Teil 3 von 3: Die Kamera-App und das Leitzphone in der Praxis
Im zweiten Teil unseres Tests des Leica Leitzphone powered by Xiaomi hatten wir die Kameras des Smartphones und deren Bildqualität auf den Prüfstand gestellt. In diesem dritten und letzten Teil nehmen wir die Kamera-App mit ihren Funktionen und die Leistung des Smartphones in der Praxis unter die Lupe. Am Ende fassen wir unsere Ergebnisse zusammen und ziehen ein Fazit.
Die Kamera-App:
Das Leica Leitzphone powered by Xiaomi basiert technisch, wie bereits erwähnt, auf dem Xiaomi 17 Ultra. Während die Aufnahme-Hardware von diesem übernommen wurde, hat sich Leica bei der App für eine leicht veränderte Ausführung entschieden. Beim grundsätzlichen Aufbau der App gibt es allerdings keine relevanten Änderungen. Standardmäßig kann man die Modi „Live-Kinematografie“, „Pro“, „Video“, „Foto“, „Porträt“, „200 MP“ und „Leica Essential“ sofort erreichen.
Weitere Modi lassen sich durch Wischen nach links (wenn man das Smartphone waagerecht hält) aufrufen. Dazu gehören unter anderem die Modi für Zeitlupen oder für Panoramen. Möchte man einen dieser Modi sofort aufrufen können, lässt sich dieser problemlos zur Schnellauswahlleiste hinzufügen. Andersherum geht dies natürlich ebenso.
Im klassischen Fotomodus steht eine große Liveansicht zur Verfügung. Zoomen lässt sich über die Touchtasten, einen Zoomslider (eine der Objektivtasten gedrückt halten) oder natürlich den Einstellring. Dieser unterstützt zudem eine Reihe von weiteren Funktionen.
Daneben kann man über die Tasten weitere Optionen wie den Bildstil oder das LED-Licht anpassen und natürlich auch den Wiedergabemodus erreichen. Weitere Aufnahme-Optionen verbergen sich hinter der Pfeiltaste.
Die meisten Optionen sind wie üblich im Pro-Modus veränderbar. Dieser erlaubt zudem den Wechsel zwischen Foto- und Videoaufnahmen. Hier lassen sich die Belichtungskorrektur (-4EV bis +4 EV), die Belichtungszeit (30 Sekunden bis 1/8.000 Sekunde), der ISO-Wert (50 bis 6.400 bzw. 12.800), der Weißabgleich (2000K bis 8000K) und der Fokus verändern. Hat man die optimalen Einstellungen gefunden, sind diese auch als Voreinstellungen abspeicherbar.
Mit dem Leica-Essential-Modus kann man den Bildlook der Leica M9 sowie der Leica M3 (mit Monopan-Filter) simulieren. Zu den weiteren Optionen gehören verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten der Tasten sowie die Wahl der Startbrennweite der Hauptkamera (23mm, 28mm oder 35mm). Hier wird das Bild aber natürlich nur passend zugeschnitten. Um ein optisches Zoom handelt es sich schließlich nicht.
Leistung und Praxiseindruck:
Das Leica Leitzphone powered by Xiaomi ist wie das Spitzenmodell 17 Ultra mit einem Qualcomm Snapdragon 8 Elite Gen 5 mit acht Kernen (2 x 4,6 GHz und 6 x 3,6 GHz) sowie der Adreno-840-GPU ausgestattet. Da den Rechenwerken 16GB LPDDR5X-RAM zur Seite steht, können Nutzer auf enorme Leistungsreserven zurückgreifen. Im Alltag reagiert das Smartphone jederzeit schnell, Wartezeiten treten alleine bei der Aufnahme und Ansicht von 200 Megapixel auflösenden Bildern auf. Das ist angesichts der hohen Pixelzahl aber nur bedingt verwunderlich. Bestätigt wird der Praxiseindruck durch klassische Benchmark-Programme. Beim Geekbench 6 ergaben sich im Test beispielsweise sehr hohe 3.644 Punkte (Single Core) bzw. 10.852 Punkte (Multi Core). Am Speicher hat Leica ebenso nicht gespart, die vorhandenen 1TB kann man mit Fotos kaum füllen. Für Videos ist die hohe Speichermenge dagegen natürlich sehr sinnvoll.
Nicht gespart wurde auch am Akku. Dieser besitzt eine Kapazität von 6.000mAh und kann mit bis zu 90 Watt aufgeladen werden. Dank des sparsamen Prozessors hält das Leica Leitzphone powered by Xiaomi im Alltag sehr lange durch, wir kamen auf eine Video-Wiedergabezeit (Youtube, 1080p60) von 32 Stunden. Ist der Akku leer, dauert es lediglich 16 Minuten, bis dieser wieder zur Hälfte aufgeladen wurde. Der komplette Ladevorgang schlägt dann mit ebenso sehr ansprechenden 42 Minuten zu Buche. Hierfür wird natürlich ein ausreichend leistungsstarkes Ladegerät benötigt. Klassische Geräte (mit circa 45 bis 65 Watt) reichen hierfür nicht.
Die Android-Oberfläche des Leica Leitzphone powered by Xiaomi wirkt im Vergleich mit dem Smartphone von Xiaomi weniger aufdringlich. Angelehnt ist das Design an die Menüs von Leica, das gilt allerdings nur für die „oberste“ Ebene. In „tieferen“ Menüstrukturen bekommt man das klassische Xiaomi-Design zu Gesicht. Das finden wir doch etwas schade, umfangreichere Veränderungen wären schöner gewesen. Diese Umsetzung hätte aber sicherlich deutlich mehr Aufwand bereitet. Dass Leica als Betriebssystem HyperOS 3 von Xiaomi nutzt, hat aber natürlich auch Vorteile. OS-Updates soll es mindestens fünf Jahre lang geben und Sicherheitsupdates sogar für sechs Jahre.
Unser Fazit:
Wer bislang ein Smartphone von Leica erwerben wollte, hatte es nicht leicht. Leitz Phones gab es nur in Japan, der Import nach Deutschland war mit einem größeren Aufwand verbunden. iPhone-Besitzer konnten mit der Lux-App immerhin schon den Leica-Look erhalten und der Lux-Grip wurde für jene Geräte auch noch als spezielles Zubehörprodukt angeboten. Diese Beschränkung auf bestimmte Märkte sowie Nutzer hat nun aber ein Ende. Das Leitzphone powered by Xiaomi ist Leicas großer Einstieg in die Smartphone-Welt. Hier hat sich das deutsche Unternehmen mit Xiaomi natürlich einen erfahrenen Player zur Seite geholt. Beide Unternehmen arbeiten schon länger zusammen, der Leica-Schriftzug ziert schon seit einigen Jahren die Flaggschiff-Smartphones des chinesischen Technologiekonzerns.
Als technische Basis nutzt Leica beim neuen Leitzphone das Spitzenmodell Xiaomi 17 Ultra. Die Hardwareausstattung gehört daher zum Besten der Besten. Das gilt natürlich auch für den SoC, der eine sehr hohe Rechenleistung zur Verfügung stellt. Speichermangel ist beim Leitz Phone ebenso ein Fremdwort. Mit 16GB LPDDR5X-RAM und 1TB Speicher ist man aktuell sowie zukünftig bestens aufgestellt. Dazu kommen ein scharfes sowie sehr helles OLED-Display und ein hochwertiges Gehäuse. Dieses erinnert mit seinem Design zwar durchaus an das Xiaomi 17 Ultra, Leica setzt hier jedoch auch eigene Akzente. Dazu zählen der gerändelte Rahmen aus Metall, der Leica-Schriftzug und der extra Einstellring. Letzterer umlagert das Kameramodul und macht unter anderem Zoomvorgänge sehr einfach. Das Drehen des Rings kann allerdings auch unerwünscht erfolgen, weshalb manche Funktionen nicht in jedem Fall sinnvoll sind. Sehr schade finden wir den Verzicht auf einen dedizierten Auslöser. Bei einem Leica-Smartphone gehört dieser unserer Meinung nach definitiv dazu. Natürlich lassen sich Bilder und Videos aber auch mit den Lautstärketasten sowie über den Touchauslöser problemlos aufnehmen. Letzteren kann man optisch sogar an die eigenen Wünsche anpassen.
Beim Design der Android-Oberfläche hebt sich das Leitzphone vom Xiaomi 17 Ultra ein weiteres Mal ab. Die Software wirkt gediegener und weniger verspielt. Zumindest bis man die Untermenüs aufruft. Hier lassen sich dann keine Unterschiede mehr erkennen. Die Kamera-App erinnert mit ihrem Design zweifellos an die Kameras des Wetzlarer Unternehmens. Sie bietet nicht nur eine gute Übersicht, sondern auch richtig viele Einstellungsmöglichkeiten. Bis auf die Blende, die sich mangels Irisblende wie üblich bei Smartphones nicht verändern lässt, kann man praktisch alle Aufnahmeparameter beeinflussen. Dafür gibt es zusätzlich zum Foto-Modus den Pro-Modus. Wer sich Bilder mit einem stärkeren Bokeh-Effekt wünscht, wählt dagegen den Porträt-Modus. Hier können Fotografen neben der Stärke der Unschärfe auch die Art (anhand von fünf Leica-Objektivtypen) bestimmen. Fotofreunden bietet die App zudem zahlreiche Bildstile und mit dem Leica-Essential-Modus die Möglichkeit, Aufnahmen im Look der Leica M9 und Leica M3 zu erhalten.
In puncto Kamera-Ausstattung und Bildqualität spielt das Leitzphone powered by Xiaomi natürlich ebenso in der obersten Liga mit. Mit der Haupt- und der Telekamera sind Aufnahmen sowohl bei guten als auch bei schlechten Lichtverhältnissen mit einer exzellenten Bildqualität möglich. Bei 50 Megapixel bekommt man dabei richtig viele Details zu Gesicht, auch größere Ausdrucke oder das nachträgliche Zuschneiden von Bildern ist kein Problem. RAW-Aufnahmen sind bei dieser Auflösung leider nur mit der Hauptkamera möglich, bei den anderen Kameras ist man auf 12,5 Megapixel beschränkt. Die JPEG-Fotos des Leitzphone powered by Xiaomi reichen im Alltag normalerweise jedoch spielend aus. Sie überzeugen mit einem hohen Dynamikumfang und einer insgesamt hervorragenden Darstellung.
Bei der Telekamera sticht natürlich das optische Zoom hervor: Damit lässt sich verlustfrei zwischen 75 und 100mm zoomen. Der große und sehr hoch aufgelöste Sensor erlaubt zudem auch beim Einsatz des Digitalzooms sehr ansprechende Bilder. Bis 400mm ergeben sich qualitativ recht geringe Einbußen, erst bei noch höheren Zoomstufen fällt die Qualität sichtbar ab. Die volle Sensorauflösung der Telekamera würden wir dagegen nicht verwenden. Die Dateigrößen sind riesig, der Aufnahmevorgang dauert lange und die Vorteile gegenüber Bildern mit 50 Megapixel sind vernachlässigbar. Die Ultraweitwinkelkamera des Leitzphone powered by Xiaomi bleibt hinter den anderen beiden Kameras leider deutlich zurück. Grundsätzlich kann man diese Aufnahmen im Alltag zwar problemlos verwenden, qualitativ sind sie aber eben doch eine andere Liga.
Bei Videos steht Nutzern eine riesige Palette an Aufnahmeoptionen zur Verfügung. Mit allen Kameras lässt sich unter anderem in 8K (30p) filmen. Dabei sind jedoch Nachteile wie ein deutlicher Rolling-Shutter-Effekt hinzunehmen. Wir würden uns im Alltag daher für 4K mit 60 Vollbildern pro Sekunde entscheiden. Hier erhält man hochqualitative Aufnahmen ohne Nachteile und kann auf Wunsch auch das Dolby-Vision-Format aktivieren. Zeitlupen lassen sich mit dem Smartphone in 4K (bis zu 120p mit der Hauptkamera) erstellen oder in Full-HD mit bis zu 1.920 Bildern pro Sekunde aufzeichnen. In Relation zur Bildrate ist die Qualität dabei überdurchschnittlich hoch. Sehr gut schneiden beim Leitzphone powered by Xiaomi zudem der Autofokus und die Bildstabilisierung ab.
Am Ende dieses Testberichts muss man natürlich auf den Preis des Smartphones eingehen. Mit 1.999 Euro ist das Leitzphone powered by Xiaomi durchaus als Luxusprodukt einzustufen – und steht den Kameras des Wetzlarer Unternehmens damit in Nichts nach. Ob einem die speziellen Features des Smartphones diesen Wert sind, kann nur jeder selbst entscheiden. Wer beispielsweise mit einer Leica-Kamera liebäugelt, aber doch eher mehr ein Smartphone-Fotograf ist, dürfte mit dem Leitzphone powered by Xiaomi vermutlich den richtigen Mittelweg finden. Eines ist auf jeden Fall sicher: Technisch spielt das Smartphone in jeder Hinsicht in der Spitzenklasse mit.