mm F1,8 verzichten, dies ist bei einer derart kurzen Brennweite allerdings weit weniger kritisch als bei längeren Brennweiten. Zudem gibt es mehrere Kameras von Sony mit eigenem Bildstabilisator sowie die Möglichkeit der digitalen Stabilisierung bei Videos. Mit "OSS" wären derart kompakte Abmessungen jedenfalls nicht möglich gewesen.

Beim optischen Aufbau setzt Sony auf zwölf Linsen in elf Gruppen. Drei der Linsen werden aus ED-Glas gefertigt, bei drei weiteren handelt es sich um asphärische Linsen. Dadurch werden sowohl chromatische Aberrationen minimiert als auch die Verzeichnung reduziert. Zur Vergütung macht Sony keine genaueren Angaben, es wird nur von einem Multi-Coating gesprochen.

Das Bajonett besteht aus Metall, der Rest des Gehäuses größtenteils aus Kunststoff:

Autofokus/manueller Fokus:
Das Sony E 11mm F1,8 bringt als modern konstruiertes Objektiv auch einen modernen Autofokus mit. Konkret setzt Sony auf zwei Linearmotoren. Diese erlauben das flotte (0,28 Sekunden laut Labormessung) und trotzdem leise scharfstellen. Des Weiteren kann der Fokus sehr fein angepasst werden. Das ist für Videoaufnahmen und langsame Schärfeverlagerungen wichtig.

Unabhängig von der Fokusgeschwindigkeit arbeitet der Autofokus praktisch lautlos, bei Videos ist daher kein störendes Geräusch auf der Tonsur wahrzunehmen. Linsenbewegungen erfolgen nur innerhalb des Gehäuses, dadurch bewegen sich die Frontlinse und das 55mm messende Filtergewinde nicht. Filter, die bei Ultraweitwinkelobjektiven durchaus häufiger zum Einsatz kommen, lassen sich daher ohne Einschränkungen verwenden. Das geht bei vielen vergleichbaren Objektiven für Vollformatkameras nicht.

Für Filter hat Sony ein 55mm messendes Gewicht verbaut:

Obendrauf gibt es zwei Bonusfeatures für Videografen: Das Focus Breathing, also die Änderung des Bildausschnitts beim Verändern der Fokusentfernung, hat Sony auf ein Minimum gesenkt, mit der Breathing Compensation-Funktion der Sony Alpha 7 IV ist das Objektiv kompatibel. Da der Einsatz eines APS-C-Objektivs an einer Vollformatkamera aber kaum sinnvoll ist, bleibt der Praxisnutzen fraglich. Sony sollte die Breathing Compensation bei seinen APS-C-Modellen nachrüsten. Beim Fokusring wird eine lineare Umsetzung verwendet, dies vereinfacht das manuelle Scharfstellen. Eingaben werden vom Fokusring stets an den AF-Motor weitergegeben, die „Focus by wire“-Umsetzung ist bei fast alle neuen Objektiven anzutreffen.

Bildqualität:
Zum Test der Bildqualität nutzen wir – wie auch bei allen anderen Tests dieses Artikels – eine Sony Alpha 6600. Deren APS-C-Sensor löst mit 24 Megapixel auf. Die DSLM verfügt über Sonys neueste Fokustechnologien im APS-C-Segment und ist das aktuelle Spitzenmodell mit Cropsensor.

Im Zentrum gibt das Sony E 11mm F1,8 schon bei Offenblende viele Details wieder, die Wahl einer kleineren Blende ändert nur wenig. Das kann uns überzeugen. Zu den Rändern hin sinkt die Schärfe etwas ab, die Bildqualität bleibt aber immer noch gut. Grundsätzlich lässt sich die Festbrennweite schon bei Offenblende sehr gut nutzen, Landschaftsfotografen mit ausreichend Licht greifen trotzdem am besten auf Blendenwerte von F2,8 oder F4 zurück.

Chromatische Aberrationen konnten wir im Test fast überhaupt keine erkennen, die Vignettierung fällt für die kurze Brennweite und die zugleich hohe Lichtstärke gering aus. Bei der Verzeichnung hilft Sony nach, die digitale Korrektur greift deutlich ein. Ohne Korrektur zeigt sich ein anderes Bild: Das Objektiv besitzt eine starke tonnenförmige Verzeichnung, diese lässt sich bei jedem Motiv spielend erkennen. Ohne Korrektur kann man die Festbrennweite daher kaum sinnvoll nutzen.

Unbearbeitete Beispielaufnahmen in voller Auflösung:

Unser Fazit:
Das Sony E 11mm F1,8 verbindet eine sehr kurze Brennweite und eine sehr hohe Lichtstärke. Dies macht die Optik unter anderem für Indoor-Einsätze interessant, bei denen gewöhnlicherweise beides von Vorteil ist. Klassische Landschaftsaufnahmen sind mit dem Sony E 11mm F1,8 natürlich ebenso möglich. Grundsätzlich weiß die Festbrennweite schon bei Offenblende mit einer guten (Rand) bis sehr guten (Zentrum) Abbildungsleistung zu überzeugen, abblenden ändert nicht mehr allzu viel.

Die beste Abbildungsleistung erreicht man insgesamt gesehen bei F2,8 bis F4. Die starke Verzeichnung ist in der Praxis wegen der digitalen Korrektur kein Problem, den Verzicht auf die optimale optische Korrektur muss man beim Sony E 11mm F1,8 einfach eingehen. Der ein oder andere könnte sich an dieser Tatsache trotzdem stören. Die allermeisten Fotografen werden damit aber zweifellos leben können.

Das Sony E 11mm F1,8 bietet trotz kleiner Abmessungen eine sehr ansprechende Leistung:

Aber nicht nur die Bildschärfe des Sony E 11mm F1,8 kann uns überzeugen, auch der Autofokus weiß sehr zu gefallen. Er arbeitet flott und kaum wahrnehmbar. Das Objektivgehäuse fällt trotz Kunststoff hochwertig aus, mit einer Fn-Taste, einem Fokusring und einem AF/MF-Schalter stehen alle wichtigen Bedienelemente zur Verfügung. Abgedichtet ist das Objektiv ebenfalls. Dass Sony auf einen Bildstabilisator verzichtet hat, ist angesichts der kurzen Brennweite verständlich. Zudem konnte das Objektiv dadurch sehr kompakt und leicht gebaut werden. Zudem lassen sich kompakte Filter verwenden.

Unsere Auszeichnungen:

Autor: dkamera.de Redaktion
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