Canon EOS R3 und EOS-1D X Mark III im Vergleich

Die Unterschiede der beiden Flaggschiff-Kameras von Canon im Detail

Canon hat mit der EOS R3 seine erste explizit für Profi-Fotografen entwickelte DSLM angekündigt. Die Kamera setzt teilweise auf bewährte Technik, bringt aber auch viele neue Features mit. Wir nehmen die neue DSLM in folgendem Artikel unter die Lupe und vergleichen diese mit dem aktuellen DSLR-Flaggschiff Canon EOS-1D X Mark III. Dabei gehen wir auf die wichtigsten Unterschiede ein.

Weitere Informationen zu den Kameras erhalten Sie über folgende Links:
Ankündigung der Canon EOS R3
Datenblatt der Canon EOS R3
Testbericht der Canon EOS-1D X Mark III
Datenblatt der Canon EOS-1D X Mark III

Unterschied 1: Der Sensor
Der Sensor einer Kamera ist das wichtigste Bauteil. Natürlich, weil damit die Bilder aufgenommen werden, aber auch, weil er weitere Aufgaben übernimmt. Beide Vergleichsmodelle besitzen wie in der Profi-Liga üblich einen Vollformatsensor, die Auflösungen liegen mit 20 Megapixel (1D X Mark III) und 24 Megapixel (EOS R3) auf einem recht ähnlichen Level. 20 bzw. 24 Megapixel reichen für die  allermeisten Aufgaben aus, mehr Pixel werden nur selten wirklich benötigt.

Der Sensor der EOS R3 lässt sich nicht nur schneller auslesen, er erlaubt auch die Stabilisierung:

Bei der Canon EOS R3 kommt – anders als bei der EOS-1D X Mark III –  ein Chip der modernsten Generation zum Einsatz, ein sogenannter Stacked CMOS-Sensor. Sensoren dieses Typs verfügen über einen zusätzlichen DRAM-Cache, dieser erlaubt eine wesentlich höhere Auslesegeschwindigkeit. Canon verbaut einen derartigen Sensor bei seinen spiegellosen Modellen zum ersten Mal, die Vorteile des neuen Sensors sind vielfältig. Zum einen ermöglicht die schnellere Auslesegeschwindigkeit höhere Bildraten. Die Canon EOS-1D X Mark III schafft mit ihrem herkömmlichen CMOS-Sensor zwar bereits hervorragende 20 Bilder pro Sekunde, die EOS R3 erreicht mit 30 Bildern pro Sekunde in der Spitze aber noch einmal 50 Prozent mehr Aufnahmen. Dieser Unterschied mag nicht in allen Situationen eine Rolle spielen, in Extremfällen kann dieses "Plus" jedoch von entscheidender Bedeutung sein.

Bei der DSLM konnte der Rolling-Shutter-Effekt dank Stacked CMOS-Sensor stark reduziert werden:

Zudem wirkt sich die Auslesegeschwindigkeit auf den elektronischen Verschluss aus. Da die Pixel bei einem Sensor ohne Global Shutter zeilenweise ausgelesen werden, vergeht zwischen der ersten und der letzten Zeile ein gewisser Zeitraum. Dieser macht sich bei Bewegungen durch Verzerrungen im Bild bemerkbar (= Rolling Shutter Effekt), bei Kunstlicht können zudem Banding und andere Artefakte sichtbar werden. Bei der EOS R3 konnte Canon diese Probleme dank der höheren Auslesegeschwindigkeit auf ein Minimum reduzieren, im direkten Vergleich mit der EOS-1D X Mark III soll der Rolling Shutter-Effekt nur noch 25 Prozent betragen.

Wer den elektronischen Verschluss der EOS R3 einsetzt, ist darüber hinaus bei der kürzesten Belichtungszeit im Vorteil. Die EOS-1D X Mark III schafft unabhängig vom Verschlusstyp minimal 1/8.000 Sekunde, die EOS R3 kommt auf eine 1/64.000 Sekunde. Besonders schnelle Bewegungen sind damit noch besser einzufangen. Wer blitzen möchte, kann dies bei der EOS R3 dank der schnelleren Auslesegeschwindigkeit nun auch mit dem elektronischen Verschluss (Synchronzeit 1/180 Sekunde). Des Weiteren konnte Canon beim Einsatz des elektronischen Verschlusses die Auslöseverzögerung verkürzen. Mit 20ms liegt die DSLM unterhalb der EOS-1D X Mark III mit mindestens 29ms.

Zu guter Letzt ist der Sensor der Canon EOS R3 auch noch für die Bildstabilisierung zuständig. Er lässt sich zu diesem Zweck in fünf Achsen bewegen und kann Verwacklungen in Kombination mit einem Objektiv-IS um bis zu acht Blendenstufen ausgleichen. Bei der EOS-1D X Mark III ist man stets auf den Stabilisator im Objektiv angewiesen, gerade bei lichtstarken Festbrennweiten – die ambitionierte Fotografen sehr häufig verwenden – findet man diesen nur selten.

Die 1D X Mark III besitzt einen dedizierten AF-Sensor, bei der R3 wird dieser nicht mehr benötigt:

Unterschied 2: Der Autofokus
Zur Fokussierung nutzen Spiegelreflexkameras wie die Canon EOS-1D X Mark III schon lange die Phasenvergleichsmessung mit dediziertem AF-Sensor. Bei der EOS-1D X Mark III hat Canon einen Autofokussensor mit 191-AF-Punkten verbaut, 155 davon sind Kreuzsensoren. Selbst bei F8 arbeiten noch 65 Kreuzsensoren, der Arbeitsbereich beginnt grundsätzlich bei -4 EV. Bei spiegellosen Systemkameras übernimmt diese Aufgabe (wie bei DSLRs im Liveview-Betrieb) der Sensor. Seit einigen Jahren nutzt Canon dabei die Dual Pixel CMOS AF-Technologie. Die kommt bei beiden Kameras in diesem Vergleich zum Einsatz und greift auf die Daten von zwei Photodioden pro Pixel zurück. Dadurch ist das Scharfstellen – anders als bei dedizierten AF-Sensoren – praktisch im gesamten Bildfeld möglich. Im Gegensatz zur EOS-1D X Mark III nutzt die EOS R3 den Dual Pixel CMOS AF der zweiten Generation, hier sollen verbesserte Algorithmen und eine überarbeitete Motiverkennung für noch bessere Ergebnisse sorgen. Neben Menschen und Tieren erkennt die EOS R3 unter anderem auch Rennautos und Motorräder, hier kann man unter anderem zwischen dem Tracking des Helms oder des ganzen Fahrzeugs wählen. Zudem hat die DSLM eine neue flexible AF-Zone zu bieten. Bei wenig Licht sind Besitzer der EOS R3 ebenso im Vorteil. Statt den mindestens benötigten -4 EV der EOS-1D X Mark III arbeitet die EOS R3 bereits ab -7,5 EV (mit einem F1,2-Objektiv) und kann bis zu einer Offenblende von F22 scharfstellen. Auf die künstliche Intelligenz greifen beide Kameras zurück, bei der EOS R3 darf man aber natürlich von einem deutlich erweiterten Einsatzgebiet ausgehen.

Ein ganz besonderes Feature der EOS R3 nennt sich Eye Control. Hinter diesem Namen verbirgt sich die Steuerung des Fokuspunkts per Auge. Sensoren erfassen zu diesem Zweck die Bewegungen beim Blick durch den Sucher und erlauben es dem Nutzer, den Fokus schneller als mit Joystick oder dem Smartcontroller einzustellen. Eye Control nutzt eine Reihe von Infrarot-LEDs, selbst Brillenträger und Nutzer von Kontaktlinsen (hier gibt es jeweils Ausnahmen) können dieses Feature verwenden. Bei der EOS-1D X Mark III wird der Fokuspunkt mit herkömmlichen Mitteln (Joystick, Smartcontroller oder automatische Messfeldwahl) gesteuert, das geht natürlich auch bei der EOS R3.

Das Display der EOS R3 lässt sich im Gegensatz zur EOS-1D X Mark III drehen und schwenken:

Unterschied 3: Die Bildkontrolle
Der Bildkontrolle kommt immer eine große Bedeutung zu, bei Sport- oder Actionaufnahmen jedoch noch mehr. Hier sind innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde Entscheidungen zu treffen, selbst kürzeste Verzögerung können den Aufnahme-Erfolg schmälern. Die Verzögerung von elektronischen Suchern war laut Canon unter anderem bislang ein Grund, warum spiegellose Spitzenmodelle so lange auf sich warten haben lassen. Bei der EOS R3 wurden diese „Probleme“ nun behoben. Die DSLM verfügt über einen OLED-Sucher mit 5,76 Millionen Subpixel und einer 0,76-fachen Suchervergrößerung. Die Wiedergabe erfolgt mit 60 oder 120 Bildern pro Sekunde, nur zum Stromsparen sollte man sich für erstere Bildrate entscheiden. Beim Sucher der Canon EOS-1D X Mark III handelt es sich dagegen um einen Spiegelreflexsucher mit Dachtkantprisma, in puncto Vergrößerung gibt es jedoch keinen Unterschied.

Beim Blick durch den Sucher sieht das natürlich anders aus: Während die EOS-1D X Mark III ein klassisches „analoges“ Bild mit ein paar Einblendungen zeigt, bekommen die Nutzer einer EOS R3 eine elektronische Ansicht zu sehen. Diese erlaubt nicht nur allerlei Einblendungen, sondern bringt diverse weitere Vorteile mit. Zum einen kann man auch beim Blick durch den Sucher Videos aufnehmen, bereits gespeicherte Fotos sowie Videos ansehen und erhält sofort den finalen Bildeindruck. Für Freunde optischer Sucher hat Canon einen OVF-Simulationsmodus integriert, dieser sorgt für eine an optische Sucher angelehnte Darstellung.

Eine andere Lösung als bei der EOS-1D X Mark III hat Canon auch beim Display der EOS R3 gewählt. Während die DSLR ein fest verbautes Panel besitzt – was bei Profikameras bislang so üblich war – verfügt die EOS R3 über ein dreh- und schwenkbares Modell. Diese Konstruktion erleichtert die Bildkontrolle in einigen Situationen deutlich, beispielsweise wenn man in bodennähe oder mit ausgestreckten Armen fotografieren möchte. Gegen dreh- und schwenkbare Lösungen sprach bisher die Robustheit, Canon scheint diese Problematik bei der EOS R3 allerdings nicht mehr zu sehen. Die Displaydiagonalen unterscheiden sich mit 3,2 Zoll nicht, die Auflösung des Panels der EOS R3 fällt allerdings wesentlich höher. Statt 2,1 Millionen Subpixel sind es mit 4,15 Millioen Subpixel fast doppelt so viele Bildpunkte. Eingaben lassen sich jeweils per Touchscreen vornehmen.

Die Rückseiten beider Systemkameras (links EOS R3 und rechts EOS-1D X Mark III) im Vergleich:

Unterschied 4: Gehäuse und Bedienung
Beim Gehäuse der neuen EOS R3 hat sich Canon zweifellos am Gehäuse der älteren EOS-1D X Mark III orientiert. Als Material kommt bei beiden Systemkameras eine Magnesiumlegierung zum Einsatz, Abdichtungen schützen vor Staub und Spritzwasser. Diese sollen sich auf einem Niveau bewegen, beide Kameras sind daher identisch gut abgedichtet. Grundsätzlich sind beide Gehäuse sehr ähnlich aufgebaut, hier und da hat Canon jedoch Veränderungen vorgenommen. Das Fotoprogramm stellen Besitzer der DSLM beispielsweise nicht allein per Taste ein, dafür steht ein Einstellrad zur Verfügung. Dieses erlaubt zudem die Wahl anderer Aufnahmeparameter. Kontrolldisplays sind bei beiden Kameras jeweils auf der Oberseite zu finden, die EOS-1D X Mark III besitzt ein weiteres auf der Rückseite.

Beim leichteren Gehäuse der EOS R3 kommt eine bekannte Magnesiumlegierung zum Einsatz:

Die Abmessungen des Gehäuses der EOS R3 (15,0 x 14,3 x 8,7cm) sind deutlich kleiner als bei der EOS-1D X Mark II (15,8 x 16,3 x 8,3cm), mit 1.015g bringt die DSLM zudem mehr als 400g weniger als die DSLR (1.439g) auf die Waage.

Unterschied 5: Das Zubehör
Zubehör spielt bei Systemkameras immer eine recht große Rolle, schließlich lässt sich der Funktionsumfang damit erweitern. Bei der EOS R hat Canon zu diesem Zweck einen neuen Multifunktions-Zubehörschuh verbaut. Dieser unterstützt die digitale Datenübertragung und Stromversorgung, das macht den Verzicht auf zusätzliche Kabelverbindungen möglich. Als erste Zubehörteile bietet Canon für die EOS R3 den Speedlite Transmitter ST-E10 und das Stereo-Richtmikrofon DM-E1D an. Ersterer benötigt anders als die für die EOS-1D X Mark III angebotenen Transmitter keine Batterien oder Akkus, letzteres überträgt die Daten zusätzlich direkt an die Kamera.

Durch den neuen Zubehörschuh lässt sich die EOS R3 um neues Zubehör erweitern:

Der Tascam CA-XLR2d-C XLR-Adapter ermöglicht als Beispiel darüber hinaus Zweikanalaufnahmen mit professionellen XLR-Mikrofonen. Des Weiteren unterstützt der Schuh die Ausgabe von Material beim Einsatz Smartphone-Adapters (AD-P1). Mittels diesem lässt sich ein Smartphone/Display als externer Monitor sowie zur Datenübertragung via 4G/5G einsetzen. Derartige Features lassen sich bei der EOS-1D X Mark III nur über zusätzliche Kabel oder überhaupt nicht realisieren.

Weitere Verbesserungen sind zudem bei Videoaufnahmen zu nennen: So kann die EOS R3 anders als die EOS-1D X Mark III unter anderem Videos in 4K mit bis zu 120 Vollbildern pro Sekunde speichern und ist die Aufnahmedauer praktisch nicht begrenzt.

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Autor: dkamera.de Redaktion
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