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10 Jahre Micro Four Thirds - Vom Beginn bis zur Gegenwart (Teil 1)

Teil 1 von 3: Der Micro Four Thirds-Standard und die Technik dahinter

Im August 2018 feiert der Micro-Four-Thirds-Standard, den Panasonic und Olympus als Nachfolgetechnologie des Four-Thirds-Standards angekündigt hatten, sein zehnjähriges Jubiläum. Wir blicken in unserer dreiteiligen Artikelserie auf die Anfänge des damals neuen Standards zurück, schauen uns verschiedene technische Details an und gehen auf die Entwicklungsfortschritte bei Kameras sowie Objektiven ein.

August 2008: Die Welt der Fotografie ist größtenteils nicht mehr analog, Kameras mit Wechselobjektiven haben mit Ausnahme von ein paar wenigen Modellen aber eines gemeinsam: den schwenkbaren Spiegel. Die Technik des im Strahlengang integrierten Spiegels wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt, um den Bildausschnitt eines Fotos vor der Aufnahme ohne die störende Parallaxenverschiebung oder anderweitige Nachteile beurteilen zu können.

Die digitale Fotografie macht es den Herstellern leichter. Der zur Bildaufnahme verwendete Sensor lässt sich zur Erzeugung eines Livebildes, heute als „Liveview“ bekannt, verwenden. Diese Technik war im Jahr 2008 schon nichts Neues mehr, die Bilderzeugung und die Wiedergabe konnten mit guten optischen Suchern aber keineswegs mithalten. Neben einem hohen Stromverbrauch, der am kontinuierlichen Auslesen des Bildsensors liegt, verhinderten zudem die nach heutigen Maßstäben schlecht aufgelösten Sucher und Displays das Durchsetzen dieser Technik.

Durch den bei MFT-Modellen fehlenden Spiegel lassen sich kompaktere Kameras konstruieren:

Während viele Fotografen bei den kleineren Kompaktkameras gern bereit waren, Kompromisse einzugehen, fiel das Überzeugen von ambitionierten Fotografen deutlich schwerer. Selbst heute noch herrscht bei einem Teil der Fotografen die Meinung vor, elektronische Sucher können mit ihren optischen Pendants nicht mithalten. 2008 waren sich Panasonic und Olympus dagegen bereits einig, dass die Zeit für Systemkameras ohne optisches Sucherbild reif sei.

Das Auflagemaß des MFT-Bajonetts ist deutlich kürzer als beim FT-Bajonett:

Am 05. August 2008 wurde der offene Micro-Four-Thirds-Standard angekündigt, dem sich Hersteller von Objektiven, Kameras oder anderen Zubehörteilen anschließen können. Er basiert zum Teil auf dem Four-Thirds-Standard, für den Panasonic und Olympus schon mehrere Jahre Kameras angeboten hatten. Der Micro-Four-Thirds-Standard hebt sich vom Four-Thirds-Standard durch ein – dank fehlendem Spiegel – verkürztes Auflagemaß (19,25mm statt 38,85mm), einen kleineren Bajonettdurchmesser (rund 38mm statt 44mm) und zusätzliche Pins (elf statt neun) für die Datenübertragung von der Kamera zum Objektiv ab.

Der MFT-Standard erlaubt im Vergleich zum FT-Standard den Bau kleinerer Kameras und Objektive, an der Größe der zum Einsatz kommenden Sensoren ändert sich dagegen nichts. Der Name „Four Thirds“, also 4/3, bezieht sich sowohl auf das Seitenverhältnis (4:3) der verwendeten Bildwandler als auch auf deren Größe. Zu Letzterem ist zu sagen: Die Größenangabe von 4/3 Zoll entspricht nicht den Abmessungen des Sensors, sondern den in früheren Zeiten verwendeten Bildröhren.

Gängige Sensorgrößen im Vergleich:

Real messen Four-Thirds- bzw.  Micro-Four-Thirds-Sensoren 17,3 x 13,0mm. Der Cropfaktor der Kameras liegt bei 2. Für das Berechnen der kleinbildäquivalenten Brennweite muss die Brennweite des Objektivs mit dem Faktor 2 multipliziert werden. Beim M.Zuiko Digital ED 12-40mm F2,8 Pro handelt es sich als Beispiel um ein Objektiv mit 24 bis 80mm KB-Brennweite. Normalobjektive für MFT-Kameras besitzen rund 25mm Brennweite.

Per Adapter lassen sich Four Thirds-Objektive an Micro Four Thirds-Kameras verwenden:

Da zu Beginn – wie üblich nach der Einführung eines neuen Bajonetts – nur wenige Objektive erhältlich waren, haben Panasonic und Olympus Konverter zum Einsatz von Four Thirds-Objektiven entwickelt. Das Adaptieren von FT-Objektiven an MFT-Kameras ist wegen des kürzeren Auflagemaßes des MFT-Bajonetts möglich.

Die Funktionen der Objektive bleiben beim Einsatz der Adapter (nicht bei allen Modellen) erhalten, die Autofokus-Geschwindigkeit kann je nach Kamera und Objektiv allerdings stärker variieren. Um den Unterschied so gering wie möglich zu halten, besitzt die Olympus OM-D E-M1 spezielle Phasenpixel.

Die Autofokusberechnung ohne dedizierten AF-Sensor:
Bei Systemkameras lässt sich der Bildausschnitt durch die Liveview-Funktion zu jeder Zeit perfekt kontrollieren. Dank der spiegellosen Technik kann zudem auf einen dedizierten Autofokussensor verzichtet werden. Diese technologische Erleichterung war bei Systemkameras ohne Spiegel aber nicht immer von Vorteil. Zu Beginn des DSLM- bzw. des MFT-Zeitalters waren die genutzten Kontrast-AF-Systeme wenig optimiert und konnten mit den über Jahrzehnte stetig weiter entwickelten Phasen-AF-Sensoren nicht mithalten. Mit der Zeit hat sich dies jedoch gewandelt, und bei fast jeder neuen Kamerageneration haben Panasonic und Olympus Fortschritte erzielt. Während die Kontrast-AF-Systeme anfangs noch rund eine halbe Sekunde zum Scharfstellen benötigten, konnte die Fokussierungszeit mittlerweile unter 0,1 Sekunden gedrückt werden. Den aktuellen Rekordwert (Stand: August 2018) von 0,05 Sekunden erreicht laut unseren Messungen die Panasonic Lumix DC-G9. Zum Vergleich: Schnelle Spiegelreflexkameras mit Phasen-AF benötigen rund 0,1 bis 0,2 Sekunden zum Scharfstellen. Die immer schnelleren Autofokusmotoren haben zu dieser Entwicklung natürlich zum Teil beigetragen, die Fortschritte im Bereich der AF-Systeme sind aber unübersehbar. Während Panasonic hierfür unter anderem auf die Depth-from-Defocus-Technologie zurückgreift, nutzt Olympus teilweise auch auf den Sensoren vorhandene Phasen-AF-Pixel.

Im zweiten Teil unseres Jubiläums-Artikels "10 Jahre Micro Four Thirds" gehen wir auf bedeutende Kameramodelle mit MFT-Sensor ein.

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