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Huawei P20 Pro Smartphone- und Kameratest (Teil 2)

Teil 2 von 3: Die Kamera im Bildqualitäts-Check und Beispielaufnahmen in voller Auflösung

Nachdem wir im ersten Teil unseres Smartphone-Tests des Huawei P20 Pro auf die technischen Daten, das Design und das Handling eingegangen sind, schauen wir uns nun die Kamera(s) an. Damit möchte sich Huawei von der Konkurrenz absetzen. Anhand verschiedener Beispielbilder und -videos können Sie sich selbst ein Bild von der Qualität machen.

Die Kameras:
Nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei Kameras hat Huawei beim P20 Pro verbaut. Das Smartphone übertrumpft damit die Konkurrenz, die bislang auf maximal zwei Modelle setzt. Das dürfte selbst weniger kameraaffine Nutzer beeindrucken, wenngleich das P20 Pro seine Zielgruppe sicherlich bei den ambitionierten Hobby-Fotografen findet.

Die Kombination von drei unterschiedlichen Kameras soll gleich für mehrere Vorteile sorgen: Zum einen soll ohne eine wesentliche Verschlechterung der Bildqualität gezoomt werden können. Zum anderen wird damit der mittlerweile gut bekannte Bokeh-Effekt realisiert. Zu guter Letzt soll sich mit den Daten aller Sensoren eine bessere Bildqualität realisieren lassen. Dafür sorgt auch das Einbeziehen künstlicher Intelligenz (AI). Aber nun zu den Kameras und deren Details:

Bei der Hauptkamera (mittige Linse) des Huawei P20 Pro kommt ein 40 Megapixel auflösender Sensor der 1/1,7-Zoll-Klasse zum Einsatz. Der Sensor ist somit nicht nur deutlich größer als bei anderen Smartphones, er besitzt auch wesentlich mehr Bildpunkte. Im Vergleich zum Sensor des Samsung Galaxy S9 fällt der Sensor beispielsweise um etwa 75 Prozent größer aus, die Auflösung ist mehr als dreimal so hoch. Diese Werte sind zweifellos beeindruckend.

Das Huawei P20 Pro besitzt drei Kameras: Links Monochrom, Mitte Hauptkamera, rechts Tele:

Als Besonderheit nennt Huawei, dass sich vier Pixel des Sensors zu einem großen Pixel zusammenfassen lassen. Die dann zehn Megapixel auflösenden Bilder sollen unter anderem ein geringeres Bildrauschen zeigen. Der Bildwandler mit Bayerfilter befindet sich hinter einem 27mm-Weitwinkelobjektiv (KB-äquivalent) mit einer Lichtstärke von F1,8.

Zoomvergleich beim Huawei P20 Pro: Links 1-fach, Mitte 3-fach, rechts 5-fach:

Die zweite Kamera des Smartphones (untere Linse) besitzt einen Monochrom-Sensor, Farben werden daher keine aufgenommen. Der 20 Megapixel auflösende Chip ist vermutlich 1/2,8 Zoll groß, dessen Bilddaten können unter anderem zur Aufnahme von Schwarz-Weiß-Fotos verwendet werden. Des Weiteren sollen sie die Bildqualität der anderen beiden Kameras verbessern. Als Objektiv wird ein 27mm-Modell (KB-äquivalent) genutzt, die Lichtstärke fällt mit F1,6 noch etwas höher als bei der ersten Kamera aus.

Die Telekamera (obere Linse) besitzt mit 80mm (KB) die längste Brennweite, die Lichtstärke fällt mit F2,4 dafür am geringsten aus. Der Bildwandler verfügt nur über acht Megapixel und ist 1/4,4 Zoll groß. Als einziges Objektiv wird das Teleobjektiv des P20 Pro optisch stabilisiert.

Alle drei Objektive fasst Huawei zum „Leica Vario-Summilux-H 27-80mm F1,6 bis F2,4“ zusammen. Die Objektive des Smartphones wurden also wieder von Leica begutachtet. Gut zu wissen: Die Angabe „Vario-Summilux“ verspricht eigentlich ein „echtes“ optisches Zoom mit dreifachem Zoombereich. Technisch stimmt das aber nicht, mit drei Festbrennweiten lässt sich kein optischer Zoom realisieren. Dass die Bildqualität bei allen Brennweiten gleich ausfällt, wie man es von einem optischen Zoom zumindest in der Theorie erwarten darf, trifft beim Huawei P20 Pro nicht zu. An die Ergebnisse der kürzesten Brennweite kommen längere Brennweiten nicht heran. Das liegt natürlich an den hier theoretisch „vorhandenen“ 40 Megapixel, wobei das Smartphone üblicherweise Bilder mit 10 Megapixel aufnimmt und dadurch unter anderem das Rauschen reduziert. Richtig ist aber auch: Die Veränderung der Brennweite sorgt, dank der hohen Auflösung des primären Bildwandlers und der Telekamera, für einen weit geringeren Abfall der Bildqualität als bei anderen Smartphones. Wer keine Fotos mit besonders guter Detailwiedergabe benötigt, kann daher durchaus zoomen. Das geht grundsätzlich bis zu 10-fach, den von Huawei als Hybridzoom bezeichneten fünffachen Zoombereich würden wir allerdings nicht überschreiten. Bis hierher werden Ergebnisse erreicht, die auf dem Smartphone-Display sehr zu gefallen wissen.

Selbst bei der kürzesten Brennweite hat das Huawei P20 Pro der Konkurrenz einiges voraus. Die hohe Auflösung und die deutlich größeren Abmessungen des zum Einsatz kommenden Sensors zahlen sich zweifellos aus. Die Fotos überzeugen bei gewählter 40 Megapixel-Option und guten Lichtverhältnissen mit einer für Smartphone-Verhältnisse exzellenten Detailwiedergabe. Selbst ältere Systemkameras werden übertroffen. Ein Bildrauschen ist zwar durchaus wahrnehmbar, fällt aber erst bei stärkeren Vergrößerungen auf. Die Qualität einer aktuellen Systemkamera mit wesentlich größerem Bildsensor sollte man jedoch auch nicht erwarten, an eine Alpha 7R III mit 42,4 Megapixel reicht das Huawei P20 Pro keinesfalls heran.

Bei schlechteren Lichtverhältnissen liegt das Huawei P20 Pro ebenso vorn. Hier tritt das Rauschen zwar stärker in Erscheinung, andere Smartphones sind jedoch noch wesentlich schlechter. Bis ISO 1.600 lassen sich trotz der hohen Sensorauflösung vergleichsweise gute Ergebnisse erzielen. Auf 10 Megapixel heruntergerechnet kann man die Bildqualität nur als exzellent (für ein Smartphone) bezeichnen. Apropos exzellent: Der Nachtmodus des P20 Pro kann sogar gestandene Fotografen in Staunen versetzen. Trotz sehr schlechter Lichtverhältnisse lassen sich mit dem Smartphone helle und recht detailreiche Fotos realisieren. Das funktioniert dank einer unglaublich effektiven Stabilisierung, die unverwackelte Freihandaufnahmen mit bis zu vier Sekunden Belichtungszeit erlaubt. Wie Huawei das realisiert, ist uns nicht bekannt. Dieses Feature darf aber als revolutionär bezeichnet werden. Ein Stativ benötigt man mit dem P20 Pro somit selbst bei Nachtaufnahmen nicht.

Die automatischen Einstellungen sorgen beim Huawei P20 Pro jedoch nicht immer für beste Ergebnisse. Oftmals wirken die Fotos unter anderem sehr stark gesättigt, das gilt selbst für die Standardsättigung. Im Pro-Modus oder nach dem Abschalten der Master AI wirken die Fotos viel natürlicher. Da sich im Pro-Modus fast alle relevanten Einstellungen vornehmen lassen, sollten ambitionierte Fotografen damit arbeiten. Alternativ aktivieren sie noch die RAW-Aufnahme, dann werden Fotos parallel als DNG-Dateien abgelegt. Wer Fotos mit besonders guter Detailwiedergabe aufnehmen möchte, muss zur RAW-Speicherung oder zumindest zu den JPEG-Dateien mit 40 Megapixel greifen. Bei 10 Megapixel sind die Fotos wesentlich detailärmer, ein großes Stück des Vorteils des Huawei P20 Pro wird verschenkt. Dies gilt natürlich nur, wenn man die Bilder später weiterverarbeiten möchte und unter anderem Ausschnittsvergrößerungen vornehmen will. Für die Verwendung am Smartphone sind selbst die 10-Megapixel-Bilder des P20 Pro mehr als ausreichend.

Monochrom-Fotos sind dank extra Monochrom-Sensor mit einer sehr guten Qualität möglich:

Wer ein Freund von Schwarz-Weiß-Fotos ist, kann zur Monochromkamera greifen. Deren Bilder sind im Vergleich zu den Standardbildern mit 10 Megapixel besonders detailreich. Des Weiteren besitzt das Smartphone zusätzliche Spezialmodi. Hier sind als Beispiele der Panorama- und der Bokeh-Modus zu nennen. Mit Ersterem lässt sich ein hoch aufgelöstes Panorama erstellen, beim Bokeh-Modus kann der Benutzer die Schärfentiefe des Bildes mit Blenden zwischen F0,95 und F16 simulieren. Dies funktionierte in der Praxis gut, Fehler konnten wir allenfalls bei stärkeren Vergrößerungen erkennen. Daneben hat das Huawei P20 Pro noch Modi für HDRs, Filter oder auch für das Fotografieren von Schriften („Scanner“) zu bieten. Die Aufnahmen der 24-Megapixel-Frontkamera mit F2-Blende fallen sehr detailreich aus, für Selbstporträts ist das P20 Pro daher sehr gut geeignet. Videos speichert die Frontkamera in HD.

Die Bokeh-Simulation erlaubt die "Blendenwahl" von F0,95 bis F16:

Sehr zu gefallen weiß beim Smartphone auch der Autofokus. Huawei spricht von einem AF, der vier verschiedene Methoden (unter anderem Laser-AF und Phasen-AF) zum Scharfstellen kombiniert. In der Praxis stellte das P20 Pro im Test jederzeit schnell und bis auf wenige Ausnahmen treffsicher scharf. Das manuelle Setzen des AF-Punktes ist per Fingerzeig möglich, die Kamera hat natürlich auch eine automatische Messfeldwahl zu bieten. Eine optische Bildstabilisierung gibt es nur bei der Telekamera des P20 Pro, bei Fotos konnten wir jedoch keine Nachteile feststellen.

Videos speichert das Huawei P20 Pro in allen aktuellen Auflösungen. Beginnend bei HD (1.280 x 720 Pixel) über Full-HD (1.920 bis 1.080 Pixel) und Full-HD+ (2.160 x 1.080 Pixel) bis 4K (3.840 x 2.160 Pixel). Full-HD+-Aufnahmen entsprechen keinem offiziellen Standard, lassen allerdings bildfüllende Aufnahmen des 18,7:9-Displays zu. Mit Ausnahme der Full-HD-Auflösung (30p oder 60p) werden lediglich 30 Vollbilder pro Sekunde unterstützt, zudem gibt es eine Zeitlupenfunktion. Dafür muss allerdings vom Videomodus zu den weiteren Optionen gewechselt werden. Hier kann sich der Benutzer für eine bis zu 32-fache Zeitlupe in HD, das entspricht 960 Vollbildern pro Sekunde, oder bis zu 120 Vollbilder pro Sekunde in Full-HD entscheiden. Während letztere Option durchaus ansprechende Aufnahmen erlaubt, fällt die Bildqualität bei der „Superzeitlupe“ deutlich schlechter aus. Die Wiedergabe wirkt außerdem etwas ruckelig. Den Einsatz des 960p-Zeitlupenmodus können wir daher nicht empfehlen. Die Bildqualität der Full-HD-Aufnahmen ist dagegen überzeugend, die der 4K-Videos sogar exzellent. Gut zu wissen: Videos können sowohl mit H.264- als auch H-265-Codierung gespeichert werden.

Links eine Aufnahme mit Bildstabilisierung in Full-HD, rechts ohne in 4K:

Was die Video-Bildstabilisierung anbelangt, schneidet das Huawei P20 Pro sowohl exzellent als auch wenig überzeugend ab. Wie geht das? Durch die unterschiedlichen Stabilisierungen in Abhängigkeit von der Auflösung und Bildrate. Bis zu 1.920 x 1.080 Pixel und 30 Vollbilder pro Sekunde ist eine exzellente elektronische Stabilisierung aktiv, die selbst Aufnahmen im Gehen fast wie professionelle Kamerafahrten wirken lässt. Bei höheren Auflösungen und Bildraten wird dagegen nur noch eine Stabilisierung (oder gar keine) verwendet, die stärkere Bewegungen kaum mehr ausgleichen kann. Die Videos zeigen daher deutlich mehr Verwacklungen. Der Einsatz eines optischen Bildstabilisators, auf den Huawei beim P20 Pro verzichtet hat, wäre sinnvoll gewesen.

Beispielaufnahmen:
Die folgenden Bilder wurden mit der Standard-Option der App und der Master AI aufgenommen:

Zwei Brennweitenreihen mit 1x, 3x und 5x-Zoom:

Weitere Beispielbilder mit der Standard-Option:

Links eine Aufnahme mit 10 Megapixel, rechts mit 40 Megapixel:

Links eine Aufnahme mit 10 Megapixel, rechts mit 40 Megapixel:

Links eine Standardaufnahme, rechts eine HDR-Aufnahme:

Links eine Aufnahme ohne Bokeh-Simulation, rechts mit:

Links eine Aufnahme ohne Bokeh-Simulation, rechts mit:

Zwei Aufnahmen der Monochrom-Kamera:

Nachtaufnahmen:

Zwei Nachtaufnahmen mit dem speziellen Nachtmodus:

Links eine Aufnahme mit dem speziellen Nachtmodus, rechts mit LED-Blitz:

JPEG-RAW-Aufnahmen:

Zwei Videoaufnahmen in 4K-Auflösung mit 30 Vollbildern pro Sekunde (2160p30):

Links eine Aufnahme in Full-HD (1080p60), rechts in HD und Slow-Motion (720p960):

Im dritten Teil unseres Testberichts des Huawei P20 Pro schauen wir uns unter anderem die Kamera-App und die Praxisleistung ein.

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Kommentare

Herzlichen Glückwunsch zu diesem sehr ...

Herzlichen Glückwunsch zu diesem sehr interessanten Test! Und vielen Dank für die Mühe, die ihr euch auch bei diesem Artikel gemacht habt. Ich habe mir das P20 Pro vor zwei Wochen gekauft und bin weitgehend begeistert. Unter anderem auch dank des Akkus, der Schnelligkeit und der Kamera. Die nur zwei Nachteile hat. Zum einen kommt bei jedem Portrait zumindest einmal bei mir eine Tiefenschärfe dazu und zum anderen ist sie wenig intuitiv. Ich habe eine Woche lang geglaubt, dass man echt nur mal eins, mal drei und mal fünf zoomen kann... Das geht durch Scrollen auch präziser, sogar auch mit der Bokeh-Funktion.

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