Testbericht des Nikkor Z 14-30mm F4 S

Ultraweitwinkelzoom für Nikons spiegellose Vollformat-DSLMs

Das Angebot an Objektiven für die spiegellosen Systemkameras von Nikon mit Z-Bajonett wird immer größer. Nachdem Besitzer der Z-Kameras zunächst vor allem mit dem Nikon-F-Adapter arbeiten mussten, hat sich die Situation zuletzt deutlich verbessert. Freunde kurzer Brennweiten können beispielsweise zum Nikkor Z 14-30mm F4 S greifen. Wir schauen uns das Ultraweitwinkelzoom im folgenden Testbericht genauer an.

Technische Daten, Verarbeitung und Handhabung:
Das Nikkor Z 14-30mm F4 S ist aktuell (Stand: Oktober 2020) zusammen mit dem Nikkor Z 14-24mm F2,8 S das Z-Objektiv mit der kürzesten Brennweite von Nikon. Wer einen möglichst großen Bildwinkel abdecken möchte, kommt am Ultraweitwinkelzoom (oder dem Schwestermodell mit F2,8) daher nicht vorbei. Mit 14 bis 30mm fällt das Objektiv etwas weitwinkeliger als die meisten UWW-Zooms aus, diese beginnen im Durchschnitt bei rund 16mm. Der Abstand zu 16mm ist dabei größer als man anhand der Zahlen meinen könnte, mit 14mm bringt man deutlich mehr auf das Bild.  Abseits des Ultraweitwinkelbereichs lässt sich mit dem Nikkor Z 14-30mm F4 S ebenso arbeiten, mit 30mm kann man auch einen natürlicheren Bildwinkel nutzen.

Das Nikkor Z 14-30mm F4 S in der "Parkposition" an der Nikon Z 7:

Die Lichtstärke des Objektivs liegt bei F4. Dabei ist es egal, ob nun 14mm oder 30mm eingestellt sind. Mit F4 lässt sich bei guten Lichtverhältnissen perfekt arbeiten, bei etwas schlechteren sehen wir – zumindest beim Einsatz an einer Vollformatkamera – ebenso noch keine Probleme. Wird es richtig dunkel, haben es Fotografen dagegen schwer. Aus unserer Sicht ist F4 jedoch ein sehr guter Kompromiss, denn neben den vielen Einsatzmöglichkeiten erlaubt diese Lichtstärke auch kompakte Abmessungen. Als kleinste Blende sind F22 wählbar, bei der Blende setzt Nikon auf sieben abgerundete Lamellen.

Einsatzbereit fällt das Ultraweitwinkelzoom etwas größer aus, ist aber immer noch recht klein:

Das Bajonett besteht aus Metall und ist mit einer Dichtung versehen:

Mit 8,9 x 8,5cm fällt das Nikkor Z 14-30mm F4 S vergleichsweise klein und mit 485g auch recht leicht aus. Dabei muss man auf ein ordentlich verarbeitetes Kunststoffgehäuse und Abdichtungen nicht verzichten. Im Einsatz ist das Zoom ein paar Zentimeter größer, vor dem Fotografieren oder Filmen muss der Tubus erst aus einer speziellen Parkposition in die 14mm-Stellung gebracht werden. Das kostet zwar eine Sekunde Zeit, erlaubt beim Transport aber eben sehr kompakte Abmessungen. Das Einnehmen der Parkposition ist aber natürlich nicht zwingend notwendig, theoretisch kann man sie auch ignorieren. Am größten ist das Zoom übrigens nicht in der 30mm-Stellung, sondern am kurzen Brennweitenende.

Das 82mm große Filtergewinde erlaubt die einfache Montage von Schraubfiltern:

Die mit F4 nicht enorm hoch ausfallende Lichtstärke wirkt sich aber nicht nur auf die Abmessungen und das Gewicht vorteilhaft aus, dadurch konnte Nikon ein herkömmliches Filtergewinde verbauen. Dieses fällt mit 82mm Durchmesser zwar sehr groß aus, es macht den Einsatz von Filtern aber deutlich einfacher als bei einem Objektiv ohne Filtergewinde. Hier müssen spezielle Filterhalter verwendet werden. Diese sorgen nicht nur für zusätzliches Gepäck, sondern sind zusammen mit großen Filterplatten deutlich teurer als herkömmliche Rundfilter.

Die Abdichtungen des Ultraweitwinkelzooms:

Auf einen optischen Bildstabilisator muss man beim Zoom verzichten, bei den Vollformatmodellen von Nikon übernimmt die Stabilisierung der interne Sensor-VR. Im APS-C-Bereich sieht das aktuell anders aus, die Nikon Z 50 verfügt über keinen eigenen Stabilisator. Ob sich der Einsatz des Objektivs an APS-C-Kameras wegen des „verschobenen“ Brennweitenbereichs (21 bis 45mm KB-äquivalent) überhaupt lohnt, ist jedoch sowieso fraglich.

Zwei Einstellringe und ein Schalter sind als Bedienelemente vorhanden:

Als Bedienelemente sind beim Nikkor Z 14-30mm F4 S ein klassischer Zoomring und ein Fokusring zu finden. Letzterer lässt sich über die Kamera konfigurieren und erlaubt neben dem Fokussieren unter anderem die Wahl der Blende. Während der Zoomring aus Gummi besteht, greift Nikon beim Fokusring auf Metall zurück. Beide Ringe sind gut zu drehen, wie bei allen Fokussystemen mit Focus-by-Wire-Umsetzung ist das „freie Drehen“ das Foksurings aber zuächst ungewohnt. Zudem steht beim Nikkor Z 14-30mm F4 S ein Schalter für die Wahl des Fokusmodus zur Verfügung.

Der optische Aufbau:

Beim optischen Design hat Nikon Wert auf die bestmögliche Bildqualität gelegt. Das zeigen die vier ED-Linsen und zusätzlich vier asphärischen Elemente. Insgesamt werden 14 Linsen in zwölf Gruppen verbaut. Bei den Linsenoberflächen reduziert die Nanokristallvergütung unter anderem Reflexionen, bei der Frontlinse minimiert eine Fluorvergütung Schmutzanhaftungen und lässt Wasser besser abperlen.

Autofokus/manueller Fokus:
Für die Fokussierung ist beim Nikkor Z 14-30mm F4 S ein Schrittmotor zuständig. Auf diesen setzt Nikon aktuell bei allen seinen Z-Objektiven. Schrittmotoren können sowohl sehr schnell als auch sehr gleichmäßig scharfstellen, zudem arbeiten sie im Regelfall sehr leise. Diese Eigenschaften erfüllt der Motor des Ultraweitwinkelzooms. Im Betrieb lässt er sich nicht wahrnehmen, das Scharfstellen erfolgte im Test in lediglich 0,14 Sekunden. Sowohl bei Fotos als auch Videos überzeugt der Fokusmotor auf ganzer Linie, durch ein reduziertes Focus Breathing ändert sich der Bildausschnitt bei Schärfefahrten nur wenig. Die Innenfokussierung verhindert äußere Drehbewegungen, das macht den Einsatz von Filtern einfach.

Bildqualität:
Der Test der Bildqualität erfolgte mit der Nikon Z 7. Deren 46,7 Megapixel auflösender Sensor stellt an Objektive hohe Ansprüche, bei Kameras mit niedrigeren Auflösungen sind bessere Ergebnisse zu erwarten.

Bei 14mm Brennweite gibt das Zoom Details im Zentrum perfekt wieder. Abblenden ist nicht notwendig, oberhalb von F11 wegen der starken Beugung sogar kontraproduktiv. Am Bildrand sieht es etwas anders aus. Hier kann man die Detailwiedergabe durch die Wahl von F5,6 auf ein sehr gutes und bei F8 auf ein exzellentes Niveau verbessern. Bei Offenblende ist die Qualität am Rand nur "ok". Die Bildbereiche abseits des Randes und des Zentrums schneiden dagegen gut bis sehr gut ab.

Als zweite Brennweite schauen wir uns beim Nikkor Z 14-30mm F4 S 20mm an. Für das Zentrum gilt: offen gut bis sehr gut, durch Abblenden kann man die Schärfe noch weiter steigern. Am Rand erreicht das Objektiv bei F4 ein gutes, bei F5,6 ein sehr gutes und bei F8 ein exzellentes Schärfeniveau. Bei kleineren Blenden über F11 nimmt die Detailwiedergabe wegen der Beugung wieder recht deutlich ab.

Am langen Brennweitenende ergibt sich ebenso das bekannte Bild: Ab der Offenblende von F4 gut bis sehr gut und bis F11 nahezu perfekt scharf. Die Ränder sind bei F4 noch etwas weichgezeichnet, ab F5,6 dann sehr scharf. Grundsätzlich lässt sich also so sagen: Die maximale Bildschärfe wird zwischen F5,6 und F11 erreicht, F4 sind jedoch gut nutzbar. Abblenden bietet sich beim Nikkor Z 14-30mm F4 S zudem zum Verringern der Vignettierung an. Diese ist zumindest bei 14mm Brennweite doch deutlich zu sehen und sollte korrigiert werden. Entweder durch die Wahl einer kleineren Blende (mindestens F5,6, besser F8) oder durch eine digitale Korrektur. Bei den JPEG-Bildern erledigt das die Kamera automatisch, selbst hier lässt sich die Vignettierung aber gut erkennen. Die kompakten Abmessungen und die vergleichsweise kleine Frontlinse sind dafür vermutlich mitverantwortlich.

Bei längeren Brennweiten fällt die Randabschattung weit weniger auf, spätestens bei F5,6 ist sie nur noch geringfügig zu sehen. In puncto Verzeichnung zeigt sich das übliche Bild. Bei der kürzesten Brennweite liegt eine tonnenförmige Verzeichnung vor, bei der längste Brennweite eine kissenförmige Verzeichnung. In der Praxis spielt diese allerdings keine Rolle – zumindest sofern man die JPEG-Fotos verwendet oder einen RAW-Konverter mit automatischer Korrekturoption. Das von Nikon hinterlegte Profil gleicht die optischen Fehler nahezu vollständig aus, relevant sind sie daher nicht mehr. Chromatische Aberrationen hat Nikon auf ein Minimum reduziert, für Flares und Reflexionen gilt dies ebenfalls. Das kann sich sehen lassen.

Unbearbeitete Beispielaufnahmen:

Unser Fazit:
Das Nikkor Z 14-30mm F4 S gehört zu den kleinsten und leichtesten Ultraweitwinkelzooms, die für Kameras mit Vollformatsensoren angeboten werden. Für Fototouren ist das perfekt, das Objektiv fällt nicht zur Last. Loben müssen wir außerdem die gute Verarbeitung, das Vorhandensein von Abdichtungen und den schnellen sowie geräuschlosen Autofokusmotor. Mit F4 kommt man sehr gut aus, sofern man vor allem bei Tag arbeitet.

Kompakt, abgedichtet und schneller AF-Motor; die Bildqualität stimmt ebenso:

Die Bildqualität des Nikkor Z 14-30mm F4 S schätzen wir als gut bis sehr gut ein. Im Zentrum bietet das Zoom direkt bei F4 eine gute bis sehr Bildschärfe. Die Ränder sind "ok" bis gut, also doch schon etwas vom optimalen Schärfeniveau entfernt. Abblenden ist nicht zwingend notwendig, aber in vielen Situationen sinnvoll. Das gilt nicht nur wegen der Detailwiedergabe, sondern auch wegen der starken Vignettierung. Zumindest bei kurzen Brennweiten ist diese sehr stark, der Einsatz der Korrektur quasi verpflichtend. Das Korrekturprofil leistet immerhin eine gute Arbeit, nur bei 14mm ist weiteres Eingreifen sinnvoll. Die Verzeichnung korrigiert Nikon digital praktisch auf null, chromatische Aberrationen und Flares gibt es ebenso fast keine.

Unsere Auszeichnungen:

Autor: dkamera.de Redaktion
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