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Praxisbericht zur Canon EOS M6 Mark II

Mit der EOS M6 Mark II (Datenblatt) bietet Canon eine spiegellose Systemkamera der Mittelklasse an. Angesichts eines aktuell (Stand: April 2020) fehlenden höherklassigen Modells des japanischen Herstellers, handelt sich momentan aber effektiv um das spiegellose APS-C-Flaggschiff.

Das liegt unter anderem am Bildwandler der Kamera, der ansonsten nur noch in der Canon EOS 90D (Testbericht) zu finden ist. Die Canon EOS M6 Mark II gehört mit Abmessungen von 12,0 x 7,0 x 4,9cm zu den kleinsten Systemkameras mit einem Sensor im APS-C-Format.

Der weggelassene Sucher erlaubt eine sehr kompakte Gehäusekonstruktion:

Das macht der Verzicht auf einen eingebauten Sucher möglich. Diesen lässt Canon bei den M6-Modellen bewusst weg, Aufstecksucher sind von ambitionierten Fotografen jedoch zu erwerben. Konkret handelt es sich um die Modelle „EVF-DC1“ und „EVF-DC2“. Dazu später mehr. Das Konzept einer individuell zu erweiternden Kamera spricht uns an, die DSLM lässt sich dadurch gut an unterschiedliche Aufnahmesituationen anpassen. Selbst wer stets einen Sucher nutzen möchte, kann dies effektiv ohne größere Nachteile.

Der Griff wurde recht tief und griffig gestaltet, ist aber doch sehr kurz:

Beim Gehäuse der spiegellosen Systemkamera setzt Canon äußerlich nur auf Kunststoff. Die Verarbeitung ist zwar zweifellos ordentlich, einige andere Hersteller nutzen in der Mitteklasse allerdings Metall. Das wirkt deutlich hochwertiger und sollte auch robuster ausfallen. Apropos robust: Auf Abdichtungen gegen Staub und Spitzwasser hat Canon bei der EOS M6 Mark II (Produktbilder) verzichtet, mehr als ein paar einzelnen Regentropfen sollten Fotografen ihre Kamera daher nicht aussetzen. Das finden wir doch etwas schade. Da bislang auch abgedichtete EF M-Objektive fehlen, bieten sich die spiegellosen APS-C-Kameras von Canon aktuell lediglich für „Schönwetter-Fotografen“ an.

Die Rückseite mit den Bedienelementen und der Ablagefläche für den Daumen:

Wegen der kompakten Gehäuse-Abmessungen muss man bei der EOS M6 Mark II natürlich auf einen großen Griff und viele Bedienelemente verzichten. Der Griff wurde zwar angenehm tief konstruiert und ist dank einer griffigen Gummierung gut festzuhalten, gerade bei größeren Händen fallen jedoch seine kurzen Abmessungen auf.

Der kleine Finger hängt daher stets in der Luft. Auf der Rückseite hat Canon dem Daumen ausreichend Platz gelassen, eine seitliche Stütze und eine griffigere Oberfläche gibt es ebenfalls.

Auf der Oberseite befinden sich vor allem Einstellräder:

Die Bedienelemente verteilen sich auf der Ober- und der Rückseite, für die wichtigsten Parameter gibt es Wählräder. Dies gilt unter anderem für die Blende, die Verschlusszeit und die Belichtungskorrektur. Der Schalter auf der Rückseite der DSLM erlaubt den schnellen Wechsel des Fokusmodus, unserer Ansicht nach wurde er jedoch zu flach und damit zu „fummelig“ konstruiert. Die anderen Tasten liegen recht nah zusammen, Probleme hatten wir beim Bedienen allerdings nicht.

Bei den meisten Tasten kann der User die Funktion vorgeben:

Insgesamt sind bei der Canon EOS M6 Mark II (Technik) elf Tasten frei konfigurierbar, die Kamera lässt sich also optimal an die eigenen Wünsche anpassen. Amateure wie ambitionierte Fotografen kommen mit der DSLM sehr gut zurecht. Nur wer sehr viele Parameter schnell einstellen möchte, wird die ein oder andere Direktwahltaste vermissen.

Das Hauptmenü der Canon EOS M6 Mark II:

Das My Menu bestimmen Kamerabesitzer nach ihren Wünschen:

Das Quickmenü gestattet den Zugriff auf die wichtigsten Aufnahmeoptionen:

Damit wichtige Optionen trotzdem schnell zu erreichen sind, stehen wie üblich bei Kameras von Canon ein Quickmenü und ein My Menu zur Verfügung. Das Quickmenü rufen Nutzer über die Q-Taste auf, das My Menu über den letzten Reiter im Hauptmenü. Da sich das My Menu vom Kamerabesitzer frei zusammenstellen lässt, erlaubt es den schnellen Zugriff auf sonst nur nach etwas längerer Suche erreichbare Optionen.

Das Design der Menüs ist von vielen anderen Kameras des japanischen Herstellers bekannt. Dies macht es Canon-Besitzern leicht, sich zurechtzufinden. Neulinge müssen sich natürlich erst einarbeiten, wegen der zahlreichen Optionen kann das schon eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Mit dem bereits erwähnten My Menu steht allerdings ein sehr gutes Hilfsmittel zur Verfügung.

Zu den Automatiken gehört bei der DSLM auch ein Hybrid-Auto-Modus:

Zum Angebot an Fotoprogrammen gehören bei der Canon EOS M6 Mark II (Bildqualität) die PSAM-Modi und verschiedene Automatiken. Letztere finden sich in Form von diversen Szenenprogrammen („Porträt“, „HDR Gegenlicht“, „Glatte Haut“, …) und von zwei Automatiken. Im Modus „Automatische Motiverkennung“ wählt die Kamera automatisch die optimalen Parameter, beim Einsatz des „Hybrid Auto“-Modus zeichnet die DSLM zusätzlich zu jedem Bild ein kurzes Video auf. Daraus lässt sich eine Art Filmtagebuch erstellen. Zudem stehen der Modus „Flexible Automatik“ und zwei Custom-Programme zur Verfügung. Die Flexible Automatik erlaubt das schnelle Verändern der wichtigsten Belichtungsparameter, ohne den Modus wechseln zu müssen. Foto-Neulingen bietet dieser Modus aus unserer Sicht einen Mehrwert, ambitionierte Fotografen fahren dagegen mit den klassischen PSAM-Modi besser. Die Custom-Programme ermöglichen wie üblich das schnelle Aufrufen vorher abgespeicherter Einstellungen, Speicherplätze besitzt die EOS M6 Mark II zwei. Freunde kreativer Bildergebnisse finden bei der Kamera zusätzlich zehn Filtereffekte. Dabei handelt es sich unter anderem um mehrere Programme zum Erstellen von HDRs sowie einen Weichzeichner und einen Schwarz-Weiß-Effekt mit zusätzlicher Körnung.

Zu den "Special Features" der Kamera gehört das Fokus-Bracketing:

Abseits der klassischen Fotoprogramme hat die DSLM noch weitere Aufnahme-Optionen zu bieten. So lassen sich Belichtungs- und Fokusreihen aufnehmen und Bilder per Intervallfunktion in gleichen Zeiträumen automatisch speichern.

Die AF-Messfeld-Optionen in der Übersicht:

Das Autofokussystem der Canon EOS M6 Mark II (Geschwindigkeit) arbeitet wie bei allen DSLMs von Canon mit dem Dual Pixel CMOS-AF. Dazu wurde jeder Pixel des Sensors in zwei Fotodioden unterteilt, beide zusammen erlauben die Phasendetektion. Scharfstellen lässt sich mit dieser Technik ab einer Helligkeit von -5LW auf nahezu der gesamten Sensorfläche. Ganz genau sind es 88 Prozent in der Breite und 100 Prozent in der Höhe. Die Anzahl der unterschiedlichen AF-Positionen gibt Canon mit 5.481 an, insgesamt besteht der Bildbereich aus 143 Messfeldern. Bei den AF-Messfeld-Optionen stehen ein Spot-AF für kleine Motive, ein Einzelfeld-AF für etwas größere und ein Zonen-AF für sehr große Motive zur Wahl. Zudem unterstützt die Kamera die automatische Messfeldwahl und die Gesichts-/Augenerkennung. Bei Porträts macht die Kamera dadurch eine sehr gute Figur, Augen und Gesichtern stellt sie treffsicher scharf.

Bei bewegten Motiven ergibt sich ein gemischtes Bild. Sofern sich das Motiv nicht allzu schnell bewegt, wird dieses treffsicher im Fokus gehalten. Bei sehr schnellen Motiven kommt das Fokussystem dagegen nicht mit. Hier schneiden andere spiegellose Systemkameras deutlich besser ab. Ob sich die EOS M6 Mark II mangels nativer Objektive mit langen Brennweiten und großen Blenden für Sport- und Actionfotografen eignet, darf aber durchaus grundsätzlich infrage gestellt werden. Natürlich lässt sich die Kamera dank Adapter mit einem passenden EF-Objektiv kombinieren, die kompakten Abmessungen bleiben dabei aber auf der Strecke. Zudem fällt das Handling wegen des kleinen Griffs alles andere als optimal aus. Manuell scharfstellen können Fotografen dank Fokuslupe und Peaking sehr angenehm, mit der AF+MF-Option lässt sich der manuelle Fokus ohne Fokusmodus-Wechsel ausführen.

Der Verschlusstyp lässt sich unabhängig vom gewählten Aufnahmemodus bestimmen:

Die Steuerung der Belichtungszeit übernimmt bei der DSLM wahlweise ein elektronischer oder mechanischer Verschluss. Der elektronische Verschluss arbeitet zwischen 30 Sekunden und 1/16.000 Sekunde, mit dem mechanischen Schlitzverschluss sind 30 Sekunden bis 1/4.000 Sekunde wählbar. Mit dem Bulbmodus der Kamera sind außerdem längere Belichtungszeiten möglich, per Langzeitbulb-Timer-Option lässt sich dabei sogar die konkrete Verschlusszeit wählen. Sehr positiv: Im Gegensatz zu einigen anderen Kameras von Canon funktioniert der elektronische Verschluss der EOS M6 Mark II in allen Modi.

Entscheiden sollten sich Fotografen für den elektronischen Verschluss, wenn das absolut lautlose Fotografieren angesagt ist. Zudem bietet sich der Einsatz zum Schonen des mechanischen Schlitzverschlusses, beispielsweis bei Intervallaufnahmen, an. Nicht oder wenig eignet sich die elektronische Lösung dagegen für die Aufnahme von bewegten Motiven und Fotos bei Kunstlicht. In beiden Fällen können Verzerrungen bzw. Banding-Artefakte auftreten.

Mit dem variabel einsetzbaren Display ist man in vielen Situationen gut aufgestellt:

Bei der Bildkontrolle sind Besitzer der Canon EOS M6 Mark II (Technik) ohne weiteres Zubehör auf das Display festgelegt. Hier setzt Canon auf ein 3,0 Zoll messendes Panel mit 1,04 Millionen Subpixel. Dies entspricht dem in der Mitteklasse vorherrschenden Standard. Details gibt das Panel gut wieder, durch große Einblickwinkel werden die Farben aus allen Blickwinkeln optimal wiedergegeben. Durch die schwenkbare Konstruktion können Foto- und Videografen das Bild sowohl in Bodennähe als auch vor der Kamera einsehen. Letzteres gilt natürlich nur für den Fall, dass kein Sucher aufgesteckt ist. Dieser wird über den Zubehörschuh montiert und verhindert das Schwenken des Displays in die 180-Grad-Stellung. Das ist zweifellos nicht optimal, stellt dank abnehmbarem Sucher jedoch effektiv kein Problem dar. Eine dreh- und schwenkbare Displaykonstruktion wäre aus unserer Sicht trotzdem vorteilhaft gewesen. Keine Abstriche müssen Nutzer bei der Touchoberfläche machen. Wie von Canon gewohnt erkennt diese Eingaben sehr gut und steht auch in allen Menüs zur Verfügung. Die Umsetzung ist also vorbildlich.

Videoaufnahmen erlaubt die Canon EOS M6 Mark II (Beispielvideos) als erste DSLM von Canon in 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel) ohne Crop. Das bedeutet: Der Bildwinkel der Fotos (im 16:9 Format) entspricht dem Bildwinkel der Videos. Dies macht Aufnahmen aus unserer Sicht deutlich besser als mit deutlichem Crop-Effekt möglich. 4K-Videos nimmt die DSLM mit einer sehr guten Qualität auf, ganz so detailreiche Dateien wie andere Kameras in ihrer Klasse speichert sie allerdings nicht. Als Bildraten stehen in 4K-Auflösung 24, 25 und 30 Vollbilder pro Sekunde zur Wahl. 24 Vollbilder pro Sekunde gibt es jedoch erst seit dem Firmware-Update 1.1.0. In Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel) erreicht die Kamera eine gute bis sehr gute Aufnahmequalität, ohne weitere Einschränkungen sind 24, 25, 30, 50 und 60 Vollbilder pro Sekunde wählbar. Zudem hat Canon einen Modus für Zeitlupen integriert. Dieser nennt sich „Hohe Bildrate“ und liefert je nach Einstellung Aufnahmen mit 100 oder 120 Vollbildern pro Sekunde. Die Belichtung und Fokussierung sind bei Videos manuell anpassbar, eine Automatik gibt es ebenso. Dank des Dual Pixel CMOS-AF steht ein treffsicherer Autofokus zur Verfügung.

Die im NTSC-Betrieb zur Verfügung stehenden Bildraten und Auflösungen:

Zu den weiteren Videofeatures der DSLM gehören unter anderem ein digitaler Bildstabilisator (zwei Stufen „normal und erweitert“), die von Fotos bekannten Filtereffekte und die HDR-Aufnahme. Letztere beiden Features lassen sich allerdings nur bis in Full-HD-Auflösung aktivieren, Ersterer sorgt  für einen Crop. Für den Ton wurde bei der Canon EOS M6 Mark II ein Stereomikrofon verbaut, per 3,5mm Klinkeneingang sind externe Mikrofone anschließbar.

Den Ton pegeln Videografen bei Bedarf in feinen Stufen, die Tonkontrolle ist mangels Kopfhörerausgang nicht direkt möglich. Das Videopaket der DSLM fällt also sehr ordentlich aus. Eine Sache sagt uns allerdings gar nicht zu: 4K-Videos lassen sich allein im Videomodus aufnehmen, in den Foto-Modi zeichnen Videografen durch das Bestätigen der Record-Taste maximal Full-HD-Videos auf. Diese Einschränkung ist ein echtes Ärgernis!

Ein Praxisbericht von:

Thomas Kniess

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Kommentare

Hallo, unter den Contra-Punkten ist ...

Hallo,

unter den Contra-Punkten ist folgende Information zu lesen: 4K-Videos lassen sich nur im Videomodus aufnehmen. Was genau ist damit gemeint? Dass man 4k Videos nur im Videomodus und nicht in anderen Modi aufnehmen kann, sollte doch selbstverständlich sein, oder?

Vielen Dank und viele Grüße

Jens Pohlhaus

Hallo, hier verweise ich auf ...

Hallo,
hier verweise ich auf unseren Text im Praxisteil: "Eine Sache sagt uns allerdings gar nicht zu: 4K-Videos lassen sich allein im Videomodus aufnehmen, in den Foto-Modi zeichnen Videografen durch das Bestätigen der Record-Taste maximal Full-HD-Videos auf."

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