Preview: Hands-On-Test der FujiFilm X-T2

Unser erster Praxistest der APS-C-Kamera mit elektr. Sucher und 4K-Videofunktion

Die FujiFilm X-T1 (Testbericht) wurde zu Beginn des Jahres 2014 vorgestellt und hat sich als Allroundkamera für viele Aufnahmesituationen herausgestellt. Beim Nachfolgemodell X-T2 setzt FujiFilm auf eine Reihe von Verbesserungen, ohne aber das grundsätzliche Konzept der Systemkamera zu verändern. Wir konnten ein Vorserienmodell der Kamera testen, das mit einer noch nicht finalen Firmware ausgestattet war. Im Vergleich zu den ab etwa September 2016 erhältlichen Kameramodellen können sich daher kleinere Abweichungen ergeben. Alle genauen technischen Daten zur Kamera finden Sie in unserem Newsartikel.

Von uns aufgenommene unbearbeitete Beispielbilder und -videos in voller Auflösung finden Sie in einem eigenen Beispielaufnahmen-Artikel.

Die FujiFilm X-T2 fällt minimal größer als das Vorgängermodell X-T1 aus:

Das Kameragehäuse der FujiFilm X-T2 unterscheidet sich kaum von dem des Vorgängermodells. Es fällt mit 13,4 x 9,2 x 4,9cm wenige Millimeter (X-T1: 12,9 x 9,0 x 4,7cm) größer aus, das Gewicht ist mit 500g gegenüber 440g ebenso einen Tick höher. Beim Design des Kameragehäuses bleibt sich FujiFilm allerdings grundsätzlich treu, die X-T2 ist wie die X-T1 im SLR-Style gehalten.

Beim verwendeten Material handelt es sich um solides Magnesium, Abdichtungen sind zum Schutz gegen Staub und Spritzwasser vorhanden. Der Handgriff der X-T2 hat im Vergleich zur X-T1 etwas an Volumen gewonnen, groß ist der Unterschied allerdings nicht. Die X-T2 liegt damit sicher in der Hand, Fotografen mit größeren Händen profitieren vom zusätzlichen Batteriegriff ("Power Boost Griff VPB-XT2") allerdings schon deutlich. Hier findet auch der kleine Finger eine Ablagefläche.

Der Power Boost Griff VPB-XT2 verbessert das Handling und die Leistung:

Der optionale Batteriegriff ist jedoch nicht nur für alle interessant, die mehr Grifffläche benötigen oder sich einen höheren Bedienkomfort bei Hochformatbildern wünschen. Er kann auch die Leistung der Kamera erhöhen. Unter anderem werden die Dunkelphase bei Serienaufnahmen und die Auslöseverzögerung verkürzt. Zusätzlich wird die höchste Bildrate von acht auf elf Aufnahmen pro Sekunde beim Einsatz des mechanischen Verschlusses gesteigert. Wer Videos in 4K-Auflösung länger als zehn Minuten und Full-HD-Videos länger als 15 Minuten am Stück speichern möchte, muss ebenso zum Griff greifen. Damit sind jeweils 29 Minuten und 59 Sekunden möglich. Der zusätzliche Kopfhörerausgang erlaubt des Weiteren die Live-Tonkontrolle.

Auf der Rückseite der spiegellosen Systemkamera ist ein Joystick hinzugekommen:

Die FujiFilm X-T2 ist trotz ähnlichen Gehäuses kein einfacher "Abklatsch" der X-T1, es finden sich auch zahlreiche Neuerungen. Eine davon ist auf der Rückseite zu finden und wurde bereits mit der X-Pro2 eingeführt – der Joystick. Dieser funktioniert in allen Menüs, er ist allerdings vorrangig zur Wahl des AF-Messfeldes gedacht. Diese Aufgabe erfüllt er wunderbar, damit ist die Messfeldeinstellung schnell und komfortabel möglich.

Die Sensorfläche mit Phasen-AF bei der X-T2 (CMOS III) und X-T1 im Vergleich (Bild: FujiFilm):

Kommen wir zum Autofokus: Dieser bewegt sich auf der Hardwareseite auf dem Niveau der X-Pro2. Da die X-T2 den Bildsensor der FujiFilm X-Pro2 besitzt, überrascht dies natürlich wenig. Die Phasendetektion kann auf 75 Prozent der Sensorfläche in der Höhe und auf 50 Prozent in der Breite erfolgen. Bei der X-T1 ist dieser Bereich mit jeweils 40 Prozent in der Vertikalen und Horizontalen eine gute Ecke kleiner.

Der Autofokus der X-T2 hat besonders viele Einstellungsmöglichkeiten zu bieten:

Softwaretechnisch hat FujiFilm diverse Verbesserungen vorgenommen. Das gilt nicht nur im Vergleich zur X-T1, sondern auch zur FujiFilm X-Pro2 (Testbericht). Die Neuerungen betreffen die Anzahl der Messfelder und die AF-Konfigurationsoptionen. Insgesamt lassen sich bei der FujiFilm X-T2 bis zu 325 Messfelder verwenden, 169 davon nutzen die Phasendetektion (= Hybrid-AF). Wer nicht ganz so viele Felder benötigt, kann zudem auf einen Modus mit 91 Feldern (7 x 13 Raster) „zurückschalten“.

Deutliche Verbesserungen hat die Kamera auch bei den AF-C-Optionen erfahren. Im AF-Menü finden sich sechs Einstellungssets, in denen jeweils drei Parameter unterschiedlich konfiguriert sind. Diese nennen sich Verfolgungs-Empfindlichkeit, Beschleunigungs-Erfassung sowie Zonen-Bereichs-Priorität. In der Praxis sorgen diese Optionen dafür, dass sich höhere Trefferquoten erzielen lassen, da man den AF besser an das zu fotografierende Objekt anpassen kann. Durch die zusätzlich längere Abtastzeit des Autofokus (1/12 bis 1/24 Sekunde gegenüber 1/30 Sekunde bei der X-T1) und die bereits erwähnte hohe Messfeldzahl besitzt die FujiFilm X-T2 das beste AF-System aller bisher vom Hersteller vorgestellten X-Kameras. In unseren ersten Tests arbeitete der Autofokus überzeugend, echte Extremtests waren allerdings noch nicht möglich.

Der Bildwandler ist von der X-Pro2 bekannt und löst 24 Megapixel auf:

In puncto Bildqualität ist eine abschließende Bewertung der Kamera wegen der Vorserienfirmware ebenso nicht möglich. Dass die FujiFilm X-T2 eine Bildqualität auf dem Niveau der X-Pro2 erreicht, ist wegen des identischen Bildwandlers allerdings anzunehmen. Unsere Testaufnahmen lassen daran auch keine Zweifel. Die Detailwiedergabe des X-Trans-CMOS III Sensors mit seinen 24 Megapixel und einer Größe von 23,6 x 15,6mm ist exzellent, das Rauschen gering. Selbst bei ISO 6.400 hält es sich in Grenzen. In unserem später folgenden Testbericht werden wir ausführlich darauf eingehen, sobald uns ein finales Modell vorliegt.

Bedient wird die FujiFilm X-T2 mit zahlreichen Einstellrädern und Tasten:

Die Bedienung der FujiFilm X-T2 gleicht in weiten Teilen der X-T1. Die Wahl der Belichtungszeit und des ISO-Wertes erfolgt über Einstellräder auf der Oberseite, darunter befindet sich zudem jeweils ein weiterer Wählschalter. Ebenso vorhanden ist ein Belichtungskorrekturrad. Dessen neue C-Position macht die Wahl aber auch mit den anderen Einstellrändern komfortabel möglich.

Einige Tasten der X-T2 kann man wie gewohnt frei mit Funktionen versehen, über das Quickmenü sind weitere Parameter direkt in Reichweite. Die Tasten sind allgemein nicht allzu groß, jedoch in der Regel gut zu bedienen. Dass der neue Joystick den Bedienkomfort in der Praxis deutlich verbessert, haben wir bereits erwähnt.

Zur Bildkontrolle stehen ein elektronischer Sucher und ein Display zur Verfügung:

Der elektronische Sucher der X-T1 gehört unserer Meinung nach noch immer zu den besten Suchern auf dem Markt. Bei der FujiFilm X-T2 gab es also nicht unbedingt Verbesserungsbedarf. FujiFilm hat die Vergrößerung (0,77x) und die Auflösung (2,36 Millionen Subpixel) gleich belassen, die Helligkeit und die Bildwiederholrate (maximal 100 Bilder pro Sekunde) allerdings gesteigert. Vor allem letzterer Schritt macht sich in der Praxis bemerkbar, wenngleich wir den Unterschied nicht als signifikant einschätzen würden. Deutlicher zu erkennen ist auch, dass die Dunkelphase bei Serienaufnahmen verkürzt wurde und das Bildrauschen im Sucher durch den neuen Sensor selbst bei sehr hohen ISO-Werten kaum auffallend ist. Die Detailwiedergabe der Anzeige während des Fokussierens ist ebenso ein Stück besser.

Das Display kann man als Neuerung nach rechts drehen:

Das 3,0 Zoll große LCD der X-T2 lässt sich anders als bei der X-T1 nicht mehr nur schwenken, sondern zusätzlich auch drehen. Das allerdings nur nach rechts. Diese Lösung ist flexibler als ein reiner Schwenkmechanismus, aber nicht so gut wie die bei vielen anderen Kameramodellen eingesetzte Dreh- und Schwenk-Aufhängung. Hier sehen wir daher durchaus noch Luft nach oben.

Zwecks einer besseren Tonqualität lässt sich ein externes Mikrofon anschließen (3,5mm Klinke):

Der Videoaufnahme hat FujiFilm bislang eine geringere Priorität beigemessen, weshalb unter anderen die X-Pro2 – trotz eigentlicher Unterstützung – ohne 4K-Auflösung auskommen muss. Bei der FujiFilm X-T2 priorisiert FujiFilm die Videofunktion deutlich höher und erlaubt zum ersten Mal die Speicherung in 4K mit 3.840 x 2.160 Pixel. Die Videos werden mit 24, 25 oder 30 Vollbildern pro Sekunde und einer Datenrate von 100Mbit/s aufgezeichnet. Wer möchte, kann die qualitativ noch höherwertigere HDMI-Ausgabe verwenden. Die besonders hohe Rechenleistung des X Prozessor Pro macht sich FujiFilm bei Videos mit dem sogenannten Oversampling zunutze. Für 4K-Videos wird nicht nur ein Bildbereich von 3.840 x 2.160 Pixel ausgelesen, sondern es werden 5.120 x 2.880 Pixel verwendet und diese auf die Zielauflösung heruntergerechnet. Dies verbessert zum einen die Bildqualität, zum anderen kann auch ein stärkerer Cropeffekt vermieden werden.

Für Videoaufnahmen besitzt die X-T2 einen Videomodus (linke Stellung des unteren Einstellrades):

Die Video-Bildqualität der FujiFilm X-T2 fiel im ersten Test exzellent aus, auch für Standbilder sind die Aufnahmen problemlos zu nutzen. Eine integrierte Funktion, welche die Einzelbildextraktion aus Videos ermöglicht, gibt es allerdings nicht. Während die Bildqualität einen besonders positiven Eindruck hinterlassen hat, gilt dies für den Bedienkomfort bei Videos und dem Autofokus leider nicht unbedingt. Videos lassen sich nur im speziellen Videomodus starten, einen extra Videoauslöser zum spontanen Aufnahmebeginn gibt es nicht. Dies finden wir doch schade. Nicht optimal arbeitete im Test zudem der Autofokus. Dieser pumpte bei Schwenks teilweise hin und her. Diesbezüglich muss allerdings erwähnt werden, dass sich diese Tatsache bei der finalen Firmware noch verbessern kann. Endgültig wollen wir diesen Punkt daher nicht bewerten. Lobenswert ist bei der X-T2 wieder die Integration eines 3,5mm Klinkeneingangs. Bislang hat FujiFilm hier auf die kleineren 2,5mm Modelle gesetzt.

Über zwei SD-Kartenslots ist unter anderem das kamerainterne Backup möglich:

Punkte kann die X-T2 zweifellos mit ihren beiden SD-Kartenslots sammeln. Gegenüber der X-T1 ist damit ein kamerainternes Backup möglich. Ebenso besser ist die X-T2 bei der Anbindung der beiden Speicherkartensteckplätze ausgestattet. Während sich bei der X-Pro2 wegen der UHS-II-Unterstützung besonders hohe Datenraten nur bei der ersten Speicherkarte nutzen lassen, bietet die X-T2 diesen Vorteil bei beiden Speicherkarten.

Unser Fazit:
Die FujiFilm X-T2 ist eine Kamera mit modernster Technik, die haptisch und bei der Bedienung an ein Modell der vergangenen Zeit erinnert. Dieser Mix dürfte vor allem Fotografen ansprechen, die das Beste aus beiden Welten nutzen möchten. Technisch handelt es sich bei der X-T2 um eine der aktuell am besten ausgestatteten spiegellosen Systemkameras. Auch wenn wir kein finales Modell, sondern ein Vorserienmuster getestet haben, sehen wir in der X-T2 eine bis auf sehr wenige Ausnahmen rundum gelungene Kamera. Die Bildqualität dürfte – sofern sie das Niveau der X-Pro2 erreicht (was sehr wahrscheinlich ist) – exzellent ausfallen. Der Autofokus ist für eine Kamera von FujiFilm führend und die Videofunktion mit kleineren Ausnahmen sehr gelungen. Der Einsatz des Power Boost Griffs "VPB-XT2" ist kein Muss, eigentlich sollte man darauf aber nicht verzichten. Damit erreicht die Kamera sowohl beim Handling als auch der Leistung zweifellos Spitzenniveau.

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