Bildstabilisator
Einleitung
Die Kamera
Technik
Datenblatt
Geschwindigkeit
Bildqualität
Abbildungsleistung
Farbwiedergabe
Beispielaufnahmen
Praxisbericht
Fazit
Die Nikon ZR (Datenblatt)
ist das erste Produkt, das nach der Übernahme von RED durch Nikon in Zusammenarbeit entwickelt wurde. Hier setzt Nikon neben Fotofunktionen verstärkt auf Video-Features, die Content-Creator und Videoprofis ansprechen. Wie von anderen DSLMs bekannt, die für Videos optimiert wurden, hebt sich das Gehäuse von klassischen Systemkameras durch mehrere Besonderheiten ab.
Unter anderem verfügt die Nikon ZR auf der Oberseite über kein Programmwählrad. Diese Funktion kann eine der drei Nummertasten („1“, „2“, „3“) oder auch das Quickmenü der Kamera übernehmen. Wer das Aufnahmeprogramm häufiger wechseln möchte, dürfte ein Einstellrad trotzdem vermissen. Für den schnellen Wechsel zwischen Fotos und Videos bringt die DSLM immerhin einen Schalter mit. Dieser sorgt für einen deutlichen Komfortgewinn. Darüber hinaus hat sich Nikon bei der ZR für einen Auslöser mit zusätzlichem Zoomhebel entschieden. Letzterer erlaubt bei Objektiven mit Zoommotor die Wahl der Brennweite über die Kamera. Bei Objektiven mit manueller Zoomverstellung lässt sich damit zudem die Vergrößerung aktivieren.
Der erwähnte Auslöser befindet sich bei der ZR an der gewohnten Stelle, gleiches gilt für die beiden Einstellräder der Kamera. Diese lassen sich komfortabel mit dem Daumen und dem Zeigefinger bedienen. Der Griff der DSLM bietet den Fingern aufgrund seiner flachen Bauweise nur recht wenig Halt, bei einem größeren Objektiv wird die Kamera außerdem schnell „frontlastig“. Sofern die DSLM in einem Kamerakäfig genutzt wird, spielt der kleine Griff jedoch eine untergeordnete Rolle.
Auf der Rückseite der Nikon ZR (Produktbilder)
nimmt das 4,0 Zoll messende Display fast den kompletten Platz ein. Daneben sind zusätzlich zum bereits erwähnten Einstellrad, ein Joystick, die Menütaste und eine Taste für den Wiedergabemodus zu finden. Da das Display wie heutzutage üblich über einen Touchscreen verfügt, sind damit natürlich auch Eingaben möglich. Der Verzicht auf ein klassisches Steuerkreuz fällt wegen des Joysticks nicht wirklich negativ auf, alle Eingaben lassen sich damit schnell und komfortabel vornehmen.
Etwas ungewöhnlich ist Nikons Lösung zum Aufrufen der Menüs. Wer die Menü-Taste mit drei Balken kurz betätigt, gelangt zum Quickmenü. Wer die Taste länger drückt, ruft das Hauptmenü auf. Daran muss man sich zunächst gewöhnen, grundsätzlich funktioniert diese Lösung jedoch gut. Nur wer das Hauptmenü ständig aufrufen muss/möchte, wird bei der Arbeit doch etwas ausgebremst. Da sich die allermeisten häufiger genutzten Parameter über Tasten oder das Quickmenü erreichen lassen, sollte das Hauptmenü im Alltag aber eher eine untergeordnete Rolle spielen. Das liegt auch an den diversen Konfigurationsmöglichkeiten der Kamera. Sehr viele Optionen lassen sich vom Nutzer verändern und an die eigenen Wünsche anpassen.
Beim Gehäuse der ZR hat sich Nikon für eine robuste Magnesiumlegierung entschieden, frostsicher und abgedichtet ist die Kamera ebenfalls. Mit Abmessungen von 13,4 × 8,1 × 4,9cm fällt sie eine Ecke kleiner als die (teilweise) technisch vergleichbar ausgestattete Z6III aus. Auf der Waage ergibt sich dagegen kein riesiger Unterschied, die ZR ist mit 617g knapp 20 Prozent leichter.
Bei den Menüs hat sich Nikon für den seit vielen Jahren bekannten Aufbau entschieden. Über die sieben Untermenüs „Fotoaufnahme“, „Filmaufnahme“, „Individualfunktionen“, „Wiedergabe“, „System“ „Netzwerkmenü“ sowie „Mein Menü“ erfolgt der klassische Zugriff auf die Parameter, das „Mein Menü“ stellen Nutzer selbstständig zusammen. Hier lassen sich häufig benötigte Optionen versammeln, die man nicht in den Tiefen des Hauptmenüs suchen möchte.
Als Aufnahmeprogramme hat die Nikon ZR (Bildqualität)
alle klassischen Modi zu bieten. Neben einer Vollautomatik stehen die PSAM-Programme und vier Custom-Modi zur Verfügung. Daneben kann man sich für Intervallaufnahmen, Fokusverlagerungen oder auch Belichtungsreihen entscheiden. Mit der Pixelverlagerungsfunktion lassen sich zudem automatisiert mehrere Bilder speichern, die per Nikon-Software zu einem Bild mit mehr Details zusammengerechnet werden können. Leider gibt es hierfür keine kamerainterne Funktion, weshalb der Aufwand zum Erstellen von „High-Res“-Bildern sehr hoch ausfällt. Für Besitzer der ZR sind derartige Aufnahmen aber vermutlich nicht allzu relevant.
Beim Verschluss hat sich Nikon bei der ZR für eine rein elektronische Lösung (mit Belichtungszeiten von 900 Sekunden bis 1/16.000 Sekunde) entschieden. Einen klassischen Schlitzverschluss gibt es daher nicht. Bei vielen Motiven spielt dies wegen des recht schnell auslesbaren Sensors keine Rolle, bei sehr schnellen Bewegungen können Motive jedoch verzerrt werden. Als Kamera für die Sport- und Actionfotografie ist die ZR aber ohnehin nicht gedacht.
Am Autofokus liegt das allerdings nicht, denn der Hybrid-AF der DSLM ist in der Lage, auch bewegte Motive einzufangen. Das Level der Flaggschiffmodelle wird dabei zwar nicht erreicht, in klassischen Aufnahmesituationen überzeugt die Kamera aber mit einer sehr flotten Fokussierung – und das selbst bei wenig Licht (ab -10 EV). Hier kann man sich auf die automatische Messfeldsteuerung mit bis zu 299 Messfeldern verlassen oder das Messfeld manuell bestimmen. Neben dem Nadelspitzen-Messfeld gibt es ein Einzelfeld, zwei große Messfelder (S oder L) und zwei Messfelder, die sich selbst definieren lassen. Beim AF-C-Betrieb stehen zudem drei dynamische Messfelder (S, M und L) zur Wahl.
Des Weiteren verfügt die ZR natürlich auch über eine Motiverkennungsfunktion, die auf Deep Learning basiert. Neben Menschen erkennt die DSLM Tiere (Katzen, Hunde, Vögel), Fahr- und Flugzeuge. Auch dies funktionierte im Test fehlerfrei. Einzig eine dedizierte Insektenerkennung fehlt uns hier.
Von anderen Systemkameras unterscheidet sich die Nikon ZR (Technik)
unter anderem auch durch ihr großes Display. Mit Abmessungen von 4,0 Zoll ist dieses weit größer als klassische 3,0 Zoll oder 3,2 Zoll messende Panels. Die Auflösung fällt zudem höher als bei der Konkurrenz aus. 3,07 Millionen Subpixel sorgen für eine richtig scharfe Darstellung. Von der Seite lässt sich das Panel ebenso ablesen und selbstverständlich sorgt die dreh- und schwenkbare Lagerung für einen sehr hohen Komfort bei der Bildkontrolle. Zusammen mit dem jederzeit optimal funktionierenden Touchscreen hat die Nikon ZR eines der besten Kamera-Displays am Markt zu bieten.
Natürlich muss an dieser Stelle jedoch auch erwähnt werden, dass Nutzer auf einen Sucher verzichten müssen. Bei Videografen ist dieser allerdings deutlich weniger als bei Fotografen gefragt, weshalb der Verzicht auf einen Sucher bei der ZR keine Überraschung darstellt.

Videos stehen bei der ZR – anders als bei klassischen Systemkameras – im Fokus. Eine Zielgruppe der DSLM sind unter anderem Content-Creator, die eine kompakte Kamera mit ausgeprägter Videofunktion suchen. Die Liste der Videofeatures fällt daher deutlich länger als bei herkömmlichen DSLMs aus. Videos lassen sich mit der Nikon ZR (Beispielaufnahmen)
mit bis zu 6.048 x 3.402 Pixel im RAW-Format (R3D NE/N-RAW/Apple ProRes RAW HQ mit jeweils 12-Bit) aufzeichnen. Hier werden 24 bis 60 Vollbilder pro Sekunde angeboten. Daneben unterstützt die DSLM bei RAW-Videos 4.032 x 2.268 Pixel sowie 3.984 x 2.240 Pixel. Möchte man einen klassischen Codec (H.265 oder Apple ProRes 422 HQ; bis zu 10-Bit) nutzen, sind bis zu 5.376 x 3.024 Pixel möglich. Hier schafft die ZR bis zu 60 Vollbilder pro Sekunde. Wer mit geringeren Auflösungen auskommt, kann die Bildrate noch deutlich erhöhen. Bei der klassischen 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel) sind bis zu 120 Vollbilder pro Sekunde wählbar, bei Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel) sogar bis zu 240 Vollbilder pro Sekunde. Somit lassen sich mit der DSLM bis zu 10-fache Zeitlupen realisieren.
Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass der Bildausschnitt bei mehr als 60 Vollbildern pro Sekunde in 4K dem DX-Crop entspricht. In Full-HD gibt es keinen Crop, die Bildqualität fällt hier aber natürlich sichtbar schlechter als bei 4K aus. In 4K-Auflösung und darüber erreicht die Nikon ZR eine hervorragende Qualität, in Full-HD ist sie gut bis sehr gut. Daneben hat die Kamera flache Bildprofile (Log3G10, N-Log) und die HDR-Aufzeichnung sowie zahlreiche Aufnahmehilfen zu bieten. Einen Fokus hat Nikon bei der ZR auch auf die Wiedergabe von Farben gelegt. Durch die RED Colour Science soll die DSLM den Look von REDs Kinokameras erzielen. Da uns in diesem Bereich die fachliche Expertise fehlt, können wir hier aber keine Bewertung vornehmen.
Der Verzicht auf eine aktive Kühlung macht die Nikon ZR anfälliger für das Überhitzen als vergleichbare DSLM-Modelle, zumindest bei gemäßigten Temperaturen (20 bis 25 Grad und mit der Temperatureinstellung "hoch") ergeben sich laut unseren Tests jedoch fast keine Einschränkungen. Bei 5,4K-Auflösung konnten wir mit H.265-Kompression für 85 Minuten am Stück filmen. Zusammen mit dem sehr zuverlässigen Autofokus hat die Nikon ZR daher ein wirklich ansprechendes Paket für Videografen zu bieten.
Zu beachten gilt es noch, dass sich alle Auflösungen, Bildraten und Formate nur beim Einsatz einer CFexpress Typ-B-Karte nutzen lassen. Die für hohe Auflösungen von Nikon empfohlenen 250MB/s (Datenrate der Speicherkarte beim Schreiben), erreichen microSD-Karten nämlich nicht. Für die konkreten Spezifikationen ist ein Blick in das Handbuch der DSLM sinnvoll. Für die Tonaufnahme sind bei der Nikon ZR zwei Mikrofone zuständig. Dank 32-Bit-Float-Audio erhält man dabei die höchste Qualität und kann das Übersteuern wirksam verhindern.
Thomas
Kniess
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