Preview: Hands-On der FujiFilm X-Pro2

Unser Praxistest der APS-C-Kamera mit 24 Megapixel, 273 AF-Messfeldern und Hybrid-Sucher

Mit der X-Pro2 stellt FujiFilm sein neues Flaggschiff-Modell der spiegellosen Klasse vor. Die X-Pro2 folgt auf die mittlerweile vier Jahre alte FujiFilm X-Pro1. Eine Revolution findet dabei zwar nicht statt, Verbesserungen gibt es aber trotzdem sehr viele. Dies gilt sowohl für die inneren als auch die äußeren Werte. Wir hatten die Möglichkeit, die FujiFilm X-Pro2 intensiv unter die Lupe zu nehmen und schildern Ihnen in diesem Hands-On-Artikel unsere Eindrücke zur spiegellosen Systemkamera.

Bei unserem Testgerät handelte es sich um eine Kamera mit nicht finaler Firmware, im Menü und bei der Bildqualität können sich daher Unterschiede zu den Modellen im Handel ergeben. Alle genauen technischen Daten finden Sie in unserem Vorstellungs-Artikel der FujiFilm X-Pro2.

Das Kameragehäuse der FujiFilm X-Pro2 stammt von der X-Pro1 ab:

Das Kameragehäuse der FujiFilm X-Pro2 erinnert ohne Frage an das Gehäuse der FujiFilm X-Pro1. Es ist nur wenige Millimeter größer, aber gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet sowie auch bis zu minus zehn Grad Celsius kälteresistent. Als Material verwendet FujiFilm hochwertiges Magnesium, dieses sorgt für ein solides "Anfassgefühl". Mit dem Handgriff auf der Vorderseite sowie durch das griffige Oberflächenmaterial lässt sich die Systemkamera sicher in der Hand halten.

Auf der Rückseite wurde das Tastenlayout überarbeitet, neu ist zudem der Joystick:

Die Gemeinsamkeiten der X-Pro2 und X-Pro1 sind vor allem auf der Vorder- sowie der Oberseite nicht zu übersehen. Auf der Rückseite hat sich bei der X-Pro2 dagegen einiges verändert. Das 3,0 Zoll große Display ist nun am linken Rand zu finden, im Gegensatz zur X-Pro1 finden sich daher keine Tasten mehr links davon. Teilweise wurden Tasten im Vergleich zur X-Pro1 neu positioniert, wobei man die X-Pro2 mit sechs frei konfigurierbaren Fn-Tasten einfach an seine eigenen Wünsche anpassen kann.

Sechs Tasten lassen sich bei der spiegellosen Systemkamera frei belegen:

Eine größere Bedeutung kommt bei der FujiFilm X-Pro2 dem Joystick zu. Dieser ist zwar recht klein und unscheinbar, im fotografischen Einsatz ist er allerdings Gold wert. Mit ihm lässt sich der Fokuspunkt blitzschnell und sehr komfortabel verschieben. Generell wissen bei der X-Pro2 die recht großen und zahlreich vorhandenen Tasten zu gefallen, die Belichtungskorrektur kann man mit dem Einstellrad auf der Oberseite schnell verändern.

Wer sich für dessen C-Position entscheidet, kann die Belichtung alternativ über das Einstellrad auf der Vorderseite anpassen. Dabei ist eine Korrektur um minus bis plus fünf Stufen möglich. Nicht optimal ist unserer Meinung nach das Einstellrad auf der Rückseite. Dieses ist doch etwas klein geraten. Der Druckpunkt, mit dem ein Bild in der Wiedergabensicht beispielsweise schnell vergrößert werden kann, liegt zudem tiefer im Gehäuse.

Über das Wählrad für die Belichtungszeit wird bei der X-Pro2 der ISO-Wert verändert:

Spätestens auf den zweiten Blick zu erkennen, ist die zweite größere Neuerung der Kamera. Die ISO-Wahl erfolgt bei der X-Pro2 nämlich mit dem Wählrad für die Belichtungszeit. Dieses besitzt daher eine besondere Konstruktion und eine kleine Anzeige. Zum Verändern des ISO-Wertes muss der Rand des Rades leicht nach oben gezogen werden, danach lässt sich der ISO-Wert durch ein Drehen in Drittelstufen von ISO Low (100) bis ISO High (25.600 oder 51.200 im Menü wählbar) einstellen. Derartige Konstruktionen kennt man von analogen Spiegelreflexkameras, weshalb diese Ausführung natürlich sehr gut zum Retrokonzept der FujiFilm X-Pro2 passt.

In der Praxis sehen wir die ISO-Wahl mit gemischten Gefühlen. Der ISO-Wert kann zwar recht schnell angepasst werden, dafür ist aber auch etwas Fingerfertigkeit nötig. Wer eine Anpassung nicht nur um eine oder zwei ISO-Stufen, sondern gleich um mehrere Stufen, vornehmen möchte, wird das in einem „Schwung“ nicht schaffen und muss nochmals ansetzen. Ebenso nicht optimal finden wir die Tatsache, dass die ISO-Anzeige – abhängig von der gewählten Belichtungszeit – auch auf dem Kopf stehen kann. Damit kann man zwar leben, wirklich praktisch ist dies jedoch nicht.

Der X-Trans CMOS III Sensor: Wer genau hinsieht, kann den Phasen-AF-Bereich erkennen:

Im Inneren setzt FujiFilm bei der X-Pro2 fast komplett auf neue Technik. Der von FujiFilm bekannte Farbfilter kommt natürlich wieder zum Einsatz, beim X-Trans-CMOS-Sensor handelt es sich nun jedoch um ein Modell der dritten Generation. Er kann dank Kupferleitern schneller ausgelesen werden und soll durch einen neuen Signalverstärker weniger Rauschen. 6.000 x 4.000 Pixel löst der Sensor auf, dies entspricht rund 50 Prozent mehr Bildpunkten als bei den bislang erhältlichen Modellen mit 16 Megapixel. Auf die Detailwiedergabe hat dies natürlich einen großen Einfluss. Die Bilder zeigen sehr viele Details, selbst starke Ausschnittsvergrößerungen lassen noch brauchbare Aufnahmen zu. Von der höheren Auflösung profitiert man also ohne Frage.

Das Bildrauschen hat FujiFilm unserer Meinung nach sehr gut unter Kontrolle, wobei eine abschließende Bewertung durch den Vorserienstatus der Kamera noch nicht möglich war. Die FujiFilm X-Pro2 erlaubt Sensorempfindlichkeiten von ISO 100 bis ISO 51.200, der native ISO-Bereich liegt zwischen ISO 200 und ISO 12.800. Bis ISO 1.600 lässt sich ein Bildrauschen bei unseren Beispielaufnahmen quasi nicht erkennen, bis ISO 6.400 sind die Störungen noch nicht allzu stark. Bei ISO 12.800 müssen erstmals größere Abstriche gemacht werden, wobei sich diese Sensorempfindlichkeit für kleinere Ausgabegrößen durchaus noch verwenden lässt. Für eine Kamera mit APS-C-Sensor ist dieses Ergebnis respektabel.

Der Autofokus kann bis zu 273 Messfelder zum Scharfstellen verwenden:

Eine andere Verbesserung des Sensors wirkt sich auf den Autofokus aus. Die FujiFilm X-Pro2 verwendet zum Scharfstellen neben der Kontrastmessung die Phasendetektion. Diese wird über spezielle Phasendetektionspixel realisiert. Auf 75 Prozent der Sensorfläche in der Höhe und 50 Prozent in der Breite lässt sich mit dem Phasen-AF arbeiten. Der Phasendetektions-AF kann somit – im Gegensatz zur FujiFilm X-T10 (Testbericht) oder der FujiFilm X-T1 (Testbericht) – nicht mehr nur in der absoluten Bildmitte verwendet werden, er steht auch etwas außerhalb davon zur Verfügung. Die Anzahl der Phasendetektionspunkte ist von 49 auf 169 deutlich angestiegen, zusammen mit den Kontrast-AF-Punkten sind bei der FujiFilm X-Pro2 also ganze 273 AF-Felder vorhanden. Für den praktischen Einsatz bedeutet dies, dass man flexibler arbeiten kann. Insgesamt gesehen konnte uns der Autofokus der spiegellosen Systemkamera sehr überzeugen. Er arbeitete bis auf wenige Ausnahmen (z. B. bei sehr wenig Licht) richtig flott, auch das Scharfstellen von bewegten Motiven war kein Problem. Das Angebot an Fokusoptionen ist groß, mit dem bereits erwähnten Joystick lässt sich das AF-Feld sehr schnell neu positionieren.

Bedient wird die X-Pro2 zum Teil wie eine analoge Spiegelreflexkamera:

Die Arbeitsgeschwindigkeit der FujiFilm X-Pro2 ist trotz der deutlich höheren Auflösung wirklich schnell, der neue „X Processor Pro“ Bildprozessor zeichnet unter anderem dafür verantwortlich. Er kann viermal so viele Daten wie ein EXR Prozessor der zweiten Generation verarbeiten, bis zu 480 Megapixel pro Sekunde sollen es laut FujiFilm sein. Die Bildrate der X-Pro2 ist mit acht Aufnahmen pro Sekunde hoch, der Pufferspeicher erlaubt laut Datenblatt 83 JPEG und 33 RAW (komprimiert) bzw. 27 RAW (unkomprimert) Aufnahmen in Folge mit höchster Geschwindigkeit. Fast genau diese Werte haben wir in unserem Serienbildtest auch erreicht. Längere Aufnahmeserien sind somit kein Problem.

Die FujiFilm X-Pro2 verfügt über zwei SD-Speicherkartenschächte:

Eine schnelle Speicherung ermöglicht bei der FujiFilm X-Pro2 die UHS-II Schnittstelle, wobei allerdings nur der erste Speicherkartenslot damit angebunden ist. Der zweite Slot, der unter anderem für Backups verwendet werden kann, arbeitet mit UHS-I-Geschwindigkeit. Dank der hohen Rechenleistung des neuen Bildprozessors ist die X-Pro2 theoretisch in der Lage, 4K-Videos mit bis zu 30 Vollbildern pro Sekunde zu speichern. Dieses Feature hebt sich FujiFilm allerdings für spätere Modelle auf. Ein Firmware-Update, welches der X-Pro2 eine 4K-Videofunktion nachrüsten könnte, sei laut FujiFilm aktuell aber nicht zu erwarten.

Die Bildqualität der Full-HD-Videos, die mit 24, 25, 30, 50 oder 60 Vollbildern pro Sekunde festgehalten werden können, fällt unserer Meinung nach besser als bei den bisher erhältlichen FujiFilm-Kameras aus. Die Detailwiedergabe ist sehr gut, Moire-Artefakte sind zwar vorhanden, aber nicht mehr ganz so auffällig. Auch diese Bewertung lässt sich durch den Vorserienstatus aber wieder nicht auf ein finales Modell übertragen.

Der Sucher liefert sowohl ein optisches als auch ein elektronisches Sucherbild:

Was die FujiFilm X-Pro2 von allen anderen Systemkameras abhebt, ist der Sucher. FujiFilm nennt diesen „Multi-Optisch-Hybrid“. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Sucher, der drei Anzeigemodi zu bieten hat. Zum einen kann man ein klassisches optisches Sucherbild nutzen, wie es von Messsucherkameras bekannt ist. Den Bildausschnitt des Objektivs zeigt dabei ein Leuchtrahmen an, der sich beim Zoomen mit einer kleinen Verzögerung verschiebt.

Bei Brennweiten bis etwa 50mm KB lässt sich mit dem rein optischen Sucher gut arbeiten, darüber hinaus wird die Bildkontrolle schwieriger. Dieses „Manko“ behebt FujiFilm zum Teil mit einem kleinen elektronischen Sucherbild, das in den optischen Sucher eingeblendet werden kann. Diese Lösung kennt man bereits von der FujiFilm X100T (dkamera Testbericht).

Auf der Vorderseite liegt der Wählhebel zum Wechseln des Suchermodus:

Wer mit einem komplett elektronischen Sucher arbeiten möchte, hat bei der FujiFilm X-Pro2 ebenfalls die Möglichkeit dazu. Der Wechsel zwischen den Suchermodi ist dabei besonders schnell per Wählhebel auf der Vorderseite möglich. Der elektronische Sucher stellt im „High-Performance-Modus“ das Bild mit sehr flüssigen 85 Bildern pro Sekunde dar. Die sehr gute „Rausch-Performance“ der Kamera kommt – wie immer bei elektronischen Suchern – auch dem Sucherbild zugute. Dieses zeigt auch in dunklen Umgebungen kaum Störpixel. Das Sucherbild ist mit einer Vergrößerung von 0,59-fach durchaus gut, aber bei weitem nicht so überragend wie bei der FujiFilm X-T1 (0,77-fache Vergrößerung). Durch die 2,36 Millionen Subpixel ist das Sucherbild hoch aufgelöst, auch die Schrifteinblendungen werden fein wiedergegeben. Wer eine Systemkamera mit einem optischen und elektronischen Sucher sein Eigen nennen möchte, kommt an der FujiFilm X-Pro2 aber letztendlich nicht vorbei. Diese Freiheit bietet kein anderes Modell.

Das optimierte Menü ist übersichtlicher als bei anderen FujiFilm-Kameras gestaltet:

Das 3,0 Zoll große Display der FujiFilm X-Pro2 ist mit 1,62 Millionen Subpixel sehr hoch aufgelöst, drehen oder schwenken kann man es jedoch leider nicht. Durch die großen Einblickwinkel ist immerhin ein relativ problemloses Betrachten von der Seite möglich. Punkten kann die Systemkamera mit ihrem neuen Menü, das deutlich aufgeräumter als bei den anderen Kameras von FujiFilm ausfällt. Dies liegt vor allem an der optimierten Sortierung, die sofort klar macht, wo welche Optionen zu finden sind. Über das „MyMenu“ lässt sich zudem ein eigenes Menü zusammenstellen. Zusammen mit dem Quickmenü und den vielen Tasten sowie Wählrädern bestehen daher sehr viele Einrichtungsmöglichkeiten.

Die FujiFilm X-Pro2 ist eine sehr gelungene spiegellose Systemkamera mit Retrokonzept:

Unser Fazit:
Die FujiFilm X-Pro2 verbindet ein klassisches Aussehen, eine klassische Bedienung und einen optischen Sucher mit moderner Technik. Wer das Beste aus beiden Welten in einer Kamera vereint haben möchte, kommt am neuen Flaggschiff von FujiFilm nicht vorbei. Sowohl die Bildkontrolle als auch die Bildqualität und die Arbeitsgeschwindigkeit überzeugen nahezu auf ganzer Linie. Die Bedienung ist prinzipiell komfortabel, das Vorgehen bei der ISO-Wahl und das rückseitige Einstellrad gefallen uns allerdings nicht bis ins letzte Detail. Der hinzugekommene Joystick ist dagegen ohne Einschränkungen als Gewinn bei der Bedienung zu werten.

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Kommentare

Was nützt die beste Kamera, ...

Was nützt die beste Kamera, wenn der Support und die Garantie-Abwicklung des Herstellers alles andere als zufriedenstellend ist? Ich hatte einen Garantie-Fall, der von Fuji erst über die Garantiezeit hinausgezögert und dann abgelehnt wurde. Das ist kein Kundenservice!

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