Huawei Nova 5T Smartphone- und Kameratest (Teil 2)

Teil 2 von 3: Die Kamera im Bildqualitäts-Check und Beispielaufnahmen in voller Auflösung

Nachdem wir im ersten Teil unseres Tests des Huawei Nova 5T auf die technischen Daten, das Handling und die Verarbeitung eingegangen sind, prüfen wir nun die Kameras des Smartphones. Mit unseren Beispielfotos und -videos können Sie sich zudem einen eigenen Eindruck von den Kameraqualitäten verschaffen.

Die Kameras:
Huawei verbaut auf der Rückseite des Nova 5T vier Kameras. In der Praxis stehen aber nur drei Modelle zur Verfügung, die vierte Kamera ist allein für das Speichern von Tiefeninformationen zuständig. Deren Daten können in das Bildergebnis der anderen Kameras einfließen, der Nutzer hat darauf jedoch keinen Einfluss. Wir gehen daher lediglich auf die drei Fotokameras ein. Die Hauptkamera speichert Bilder mit 48 Megapixel oder 12 Megapixel. Erstere Auflösung entspricht der nativen Auflösung des 1/2 Zoll großen CMOS-Sensors. Jeder Pixel ist somit 0,8µm groß oder besser gesagt klein. Damit bei alltäglichen Aufnahmesituationen oder bei Fotos im Dunklen das Rauschen reduziert wird, gibt es allerdings einen zweiten Modus. Hier behandelt die Kamera vier Pixel wie einen großen Bildpunkt. Das funktioniert besonders gut, da es sich um einen Sensor mit Quad-Bayer-Matrix handelt. Jeweils vier Pixel verfügen über den gleichen Farbfilter, zusammengelegt entsprechen diese einem 1,6µm messenden Pixel. Dies ist vergleichsweise groß.

Standardmäßig erfolgt die Bildausgabe beim Huawei Nova 5T mit 12 Megapixel, in der App lässt sich jedoch auch die native Auflösung des Sensors einstellen. Spezielle Phasen-AF-Pixel wurden auf dem Sensor zum schnelleren Fokussieren untergebracht, des Weiteren wird die Kontrastmessung unterstützt. Es handelt sich also um einen Hybrid-AF. Das Objektiv der Hauptkamera besitzt eine kleinbildäquivalente Brennweite von 28mm, die Lichtstärke liegt bei F1,8. Die Bildstabilisierung erfolgt rein elektronisch, einen OIS gibt es nicht.

Die Sensorgrößen im Vergleich:

Wie mittlerweile üblich besitzt das Huawei Nova 5T natürlich auch eine Ultraweitwinkelkamera. Sie zeigt den Bildwinkel eines 13mm-Objektivs an einer Vollformatkamera. Die Blendenöffnung fällt mit F2,2 etwas kleiner als bei der Hauptkamera aus, für den Sensor (circa 1/3,1“) gilt das ebenso. Der Fokus lässt sich bei der Ultraweitwinkelkamera nicht verändern, das ist angesichts der kurzen Brennweite aber nicht wirklich notwendig.

Brennweitenvergleich (Ultraweitwinkel, Weitwinkel und Tele (kein eigenes Objektiv)):

Als dritte Kamera hat Huawei beim Nova 5T eine „Makrokamera“ verbaut. Diese speichert Bilder mit zwei Megapixel, das Objektiv besitzt eine Brennweite von 27mm (KB) und eine Lichtstärke von F2,4. Weitere technische Daten sind uns nicht bekannt, in der App lassen sich auch keine speziellen Einstellungen treffen. Die Sensorgröße schätzen wir auf 1/5 Zoll, das ist richtig klein.

In der Praxis übernimmt jede Kamera des Huawei Nova 5T eine spezielle Aufgabe. Die Hauptkamera ist für die alltäglichen Fotos, wie beispielsweise Landschaftsaufnahmen oder Porträts, gedacht. Mit der Ultraweitwinkelkamera können sich Fotografen behelfen, die auf einem Foto möglichst viel abbilden möchten. Die Makrokamera eignet  sich nur für die Aufnahme sehr naher und kleiner Motive. Dafür lässt sich auf bis zu vier Zentimeter an das zu fotografierende Objekt heranrücken.

Die beste Aufnahmequalität hat zweifellos die Hauptkamera zu bieten, dies lassen natürlich auch die technischen Daten erwarten. Der Sensor der Hauptkamera besitzt mit weitem Abstand die größten Abmessungen und die höchste Auflösung. Zudem ist die Blende am größten, was sich positiv auf die Sensorempfindlichkeit auswirkt. Bei Tag gibt die Hauptkamera Details gut bis sehr gut wieder, mit der 12-Megapixel-Option fahren Fotografen in der Regel am besten. Die Bilder zeigen nur wenig Rauschen und sind detailreich. Die unbestritten beste Qualität können Fotografen mit dem AI Ultra Clarity Modus erzielen. Bei diesem Modus muss man allerdings etwas Zeit mitbringen, das Smartphone soll hier laut App für rund drei bis vier Sekunden nicht bewegt werden. Die Detailwiedergabe der Bilder kann sich dafür sehen lassen, sie ist ausgesprochen gut. Ein teilweise etwas stärkeres Bildrauschen sollte man allerdings akzeptieren können.

Bei Nacht liefert die Hauptkamera im Regelfall gute Ergebnisse. Mit den Flaggschiff-Geräten kommt das Nova 5T zwar nicht mit, die Aufnahmen sind aber doch sehr ordentlich. Bis zu ISO 400 sind in der Regel ohne größere Probleme nutzbar, ISO 800 sollte man dagegen besser nicht überschreiten. Für Aufnahmen bei sehr wenig Licht steht der spezielle Nachtmodus zur Verfügung, damit lassen sich – sofern es sich um ein statisches Motiv handelt – ansehnliche Bilder aufnehmen. Das Autofokussystem der Hauptkamera arbeitet flott, die elektronische Stabilisierung sorgt im Regelfall für scharfe Fotos. Eine optische Stabilisierung wäre trotzdem schön gewesen.

Die Ultraweitwinkelkamera liefert bei Tag ordentlich aufgelöste Bilder, der große Bildwinkel sorgt für ansprechende Aufnahmen. Verwenden sollten Fotografen die Ultraweitwinkelkamera vor allem bei guten Lichtverhältnissen, bei schlechten steigt das Bildrauschen recht schnell an. Nachtaufnahmen würden wir mit der Ultraweitwinkelkamera im normalen Aufnahmemodus daher eher vermeiden. Ganz darauf verzichten müssen Fotografen allerdings nicht, denn auch mit der Ultraweitwinkelkamera kann man den bekannten Nachtmodus nutzen. Dieser kombiniert mehrere Einzelbilder zu einem deutlich rauschärmeren Foto.

Das Nova 5T besitzt vier Kameras, "nur" drei davon lassen sich aber wie gewohnt verwenden:

Für etwas Verwirrung könnte in der Kamera-App die zusätzliche 2-fach-Zoom-Kamera sorgen. Dabei handelt es sich um keine echte Kamera, sondern lediglich um eine Art Ausschnittsvergrößerung. Rein rechnerisch haben die Bilder mit 12 Megapixel die identische Auflösung wie herkömmliche Fotos, die Qualität fällt jedoch weit schlechter aus. Für Schnappschüsse mag diese ausreichen, wir würden auf den Einsatz der Zoomkamera jedoch im Regelfall verzichten. Eine echte Telekamera würde zweifellos bessere Ergebnisse liefern.

Die Kamera im Super-Makro-Modus:

Die Makrokamera des Huawei Nova 5T ist ein spezieller Fall. Ihr Aufgabengebiet beschränkt sich rein auf Makrofotos, also Bildern von kleinen Motiven. Dafür rückt man an diese etwa vier Zentimeter heran (laut Huawei optimale Aufnahme-Entfernung), auf unendlich fokussiert das Objektiv nicht. In unserem Test ließ sich mit der Makrokamera ein vier Zentimeter großes Motiv bildfüllend abbilden. Leider kann man aus der Makrokamera in der Praxis trotzdem nur einen begrenzten Nutzen ziehen. Dafür sind mehrere Gründe verantwortlich: Zum einen fällt der Sensor der Makrokamera zu klein aus, zum anderen bewegt sich die Auflösung mit zwei Megapixel auf einem sehr geringen Niveau. Die genaue Größe des Sensors ist uns nicht bekannt, wir tippen anhand der technischen Daten aber etwa auf 1/5 Zoll. Der Sensor besäße damit nur einen Bruchteil der Fläche des Sensors der Hauptkamera. Die einzelnen Bildunkte fallen wegen der geringen Auflösung zwar recht groß aus, das ist wegen der sehr kleinen Fläche allerdings nicht allzu relevant. Das Bildrauschen tritt bei nicht optimalen Lichtverhältnissen schnell zutage, die schwach aufgelösten Bilder sind vergleichsweise detailarm. Für viel mehr als die Weitergabe per Smartphone sind sie kaum zu gebrauchen. Ein etwas größerer Sensor mit höherer Auflösung (mindestens fünf Megapixel) würde die Makrofunktion interessanter machen. Der Ansatz sagt uns daher zweifellos zu, die Umsetzung allerdings kaum.

Mit der AI Ultra Clarity-Option lassen sich sehr detailreiche Fotos speichern:

Grundsätzlich lässt sich für die kamerainterne Bildbearbeitung des Huawei Nova 5T sagen: sehr ordentlich. Die Bilder geben Farben korrekt wieder, der Kontrast und die Sättigung sind nicht zu stark übertrieben. Dass Smartphones tendenziell lebhafte Bilder liefern, trifft aber natürlich auch für das Nova 5T zu. Verbessern könnte Huawei die Abstimmung des Weißabgleichs zwischen den unterschiedlichen Kameras, hier gibt es durchaus Luft nach oben. Die AI-Funktion des Smartphones bringt im Regelfall trotz Szenenerkennung keine besseren Ergebnisse, das ist wegen der allgemein guten Leistung aber auch nicht notwendig.

Ambitioniertere Fotografen können mit dem Pro-Modus des Nova 5T als Bonus manuell belichten und fokussieren, dies geht allerdings nur mit der Haupt- und Weitwinkelkamera. Beide erlauben des Weiteren das Speichern von RAW-Fotos. Die Dateien zeigen wie bei Smartphone-Bildern üblich ein recht starkes Rauschen, sind aber trotzdem noch gut zu bearbeiten. Grundsätzlich liefern auch die JPEG-Dateien des Pro-Modus etwas natürlichere Ergebnisse als die Aufnahmen des Foto-Modus, hier wendet Huawei weniger Softwarekorrekturen an. Vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen bedeutet dies jedoch auch: Das Rauschen kommt wesentlich stärker zum Vorschein.

Die Videofunktionen des Nova 5T sind ordentlich, aber nicht überragend:

Bei Videos macht das Huawei Nova 5T in 4K (3.840 x 2.160 Pixel mit 30 Vollbildern pro Sekunde) eine sehr gute Figur, bei genauem Hinsehen kann man allerdings ein ganz leichtes „Grieseln“ erkennen. Ob dies durch Sensorrauschen oder die Kompression erzeugt wird, können wir nicht sagen. Die allermeisten Smartphonebesitzern wird dieses vermutlich nicht auffallen. In Full-HD lässt sich beim Nova 5T zwischen 30, 60 und 120 Vollbildern pro Sekunde wählen. Letztere Bildrate ist nur im Zeitlupenmodus einstellbar, hier kann man sich zudem für 240 und 960 Vollbilder pro Sekunde in HD (1.280 x 720 Pixel) entscheiden. Die Bildqualität der Full-HD-Aufnahmen sehen wir bei 30p und 60p auf einem guten Niveau, bei 120p sind die Aufnahmen deutlich weichgezeichnet. Es mangelt also an Details. Gleiches gilt auch für die anderen Zeitlupen-Optionen, nur das die Qualität hier noch weiter absinkt. Dafür lassen sich ansprechende Zeitlupeneffekte realisieren. Der Autofokus des Smartphones arbeitet schnell, die Bildstabilisierung ist „ok“. Der fehlende optische Stabilisator macht sich hier durchaus bemerkbar. Grundsätzlich lässt sich sagen: Für das ein oder andere Video ist das Smartphone sehr gut nutzbar.

Brennweitenvergleich (Utraweitwinkel, Hauptkamera, Tele):

Links eine Aufnahme mit "Blenden"-Funktion, rechts ohne:

Links eine Aufnahme mit 12 Megapixel, rechts mit 48 Megapixel (jeweils Hauptkamera):

Zwei Aufnahmen mit der Makro-Kamera:

Zwei Aufnahmen mit der Hauptkamera, links mit LED-Licht:

Ultraweitwinkel: Links eine Aufnahme mit dem Foto-Modus, rechts mit dem Nachtmodus:

Hauptkamera: Links eine Aufnahme mit dem Foto-Modus, rechts mit dem Nachtmodus:

JPEG- und RAW-Aufnahmen:

Zwei Aufnahmen in 4K30p: Links mit der Haupt, rechts mit der Ultraweitwinkelkamera:

Zwei Aufnahmen mit der Hauptkamera: Links 1080p120, rechts mit 720p960:

Zwei Aufnahmen in 4K30p:

Im dritten Teil unseres Testberichts gehen wir unter anderem auf die Kamera-App ein.

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Kommentare

Prima recherchiert. Schon absolut klasse, ...

Prima recherchiert. Schon absolut klasse, was die neuen Huawei Smartphones und Modelle - und auch Xiaomi - an Kameraleistung in ihrem Preissegment bieten. Vielleicht könnte man das sogar als Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen, deutschen Herstellern bezeichnen.

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