In diesem Artikel gehen wir auf Zeitlupenaufnahmen und die besten Kameramodelle dafür ein
Zeitlupen gehören zu den Videofeatures, mit denen sich vergleichsweise einfach sehr ansprechende Effekte erzielen lassen. Doch Zeitlupenaufnahmen stellen auch hohe Anforderungen an den Sensor sowie den Bildprozessor, da unter anderem hohe Datenmengen in kurzer Zeit verarbeitet werden müssen. Nicht jede Kamera ist daher mit ansprechenden Zeitlupenmodi ausgestattet. In diesem Artikel gehen wir auf die Modelle mit den besten Zeitlupenmodi ein.
Von Zeitlupenaufnahmen spricht man, wenn die Aufnahme-Bildrate eines Videos höher als die Wiedergabe-Bildrate ausfällt. Die Zeit wird quasi „gestreckt“ und es entsteht der bekannte Zeitlupeneffekt. Theoretisch kann man Zeitlupenaufnahmen mit jeder Kamera erstellen und die Bildrate beim Abspielen einfach verringern. Praktisch ergibt dies jedoch nur Sinn, wenn die Wiedergabe-Bildrate mindestens auf dem Level der klassischen Bildrate liegt. Ansonsten beginnt das Video zu ruckeln und sieht alles andere als ansprechend aus.
Will man flüssige Zeitlupen erstellen, sollten Aufnahmen daher mindestens mit der doppelten Wiedergabe-Bildrate aufgezeichnet werden. Beim PAL-Standard wären dies mindestens 50 Bilder pro Sekunde, bei NTSC 60 Bilder pro Sekunde. Wer Videos mit der klassischen Bildrate von Kinofilmen ausgeben möchte, kann sich zudem auch für 48 Bilder pro Sekunde entscheiden. Bei den genannten Beispielen lässt sich jeweils eine zweifache Zeitlupe realisieren. Gut zu wissen: Grundsätzlich sollte die Aufnahme-Bildrate stets dem ganzzahligen Vielfachen der Wiedergabe-Bildrate entsprechen. Bei abweichenden Bildraten sind „Ruckler“ möglich.
Für langsamere Motive können zweifache Zeitlupen bereits ausreichend sein, spätestens mit vierfachen Zeitlupen lassen sich ansprechende Effekte erzielen. Bewegt sich das Motiv schneller, stellen dagegen eher vierfache Zeitlupen das untere Ende des Sinnvollen dar. Acht- oder zehnfache Zeitlupen sorgen für noch deutlich bessere Ergebnisse. Richtig schnelle Motive werden dagegen erst bei sehr starken Zeitlupeneffekten wirkungsvoll wiedergegeben oder können hier erst ausreichend gut erkannt werden. Das Abschießen einer Pistolenkugel lässt sich beispielsweise erst bei etwa 50.000 Bildern pro Sekunde im Detail erkennen. Dafür wird also eine 2.000-fache Zeitlupe benötigt. Derart hohe Bildraten sind allerdings nur mit speziellen und sehr teuren Hochgeschwindigkeitskameras zu erreichen. In diesem Artikel werden wir uns dagegen mit herkömmlichen Kameras beschäftigen.
Die Geschichte der Zeitlupenfunktionen von Digitalkameras beginnt früher, als man meinen würde. Bereits die 2008 vorgestellte Bridgekamera Casio Pro EX-F1 konnte Videos mit bis zu 1.200 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Mit 336 x 96 Pixel waren deren Aufnahmen allerdings alles andere als hochaufgelöst und selbst in der damaligen Zeit kaum sinnvoll nutzbar. Zum Vergleich. Mit 32.256 Pixel liegt die Auflösung nur bei 1/64 der Auflösung klassischer Full-HD-Videos. Halbwegs sinnvolle Zeitlupen bot für damalige Verhältnisse die 2011 vorgestellte GoPro HD Hero an. In 480p konnte diese 120 Bilder pro Sekunde aufnehmen. 2012 folgte die GoPro HERO3 Black Edition mit 120 Bildern pro Sekunde in HD (1.280 x 720 Pixel). Die Nikon 1 V1 kam 2011 auf 400 Bilder pro Sekunde bei 640 x 240 Pixel und 1.200 Bilder pro Sekunde bei 320 x 120 Pixel. In HD waren jedoch nur noch 60 Bilder pro Sekunde möglich.
120 Bilder pro Sekunde in HD unterstützte die 2014 angekündigte Sony Alpha 7S, ihr Nachfolgemodell schaffte diese Bildrate dann sogar in Full-HD. Zu den führenden Kameraherstellern bei Zeitlupenaufnahmen gehört auch Panasonic. Die Lumix DC-GH4 konnte 2014 vierfache Zeitlupen mit 96 Bildern pro Sekunde in Full-HD aufzeichnen, das Nachfolgemodell GH5 kam in Full-HD sogar auf bis zu 180 Bilder pro Sekunde. Dank 60 Bildern pro Sekunde in 4K waren mit der GH5 zudem erstmals Zeitlupeneffekte in ultrahoher Auflösung möglich. 2018 bot die für Videos optimierte Panasonic Lumix DC-GH5S stattliche 240 Bilder pro Sekunde in Full-HD an.
Kameraserien, die noch wesentlich höhere Bildraten schaffen, sind die RX100- und RX10-Reihen. Seit der 2015 vorgestellten RX100 IV bzw. RX10 II können die RX100/RX10-Modelle bis zu 1.000 Bilder pro Sekunde in Full-HD aufnehmen. Ok, fast zumindest. Die Ausgabe der Videos erfolgt zwar in Full-HD, die effektiv verwendeten Pixel sind aber (deutlich) geringer.
Für die neueste RX100 VII gilt beispielsweise, dass bei bis zu 250 Bildern pro Sekunde 1.824 x 1.026 Pixel genutzt werden, bei bis zu 500 Bildern pro Sekunde sind es 1.824 x 616 Pixel und bei der maximalen Bildrate nur noch 1.244 x 420 Pixel. Und das auch nur, wenn man sich für die Qualitätspriorität entscheidet, die maximal vier Sekunden lange Aufnahmen erlaubt. Spätestens bei 1.000 Bildern pro Sekunde bewegt sich die reale Auflösung somit weit unterhalb von Full-HD.
An dieser Stelle sei jedoch gesagt: Die anderen Hersteller machen es genauso, kommunizieren die reale Auflösung jedoch nicht. Fast immer gilt daher: Bei Zeitlupenaufnahmen fällt die Bildqualität trotz numerisch gleicher Auflösung schlechter als bei klassischen Videos aus. Oftmals wird zudem eine kleinere Sensorfläche genutzt, da nur diese schnell genug für hohe Bildrate ausgelesen werden kann. In diesem Fall wird ein deutlicher Crop-Effekt sichtbar.
Vier unterschiedliche Bildraten im Vergleich (Auflösung jeweils 1.920 x 1.080 Pixel)
Bei unseren Kamera-Testberichten finden Sie in der Regel auch Zeitlupenaufnahmen, um die Qualität selbst prüfen zu können. Wenn zwei in den nachfolgenden Listen genannten Kameras die identische Bildrate und Auflösung schaffen, heißt dies somit auf keinen Fall, dass die Bildqualität identisch ausfällt.
Kameras, die bei 4K-Auflösung 100 oder mehr Bilder pro Sekunde aufzeichnen können:
(max. Bildrate und weitere Informationen; Crop-Angabe erst ab 1,2-fach)
Kameras, die bei Full-HD-Auflösung 200 oder mehr Bilder pro Sekunde aufzeichnen können:
(max. Bildrate und weitere Informationen; Crop-Angabe erst ab 1,2-fach)
Ähnlich hohe Bildraten erreichen darüber hinaus auch moderne Actionkameras. Während die Modelle von DJI und Insta360 bis zu 120 Bilder pro Sekunde in 4K und bis zu 240 Bilder pro Sekunde in Full-HD schaffen, kann man mit der GoPro HERO13 Black 120 Bilder pro Sekunde sogar in 5,3K-Auflösung (5.312 x 2.988 Pixel) erzielen. Hier sind Aufnahmen aber auf fünf Sekunden begrenzt. Zudem schafft die HERO13 Black bis zu 360 Bilder pro Sekunde bei 1.600 x 900 Pixel und bis zu 400 Bilder pro Sekunde bei 1.280 x 720 Pixel (maximal Länge jeweils 15 Sekunden).
Sehr hohe Bildraten werden zudem von einigen modernen Smartphones unterstützt. Bis zu 1.920 Bilder pro Sekunde werden in den Datenblättern mancher Modelle genannt. Die Ausgabe-Auflösung ist dabei jedoch auf Full-HD oder HD beschränkt. Manche Geräte schaffen zudem bis zu 120 Vollbilder pro Sekunde in 4K. Während letztere Aufnahmen oftmals detailreich ausfallen, können wir dies für Full-HD- oder HD-Videos mit 1.000 Bildern pro Sekunde (oder mehr) aber nicht bestätigen. Die Aufnahmen wirken unserer Erfahrung nach oft sehr pixelig und detailarm.
Ob es besser ist, die Kamera die Zeitlupe direkt berechnen zu lassen oder den Effekt nachträglich per Videoschnitt-Software zu erstellen, hängt von der jeweiligen Situation und Aufnahmehardware ab. Für ersteres gibt es bei einigen Kameras die sogenannten S&Q-Modi. Darüber verfügt aber nicht jedes Modell. Teilweise sind bestimmte Funktionen zudem auf manche Aufnahmemodi beschränkt. Wer Videos von der Kamera mit der maximalen Bildrate abspeichern lässt und die Zeitlupe per Videoschnitt-Software konfiguriert, hat auf jeden Fall mehr Möglichkeiten bei der nachträglichen Bearbeitung.
Unser Fazit:
Viele moderne Kameras sind in der Lage, Videos mit hohen Bildraten aufzuzeichnen. Das Erstellen von ansprechenden Zeitlupeneffekten ist dadurch oftmals sehr gut möglich. Je höher die Bildrate ausfällt, desto mehr Abstriche sind jedoch auch bei der Bildqualität zu machen. Abhängig vom Modell sind die Qualitätseinbußen teilweise nur gering, teilweise sehr groß. Zudem ergeben sich durch die manchmal nur partiell ausgelesene Bildwandler Einschränkungen beim Bildwinkel.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Zeitlupenaufnahmen in 4K eine sehr gute oder exzellente Qualität aufweisen und sich mit den aktuell erreichbaren 120 Bildern pro Sekunde ansprechende Zeitlupeneffekte erzielen lassen. Bei Full-HD-Auflösung ergeben sich jedoch starke Abweichungen. Oberhalb von 240 Bildern pro Sekunde ist im Regelfall keine allzu gute Bildqualität mehr zu erwarten. Dafür werden spezielle High-Speed-Kameras benötigt. Wer mit einer geringen Qualität auskommt und deutlich mehr als 240 Bilder pro Sekunde benötigt, sollte sich die Sony Cyber-shot DSC-RX100 VII oder die Sony ZV-1 ansehen. Höhere Bildraten schaffen aktuell keine klassischen Kameras.
Eine deutlich höhere Bildqualität erzielen in Full-HD die Panasonic Lumix DC-G9II und Panasonic Lumix DC-GH6/GH7 mit 300 Bildern pro Sekunde. Sofern 240 Bilder pro Sekunde ausreichend sind, kann man zu zahlreichen Modellen greifen. In puncto Bildqualität und Features sehen wir dabei Panasonic und Sony vorne.
Dank moderner Software-Lösungen und KI sind mittlerweile auch sehr gute Frame-Interpolationen möglich. Für eine hohe Qualität wird aber natürlich ein gutes Ausgangsmaterial benötigt, weshalb wir ebenso zu einer Kamera mit ansprechender Ausstattung greifen würden. Extreme Zeitlupeneffekte bleiben aber auch 2026 speziellen Zeitlupenkameras vorbehalten. Die mit klassischen Kameras erreichbaren bis zu 12,5-fachen Zeitlupen sind für die allermeisten Nutzer jedoch mehr als ausreichend.
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