Google Pixel 6 Smartphone- und Kameratest (Teil 2)

Teil 2 von 3: Die Kamera im Bildqualitäts-Check und Beispielaufnahmen in voller Auflösung

Nachdem wir im ersten Teil unseres Tests des Google Pixel 6 auf die technischen Daten, das Handling sowie die Verarbeitung eingegangen sind, schauen wir uns im zweiten Teil nun die Kameras des Smartphones an. Mit unseren Beispielfotos und -videos in voller Auflösung können Sie sich zudem einen eigenen Eindruck von den Kameraqualitäten verschaffen.

Die Kameras:
Kamera-technisch scheint das Google Pixel 6 auf den ersten Blick nicht sonderlich viel zu bieten zu haben. Mit lediglich zwei Rückseitenkameras ist das Smartphone unterdurchschnittlich ausgerüstet. Viele höherklassige Modelle besitzen hier drei, vier oder sogar fünf Kameras. Die reine Anzahl sagt über die Qualität allerdings nicht immer allzu viel aus. Google ist bekannt dafür, dank herausragender Software besonders viel aus Bildern herauszuholen und selbst mit kleineren Sensoren gute bis sehr gute Ergebnisse zu erzielen.

Beim Pixel 6 (sowie dem Pixel 6 Pro) hat sich das Unternehmen von kleinen Sensoren allerdings teilweise verabschiedet, bei der Hauptkamera kommt ein Modell der 1/1,31-Zoll-Klasse (Samsung GN1) zum Einsatz. Der Sensor löst 50 Megapixel auf, Bilder gibt das Smartphone allerdings mit 12,5 Megapixel aus. Das liegt am 4:1-Pixel-Binning. Die Pixelgröße legt durch dieses von 1,2μm auf 2,4μm zu. Als weitere Features hat die Hauptkamera einen Octa-Phasendetektions-AF und einen zusätzlichen Laserautofokussensor zu bieten. Das Objektiv zeigt laut den Exif-Daten umgerechnet auf Kleinbild den Bildwinkel eines 24mm-Modells, die Lichtstärke liegt bei F1,85. Die Bildstabilisierung erfolgt unter anderem optisch.

Die Sensoren im Größenvergleich:

Bei der Ultraweitwinkelkamera fällt die Feature-Liste deutlich kürzer aus. Auf einen optischen Bildstabilisator und einen Autofokus muss verzichtet werden, der zum Einsatz kommende Sensor gehört vermutlich zur 1/2,9-Zoll-Klasse. Im Vergleich zur Hauptkamera fängt er damit nur etwa ein Viertel des Lichts ein. Das Objektiv wird mit einer KB-Brennweite von 16mm und einer Lichtstärke von F2,2 angegeben. Die fehlende Telekamera will Google durch den Super-Resolution-Zoom ausgleichen. Natürliche Farben und eine optimale Belichtung soll unter anderem der Einsatz eines Spektral- und Flickersensor sicherstellen, der Tensor-SoC und seine KI-Funktionen verbessern die Bildqualität.

Die Kameras des Smartphones im Zoomvergleich (Ultraweitwinkel, Weitwinkel und "Tele"-Option):

Die Kameradaten der Hauptkamera klingen vielversprechend, wir hatten vor dem Test hohe Erwartungen. Um es gleich zu sagen: Wir wurden vor allem bei Nacht bzw. schlechten Lichtverhältnissen nicht enttäuscht. Bei Tag sind die Aufnahmen wegen der auf 12,5 Megapixel beschränkten Auflösung auf den ersten Blick nicht ganz so spektakulär wie bei Smartphones mit höheren Auflösungen. Dass Google die Auflösung stets auf 12,5 Megapixel begrenzt und nicht zumindest als Option die volle Auflösung von 50 Megapixel anbietet, finden wir schade. In der Praxis ist dieser Schritt jedoch weniger negativ als viele erwarten würden.

Die Aufnahmen reichen dank 50-Megapixel-Sensordaten nämlich für praktisch alle Anwendungen völlig aus. Details kostet das Vorgehen aber ohne Frage. Trotzdem sehen wir die Hauptkamera bei Tag in der Oberklasse. Neben der sehr guten (aber eben nicht herausragenden) Detailwiedergabe wissen auch der dank HDR-Funktion große Dynamikumfang, die nicht zu starke Sättigung und die gute Belichtung gefallen. Da Google auf ein zu starkes Nachschärfen verzichtet, sind keine störenden Artefakte sichtbar. Der HDR-Effekt kommt beim Pixel 6 dagegen recht deutlich zum Vorschein, das muss man mögen. Wer Fotos ohne HDR-Effekt bevorzugt, den allerdings die meisten Smartphone-Bilder heutzutage zeigen, wird von anderen Geräten besser bedient.

Die Bildqualität der Ultraweitwinkelkamera stufen wir bei Tag als gut ein. Sofern ausreichend Licht zur Verfügung steht, lassen sich ansprechende Bilder mit einem geringen Rauschen aufnehmen. Wie die Bilder der Hauptkamera zeigen auch die Aufnahmen mit der Ultraweitwinkelkamera immer einen HDR-Effekt, dadurch ist der Dynamikumfang aber groß. Stark ausgebrannte oder viel zu dunkle Stellen sieht man kaum. Leider steht bei der Ultraweitwinkelkamera kein Autofokus und kein optischer Bildstabilisator zu Verfügung, damit verschenkt Google etwas Potenzial.

Im Gegensatz zum Pixel 6 Pro besitzt das Pixel 6 keine Telekamera:

Nahaufnahmen sind mit der Hauptkamera des Pixel 6 ab 11cm Abstand vom Motiv möglich, das reicht für recht ordentliche Bilder. Allzu starke Vergrößerungen sind aber nicht möglich. Sehr gut ist dagegen: Befindet man sich unterhalb der Naheinstellgrenze erscheint in der Regel ein Hinweis, dass man mehr Abstand halten soll. Für Porträts gibt es wie üblich einen eigenen Modus, das künstlich erzeugte Bokeh wird auch bei kritischen Motiven ohne allzu starke Fehler dargestellt.

Anders als beim Pixel 6 Pro verbaut Google beim Pixel 6 keine Telekamera. Der Blick in die App zeigt allerdings eine 2-fache-Zoomstufe. Dabei handelt es sich effektiv um eine „Telesimulation“, also einen Digitalzoom. Zwecks einer besseren Qualität arbeitet Google mit der Super-Resolution-Zoom-Technologie. Diese kombiniert mehrere Bilder zu einer Aufnahme mit mehr Details. Die Qualität der Telebilder stufen wir als ordentlich und jederzeit nutzbar ein. Wer kein Fan von Teleaufnahmen ist und Vergrößerungen entfernter Motive nur selten benötigt, kann sich beim Pixel 6 daher nicht beschweren. Eine „echte“ Telekamera liefert aber natürlich noch deutlich bessere Ergebnisse. Sofern sich das Motiv weit weg befindet, werden die Bilder des Pixel 6 wesentlich schneller pixelig als bei Smartphones mit „echten“ Telekameras. Freunde von Teleaufnahmen greifen daher besser zum Pixel 6 Pro.

Sobald die Lichtverhältnisse nicht mehr ganz optimal ausfallen, und Smartphones an ihre Grenzen kommen, gehört das Google Pixel 6 mit seiner Hauptkamera ohne Zweifel zu den besten Modellen am Markt. Dank des großen Sensors und Googles Software-Eingriffen kann man auch bei wenig Licht ansehnliche Bilder aufnehmen. Natürlich nimmt das Rauschen mit absinkender Helligkeit immer weiter zu, wirklich störend fällt es jedoch erst bei sehr dunklen Umgebungen auf. Diese sind derart dunkel, dass man sowieso kaum auf die Idee kommen würde, Bilder mit einem Smartphone aufzunehmen. Doch auch in diesem Fall muss man als Fotograf noch nicht zurückstecken, schließlich verfügt das Pixel 6 über einen Nachtsicht-Modus. Diesen speziellen Modus gibt es bei Google-Smartphones zwar schon länger und auch bei der Konkurrenz ist er zu finden. Der große Chip des Pixel 6 erlaubt dabei beeindruckende Ergebnisse. Aufnahmen sind mit ihm bei fast völliger Dunkelheit möglich. Details werden dabei sehr gut wiedergegeben, Bildrauschen tritt nur wenig zum Vorschein. Natürlich kann das Pixel 6 in diesem Modus aber nicht zaubern, durch das Zusammenrechnen mehrerer Einzelbilder sollte sich das Motiv nach Möglichkeit nicht bewegen. Ansonsten können Unschärfen sichtbar werden. Das ist allerdings kein Grund zum Beschweren, auch beim Einsatz einer „echten“ Digitalkamera und dem Verwenden von längeren Belichtungszeiten würde der gleiche Effekt auftreten.

Beim Einsatz des Nachtsichtmodus werden mehrere Bilder zusammengerechnet:

Dass die Sensorgröße für dieses tolle Ergebnis – wie bereits erwähnt – maßgeblich verantwortlich ist, zeigt sich bei der Ultraweitwinkelkamera. Deren deutlich kleinerer Sensor lässt das Bildrauschen bei schlechten Lichtverhältnissen wesentlich schneller ansteigen. Ein dramatisches Niveau wird zwar auch erst bei sehr wenig Licht erreicht, bei schummrigen Verhältnissen – die im Alltag häufig vorkommen – sind die Aufnahmen aber sichtbar schlechter als die der Hauptkamera. Der Nachtsichtmodus, der für deutlich weniger Rauschen und eine höhere Helligkeit sorgt, muss daher deutlich früher aktiviert werden. Grundsätzlich sei gesagt, dass der Nachtsichtmodus des Pixel 6 – wie bei allen Smartphones – für eine etwas unnatürlichere Belichtung sorgt. Teilweise erinnert diese an HDR-Aufnahmen. Das mag nicht jeder. Die Qualität der Frontkamera stufen wir als durchschnittlich ein, im Vergleich zur Hauptkamera fällt der Unterschied wie üblich sehr stark auf.

Wer seine Bilder nachträglich bearbeiten möchte, kann beim Google Pixel 6 nicht nur zu JPEG-Dateien, sondern auch zu RAWs greifen. Die Aufnahmen konnten von uns ohne Probleme mit der aktuellsten Version von Camera RAW bearbeitet werden und bieten einen ansprechenden Spielraum für Korrekturen.

Der optische Bildstabilisator und der Autofokus leisten bei der Hauptkamera des Google Pixel 6 eine sehr gute Arbeit. Das gilt für Fotos und Videos gleichermaßen. Beide lassen sich ohne störende Verwacklungen aufnehmen, das Motiv wird fast immer schnell anfokussiert. Das gilt selbst für schlechte Lichtverhältnisse.

Videos speichert das Pixel 6 mit der Hauptkamera in 4K-Auflösung oder in Full-HD-Auflösung. In 4K kann man zwischen 30 und 60 Vollbildern pro Sekunde wählen, in Full-HD bei normalen Videos ebenfalls. Des Weiteren stehen eine Zeitlupen- und eine Zeitraffer-Funktion zur Verfügung. Erstere erlaubt 4-fache und 8-fache Zeitlupenaufnahmen, letztere 5-fache, 10-fache, 30-fache und 120-fache Zeitraffer. Die Ultraweitwinkelkamera nimmt Videos in 4K30p und 1080p30 oder 1080p60 auf. 4K60p stehen somit nicht immer zur Verfügung. Die Kamera fehlt bei eingestellten 4K60p in der Ansicht leider völlig, sie lässt sich erst auswählen, wenn man auf 4K30p umschaltet. Das ginge besser! Des Weiteren erlaubt die UWW-Kamera keine Zeitlupenaufnahmen. Digital zoomen lässt sich bei Videos ebenfalls, die Aufnahme-Optionen stimmen bei der 2-fach-Tele-Option mit der Weitwinkelbrennweite überein.

Die Bildqualität der 4K-Videos fällt bei Tag bei der Hauptkamera exzellent und bei der Ultraweitwinkelkamera gut bis sehr gut aus. Schlechtere Lichtverhältnisse machen dem Pixel 6 beim Einsatz der Hauptkamera lange nichts aus. Erst wenn es sehr dunkel wird, steigt das Rauschen schnell an. Das gilt vor allem für 4K60p-Videos, hier muss die Belichtung kürzer als bei 30p-Videos ausfallen. Wird das Licht weniger, sollte man daher zu 30p-Videos greifen. Das gilt jedoch für alle Digitalkameras bzw. Smartphones. Die Ultraweitwinkelaufnahmen zeigen bei schlechten Lichtverhältnissen schnell ein stärkeres Rauschen, die Qualität sinkt deutlich ab. Wir würden die Ultraweitwinkelkamera daher vor allem bei Tag verwenden. Aufnahmen mit der Teleoption fallen für einen Digitalzoom ordentlich aus, gerade bei 4K-Auflösung wird der Verlust an Bilddetails jedoch sichtbar. In Full-HD schaffen alle Kameras ein gutes bis sehr gutes Qualitätslevel. Weitere Qualitätsabstriche sind bei den Zeitlupenaufnahmen nötig, das gilt jedoch für alle Smartphones. Auf 8K-Auflösung hat Google beim Pixel 6 übrigens verzichtet, der Sensor der Hauptkamera könnte 8K-Aufnahmen zweifellos aufnehmen.

Bei Videoaufnahmen lässt sich zwischen verschiedenen Stabilisierungen wählen:

Sehr gut schneiden bei Videos die Stabilisierung und der Autofokus (nur bei der Hauptkamera) ab. Unabhängig von den Lichtverhältnissen arbeitet der Autofokus schnell und treffsicher, die Stabilisierung verhindert deutliche Verwacklungen. Wer zur maximalen Stabilisierung („aktiv“) greift, die Verwacklungen Gimbal-artig verhindert, muss leider mit maximal 30 Vollbildern pro Sekunde in Full-HD-Auflösung auskommen.

Brennweitenvergleich (Utraweitwinkel, Hauptkamera und "Tele":

Rechts eine Aufnahme mit Porträteffekt:

Links eine Aufnahme im normalen Modus, rechts mit Porträteffekt:

Links eine Aufnahme im normalen Modus, rechts mit Bewegungseffekt:

Zwei Nahaufnahmen mit der Hauptkamera:

Links eine Aufnahme mit der Frontkamera, rechts mit der Hauptkamera und LED-Licht:

Links eine normale Aufnahme mit der Ultraweitwinkelkamera, rechts im Nachtsichtmodus:

Links eine normale Aufnahme mit der Hauptkamera, rechts im Nachtsichtmodus:

JPEG+RAW-Aufnahme mit der Ultraweitwinkelkamera:

JPEG+RAW-Aufnahme mit der Hauptkamera:

JPEG+RAW-Aufnahme mit der Telekamera:

Aufnahmen mit der Ultraweitwinkel (4K30p; links) und der Hauptkamera (4K60p; rechts):

Links eine 4K60p-Aufnahme mit der "Telekamera", rechts mit der Hauptkamera in 1080p60:

Links eine 4-fache-Zeitlupenaufnahme, rechts eine 8-fache Zeitlupenaufnahme:

Zwei Aufnahmen mit der Hauptkamera (links 4K60p, rechts 4K30p):

Im dritten Teil dieses Testberichts gehen wir auf die Kamera-Apps und die allgemeine Leistung des Google Pixel 6 ein.

Autor: dkamera.de Redaktion
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Kommentare

Hallo und danke für den …

Hallo und danke für den sehr schönen und ausführlichen Test :D

Aber warum habt ihr nicht das Pro Modell getestet?

Grüße

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