Vergleich: Nikon Z 9, Sony Alpha 1 und Canon EOS R3 (Teil 2)

Teil 2 von 3: Spiegellose Systemkameras der Profiklasse mit Vollformatsensor


v.l.n.r.: Nikon Z 9, Sony Alpha 1 und Canon EOS R3

Nachdem wir im ersten Teil unseres Vergleichstests der Nikon Z 9, der Sony Alpha 1 und der Canon EOS R3 die Kameragehäuse, die Bedienung und die Bildqualität verglichen haben, gehen wir jetzt auf das Objektivangebot, die Optionen bei der Bildkontrolle, die Arbeitsgeschwindigkeit und den Autofokus der spiegellosen Systemkameras mit Vollformatsensor ein.

Objektivangebot:
Das Objektivangebot ist gerade für ambitionierte Fotografen von großer Bedeutung. Diese möchten in jeder Situation das optimale Objektiv – oder zumindest ein sehr gut geeignetes Modell – nutzen können. Die meisten Objektive lassen sich aktuell (Stand: Juni 2022) für die Sony Alpha 1 mit dem E-Bajonett erwerben. Das liegt nicht nur an der längsten Tradition, sondern auch am offenen Standard. Das Z-Bajonett von Nikon und das RF-Bajonett von Canon gibt es noch nicht ganz so lange, das Angebot von Drittherstellern hält sich in Grenzen. Wer auf ein besonders großes Angebot von nativen Objektiven zurückgreifen können möchte, sollte daher zur Alpha 1 greifen.

Objektive gibt es für alle drei Kameras alle wichtigen Modelle, für die Alpha 1 jedoch am meisten:

v.l.n.r.: Nikon Z 9, Sony Alpha 1 und Canon EOS R3

Canon und Nikon arbeiten allerdings hart daran, ein großes und sehr ansprechendes Portfolio an Objektiven anbieten zu können. Dieses Ziel konnten sie zuletzt auch sehr gut erreichen, alle wirklich relevanten Objektiven lassen sich erwerben. Dazu gehören unter anderem F2,8-Zooms vom Ultraweitwinkel- bis Telebereich und lichtstarke Festbrennweiten mit Blende F1,2 oder F1,4. Die Stabilisierung der Objektive spielt dank der Sensor-Shift-Systeme keine Rolle, prinzipiell kann man daher alle Objektive ohne Einschränkungen einsetzen. Letztendlich vergeben wir den Punkt für das Objektivangebot trotzdem an Sony. Dank der diversen Hersteller können Foto- und Videografen hier aus dem Vollen schöpfen. Es sei jedoch auch gesagt: Bei keiner Kamera sind relevante Abstriche beim Objektivangebot hinzunehmen.

Unser Sieger beim Objektivangebot: Die Sony Alpha 1.

Bildkontrolle:
Die Bildkontrolle ist bei spiegellosen Systemkameras der Oberklasse grundsätzlich via elektronischem Sucher und mittels eines Displays möglich. Natürlich gilt dies auch für die drei Modelle in diesem Vergleich. Alle drei Hersteller nutzen im Sucher ein OLED-Panel, die Auflösungen und weiteren Daten weichen aber deutlich voneinander ab. Das Modell mit den meisten Pixeln und der höchsten Bildrate hat die Sony Alpha 1 zu bieten. Sie verfügt über ein OLED-Panel mit 9,44 Millionen Subpixel und einer Wiedergabe von bis zu 240 Bildern pro Sekunde. Die bestmögliche Sucherqualität steht bei 240 Bildern pro Sekunde allerdings nicht zur Verfügung, dafür muss man auf 120 Bilder pro Sekunde „zurückschalten“. Tragisch ist das im direkten Vergleich mit den anderen DSLMs jedoch nicht, diese schaffen grundsätzlich keine 240 Bilder pro Sekunde. Bei der EOS R3 kommt ein Panel mit 5,76 Millionen Subpixel und einer maximalen Bildfrequenz von 120 Bildern pro Sekunde zum Einsatz, Nikon nutzt bei der Z 9 ein 3,69 Millionen Subpixel auflösendes Panel mit 120 Bildern pro Sekunde (seit Firmware 2.0). Im direkten Vergleich gefällt uns das Sucherbild der Sony Alpha 1 am besten, dafür sorgt neben der höchsten Auflösung auch die 0,9-fache Vergrößerung. Das Einsehen der Bildecken fällt vor allem Brillenträgern hier aber schon sehr schwer.

Die Displays der Nikon Z 9 und der Sony Alpha 1 lassen sich nur schwenken:

Nikon Z 9 und Sony Alpha 1.

Der Sucher der Nikon Z 9 vergrößert 0,8-fach und fällt daher noch immer sehr groß aus, der Sucher der Canon EOS R3 ist mit der 0,76-fachen Vergrößerung am kleinsten. Die höhere Auflösung des Suchers der Alpha 1 sorgt für eine pixelfreie Darstellung, bei der Z 9 sind einzelne Bildpunkte noch zu erkennen. Wir hätten uns eine etwas höhere Auflösung gewünscht. Beim Sucher der EOS R3 sind praktisch keine Bildpunkte mehr zu erkennen.

Das Display der Canon EOS R3 kann man drehen und schwenken:

Canon EOS R3.

Beim Display wendet sich das Blatt. Hier liegt die Canon EOS R3 mit 4,13 Millionen Subpixel vor der Nikon Z 9 mit 2,1 Millionen Subpixel. Die Alpha 1 ist mit einem 1,44 Millionen Subpixel auflösenden Display ausgestattet. Ihr Panel besitzt als einziges zudem eine Diagonale von 3,0 Zoll, bei der Z 9 und EOS R3 misst das Display 3,2 Zoll. Das beste Display findet sich daher bei der EOS R3. Kaum schlechter und immer noch exzellent stufen wir das LCD der Z 9 nein. Das Display der Sony Alpha 1 ist ordentlich, es hätte – vor allem beim direkten Vergleich mit der Konkurrenz – aber zweifellos noch etwas mehr Pixel vertragen können. Bei der Displaykonstruktion hat unserer Meinung nach die EOS R3 am meisten zu bieten, ihr LCD kann man sowohl drehen als auch schwenken. Bei der Sony Alpha 1 lässt sich das Display nach oben und unten klappen, bei der Nikon Z 9 zusätzlich nach rechts. Die Person vor der Kamera kann sich nur bei der EOS R3 sehen. Ein Gleichstand ergibt sich beim Touchscreen: Dieses arbeitet bei allen drei Kameras präzise sowie schnell und funktioniert obendrein in allen Menüs.

Unsere Wertung bei der Bildkontrolle: Unentschieden.

Geschwindigkeit:
Die Arbeitsgeschwindigkeit spielt bei allen Digitalkameras eine Rolle, besonders wichtig ist sie aber bei den Profikameras in diesem Vergleich. Hohe Bildraten sind für den Aufnahme-Erfolg entscheidend, nur damit lässt sich der richtige Moment perfekt einfangen. Die Serienbildfunktionen unserer drei Modelle sind „State of the Art“. Die höchste Bildrate aller drei Kameras hat die Nikon Z 9 zu bieten. 120 Bilder pro Sekunde stellen den absoluten Spitzenwert dar, mit knapp elf Megapixel lässt sich dabei aber lediglich ein Viertel der Sensorauflösung nutzen. Mit voller Auflösung speichert die DSLM von Nikon maximal 30 Bilder pro Sekunde, für das RAW-Format müssen Fotografen auf 20 Bilder pro Sekunde „zurückschalten“. Die Canon EOS R3 und Sony Alpha 1 schaffen 30 Bilder pro Sekunde dagegen auch bei RAW-Dateien sowie natürlich mit der vollen Auflösung. Höhere Bildraten sind mit ihnen aber nicht möglich. Ob man nun 20 oder 30 Bilder pro Sekunde oder sogar noch höhere Bildraten sowie RAW-Dateien benötigt, hängt von den konkreten Aufnahmesituationen ab.

Dank des zusätzlichen DRAM-Caches der Sensoren sind sehr hohe Bildraten möglich:

v.l.n.r.: Nikon Z 9, Sony Alpha 1 und Canon EOS R3

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Länge der Bildserie. Hier kann sich die Canon EOS R3 deutlich von den beiden anderen Kameras absetzen. Mit 651 JPEG- und 647 cRAW-Bildern in Folge bietet sie richtig lange Aufnahmeserien, in der Praxis werden derart viele Bilder wohl kaum benötigt. Die Nikon Z 9 schafft 20 Bilder pro Sekunde im JPEG-Format ohne Grenze und 30 Bilder pro Sekunde für 200 Aufnahmen in Serie. Komprimierte RAW-Dateien, die wie erwähnt bis zu 20 Bilder pro Sekunde möglich sind, hält sie 245 am Stück fest, bevor die Bildrate absinkt. Bei der Sony Alpha 1 haben wir 156 JPEG-Fotos oder 155 komprimierte RAW-Fotos in Folge gemessen. Das ist weniger als bei der Konkurrenz, aber immer noch viel. Dies entspricht bei höchster Bildrate rund fünf Sekunden Dauerfeuer. Nach der schnellsten Bildserie schaffen alle drei Modelle rund 15 bis 20 Bilder pro Sekunde. Für die allermeisten Aufgaben reicht das vollkommen aus.

Die Einschaltzeit der drei DSLMs liegt mit 0,8 Sekunden (Nikon Z 9), 1,78 Sekunden (Sony Alpha 1) und 2,23 Sekunden (Canon EOS R3) recht weit auseinander, für die erste Bildaufnahme benötigen sie dagegen jeweils weniger als eine Sekunde. Bei der Nikon Z 9 haben wir 0,65 Sekunden gemessen, die Canon EOS R3 kommt auf 0,84 Sekunden und die Sony Alpha 1 auf 0,88 Sekunden. Dies sind top Werte.

Unsere Wertung bei der Geschwindigkeit: Unentschieden.

Autofokus:
Die Bildqualität moderner Kameras konnte in den letzten Jahren nicht mehr deutlich gesteigert werden, in puncto Auflösung und Rauschen ging es nur noch recht langsam nach oben. Auch fünf Jahre alte Kameras halten daher heute oftmals noch sehr gut mit neuen Modellen mit. Bei den Autofokussystemen hat sich deutlich mehr getan. Diese arbeiten nicht nur grundsätzlich schneller, sie erkennen auch wesentlich mehr Motive automatisch. Da es sich bei unseren drei Vergleichskameras um Flaggschiffe handelt, bringen sie die besten aktuell verfügbaren Autofokussysteme mit.
Nikon setzt auf einen Hybrid-AF (Phasendetektion und Kontrast-AF) mit 493 Fokusmessfeldern, 405 davon sind laut Nikon automatische Messfelder. Die Fokussierung ist fast auf der gesamten Sensorfläche möglich, lediglich am Rand muss man darauf verzichten.

Die Empfindlichkeit des AF-Systems gibt Nikon mit -6,5 EV im normalen Modus an, bei der sogenannten Sternenbildansicht sind es sogar -8,5 EV an. Sony setzt bei der Alpha 1 ebenfalls auf einen Hybrid-AF mit Phasendetektion und Kontrast-AF. Die 759 Phasendetektionspunkte der DSLM
Zentrum beschränkt. Die AF-Empfindlichkeit der Kamera wird mit -4 EV bei einer F2-Optik angegeben, umgerechnet auf F1,2 sind dies -5,5 EV. Canon setzt bei der EOS R3 auf den Dual Pixel CMOS AF II. Dieser arbeitet ab -7,5 EV (F1,2) und steht abhängig von den weiteren AF-Einstellungen auf 100 Prozent der horizontalen und 100 Prozent der vertikalen Sensorfläche (automatische Messfeldwahl) oder 100 Prozent der horizontalen und 90 Prozent der vertikalen Sensorfläche (manuelle Wahl) zur Verfügung. AF-Berechnungen erfolgen bei der Nikon Z 9 und Sony Alpha 1 bis zu 120 Mal pro Sekunde, bei der Canon EOS R3 bis zu 60 Mal pro Sekunde.

Ein Teil der Autofokus-Optionen der Nikon Z 9:

Nikon Z 9.

Ein Teil der Autofokus-Optionen der Sony Alpha 1:

Sony Alpha 1.

Ein Teil der Autofokus-Optionen der Canon EOS R3:

Canon EOS R3.

Das Angebot an AF-Optionen fällt bei allen drei Kameras extrem umfangreich aus. Dazu gehören diverse Messfeld-Optionen (automatische Wahl, Einzelfeld, Zonen-AF, …) und Empfindlichkeits-Einstellungen für die Verfolgung.

Diese befinden sich in eigenen AF-Menüs und können hierüber schnell verändert werden. Bei der EOS R3 kann man als Vorteil mehrere Einstellungen einem „Case“ zuordnen und zwischen unterschiedlichen „Cases“ schnell wechseln.

Die Canon EOS R3 erlaubt die Augensteuerung:

Canon EOS R3.

Der Fokuspunkt lässt sich dadurch per Auge verlagern:

Canon EOS R3.

Das AF-Messfeld kann man jeweils mittels Touchscreen und Joystick verschieben, die EOS R3 ist zudem mit einem Smartcontroller ausgestattet. Darüber hinaus bringt die Kamera von Canon noch ein weiteres Feature für die AF-Kontrolle mit: die Augensteuerung. Dabei handelt es sich um die Steuerung des Fokuspunkts mit dem Auge. Im Sucher integrierte Infrarot-LEDs messen die Pupillenbewegung und verschieben eine Kreismarkierung an die vom Auge betrachtete Stelle des Bildes. Danach lässt sich das AF-Messfeld durch Betätigen des Smartcontrollers oder des Auslösers an diese Stelle verschieben. In der Praxis dürften die meisten Fotografen wohl nicht auf diese Methode zurückgreifen, als ergänzende Optionen handelt es sich aber um eine interessante Alternative.

Die Motiverkennung (hier das Menü der Z 9) erleichtert bei allen drei DSLMs das Scharfstellen:

Nikon Z 9.

Die Kameras in diesem Test können Motive aber nicht nur durch Anwählen per Joystick (oder einer anderen Methode) verfolgen, sondern diese auch selbstständig erkennen. Mit der Sony Alpha 1 lassen sich Menschen, Tiere (Hunde und Katzen) und Vögel erkennen sowie verfolgen, die Nikon Z 9 und die Canon EOS R3 erkennen zudem Fahrzeuge. Wie mittlerweile bei vielen Kameras sind natürlich eine Gesichts- und Augenerkennung mit an Bord, das vereinfacht Porträtbilder.

Motive halten unsere drei Testmodelle (hier am Beispiel der Z 9) sehr gut bis perfekt im Fokus:
Nikon Z 9.

In unserem Praxistest schnitten alle drei Kameras beim Scharfstellen statischer und bewegte Motive hervorragend ab. Das beste Ergebnis erreicht die Canon EOS R3, sie fokussierte bei unserem „Läufer-Test“ 96 Prozent der Aufnahmen korrekt. Auf Platz 2 folgt die Sony Alpha 1 mit 92 Prozent korrekt fokussierter Fotos. Auf Platz 3 liegt die Nikon Z 9 mit 87 Prozent. Diese Auswertung entspricht auch unseren weiteren Erfahrungen.

Der Autofokus der EOS R3 stellt in nahezu jeder Situation perfekt (schnell und präzise) scharf, die Sony Alpha 1 liegt nur ein wenig zurück. Sobald das Motiv einmal gefunden ist, hält sie es praktisch immer im Fokus. Die Nikon Z 9 stellt ebenso sehr ansprechend scharf, hier lag das ein oder andere Bild einer Serie aber immer mal wieder leicht neben der perfekten Fokussierung. Bei der Alpha 1 waren Fehlfokussierungen dagegen – sofern überhaupt vorhanden – am Anfang einer Serie zu finden. Bei wenig Licht arbeitet unseren Tests zufolge die Canon EOS R3 am besten, darauf folgt die Sony Alpha 1.

Unser Sieger beim Autofokus: Die Canon EOS R3

Zu den Beispielaufnahmen des Testsiegers:

Im dritten Teil unseres Vergleichstest der Nikon Z 9, der Sony Alpha 1 und der Canon EOS R3 schauen wir uns neben speziellen Funktionen und Features unter anderem auch die Videoaufnahme an.

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Autor: dkamera.de Redaktion
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