Teil 2 von 3: Die Kameras im Bildqualitäts-Check und Beispielaufnahmen in voller Auflösung
Nachdem wir uns im ersten Teil des Tests des Leica Leitzphone powered by Xiaomi mit den technischen Daten, dem Handling und der Verarbeitung beschäftigt hatten, nehmen wir in diesem zweiten Teil die Kameras des Smartphones unter die Lupe. Mit unseren Beispielfotos und -videos in voller Auflösung können Sie sich zudem einen eigenen Eindruck von den Kameraqualitäten verschaffen.
Die Kameras:
Das Leica Leitzphone powered by Xiaomi basiert auf dem Xiaomi 17 Ultra, das als Flaggschiff der diesjährigen Smartphones von Xiaomi natürlich mit den besten Kameras ausgerüstet ist. Neben der Frontkamera verfügt das Leitzphone über drei Rückseitenkameras. Letztere werden als Leica Vario-APO-Summilux 14-100mm F1,67-2,9 Asph. zusammengefasst. Wie üblich gilt es bei dieser Angabe jedoch zu beachten, dass es sich nicht um ein durchgehendes optisches Zoom handelt. Ein Teil der Brennweite wird allerdings tatsächlich per optischem Zoom abgedeckt.
Das Teleobjektiv erlaubt optische Brennweitenveränderungen zwischen 75 und 100mm. Die Lichtstärke des Zooms bewegt sich zwischen F2,39 und F2,96, ein OIS reduziert Verwacklungen. Bei der Konstruktion setzt Xiaomi auf insgesamt acht Linsen, drei Elemente sind Asphären. Dank diesen soll die apochromatische Korrektur erreicht werden. Chromatische Aberrationen sollen also kaum sichtbar sein. Bekannt ist vom Telezoom noch die mittlerweile bei Teleobjektiven übliche Periskop-Bauweise. Nur dadurch kann eine derartige Optik in einem flachen Gehäuse integriert werden. Als Bildwandler kommt bei der Telekamera ein Samsung-HPE-Sensor mit 200 Megapixel zum Einsatz, dieser gehört zur 1/1,4-Zoll-Klasse. Mittels Pixel-Binning lässt sich die Auflösung auf 50 oder 12,5 Megapixel reduzieren. Hier messen die Bildpunkte dann bis zu 2,24μm.
Die anderen beiden Objektive des Leica Leitzphone powered by Xiaomi sind herkömmliche Festbrennweiten. Für Weitwinkelaufnahmen ist wie üblich die Hauptkamera zuständig, deren Bildwinkel entspricht einem 23mm-Objektiv. Die Blende liegt bei F1,67 und die Stabilisierung erfolgt optisch. Als Bildwandler wird der Light Fusion 1050L-Chip verwendet. Er löst 50 Megapixel auf, gehört zur 1,0-Zoll-Liga (Pixelgröße 1,6µm) und unterstützt die LOFIC-HDR-Technologie (Lateral Overflow Integration Capacitor).
Dem eigentlichen Bildwandler steht hier ein zusätzlicher Kondensator zur Seite, der die maximale Menge an elektrischer Ladung, die gespeichert werden kann, deutlich erhöht. Dieser als Full-Well-Capacity bezeichneter Wert liegt beim Light Fusion 1050L-Sensor um den Faktor sechs höher als bei früheren Sensoren. Dadurch ist es möglich, HDR-Bilder mit einem sehr großen Dynamikumfang ohne zusätzliche Tricks (duales Auslesen des Sensors) oder die Kombination von mehreren Fotos zu erstellen. Mögliche Fehlerquellen wie überlagernde Einzelbilder fallen bei HDR-Aufnahmen somit weg. Nutzen lassen sich die Vorteile der LOFIC-HDR-Technologie allerdings nicht immer. Bei 8K-Videos sowie bei der vollen Foto-Auflösung muss man ohne diese Technologie auskommen.
Die Ultraweitwinkelkamera des Leica Leitzphone powered by Xiaomi ist aus technischer Sicht dagegen deutlich weniger spannend. Hier kommt der bekannte Samsung-JN5-Chip mit 50 Megapixel zum Einsatz. Er gehört zur 1/2,76-Zoll-Klasse und besitzt im Vergleich mit dem Bildwandler der Hauptkamera nur etwa 1/6 der Fläche. Pixel-Binning wird allerdings unterstützt, womit die Kantenlänge eines Bildpunktes von 0,64μm auf 1,28μm vergrößert werden kann. Das Objektiv besitzt eine kleinbildäquivalente Brennweite von 14mm, die Lichtstärke liegt bei F2.2.
Ist bei Aufnahmen eine hohe Bildqualität relevant, können Besitzer des Leica Leitzphone powered by Xiaomi wie erwähnt auf zwei besonders große Sensoren zurückgreifen. Für die maximale Detailwiedergabe sollte man sich bei der Hauptkamera für die höchstmögliche Auflösung entscheiden. Diese Bilder geben feine Details deutlich besser als Fotos mit 12,5 Megapixel wieder. Das gilt selbst bei schlechteren Lichtverhältnissen, da das Smartphone das Bildrauschen sehr gut unter Kontrolle hat.
Bilder mit 200 Megapixel sind nur beim Einsatz der Telekamera möglich. Sie zeigen kaum mehr Details als Aufnahmen mit 50 Megapixel, wirken teilweise sogar etwas unschärfer und sind mit deutlichen Nachteilen verbunden. Zum einen ergibt sich zwischen zwei Bildern eine Wartezeit von rund zehn Sekunden, zum anderen sind Fotografen auf JPEG-Aufnahmen beschränkt. Bei manchen Bildern, die mit voller Auflösung aufgenommen wurden, zeigten sich zudem grundlos (= keine bewegungsbedingte Unschärfe oder durch eine zu geringe Schärfentiefe hervorgerufen) unscharfe Bildbereiche. Dieses Phänomen trat bei Bildern mit 12,5 Megapixel nicht auf. Daneben ergibt sich eine nicht zu verachtende Dateigröße von bis zu 70MB pro Bild. Bei 50 Megapixel sind es deutlich geringere 30MB und bei 12,5 Megapixel sogar nur 8 bis 10MB pro Bild.
Von der hohen Auflösung kann man aber auch ohne 200-Megapixel-Fotos profitieren, denn bei der Aufnahme von weiter entfernten Motiven ergeben sich dadurch enorme „Pixelreserven“. Bei 200mm stehen nativ noch 50 Megapixel zur Verfügung, bei 400mm sind es immer noch 12,5 Megapixel. Folglich lassen sich diese Brennweiten im Alltag meistens sehr gut nutzen. Noch weiter zoomen lässt sich per Digitalzoom, das Maximum (120-fach) ist umgerechnet erst bei 2.760mm erreicht. Natürlich fällt die Qualität dabei aber stark ab, kann per KI aber etwas verbessert werden.
Die schwächste Bildqualität zeigt von den Rückseitenkameras die Ultraweitwinkelkamera. Der große Bildwinkel und der kleine Bildwandler lassen schon bei Tag Rauschen sichtbar werden, der Auflösungsvorteil von 50 Megapixel gegenüber 12,5 Megapixel ist vergleichsweise klein. Für klassische Übersichtsbilder reicht aber natürlich auch die Ultraweitwinkelkamera problemlos aus.
Weniger Licht stellt das Leica Leitzphone powered by Xiaomi in aller Regel vor keine Probleme. Die großen Sensoren und die ausgeklügelte Bildverarbeitung machen selbst bei schlechten Lichtverhältnissen meistens klare und rauscharme Fotos möglich. Mit der Hauptkamera lassen sich im Fotomodus sehr gut aufgelöste Bilder speichern, der Vorteil von Bildern mit voller Auflösung fällt aber kleiner als bei Tag aus. Bei der Ultraweitwinkelkamera fällt die Qualität wegen des kleinen Sensors dagegen deutlich ab, der Einsatz des Nachtmodus ist sehr sinnvoll. Bei der Telekamera bleibt die Qualität auch bei wenig Licht hoch, mehr als 50 Megapixel bringen jedoch praktisch keine Vorteile mehr.

Wer RAW-Dateien (RAW oder Ultra RAW) aufnehmen will, kann dies mit allen drei Kameras. Dabei müssen Fotografen leider deutliche Einschränkungen akzeptieren. Bei der Ultraweitwinkel- und der Telekamera können die DNGs maximal 12,5 Megapixel besitzen, nur bei der Hauptkamera werden auch 50 Megapixel angeboten. Der Tausch RAW-Daten gegen Pixel sollte also gut überlegt sein. Bei Nacht zeigen die Aufnahmen zudem deutlich mehr Bildrauschen als die JPEG-Dateien und sind weniger detailreich. Das ist bei Smartphones allerdings normal. Bearbeiten können Fotografen die Aufnahmen immerhin umfangreich, auch größere Helligkeits- oder Farbkorrekturen sind möglich.
Die Bildabstimmung des Leitzphones bewegt sich beim Fotomodus auf dem von Smartphones bekannten Level (= erhöhte Sättigung, Kontrastoptimierung und Nachschärfen), durch die zahlreichen Bildstile und weiteren Eingriffsmöglichkeiten kann man die Bilder aber recht stark beeinflussen. Für Freunde klassischer Aufnahmen gibt es außerdem nicht nur den bekannten „Leica Authentic“-Stil (als Ergänzung zum normalen „Leica Vibrant“-Stil). Mit dem „Leica Essential“-Modus kann man den Look der Leica M9 und der M3 mit Monopan-Filter imitieren. Hier wird unter anderem der Dynamikumfang, der ansonsten sehr hoch ausfällt, künstlich auf ein geringeres Niveau heruntergeregelt.
Zwei weitere spezielle Funktionen des Leica Leitzphone powered by Xiaomi sind zudem die Bokeh-Generierung und Makroaufnahmen. Letztere sind mit dem Teleobjektiv ab einem Motivabstand von 30cm möglich. Die extremen Makrobilder des Xiaomi 15 Ultra erreicht das Leitzphone damit zwar nicht, Aufnahmen kleinerer Motive lassen sich aber doch sehr gut erstellen. Freunde von Fotos mit unscharfem Hintergrund können das künstlich generierte Bokeh beim Leitzphone umfangreich beeinflussen. Neben der Stärke der Unschärfe, die sich zwischen F0,95 und F16 wählen lässt, ist auch deren Art bestimmbar.
Konkret kann man sich dafür entscheiden, welchem Objektiv das Bokeh entsprechen soll. Hier stehen „Summicron“, „Summilux“, „Noctilux“, „Thambar“ und „Anamorphic“ zur Wahl. Das generierte Bokeh des Leitzphones wusste im Test aber nicht nur optisch zu gefallen, Fehler gab es selbst bei kritischeren Motiven nur selten. Die Porträtfunktion ist im Alltag daher sehr gut nutzbar.
Videos speichert das Leica Leitzphone powered by Xiaomi mit diversen Auflösungen und Bildraten. Alle Kameras erlauben Videos in 8K-Auflösung (7.680 x 4.320 Pixel) mit 30 Vollbildern pro Sekunde. In 4K (3.840 x 2.160 Pixel) und Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel) sind jeweils bis zu 60 Vollbilder pro Sekunde möglich. Die Haupt- und die Telekamera unterstützten in 4K zudem bis zu 120 Vollbilder pro Sekunde. Zeitlupen lassen sich mit der Hauptkamera darüber hinaus mit bis zu 1.920 Vollbildern pro Sekunde aufnehmen und mit den anderen beiden Kameras mit bis zu 960 Vollbildern pro Sekunde.
In 8K zeigen die Videos natürlich am meisten Details, der Rolling-Shutter-Effekt kann bei Schwenks jedoch deutlich sichtbar werden. Bei 4K ist das weniger der Fall, mit 60 Vollbildern pro Sekunde sind zudem flüssigere Aufnahmen möglich. Im Alltag würden wir uns daher für diese Option entscheiden. Die Bildqualität ist hierbei immer noch sehr hoch und der Dynamikumfang lässt sich mittels Dolby Vision erhöhen.
In Full-HD bekommt man sichtbar weniger Details zu Gesicht, das Leitzphone erlaubt aber wesentlich höhere Bildraten. Mit 1.920 Vollbildern pro Sekunde lassen sich extreme Zeitlupen erstellen, in Relation zur Bildrate ist die Qualität erstaunlich gut. Andere Smartphones schneiden diesbezüglich wesentlich schlechter ab. Sehr gut arbeiten darüber hinaus der richtig flotte Autofokus und die effektiv arbeitende Stabilisierung. Beide wissen bei Fotosso wie Videos sehr zu gefallen.
Unbearbeitete Beispielaufnahmen des Leica Leitzphone powered by Xiaomi:
Alle nachfolgenden Bilder und Videos wurden – sofern nicht anders angegeben – mit dem "Leica Vibrant"-Stil aufgenommen.
Videoaufnahme der Ultraweitwinkelkamera in 8K-Auflösung (30p)
Videoaufnahme der Weitwinkelkamera in 8K-Auflösung (30p)
Videoaufnahme der Weitwinkelkamera in 4K-Auflösung (120p)
Videoaufnahme der Telekamera in 8K-Auflösung (30p)
Videoaufnahme der Weitwinkelkamera in Full-HD-Auflösung (480p)
Videoaufnahme der Telekamera in Full-HD-Auflösung (1920p)
Im dritten Teil dieses Testberichts gehen wir auf die Kamera-App und die allgemeine Leistung des Leica Leitzphone powered by Xiaomi ein.