Spiegellose Systemkameras und Kompaktkameras mit großen Sensoren erobern den Markt
In unseren ersten beiden Artikeln zum 15-jährigen dkamera.de-Jubiläum hatten wir uns mit den Jahren von 2006 bis 2011 beschäftigt. Nun gehen wir auf die Jahre 2012 bis 2014 ein. In diesem Zeitraum brachten die Kamerahersteller zahlreiche neue Modelle auf den Markt und setzten viele Trends.
Ein Trend davon war der zu größeren Sensoren. Vor 2012 waren Sensoren mit großen Abmessungen vor allem in Kameras mit großen Gehäusen zu finden. Daran hatte sich über viele Jahre nichts geändert, Ausnahmen gab es nur wenige.
Das änderte sich bereits zu Beginn des Jahres als Canon mit der PowerShot G1 X (Testbericht)
eine Kompaktkamera mit einem riesigen Sensor ankündigte. Es handelte sich um einen 18,7 x 14,0mm messenden Chip mit 14 Megapixel, dessen Größe lag leicht oberhalb eines Bildwandlers im MFT-Format. Zur weiteren Ausstattung gehörten unter anderem ein 28 bis 112mm-Zoom (KB) und ein heute bei Kompaktkameras kaum mehr anzutreffender optischer Sucher.
Während die G1X mit Abmessungen von 11,7 x 8,1 x 6,5cm nicht mehr zu den Hosentaschen-tauglichen Modellen gehörte, sah das bei der im Frühsommer vorgestellten Sony Cyber-shot DSC-RX100 (Testbericht)
anders aus. Deren 10,2 x 5,8 x 3,6cm messendes Gehäuse beherbergte einen für damalige Verhältnisse großen Bildwandler. Er gehörte zur 1,0 Zoll-Klasse und besaß Abmessungen von 17,3 x 3,0mm. Die RX100 ist sogar 2021 noch erhältlich und stellte den Beginn einer langen Erfolgsgeschichte dar. Mittlerweile bietet Sony sieben unterschiedliche RX100-Modelle an, im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Verbesserungen vorgenommen. Die RX100 der ersten Generation ist aber auch viele Jahre später noch immer eine gute Kamera.
Einen noch größeren Sensor als die erwähnten Kameras Canon PowerShot G1X und Sony Cyber-shot DSC-RX100 besaß die Sony Cyber-shot DSC-RX1 (Testbericht)
. Die im Herbst 2012 vorgestellte Kompaktkamera nutzte einen Vollformatsensor mit 24 Megapixel zur Bildaufnahme. Natürlich ließ sich auch dieses Kameramodell nicht in einer Hosentasche unterbringen, das war schon allein wegen des lichtstarken Zeiss-Objektivs (Sonnar T* 35mm F2) nicht möglich. Wer wollte, konnte die RX1 mit einem Sucher ergänzen.
2012 war aber nicht nur das Jahr der Kompaktkameras mit großen Sensoren, auch die spiegellose Welt bekam großen Zuwachs. Noch im Januar präsentierte FujiFilm mit der X-Pro1 die erste Systemkamera mit dem X-Bajonett. Dieses Kameramodell konnte sich von der Masse mit einem Hybridsucher absetzen. Je nach Wunsch war es möglich, zwischen einem optischem und einem elektronischen Sucherbild zu wechseln. Des Weiteren startete die DSLM den Retro-Trend, der bis heute anhält.
Apropos spiegellos: Bei seiner ersten spiegellosen Systemkamera mit APS-C-Sensor wählte Pentax einen ungewöhnlichen Ansatz: Die K-01 besaß keinen Spiegel, jedoch trotzdem das K-Bajonett. Dadurch ließen sich DSLR-Objektive ohne Adapter nutzen, Platz konnte man wegen des identischen Auflagemaßes aber keinen einsparen. Erfolg hatte dieser Ansatz daher keinen.
Im Herbst des Jahres brachte endlich auch Canon seine erste spiegellose Systemkamera auf den Markt. Die Canon EOS M (Testbericht)
brachte das neue EF-M-Bajonett mit, per Adapter ließen sich jedoch auch fast alle EF- und EF-S-Objektive anschließen. Bei der ersten EOS M setzte Canon vor allem auf ein kompaktes Gehäuse und verzichtete auf einen Sucher sowie viele Bedienelemente. Dafür gab es ein Touchdisplay. Als Zielgruppe konnten angesichts dieser Daten und des verwendeten APS-C-Sensors Umsteiger von einer DSLR angesehen werden, Semi-Profis wurden dagegen nicht angesprochen.
Bereits ein paar Monate früher konnten sich die Freunde der Spiegelreflextechnik freuen. Hier erschien mit der Canon EOS 6D (Testbericht)
eine Vollformat-DSLR für schmalere Geldbeutel. Die hier verbaute Technik entsprach mit einer mäßig schnellen Serienbildfunktion (4,5 Bilder pro Sekunde) und einem Autofokus mit nur elf Messfeldern (davon ein Kreuzsensor) zwar eher einer Einsteiger-APS-C-Kamera, der verbaute Vollformat-Chip mit 20 Megapixel erlaubte jedoch rauscharme Bildergebnisse auch bei hohen ISO-Werten. Der aufgerufene Preis von lediglich 1.999 Euro (UVP) machte die Kamera für Landschafts- oder Peoplefotografen interessant.
Den gleichen Ansatz wählte auch Nikon, ein paar Wochen vor der EOS 6D erschien mit der Nikon D600 (Testbericht)
ebenfalls ein preiswertes Einsteigermodell mit Vollformat-Chip. Ganz so viele Abstriche wie bei der EOS 6D mussten Besitzer der D600 allerdings nicht machen.
Das Jahr 2013 begann unter anderem mit der Nikon Coolpix A (Testbericht). Damit sprang Nikon auf den Trend der Kompaktkameras mit großen Sensoren auf, bei dem nur 297g schweren Modell kam ein APS-C-Chip mit 16 Megapixel zum Einsatz. Das nur 11,1 x 6,4 x 4,0cm große Gehäuse machte jedoch den Verzicht auf ein Zoomobjektiv notwendig, stattdessen kam eine 28mm-Festbrennweite (KB) mit Blende F2,8 zum Einsatz. Einen integrierten Sucher gab es ebenfalls nicht, dafür ein optisches Modell zum Aufstecken.
Im Sommer 2013 wurde mit dem Samsung Galaxy S4 Zoom
ein Zwitter aus Kamera und Smartphone vorgestellt. Die Kamera-Hardware umfasste einen 16 Megapixel auflösenden 1/2,3-Zoll-Sensor und ein optisches 10-fach-Zoom mit 24 bis 240mm KB-Brennweite, für den Smartphone-Einsatz waren das 6,3 Zoll große Touchscreen-Display und das installierte Android-Betriebssystem (4.2.2 Jelly Bean) wichtig.
Wer mit seiner Kamera einen besonders großen Brennweitenbereich abdecken wollte, konnte ab September 2013 zur Panasonic Lumix DMC-FZ72 greifen. Das 60-fach optische Zoom war in der Lage, nahe wie weit entfernte Motive passend einzufangen (20mm bis 1.200mm KB). Wie viele Bridgekameras war die FZ72 auch mit einigen Bedienelementen sowie einem elektronischen Sucher ausgestattet.
Die zweite Jahreshälfte brachte gleich einige neue Modelle mit. So erschien das erste MFT-Flaggschiff von Olympus namens OM-D E-M1 (Testbericht)
. Die Kamera besaß als erste Flaggschiff-DSLM des Unternehmens einen 16 Megapixel auflösenden Chip mit zusätzlichen Fokuspunkten zur Phasendetektion, damit wurde sie für den Einsatz adaptierter FT-Objektive optimiert. Im Oktober sorgte noch eine weitere MFT-DSLM für Erstaunen: die Panasonic Lumix DMC-GM1 (Testbericht
). Diese fiel mit Abmessungen von 9,9 x 5,5, x 3,0cm nicht größer als eine Kompaktkamera aus und wog auch nur 200g.
Nicht ganz so klein und kompakt war die Nikon 1 AW1 (Testbericht)
. Dafür waren jedoch auch spezielle Abdichtungen verantwortlich. Als erste DSLM überhaupt konnte die 1 AW 1 ohne zusätzliches Schutzgehäuse unter Wasser verwendet werden. Neben der Kamera wurden zudem zwei wasserdichte Objektive vorgestellt. Die Aufnahmehardware entsprach den bekannten Nikon-1-Modellen, auf einen Sucher musste man verzichten.
Für den meisten Wirbel in der Fotobranche sorgten 2013 jedoch zweifellos die Alpha-7-Modelle. Die Sony Alpha 7 (Testbericht)
und Sony Alpha 7R (Testbericht)
stehen heute für den Durchbruch der spiegellosen Technik und markierten den Beginn des beispiellosen Aufstiegs von Sony. Das zunächst von vielen Fotografen eher belächelte Unternehmen ist seit geraumer Zeit Technologie-Leader und hat die alteingesessenen Unternehmen in den letzten Jahren arg in Bedrängnis gebracht.
Kaum mehr erinnern dürften sich die meisten dagegen an die ebenfalls 2013 vorgestellten Kameramodule Sony Cyber-shot DSC-QX10 (Testbericht)
und Sony Cyber-shot DSC-QX100 (Testbericht)
. Diese verzichteten auf Displays oder Sucher und wurden per WLAN mittels Smartphones gesteuert. Durchsetzen konnte sich die Technik nie. Bis heute erhältlich und immer noch technisch aktuell sind dagegen die Modelle der 2013 gestarteten Cyber-shot DSC RX10-Serie von Sony. Dabei handelt es sich um Bridgekameras mit 1,0-Zoll-Sensoren und einer langen Featureliste.
Das Jahr 2014 begann unter anderem mit der Vorstellung der FujiFilm X-T1 (Testbericht)
. Während die bisherigen Modelle des Unternehmens für Fotografen optimiert waren und Videos wenig Bedeutung beigemessen wurde, standen bei der X-T1 die Multimedia-Fähigkeiten im Vordergrund.
Die stark ansteigende Bedeutung der Videofunktion signalisierte auch die Panasonic Lumix DMC-GH4 (Testbericht)
. Diese führte die 4K-Videoaufnahme bei Fotokameras ein und brachte auch eine Reihe von Profi-Features mit. Dazu gehörten das Vorhandensein mehrerer Schnittstellen und die Möglichkeit der Aufnahme mit flachen Bildprofilen.
Eine Kamera, die 2014 allen Modellen den Rang ablief, war die Samsung NX1 (Testbericht)
. Das DSLM-Flaggschiff brachte so viele neue Features wie kaum ein anderes Modell mit. Als Beispiele waren hier der APS-C-Chip mit besonders hoher Auflösung (28 Megapixel), die sehr hohe Serienbildgeschwindigkeit (15 Bilder pro Sekunde) und die Videoaufnahme zu nennen. Als erste Fotokamera konnte die NX1 zudem Videos in 4K-Auflösung ohne Crop festhalten.
Im vierten Teil unserer Artikel-Serie gehen wir auf die Jahre 2015 bis 2017 ein.
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