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Ist eine Bildstabilisierung nützlich?

Ein Gastbeitrag von Adrian Ahlhaus


Ein Gastbeitrag von Adrian Ahlhaus

Die Zeit der Mogelbegriffe ist in der Fototechnik weitgehend ausgestanden. Zwar wird noch immer versucht eine „elektronische Bildstabilisierung“ der optischen mittels bewegter Linsen oder der mechanischen mittels einem bewegten Bildsensor gleich zu setzen. Doch als Konsument weiß man im Allgemeinen, dass durch das Hochdrehen der ISO-Werte, also durch eine Verstärkung der elektrischen Signale, auch zusätzliche Pixelstörungen entstehen, die im Foto sichtbar werden können. In den seriösen Redaktionen benennt man eine solche simple ISO-Anhebung als „unechte Bildstabilisierung“. Anders herum: eine Redaktion die darauf nicht hinweist, versucht die Leserschaft zu verdummen.

Es bleibt allerdings die Frage, wo eine echte Bildstabilisierung sinnvoll eingesetzt wird. Gerade die kleinen Digitalkameras kommen im allgemeinen ohne nicht aus, einfach, weil der Bildsensor so winzig klein ist. Und schon deshalb ist diese grundlegend einfache Technik – werbewirksam als „Technologie“ propagiert – für Digitalkameras unverzichtbar geworden. Sehen Sie sich Ihren kleinen Finger an. Die Größe des Nagels hat mehr Fläche, als ein üblicher, kleiner Bildsensor wie z.B. der Größe 1/2,5, der in sich in vielen Digitalkameras findet. Um ein gelungenes Foto auf knapp DIN A4 zu vergrößern, wird das Format eines solchen Bildsensors um den Faktor 50 aufgeblasen. Da ist eine Fläche von 50x50 gleich das 2500fache.

Ich schreibe dies hier so deutlich, damit man versteht, was das bedeutet: jede noch so kleine Unschärfe wird bei solchen Vergrößerungen immer sichtbar werden müssen. Wer seine Kamera in der Hand hält, wackelt unvermeidbar bei jeder Aufnahme. Bei einem Winzling von Bildsensor gibt es auf jedem Foto das Problem der Verwacklung, wirklich auf jedem. Ist diese Verwackeln gering, dann wird das Foto „nur“ mit einer leichten Unschärfe überzogen. Eine starke Verwacklung, also das Hin und Her der Kamera, wie dies in der Hand gehalten auftritt, wird als Doppelkontur im Foto festgehalten. Viele schöne Fotos werden damit unbrauchbar gemacht. Also gilt: bei allen Fotos aus der Hand verhilft erst eine Bildstabilisierung zu technisch besseren Fotos. Dabei bieten die echten Bildstabilisierungen, also die optischen und die mechanischen, den Vorteil, die Fotos nicht mit zusätzlichen Pixelstörungen zu überziehen.

Die Grenze des Nützlichen wird erreicht, wenn eine Digitalkamera abgestützt wird. Dazu genügt es die Kleine an einen Baum oder Pfahl zu drücken, oder auf eine Brüstung zu stellen. Das kommt dem Benutzen eines Stativs nahe. Mit solchen einfachen Kniffen kann man Belichtungszeiten von 2 Sekunden, gelegentlich auch mehr, für gelungene Fotos nutzen. Man braucht also kein Stativ herum zu tragen. Doch das geht nicht immer. Eine von Autos befahrene Brücke vibriert oder schwingt sogar. Dann werden die Fotos verwackelt sein. Doch das ist leicht zu überprüfen, mit einem Blick auf das vergrößerte Monitorbild der Digitalkamera - nach der Aufnahme. Das Problem wird man jedoch selten haben. Für alle feststehenden Digicams gilt allerdings: eine Bildstabilisierung muss abgeschaltet werden. Denn leider sucht die Elektronik ununterbrochen nach Verwacklungen und regelt die Optik oder den Bildsensor fortwährend hin und her. So entsteht bei allen fixierten Kameras wiederum eine Unschärfe, verursacht durch eine aktive Bildstabilisierung.

Wie es nun ist: die Bildstabilisierung ist für die allgemeine Fotografie sehr nützlich, aber nicht immer. Was beim Fotografieren aus der Hand als technische Unterstützung verstanden werden kann, macht bei feststehender Kamera keinen Sinn und gehört abgeschaltet. Grundsätzlich ist eine Bildstabilisierung nützlich, verlangt allerdings auch das Mitdenken.

Gastbeiträge enthalten die Meinung des jeweiligen Autors und spiegeln nicht die Meinung von dkamera.de wieder.

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